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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-11-30 · 18 (30.11.1860) · p. Seite 139

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
18 (30.11.1860)
Date
1860-11-30
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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—»» 139 «» 1 modificirt werden möchte, daß auf dem Wege des Concurses ein wohlqualificirter, den Anforderungen einer Pester Gemeinde entsprechender ungari- , scher Prediger aufzunehmen sei, der je nach Umständen die Stelle eines dritten RabbinatSaffefforS zugleich bekleiden könnte. Vor Allem aber sei und wirke er im wahren unbeschränkten Sinne deS Wortes als ungarischer Prediger der Pester isr. Eultusgemeinde! Pest, im November 1860. -g- Der 124. Psalm von vr. A. Tchmicdl, Rabbiner in Proßnitz. לוי1 י יי ׳"היד. י*»ן יאמר נא דד-אל. Wenn uns der Ew'ge nicht geschirniet, — So spreche dankend Israel — Wenn uns der Ew'ge nicht geschirniet. Da Menschen gegen uns gestürniet. Sie hätten lebend uns verschlungen, Vom Grimine gegen uns durchdrungen. , DaS Wasser hält' uns fortgerissen Und unS ersäuft in seinen Flüssen; Die Flüth mit ihren wilden Wogen Wär' über uns dahingezogen — Dem Gotte Dank, der uns befreite Nicht ließ, zu ihrer Zähne Beute! Wie Vöglein in deS Voglers Schlingen, Bestürzt, nicht flattern mag, nicht singen — Doch plötzlich reißt die Schling' entzwei, Und wieder hüpft es froh und frei; Also erging es uns gerade. Durch׳uns'res Gottes Huld und Gnade. Ja, Gott ist uns're Zuversicht, Der Erd' und Himmel ries an'S Licht! ^saak's DlinLhkit. Wie könnt' doch Isaak übergehen Ten Jakob, der so still und gut, Und sick zum Liebling auscrsehcn Ten Esan mit dem wilden Muth? Eö war die Liebe blind Für's erstgebor'ne Kind. Und steht er nicht, wie Thierc quälen Und Hetz' und Jagd nur Esan freun. Daß diesem der Berus nmß fehlen, Die Gotteslchre auszustreu'n? Ach nein, er sieht es nicht, Weil Liebe ihn besticht. Und sicht er nicht den Esan nehmen Tie Hcidentvchter ihm in's Haus, Tie ihm und seinem Weib zum Grämen Nicht lasten von dem Götzengraus? Die blinde Lieb' und Huld Gibt Esan nicht die Schuld. Und weil er stets nur blind geblieben Und all' die Fehler nickt gcseh'n. Und ließ im,Herzen und im Lieben Den bester!! Sohn zurücke steh'n: [ Drum ward er wirklich dann Ein blinder alter Manu. ׳ .M. 81 ätz es. (St**׳ Opserwilligkeit und Freigiebigkeit zeichneten die Mitglieder in Israels Gemeinden zu allen Zeiten aus, so eS die Herstellung, Ausstattung und Ausschmückung der Gottgeweihten Räume galt; diese Vorzüge, die gottlob nicht erloschen sind, geben sich in großen und kleinen Gemeinden in zahlreichen Beispielen zu erkennen, wo im Laufe der letzten Jahrzehnte Synagegen neu erbaut wurden oder in verjüngter Forn! wieder anferstandcn. — Wir halten es der artistischen Aufgabe dieser Bsätter entsprechend, auch zuweilen Abbildungen solcher zun! Synagogengebraucht bestimmten Geräthe zu bringen, zumal wenn mit dem fromnien Willen noch der Kunst- und Schönheitssinn des Spenders und des AnfertigerS sich darin ausspricht. — In eben ditser Beziehung sind iinS von Knnst- und Sachverständigen die von Herrn Jonas Ritter von Königöwartcr und dessen Gemahlin Frau Joscphine v. K. dem neuen isr. Tempel in der Leopoldstadt in Wien geweiheten Spenden empfohlcu. Dieselben bestehen aus zwei sechsarmigen Altar-Kandelabern, einem Kelche und einer Kanne.