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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-11-30 · 18 (30.11.1860) · p. Seite 138

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
18 (30.11.1860)
Date
1860-11-30
Page
Seite 138 (sequence 2)
Language
German
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-138 m יי*— die Gleichberechtigung aller Bürger ohne Unterschied des Glaubens erwarten. Für uns ungarische Israeliten ist diese Hoffnung um so gegründeter, als schon in den frühern Jahren unsere Emanzipation Gegenstand wiederholter Ber- Handlungen gewesen, und in ein sehr günstiges Stadium getreten war, so daß selbst abgesehen von dem 1848er Landtage, bei normal gebliebenen Zuständen unsere Gleichstellung bis heute sicher zur völligen Reife und Geltung gekommen wäre. Aber in dem Maaße und Verhältnisse, als diese Hoffnung ihre Berechtigung hat, muß auch unserseits zur Realisirung derselben das Mögkickste gethan werden, müffen wir dahin trachten und wirke», die Voruriheile zu besiegen, unsere Umgebung von der Gerechtigkeit unserer Ansprüche zu übcrzeugen und für unser Menschenrecht mit allen erlaubten unS zu Gebote stehenden geistigen und moralischen Waffen einzustehen und zu kämpfen. Obwohl dieß schon Sache eines jeden intelligenten Israeliten ist und sein muß, und hauptsächlich von der jütischen Preffe mit aller Energie angestrebt wird;; so läßt sich dennock nicht läugnen, daß dieses Ziel am ehesten erreicht wird, werm eine gewisse Repräsentanz der Juden da ist, und daß ihre Interessen am sichersten durch eine vertrauungswürdige Vertretung gewahrt werden können. Unser frommer Wunsch und Vorschlag gehet demnach dahin: Es mögen sich in jedem Kronlande Landescomites und Repräsentanj ze» rer betreffenden Israeliten bilden, welche den ins Leben zu tretenden Landtagen gegenüber ihre Rechtsansprüche zu vertreten, und ihre Bitten ünd Anträge einzubringen hätten. JnsonderS aber möge das bereits im Jahre 1846 ins Leben getretene ungarische isr. LandeScomitv wieder crwacken, und seine heilsame Wirksamkeit beginnen. So lange in unserem Staate Eentralstellen und Centralbebörden bestanden, konnten wir die intelligenten Cul- , tuSgemeinderepräsentanten der Residenzstadt und der andere» Landeshuipt-! städte. in erforderlichen Fällen, als Vertreter der Gesamnitjudenheit Oester- ן reichbetrachten, und auf sic vertrauen; heute, wo die Gesetzgebung eine J ganz andere und von der einzelnen Meinung der Landtagsabgeordncten! abhängig ist, wer sollte eS nickt cinschen, daß nun auch uns eine andere, j größere Vertretung noth thut, wir Vertreter vom ganzen Laude bedürfen! Darum, israelitische Landescomitr'-s! Vor allem aber ein LandeSromite der ungarischen Israeliten! .tkula, Nevemler 18G0. c• Straffer. --o-sYr־־- Nabbiiatsasskl'sor oder Prediger? Die in den jüngsten Tagen von Seiten des hiesigen isr. EultusvorstandcS auf dem Wege der Reclame zur Oeffentlichkeit gebrachten Maßnahmbn und Beschlüsse dürften jedenfalls als erfreuliche Beweise dafür gelten, daß eS ^ihm gegenwärtig mehr als je ernstlich darum ׳zu thun ist, die gegen ibn obwaltenden und in verschiedener Weise zur Aeußernng gelangten Besckwerden, so viel an ihm liegt, zu entkrästen. In eben so günstiger Weise sind wir auch geneigt, den zur Einsetzung eines dritten RabbinatSasscssors ausgeschriebenen ConcurS zu beurtheilen, bei welckem ״besondere Rücksicht auf vollkommene Fertigkeit Kanzelvorträge in der vatrrländischen ungarischen Sprache zu halten" genommen worden ist. Wohl kann man bei aufmerksamer Prüfung dieser Kundgebung die Frage nicht umgehen, ob hiedurch wirklich die Ausnabme eines besonder» ungariscken Predigers bezweckt wird, der abwechselnd mit dem Herrn Oberrabbiner di« Kanzel in bestimmten Zeiträumen betreten soll, oder ob man blos Jemaudsn gewinnen möchte, der, ebne das definitive Amt eines Predigers zu übernehincn, doch zur Noth, bei gewissen nickt vorher zu sebenden besondern Gelegenheiten, die Stelle eines solchen vertreten könnte. Wir stehen; nicht an, abermals im Interesse des löbl. Gemeindevcrstandes den ersterwäbnten günstiger» Fall vorauszusctzen; zugleich aber müssen wir mit wahrem Bedauern erklären, daß in Felge dieser Annahme die Fassung dieser Eoncursaussckreibung als hockst sonderbar — ja geradezu als eine aut die Spitze gestellte Pyramide erscheinen muß. Weshalb lautet der Erucurs nickt geradezu und ׳ unumwunden auf Einsetzung eines imgariscken Kanzelredners? weshalb soll diese unter den gegenwärtigen Verbäliniffen dringendste Berufung unter der Maske eines kritlen Rabbiuatsassesicrs verhüllt werden? —Wir sind weit davon entfernt, die Nothwencigkeit der Besetzung