Mannheim
Compact Memory

Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-11-23 · 17 (23.11.1860) · p. Seite 135

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
17 (23.11.1860)
Date
1860-11-23
Page
Seite 135 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4884143-5427047-5427091--172-4884299
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

—m 135 und unverdrossen fick der Belehrung der Jugend hingiebt, der eS selbst vollbracht hat, den bis vor kurzer Zeit wenig beachteten religiösen Unterricht der Mädchen zu regeln und zu heben, und nach dieser Richtung Erfolge erzielt hat, die ihn mit Befriedigung erfüllen müffen. Es ist natürlich, daß ein Hann, der so wirkt, auch die volle Sympathie, und die wärmste Anhänglichkeit seiner Gemeinde besitzt, die in ihm, nicht nur den Seelsorger ehrt, und den Belebrer ihrer Kinder liebt, sondern auch den Mann der Wissensckaft, den begeisterten Redner für Religion und Fortschritt achtet. Wie ich erfahre, hat dieser vielverdiente Mann, eben ein homiletisches Werk vollendet, welches demnächst durch eine renommirte BerlagShandlung in die Oeffcntlichkeit kommen wird; seine Freunde erwarten dieses Werk mit Spannung und waS ich darüber gehört habe, dürfte geeignet sein, die Theilnahme aller Derjenigen zu erwerben, die sich für den Fortschritt der jüdischen Lite- , ratur intercssiren. -2r.־ ׳ Bayern. K. Tie nunmehr beendigten allgemeinen Gemeindewahlcn habc» manchen neuen Beweis fortgeschrittenen BürgersinnS und gesteigerten AutrauenS gegen unsere GlaubenSgenoffen geliefert. Nicht nur auf dem platten Lande, wie z. B. in Uns leben in Unterfrankcn, wo ein isr. Seifensieder, Namens Bein, in die Gemeindeverwaltung gewählt ward, gingen Gemeiiidcbeamte unseres Glaubens aus den Wahlurnen hervor, sondern vornchmlich noch in großen Städten. In Nürnberg, daS in neuerer Zett in seinem eigenen wohlverstandenen Interesse, wie aus Humanität und zugenoinmenem Rechtssinn unseren Glaubensgenossen seine Thore weit aufgetban bat, wurde der Banquier Herr I. Kohn in daS Bevollmächtigten-Colleginm gewählt und erhielt auch zum Magistratsratb eine ansehnliche, jedoch nickt ausreichende Stimmenzahl. In Fürth wurde Herr׳ S. Berolzheimer wiederholt als Bevollmächtigter gewählt, was jedoch dem Bevölkerungsverhältniß und dem oft, und auch in diesem Blatte gerühmten innigen Zusammcnlebcn der Confessioncn dort gar nickt entspricht. Es hat sich darüber in dortigen und Nürnberger Blättern ein unliebsamer Streit erhoben, auS welchem hervor zu gehen sckeint, daß die Erbitterung über die starke Zurücksetzung der Inden zur Entziehung von Nahrungsquellen und Bann geführt hätte. Es ergab sich aber/ daß man wie gewöhnlich den Schritt eines Einzelnen der Gesammtheit in die Schuhe gesckoben hatte. s) Den eklatantesten Beweis liberalen Sinnes und gereifter Einsicht aber gab unsere Kreisbauptstadt AnSbach durck die einstimmige Wahl deS k. Advokaten, Herrn Dr. Berlin zum Vorstand des Gemeindebevollmächtigten - Eollegiums. DaS will freilich unsern Ultramontanen am allerwenigsten gefallen unk ihr Organ, der ״Münckner Bolksbote", judenfeindlichen Angedenkens, fragt darob die AnSbacker, ob es denn dort gar keine Christen mebr gebe? Treffend entgegnet ihm der ״Correspondent v. u. f. Deutschland" gelegentlich der Nachricht, daß sich unter den zurückgesankten päpstlichen Soldaten auch ciu Jude befindet, er wolle jene Frage auch nach Rom an Herr» Merode rickten. Ist besagtermaßen im bürgerlichen Element ein Fortschritt ha, im eigentlichen StaatSorganiSmuS ist von der Einleitung in neue Bahnen bezüglich unserer nickt viel zu verspüren. Wir haben in Ansbach zwar jetzt einen Regimentsarzt jüdiscken Glaubens, Herrn Dr. Königshofer; auch in der Pfalz lebt ein solcker, Herr I)r. Feltheim, und in Nürnberg hat ein solcher, Herr Dr. Meier, freiwillig quittirt, aber die hatten sckon früher Verwendung im Heere gefunden. Von