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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-12-07 · 19 (7.12.1860) · p. Seite 147

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
19 (7.12.1860)
Date
1860-12-07
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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»» 147 m<— nachher wiederholt, darauf, daß für Heranbildung der Jugend zu nützlichen Gewerben, zu Handwerk und Ackerbau, Ernstes und Kräftiges geschehen müffe. — Zu beiden Zwecken erstaiiden bekanntlich kurz darauf Vereine; i»! Jahre 1843 jener zur Verbreitung der Handwerke, ein Jahr darauf der zur Verbreitung der Kennntiß d. ung. Sprache unter den JSraeliten; an der Gründung und Bildung beider nahm S. thätigsten Theil, unter seiner Leitung und Mitwirkung wurden beider Statuten auSgearbcitet und oft ergriff er das Wort, um das Gedeihen beider seinen Hörern an'S Her; zu legen. — Die Hoffnungen, welche die ung. Israeliten seit jenem denkwürdigen Landtage nährten, wurden in den darauf gefolgten Legislaturperioden nicht erfüllt. Mächtig erhob ge^eu die Wünsche und Forderungen der Juven die Reaction ihr Haupt, welche zwar schon gleichzeitig mit den, fteisinnigen Aufschwung sich bemerkbar zu machen angefangen, aber zumeist in der später entstandenen und durch, ihren Judenhaß zur Berühmtheit gelangten ״Pester Zeitg." genährt Worten, und auch in manchem sich liberal nennenden un» garischen Journale treuen Widerhall gefunken. — Eine der heftigsten und gehäffigsteu Kundgebungen dieser reaktionären Stimmung war der von Gasparich X. im Csarnok (Beilage zu ״Sürgöny") veröffentlichte Angriff auf Juden und Judenthum, auf den Eharaktcr d. jüd. Lehre und ihrer Bekenner. — Diesem trat Schwab in einer von Bloch (Prof. Ballagi) inS. Ungarische bearbeiteten und mit Vorwort und Anmerkungen versehenen Broschüre entgegen. (A’ Zsidök. Fölvilägositö ertekezes Ua6parkh Kilit iirtöl... közliitt hasonnevu czikk visszaigazitasüul. Irta Sch wab ... magyariil küzlcitte es elöszoval 8 jegyzetekkel böviteite Bloch ÄI. Budän 1840.) — Aehnliche Angriffe sind selbst unseren jüngsten Lesern nichts Unbekanntes; wir enthalten uns' daruur auch einzelner Anführungen aus der Vertheidigungssckrist. Wir beschränken uns bloS auf die Bemerkung, daß dieselbe _ mit vieler Kraft und Wärme und zugleich mit eckit priesterlichcr Würde und Milde geschrieben, und darin die Halt- und Grundlosigkeit der gegnerischen Behauptungen mit Schärfe und Gründlichkeit und durch treffende Belegstellen sowohl aus rabbinischen Schriften als auch aus Werken christlicher Gelehrten nachgewiesen ist; und daß auch der Herr Uibersetzer eine recht interesfante Zusammenstellung von, den Kernsprüchen des Evangeliums ganz analogen Sätzen der Rabbinen dem Leser vorlegt.- Außer dieser mehr auf theologischem Boden sick bewegenden polemischen Schrift, lieferte S. noch verschiedene zerstreute Aufsätze zur Abwehr und Vertheidigung, welche im ״Budapest! Hiradö" veröffentlicht wurden. — (Fortsetzung folgt.) ■׳*sev Die Bedeutung des Weibes im modernen Milcht« /amilienlrbrn von Heinrich 'Reis. ״TaS Heil der Wohnstube ist es, was dem Bolle allein zu Helsen vermag, und da« erste, deffen Besorgung für dasselbe Noth thut. Bon ihr allein geht die Wahrheit, die Kraft und v der Segen der BolkSkultur aus." Pestalozzi, Rede am 72. ÄebilriSlage. Wenn wir auf das unermeßliche Gebiet der Vergangenheit, auf die unabsehbare Grabstätte der Zeit zurückolicken und zu den koloffalen Ruinen vergangener Jahrtausende hintreten, um in ihnen die einstige Pracht und den jetzigen Verfall anzustaunen, wenn wir dann von Verwunderung gedrängt, unter dem Schutte derselben nach der Ursache dieser grauenhaften Verkommenheit forschen: da werden wir im Erdgeschosse deS einstmaligen stolzen gen Himmel ragenden Baues, in der Wohnstube, vermorschtes Gemäuer, weil klaffende Riffe entdecken,'welche es uns zur Genüge begreiflich machen, daß der mächtige Oberbau auf solch' schwankender Grundlage sich nicht länger halten konnte und die hochragenden Zinnen demnach nothgedrungen zu Boden stürzen mußte». Und fragen wir uns, wer hat diese gewaltigen Wöl- Hungen Jahrhunderte gestützt und zusammengehalten, wer hat sie aber auch wankend gemacht und in den Staub geworfen, so können wir