Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 19 (7.12.1860)
- Date
- 1860-12-07
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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146 c <: <Cittt oagarischc Libklüberfetzvag! Wenn es irgend einer besondern Begründung bedarf, um die Nothw. digkeit einer Uebertragung der beiligen Schrift in die ungarisch« Sprache für taS ungarische Israel rarzutbun, so genügt es, auf die nachhaltige und tiefeingreisende-Wirkung bin;uweisen, welche gegen Ende des vorigen Jahr- Kunderts die Mendelssohn','cbe Bibelübersetzung im Interesse der Verbreitung deutscher Sprache und Gesittung aus einen weit größer» Theil des Judentbnms ausgeübt, und noch aüsübt. — Bedenkt man, wie wenig Sympathie und folglich wie wenig Unterü"-c-ung dieses damals so kühne Unternebmen in jüdischen Kreisen für sich Karle: welch' große Widerstände und Hinderniffe sich vielmehr dagegen von Seiten rer einflußreichsten rabbinischen Autoritäten in jener noch wenig dem Fortschritte und der nickttalmudiscken Bildung bolden Zeit dem Vorhaben entgegenstemmten; so läßt sich heut zu Tage einer Bibelübersetzung in ungariscker Sprache eine ungleich stärkere und nackbastigere Wirkung aus das Judenlbum unseres enzern Vaterlandes mit Sicherheit prcgnosticiren. Wann wäre auch ein Zeitpunkt günstiger und anregender dafür gewesen als der jetzige, in welchem es uns ernstlich darum zu lbun ist und darum zu tbun sein muß, eine möglichst vollständige Assimitirung mit der herrschenden Nation des Landes 2n;ustreben und die volle Rechtfertigung des jüdischungarischen Namens, testen wir uns längst sckon mit gerechtem Stolze rühmen dürfen, berbeizufübren! — Zu welcher Zeit wäre ein solches Unternehmen willkommener erschienen, als eben jetzt, wo wir eifrigst bestrebt sind, die vaterländische Sprache nicht blos im geselligen Verkehr zu gebrauchen, sondern auck im wissenschaftlichen Streben und — nach dem rühmlichen Vorgeben der Pester Gemeinde — selbst in der Synagoge zur Geltung zu dringen? Wer vermöchte eS unter solchen Umständen nickt einzusehen, daß die Einführung einer dem Geiste der heiligen Sprache und des Judenthumes entsprechenden ungarischen Bibelübersetzung zum Bebuse des Jugendunterrichtes und der häuslichen Erbauung als eine der dringendsten und unabweisbarsten Anforderungen der Gegenwart sich herausstelle!! — 1 Mit größter Befriedigung lasen wir deshalb die erste Anregung zu einem solchen Unternebmen im ״Ben-Chananja"-Hefte vom 15. November und waren um so fteutiger überrascht, als wir in der dem Artikel beigefügten -)tote die Erklärung des gelehrten Redakteurs jener Blätter fanden, in welcher er sichanheischig macht, sobald sich eine genügende Anzahl von Mitarbeitern einfinden würde, an die Spitze dieses heilsamen Unternehmens zu treten. — Tank dieser Bereitwilligkeit läßt sich erwarten, daß die Zusage zur Mitarbeiterschaft von Seiten der betreffenden Gelehrten in nicht zu langer Zeit erfolgen werde, damit mit gebührendem Eifer und begeisterter Thalkraft an das große, so viel des Ersprießlichen verheißende Werk geschritten werden könne! — Was die erforderliche materielle Theilnahme und Unterstützung deS Publikums betrifft, so ist daran um so weniger zu zweifeln, als die Dringlickkeit und Nützlichkeit der Aufgabe dem schlichtesten Verstände einleuchten muß. Bezüglich des Berlageläßt sich wohl vor der Hand nicht mit Gewißheit angeben, ob der eben ins Leben tretende ־״Magyar egj־let“ in der Verfassung und Lage sein wird, denselben gänzlich zu übernehmen, nachdem dessen Reorganisation noch nicht zum vollen Abschlüße gediehen ist; jedenfallaber läßt sich die nachhaltigste Unterstützung und Borschubleistung von Seiten dieses von der Elfte der Pester isr. Intelligenz geleiteten Vereins für die Herausgabe einer ungarischen Bibel erwarten, da durch dieselbe, mekr als durch irgend ein anderes lüerarischeS Unternehmen, der dem Bereine vorschwebende Zweck seiner erwünschten Erreichung zugeführt werden muß. Tenn wenn sckon durch den ungarischen Bortrag anderer Gegenstände in der Volksschule die Verbreitung deS vaterländischen Idioms erzielt wird, so muß durch den ungarischen Bibelunterricht dasselbe erst seine höhere, gleichsam religiöse Weibe bei der nackwachsenren Generation erhalten, damit es mit vollem Reckte neben der heiligen Sprache in der Synagoge walte, und hiedurch aufs tieffte und unverwüstlichste ins Gemüth des Volkes sich «invflanze. — Mögen daher die Herren Gelehrten, im festen Vertrauen auf die