rer Asscssorstelle an nur für fick in—Abrede zu stellen; wenn wir auch gestehe» müsse», die bewegenden Gründe hiesstr nicht zu kennen. Aber was es immer für ein Bewandniß damit habe, so ist es doch nicht leicht erklärlick, warum nicht die rabbinische Function als Nebenbedingung angeführt wurde, anstatt im Vordergründe de- Concurses zu figurircn H Bildet doch nicht die Asscssorstelle das gleich dringende Bedürfniß, wie die zur Zeit noch völlig unvertretene ungarische Kanzel! — Man könnte wohl einwenden, daß diese Ausstellung einen bloßen Formfehler beträfe, der am Ende nicht viel zu bedeuten habe; nachdem eS factisch so ziemlich einerlei sei, ob man einen dritten RabbinatSaffessor anstelle, der im Stande ist, das Amt eines ungarischen Predigers zu versehen, oder einen nominellen Prediger, der zugleich die nöthigen Fähigkeiten besitzt, im Rabbinatscollegium mit zu fungire». Dagegen läßt sich manches wichtige Bedenken erheben! — Vor allem Andern wären wir der unmaßgeblichen Meinung, daß ein Mann, der sämmtliche in der ConcurS - Kundmachung zur Bedingung gestellten Eigenschaften in dem erwünschten Grade in sich vereinigt, durchaus nicht Neigung fühlen werde, als dritter und letzter in den wie immer ehrenvollen Kreis der Rabbinatsassefforen einzutreten, sondern mit Fug und Recht auf einen selbstständiger» höheren Posten zu reflcctiren berechtigt ist. Wenn demnach dieser zu gewinnende sogenannte Assessor-Prediger nicht blos ein untergeordnetes Individuum sein soll, ein Mann etwa, bei dessen Wahl und Einsetzung man nur der nothgedrungenen Schuldigkeit nach Außen nachzukommcn gedenkt, dessen man nur nöthig hat, um sagen zu könne«: wir besitzen auch einen ungarischen Prediger; — soll er vielmehr die Gabe besitzen und gebrauchen, um ein zahlreiches intelligentes Auditorium an sick zu fesseln und deren warnic Theilnahme auf die Dauer zu gewinnen, dann — wahrlich — halten wir es für mehr als naiv anzunehmen, daß bei dem nicht zu verkennenden zur Zeit bestehenden Mangel au gediegenen, berufstüchtigen, jüdisch-ungarischen Kanzelrednern einer dieser Wenigen und Seltenen — zumal wenn er auch für das Rabbinat befähigt sein soll — so viel Selbstverleugnung besitzen wird, um eine dritte RabbinatSaffefforenstclle selbst in Pest — als anlockend genug zu behackten. Weshalb nun sollte man unter so bewandten Verhältnissen unnöthiger Weise diejenigen von der Mitbewerbung ausschließen, welche alle gewünschten Qualificationen für das Predigeramt besitzen, bis auf den einzigen Umstand, kein Rabbinatsdiplom aufweisen zu können?! — Denn selbst wenn es wider alles Erwarten dem Vorstände dennoch gelingen sollte, einen würdigen, berufstüchtigen Mann für diesen Zwitter- Posten zu gewinnen, so würde er doch sicherlich viel zu wenig äußere- Ansehen, viel zu wenig Autorität vermöge seiner Stelle besitzen, als daß er im Stande sei, eine so riesige, mit unverkennbaren Schwierigkeiten und Hinderniffen verbundene Aufgabe erfolgreich zu lösen, die in nichts Geringerem besteht, als, ein seit lange an gediegene deutsche Predigten gewhhntes Auditorium für daungarische, hie und da noch fremde Idiom zu gewinnen und auf die Dauer hin zu fesseln und zu begeistern! In Anerkennung dieser Schwierigkeiten fragt es sich überhaupt, wozu dieser für das ungarische Predigeramt zu gewinnende Mann der strengen rabbinische» ') Befähigung bedarf, da eS ja vor allem nur darauf ankommen sollte, daß er das zu seiner Function unumgänglich nöthige jüdischtheologische Wissen besitze, und das meiste Gewickt darauf gelegt werden müßte, daß er sich als Kaiizelrerner so weit als möglich dem deutschen Prediger, wie wir ihn in der Person unseres verehrten Herrn OberrabbinerS Or. Meisel besitzen, würdig zur Seite stellen könne! Hiezu aber ist es vor Allem erfordcrlick, daß seine Befähigung eine hervorragende sein soll, um dem vorgeschrittenen Bilkungsstandc einer Pester Gemeinde in ehrender Weise zu entsprechen. — Aus welchem Grunde sollte aber dann ein solcher Mann tiefer und geringer gestellt sein, als der ehemalige deutsche Prediger es war, und weshalb sollte der ihm rechtmäßig zukommende Titel eines Predigers der Pester iSr. Cultusgemeinde vorenthalten werden?! Wenn es daher dem löbl. Vorstände wirklich um die Hebung und Vereklung der Gemeinde im nationalen Sinne bei dieser wie bei den sonstigen zur allgemeinen Kunde gebrachten Einrichtungen und Vorkehrungen zu thun ist — so ist es zu wünschen, daß die getroffene Verlautbarung dahin •) vletettfaU« scvict um Trauungen und andere rabbinische Akte verkommenden ,lalls vernehmen zu kennen und zu düncn. — (Red.)

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