— Sämmtliche Stücke, in der Fabrik des Herrn Gustav Simon angefertigt, sind von massivem Silber, mit zeichnen sich sowol durch den inneren Werth, der auf mehrere Tausend Gulden ö. W. geschätzt wird, als durch künstlerische Form und geschmackvolle Zeichnung aus. — Möge» solche edle Beispiele nock fortwährend Nachahmung finden! R. Götz Schwerin-Äohn. (Schluß.)') Der unfern von Prag als Rabbiner zu Kolli!! weilende R. Eleasar!var Schul- und Jugendgeführte des wohlhabenden .Kaufmannes M. L. Müller zu Baja gewesei!; und von diesen! angegangen, ihm aus den bekannteren Talmudschülern der Prager rrlmrr Hinter einen Eidam zu wählen, der niit der einzigen Tochter auck seines nicht nnbcdentenden Vermögens bei fortgesetztcm jüdischem Studium froh werde, empfahl er dem Fragesteller unfern Gvtz, als ausgezeichneten Talinnkisten, der gleichzeitig moderne Bildung sich angceignct habe. Diesem sagte der ־ Antrag zu, und die Reife nach Pest ward für die nächste Messe festgesetzt. Bei den! gelehrten und hochgcachteten Rabhinen R. Wolf Boskowitz begegneten sich zuerst der Schwäher und sein künftiger Schwiegersohn, der ob seiner eigcnthümlichen Lehrmethode, die durch den Beigcsckmack mannigfachen nicht talniudischen Wisse»- wohl einen ungewohnt fremdartigen Anstrich hatte, erstercm nicht eben sonderlich zusagte. Ter genannte Pester Rabbi sagte jedoch dem Müller in den den einfach dürrsten Wollen: Herr Müller! wenn Sie sich bedenken zu. müssen glaubcy, stehe ich nicht dafür, daß ich den Bachnr nicht für meine eigene Tochter wäkle." Ans diese Drohung hin nahm Müller den Jüngling mit nach Baja, behielt ihn dort ein volles Probejahr, verlobte ihn dann mit seine»! einzigen Kinde. Nach seiner Heirath hielt G. Sch-Kohn einen' ans den verschiedenartigsten Elementen zusammengesetzten SchülerkrciS um sich versammelt, zu welchem alle Länder unserer Monarchie ihr Konti!!- gent geliefert hatten. Er vermied eS aber, auf der breitgetreteue!^ Fahrstraße seine Junger, ob befähigt, ob nicht befähigt, in gleichem Trabe hinzuschleppen; er indivirualisii'te seine Lehrbestissenen, so daß er den Einen zum Rabbiner, den Andern zum Bnchführer, den Dritten zu»! schlichten, brodsuchenden Weltbürger heranziibilden bcmiiht war. Dazu bedurfte eS ui!» freilich außer vielseitiger Bildung auch noch einer guten Dosis Selbstständigkeit und Geistesrührigkeit, die über lange verjährtes Herkommen, das fast zur heiligen Satzung geworden war, sich rücksichtlos hiuwegsetzte. Mehr als Talmud und dessen Kommentatoren wissen wollen, oder ricktiger, neben jenem alleinseligmachenden Studium auch anderes für das soziale Leben nothige Wissen sich aneizncn, hieß ja damals der verpönten Weise des mißliebigen ״Dessaner" folgen. — Im Jahre 1811, erlitt sein Schwiegervater im Handel empfindliche Verluste, so daß die Erhaltung dennterdessen nicht nnbcdentend hcrangcwachsenen Hausstandeö in der Thal ans Schwierigkeiten stieß, und Freu,!- den wie Verwandten es unerläßlich schien, Herrn Schwerin Kohn einen Po« sten zu verschaffen, der zur Snstentation seiner Familie nur einigermaßen genüge. Dagegen sträubte sich H. Mülle!, nnd vcriveigerte er bis Ende 1812 die Erlaubniß zur Ortsveränderung seines TochtermanneS. Erst als jede Hoffnung auf baldige Nehabilitirung seiner zerrütteten Finanzen ge׳ Siehe Nr. 17.

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