allgemeine freudige Tbeilnabme res Publikums, muthig und rüstig anS Werk schreiten, und es sc rasch als möglich rer erwünschten Vollendung zusühren! F-n. Löw Schwab. biographische Skizze von D. 8. < Fortsetzung.) ft , Die Vorgänge des Landtages v. I. 1839/40 sind zu denkwürdig, als daß wir sie gänzlich hier übergehen sollten, und leben zu tief in der dankbaren Erinnerung der ungarischen Israeliten, als daß wir nöthig hätten uns eines Breiten und Ausführlichen darüber zu ergehen. — In der Circularsitzung v. 9. März hatte Dubraviczky, der Abgeordnete deS Pester EomitateS, im Namen seiner Eommittenten den Antrag auf Aufnahme der mosaischen Religion in Pie Reihe der im Lande ״recipirten" Religionen, auf Gleichstellung der Israeliten mit allen übrigen Nicktadeligen, Zulassung derselben zu allen den nichtadeligen Christen osfenstehenden Diensten und Aemtern, so wie auf Berechtigung, in Folge ausgezeichneter, Verdienste, in den Adel-' stand erhoben zu werden, gestellt. — Dieser die gänzliche Emancipation umfassende Antrag, welchen Deük, ״UnganrS Aristides״, Hertelendy u. A. unterstützten, wurde in derselben Sitzung einstimmig angenommen; und eben so einstimmig wurde in der Regnicolarsitzung am 24. März der auf Grundlage dieses Antrages abgefaßte Gcsetzesvorschlag mit dem Nuntium an die Magnatentafel votirt, woraus die bemerkenswerthen Worte zu erwähnen: ״Die Gerechtigkeit befiehlt, ihnen — den Israeliten — jene ״Rechte zu geben, die jedem Bürger gebühren, der die öffentlichen Lasten ״trägt." — Mit Weglassung der Befähigung zu Aemtern, traten die Magnaten, unter welchen Gras Karl Zäh, der seitdem als Denker, Dichter und Staatsmann gefeierte Freiherr Jos. Eötvös und selbst ein Kirchenfürst, Baron Bärküczy, Bischof v. Stuhlweißenburg, das Wort für die Sache der Juden ergriffen, rem Nuntium der Stände bei, und der so amendirte Gesetzesentwurf wurde der Regierung unterbreitet. — Als das Morgcnroth einer heranbrechenden besseren und helleren Zeit wurde diese huMane Kundgebung der ungarischen Gesetzgeber von allen Freunden des Rechtes und des Fortschrittes fm Inunr Auslande begrüßt; selbst von christlichen Kanzeln herab ward dem freisinnigen Streben Anerkennung gezollt, und P. Stanislaus Albach in Preßburg und Paul Tbrök, evangelsscher Prediger in Pest, sprachen im Hinblicke auf die beabsichtigte Gleichstellung der Israeliten erhebende Worte voll Begeisterung für Glaubensfteiheit und Menschenliebe. — Aber zumeist in den Gemüthern der ungarischen Juden blieb der Landtag d. I. 1839/40 mit unverlöschlichen Zügen eingeschrieben; trotz des kümmerlichen Endergebnisses, da von all' dem was die Vertreter des Landes zugedacht, nur das Wohnrecht in den Städten durch die Regierung zum Gesetz erhoben worden, war der moralische Eindruck der damals laut gewordenen edlen Absichten ein unberechenbarer, ja es konnte von jenem Jahre ein neuer Zeitabschnitt rücksichtlich des inneren Entwicklungslebens der ungarischen Iudenheit gerechnet werden. — Lebhaft erwachte in jede- Besseren und Vernünftigeren Brust das Verlangen, sowohl die dankbare Anerkennung für die humanen und fteisinnigen Absichten der Edelsten des Landeauszudrücken, als auch der ferneren brüderlichen Theilnahme durch vaterländische Gesinnung und Bestrebung immer würdiger zu werden und zu blecken. Auch Schwab'S bereits erwähnte Sympathien für sein Adoptivvaterland wurden durch da- Jahr 1840 noch erhöht, und mehr als die Neigung sagti eS ihm sein klarer Blick, daß inoigeS Anschließe» an nationale- Mühen und Streben dem ungarischen ISraeliten von Recht und Pflicht und Klugheft geboten sei. — Darum unterließ er eS nicht — obschon damals die Journal-Presse noch nicht den Juden auf Schritt und Tritt belauschte, und weder aneifernd drängte noch hämisch necktt— schon. 1840 *) und seitdem zu öfteren Malen darauf hinzuweisen ״wie^ nicht btoS der materielle Nutzen, die äußere Nothwendigkcit, sondern ״in noch höherem Grade die Pflicht, die innere Rothwentigkeit, die Dank- ״barkeit, mit einem Worte, die Liebe zum Vaterlande es mit allem ״Nachdrucke verlangen, daß die Kenntniß der vaterländischen Sprache immer ״mehr unter uns heimisch werde... die Kenntniß der Sprache, in welche das ״Volk alle Schätze seiner En'ahrung, seiner Weisheit, die Summe seiner ״Gefühle, seiner Gesinnung und Gesittung, seines Ernstes wie seines Scher- ״zes niederlegt." — Eben so drang S. damals, so wie schon früher und Siebe Nr. 1—«, I« - IS,!4 — 17. * Stete j. GeburtSscne Sr. Majätt. :c re am 19. April 1x40.