nicht umhin in dieser zerbröckelnden und zerklüftenden Vernichtung die verderbliche Macht deS von unreinen Leidenschaften corrunipirten Familienleben« zu erkennen > und die Frauen, so stark in ihrer Reinheit, so schwach in chrer Verderbtheit als Trägerinnen desselben verantwortlich zu machen. J Denn in deni engen Kreise deS Familienlebens, an mn bescheidenen ' häuslichen Herde, wo die Frau in ihrer Eigenschaft als Gattin und Mutter das heilige Pricsteramt der Liebe versieht, dort ist der EentralisationS- Punkt deS menschlichen Lebens zu suchen, dort liegt der Stammnerv, von dem sich alle Nebenäste über den ganzen gesellschaftlichen OrganiSniuS verbreite», und somit den gesunden oder kranken^ Zustand desselben bedingen. Spartas todesüiuthige Söhne, die sich mit ihren eigenen Leibern in dem Engpässe von Thermcpylae ein für alle Zeiten unverwüstliches Denkmal treuer Vaterlandsliebe errichteten, zeugen beute noch von der mächtigen Triebkraft mütterlichen Einflusses. Nur eine Cornelia konnte Söhne zu Märtyrern des VolkSthumS erziehen; nur der Mahnruf einer Mutter konnte den heftigen Coriolan mitten in seinem siegreichen Rächcrznge aufhalten, obgleich j ihm ein schmählicher Tot tränend entgegcngrinste. Nur ein glaubensstarkes mütterliches Her; konnte sieben' hoffnungsvolle Söhne bewegen, sich auf dem Altäre des Glaubens der sinulesen Wutb deS syrischen Tyrannen zu opfern. Und wenn wir die Geschichte aller Zeiten durchblättern, so sinken wir überall, wie die Schicksale der Einzelnen sowohl, wie auch ganzer Bölker immer nur norhwcudige Folge» des Familienlebens gewesen, und die Frauen wiederum den maßgebenden Einfluß geübt haben, von dein jene unmittelbar bedingt waren. Wo die Frauen daS mild strahlende, wohlthätig einwirkende Licht wahrhaft weiblicher Tugend und Einfachheit um sich verbreiteten, da ging auch ker Same des Guten und Edlen in der Familie, mithin auch in der Gesannutheit auf; wo sie am Familienherde die reine, gottgeweihte Glut wahrer Frönnnigkeit und Religiosität hegten, da entflammten sich auch die Gemüther ihrer Umgebung für das Erhabene; wo sic aber Ucppigkeit und Laster zuni Wahrsprucke ihres HauseS niachten, da lastete der Fluch des Verderbens auf ihre.Saat. An der Stätte, wo die unreinen Flammen der Sinncnlust und Gottlosigkeit loderten, entzündete sich jener verzehrende Brand, der Familien und Staaten in Schutt und Asche vcrwandelte, und die dann der Hauch der Zeiten spurlos verwehte. Wenn wir mzu die Resultate der Geschichte einer gehörigen Beachtung würdigen, so wird es uns auch demnach leicht erklärlich sein, wie die jüdische Nation, die quantitativ im Verhältnisse zu andern kaum in Betracht gezogen werden kann, in grauer Vorzeit wurzelnd und bis in die Jetztzeit herüberragend, nicht nur in nngcstörter, sondern sogar in stets gesteigerter Kraftentwicklung sich erhallen kannte. Wohl konnten die Stürnie der, Zeit sie beugen, fanatischer Haß, finstere Borurtheile konnten ihr wohl tiefe, schwer vernarbende Wunde» beibringen, aber das Lebensmark derselben, daS Familienleben blieb Jahrtausende hindurch unverletzt und lebenskräftig; und immer von neuem trieb der alte Stau»» neue, kräftige Sprosse», duftige, Frucht verheißende Blüten. Welch' günstige Verhältnisse waren es aber, die den nährende» Keim des Familienlebens schützend umgaben und ihm stets frische Nahrung zufühtten? Ein flüchtiger Einblick in die Culturgesckichte deS JutcuthumS wird uns hierüber Aufschluß geben. Da war es zunächst daS lief wurzelnde sit-" lich religiöse Gefühl, welches die Reinheit des Familienlebens wie ein heiliges Palladium vor jeder Entweihung wahrte, und da waren es außerdem noch äußere Verhältnisse, welche die Familie nicht wenig beeinflußten. Es sei hier gestattet deS besseren Verständnisses wegen die letzteren etwas näher zu beleuchten. , (Schluß folgt.) Lern und Schale. Klaget nicht im stolzen Wahn Ueber Fornien und Gebräuche, Rufend: ״Leget Staub nicht an, An da« Bild, daS Göttcrgleiche." ״Nicht der Gottverehrung Sttahl Brechen darf ein ird'scheS PriSma, Daß daS reinste Ideal Nicht zu Zwietracht führ' und Schisma." ״Gott anbeten, reinster Ton י Aus der Seele Harmonie, Denken ihn, heißt beten schon — Beten heißt im Geist erglühen." st

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