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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-11-30 · 18 (30.11.1860) · p. Seite 140

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
18 (30.11.1860)
Date
1860-11-30
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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—«1 140 n— sckwnnden war, ließ er den Sckwiegersohn gewähren, einem Rufe nach Szabarka;u felgen. Wie aber ein Rabbinat antreten, ohne im Besitze eine- Besähigungsriplomes (Hakhora) zu secki? Denn in den Besitz einer solchen Urkunde zu gelangen, war dem Götz Schwerin-Kohn, der lernte, weil er lernen wollte, und der nur wollte, weil er von Innen heraus lernen mußte, nie in den Sinn gekommen. Und ohne Semichah das Rabbinat übernebmcn, wollte der gewissen- Kaste Mann nun unr nimmer. Aus vieles und wiederholtes Andrängen - wirf» entlick die selbstbewußte Bescheidenheit des damaligen Bajaer Rabbiners R. Maier Gvanuat, rer sich für unwürdig hielt, dem so ausgezeickneten und ikm an Wisien weil überlegenen Götz die üblicke Weihe zu geben, und mit! der von ikm ertheilten Hathorah ging dieser nach Szabadka, wo er durck! 2 Jahre einen! nicht unbedeutenden Talmukcolleginm vorstank. — Im I. | lfil4 starb sein Sckwäher, und hinterließ nebst den nickt ganz unbereuj lenden Trümmern seines Vermögens eine Wittwe in en'chreckender Isolirt- | keil und Ratklosigkeit. Ter obengenannte Seelsorger R. Maier Eisenstakt, ,!später Maier Gvarmat begriff es vollkoininen, daß Herr Götz Schwerin 1 zu seiner verwitlweten trostlosen Schwiegermutter ziehen innsse. Bon dieser Ueberzeuguiig durckdriingen, sckrieb R. Maier an seinen Lehrer nur Mei-! ster R. Moses Sopher nack Presbnrg, ihm irgendwo zu einem Rabbi-! naispoüen zu verhelfen, damit er den seinigen sofort dem würdigen Götz ׳ 2rft JU'lm übertragen könne, Mliugr das nickt, lieber Leser! Wie ״ein Mäkrctwn aus alten Zeiten?" und rock lsk's dlanke, nngesckminkle Wahrheit! Wen ckn ein jolckcs l^ebakren mehr, den Empsäuger oder den lieber?! R. M. Sepkcr verserte seinen Scknler auf den eben vakanten Balas׳!^varmaler Rabinarsposien, unr R. Göiz zog nack Baja und übernahm das ikm sofort angeborene Amt des Religionsweisers, um es dnrck IM Fahre -in irrend' und Leid' und ungetrübter Einlrackt mit seiner Gcineinre zu verwalten. Im I. Is'2~, ward er zum £berrabbuier rer ganzen Bücser t^espannickast ernannt. Wie er in Irreren und Einlrackt mit seinen Gemeinregliedern gelebt, so sckied er in Frieren mit seinem Gotte, alt und lebenssatt, nack > Iahreu aus dem?eben, am '22,. Tebeik ÖJ>12 “ 1.”». Jänner 1 *j'2. Ans vielen Ebaraflerzügen, sei der fast sprückwöcklick geworrenen Uneigennützigkeit besondere Erwäkmuig zu tknn mir nock aenatlet. Als nack dem großen Brande von i?4< > anck unser Rabbi außer rem nackten?eben tee Seinigeu uickts besaß, als ras .Hemd am?rih־, sal׳eu sick 11!?!!־ rere^Angekkr-ge ׳eine! l^emeinde, -und namenklick ehemalige Scküler ver.ru׳ lasit, rem so sekr verarmten?ekrer durck ein Plus der .üblicken Festtagsirenden den erlittenen Schaden minder süblbar ׳<׳.! macken. Er aber ber> elk nur "die von jeker ikm geworrene Gabe. und sckickte den Ueberscknß mit dem Prokeüe zurück, ״er warte aus bessere Zeiten, wo anck daS -zereobure Aus man jener Tpiergabeu il׳!n so wie ekel ein genügen werde." — F ׳> cnibaiie!1üa> absichtlich, iiiancken mir aus rer verläßlichsten £.nelle mitgetbeilien Ina dieser Art von Sclbsiverlängnuug hier auzi,führen, weil mir :er eine eben erzäblle bezeichnend genug crsckeint, nur weil dieser Eka׳ rakie! :!ig in inniger Beziehung siebt zu dem bis aus die ans:, ׳sie Spitze 1 getriebenen' Begriffe der-Unbesiecklickkeir, dunl׳ dessen Te:aillirung sick einer oder der andere ineiner?e׳'er vielleickt verletzt fühlen könnte. Er lebte wie c!» Rabbi, er siarb wie ein Rabbi, in der alten, frommen, ekrsnccklge׳ bietenden Bedeutung des Wortes, ein ickknes Eremplar der £riginalansläge dieses heiligen Berufes. — ״Wie sie;er Verfasser sckrieb, nickt wie sie rer Raa>rruck druckte." — Ja, geneigter Leier! Ilneigeunützigkeit, Unbesieä lickkeit und i'cköne ab׳ sirakie Begriffe, aber so absirakr, dasi sie unr bie und da zur konkreten Ertckeinnng berauslreten, nur man einen Terren im Jahre 1 ■־־<(>« > nock lange nickt beickimrit, wenn man ibm nacksagl: ״Er war uneigennützig und nnbesiecklick.' b<5. tz-r in 55. prst. ll Gereckte Berwuncernng erregte es bei Allen, als sie vor wenigen 'י Tagen in den voliliscken Journalen die Rackrick: la'en, es sei die iSrael. Enlt. ׳Gemeinde zu Temesv-ir au'aeferdert worden, ihre Meinung über Wiereransckluß rer Wojwcdina und des Temefer Banales an Ungarn oder Per- :׳leiten in der Sonderstellung abzngeben; man fragte sick: ist denn die isr. j Eultus־Gemeinde eine gesonderte volititcke störversckasl? vertritt sie denn anderc als confessionelle Interessen? bildet sie nicht einen iutcgrirendeu Bestandtbeil der stäkt. Commune? untersteht sie nicht in allen nicht confesfioncllen Beziehungen deren Behörde, und wird sie nicht in allen politischen Fragen durck Letztere vertreten? — So fragte inan sich allenthalben, und diese Fragen flößen ans jener allgemein verbreitete» Ansicht über Cultus- Gemeinde, wonach aus deren Bereiche alles was nicht speciell Coafcssionelles betrifft entfernt sein soll und auch entfernt ist. — Wie verträgt sich aber mit dieser Anschauung des Wesens der jüdischen Cullus-Gemeinde der befoldete Beamte an der Spitze derselben, der vielleicht damals an seinem Platze gewesen wäre, als noch Rekrutirungswescn, Steuersachen, Zuständigkeitsgesncke und ähnliche Angelegenheiten zum Wirkungskreise eines jüdischen Borstandes gehörten und darum auch geschäftliche Routine des-. Beamten erforderten? Und endlich — erlaube ich mir noch den oder die Erfinder des Salair-Vorstehers zu fragen: Ist denn die unabhängige Stellung in socialer Beziehung ein so gar zu übersehendes Moment in dem Gemeinreleben? würde der besoldete. Vorsteher neben seinem nur Ehren halber fungirenten Beirathe den ihm zukoimnendeu Rang behaupten können? und würde nickt am Ende das alte bisherige Berhältniß sick wieder herausstellen? — Ick muß darauf gefaßt sein von mancher Seite wieder mißverstanden unr so wie dnrck meinen 1. Brief als wohlbestallter Apologet des gegenwär- -ligcn Vorstandes, so jetzt für einen Anwalt der Plutokratie angesehen zu werden. — Ihnen gegenüber, Heer Reractcnr, habe ich nicht nöthig vor diesein Vorwüne mich zu verwahren. Sie wissen;s am besten, wie das Wenige, was ick mit sckwachen streiften ans des Geistes Gebiet mir crrnngen, als inein köstlickstes .Hab' unk Gut mir gilt, ras; ick die Brutalität des Getrsackes nur die Ansgcblasenhcit der Mainmonskneckte in ihrer ganzen R'icktigkeit erkenne "und verdainine. — Aber mancke der -Herren, die so plötzlick, über 'R'ackt, Verehrer׳ der Intelligenz geworden, mögen die Hand auf's Herz legen, und sich ernstlich prüfe», ob sie stets geneigt waren und geneigt sein werden, dein bezahlten Vorsteher — nur sei's der intelligenteste und liöckstgebildete Manu — die Achtung zu.zollen 1111V das Ansehen einzuränmeu, ohne welche kein kräftiges nur gedeihliches Wirken gedenkbar ist, und wozu sie —. denn ״es ist nickt Jeder frei, der seiner .stellen spottet" — rem Reichen und Wohlbeinittelten gegenüber sick so leicht verstanden, haden nur verstehen würden? ob sie nickt gar zu bald im bezahlte» Porsteher reu ״Meschnbor" und in seinem gerechtesten Tlmn nur?'affen die Urbergriffe eines aninaßende'.l MicthlingS erblicken würden? Unabhängige Stellung isr nack den-Verhälkniffen »11t der gewohnten AusckannngSwcise nnerläßlickes Erforderniß des Gemeinde-BorsteherS — und darum ist nur bleibt mein 1-a״t<־rum oonsc•»: Mei» Salair- und Klos ein Ekrcn-Vorsteher.') — £1׳ ick darum mit nnscrem ehrs. gegenwärtigen Vottlande dnrck dick und rüiiii zu gehe» geneigt, ob ick alle seine Maßregeln zu billigen oder zu vertbeidigsn gesonnen wäre? Bewahre! Bedenke ick, daß in 9Jr. 2t>7 dcS ״P. Llovr"' ein in hiesiger (Gemeinde ob manckerlei Verdienste vielgcack'leier Mann wie .Herr I. st-n., rer mir den cleusiiiifckcn Geheimnissen res grünen Tisckcs in der Tabakg.rffe vertrant isi wie Wenige, der an der cRsialiuiig rer gegenwärtigen Sachlage thäligsien Antdeil genommen, dessen Beziehnngen zu den einzelne» Persönlickkeircn nur die frcnnrlicksten sind, bereuke ick, Laß. er selber von Mißbräuchen und von der Rothwcnrigkeit einer Uingcsraltung spricht, dann kann c-S mir gewiß nickt in den Sinn kommen, den Lobredner des herrschenden Svftcins zu macken. Freilich spricht Herr I. st n im selben Aussätze und in einem Alhem so manches ans, was nickt die genaueste stenniniß jüdischer Zustände verräth. So z. B. ist,es nnbcgreiflick, was ihn z» der Forderung berechtigt, ״das; überall und allenthalben die :Repräsentanzen geändert würden"; und ick zweifle sehr, ob Gemeinden, die, ihren erprobten Statuten gemäß, ihren Wünschen und Verhältnissen entsprechender Verwaltungen sick erfreuen, einzig und allein .Herrn M 11 zu Liebe, unk weil, wie die Lieblingsphrase lautet: ״so vieles zu lkun ist" sich herbei lassen werten, ibr geordnetes HanSwesen über Bord zu werfen und gleichsam in einen chaotischen Znsigiid sich zu begeben. * Während wir Vorstehendes der Prene übergeben wellen, leien wir im ״Wan derer" v. 27. d. M. einen Klir l׳eaNne11i>wertl>e11 Artikel ans Prag, wonach auch dort schon teil 1!» Satiren kein bezahlter Porsieker mehr amiirt, und in welchem gegen die sen Vorschlag ähnliche Ansichten wie hier ausgesprochen werten. — . <Red.)

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