Anstellungen in anderen Branchen verlautet dagegen nichts. Herr Prosector Dr. Herz in Erlangen, der berühmte Arzt, ist nock immer nicht Profeffor, und Herr Dr. Engelmann wurde als Tirector der Irrenanstalt in St. Georgen nur mit der auStrücklicken Beifügung ״ans Ruf und Widerruf" angestellt. Freilich bestehen die alten exccptionellen Gesetze noch in ihrer vollen Kraft, aber auch von einer Vorlage eines auf Gleickstellung basirten Gesetzentwurfs bei dem näcksien Landtag verlautet nichts Ernstliches, und eS ist im besten Falle nock scdr ungewiß, ob unsere Pairskaniiner durch alle neuen Vorgänge, selbst die österreickischen, auf bessere Gedanken gekommen und der Bekenntnißfreiheit Recknung tragen wird, obschon Profeffor Dr. Bluntschli in Müncken in seine», von der Aristokratie auch besuchten Vorlesungen zu der Behauptung fick berechtigt glaubte, eS gebe heutigen TagS in Europa kein Land mehr, in welchem der Grundsatz der Bekenntnißfreihcit nicht seine *) 3. Nr. 14 d. Bl. Fürth. Geltung habe. — Ad vocem München sei bemerkt, daß die durch die polittschen Blätter gehende Nachricht, die CultuSgemcinde München beabsichtige, einen zweiten Rabbiner als Prediger anzustellen, keine wesentliche Grundlage habe. Man sprach in den letzten Feiertagen, wie schon öfters davon, weiter ist aber nichts daran; zumal der Plan dazu von der Hyperorthodoxen Minorität daselbst gehegt wird, die eS auf eine, in Ihrem Baterlande (Ungarn) jetzt angestellte Persönlichkeit abgesehen hat, welche dort nicht Allen zusagt! — (3*f1:fi folgt.) —•»HH— Literarisches. A’ ■agrar IiraeliU 1800-ik evbcn. Irta Dr. llokonstoin L i p<jt, volt ziignibi fßetc. etc. ralibi. Petitin 1860. Nvomat. Wodianer F. nt*l. Sb. ״Welcke Frage auck auftancke und eine Bewegung Hervorrufe, so tritt gleichzeitig immer auch die Judenfragc, und in nickt erfre.ilicher Gestatt, in den Vordergrund." Diese Bemerkung deS VeffafferS gleich auf der ersten Seite der vorliegenden Broschüre hat sich gewiß in letzter Zeit schon vielen unserer Leser aufgedrnngen, so sie nur ein aufnierksames Auge hatten für die Bewegung rings um nnS herum und für die Art und Weise, wie über Juden und Judenthum in manchen Organen der vaterländischen Presse neuerdings gesprocken worden. Es sind nickt die auS religiösem Fanatismus hervorgehenden Anfcindüngen deS jüd. Glaubens als solchen, womit der Herr Verfasier sich besckaftigen will, da solche, wie er sagt, nur noch hie unk da als vereinzelte (?) Ersckeinnngen auftauchcn; dagegen will er die vom socialen und nationa len Standpunkte gegen die Juden erhobenen Vonvürfe in Erwägung zicben und in beiden Beziehungen den falschen Auffassungen und sckiefen Urtheilen entgegentreten. Nachdem er vor Allem die Thorheit jener ״Feigen" nackgewiesen, welche ans den engherzigsten Absichten und aus Scheu vor jeder Eoncurrenz Anstoß an der Berecktigung der Juden zur »ngebindertcn vollen Ent׳ Wickelung ihrer materiellen und geistigen Kräfte nehmen, und — r.iit Börne zu reden — die Juden hassen, nickt weil sie eS verdienen, sondern, weil sie — verdienen, bekämpft er die sogenannten ״Tiefen oder Gründlicken" (alaposok), welche in den jüdisch religiösen Vorschriften, in de» Speisegesetzen u. s. w. lauter antisociale Momente erblicken und damit die Aussckließung der Inden rechtfertige» wollen, und führt zn dem Behufe interessaute Daten aus der ungar. Geschickte an, welche das einstige innige Zusammenleben der Juden mit den übrigen Landesbewohnern darthun sollen. Nickt minder bemüht fick Herr Dr. Rokonstein die Unstichhaltigkeit aller vom Gesichtspunkt der ungar. Nationalität im allgemeinen und der vaterländ. Sprache insbesondere gegen die Juden gerichteten Anklagen nach zuweisen. Daß Stammeseigenthümlichkeiten und Gewohnheiten der Anhänglichkeit an die und der Zusammengehörigkeit mit der Gesammtheit keinen Einttag zu thun brauchen, könne doch aus vielen anderen Erscheinungen in unserem Baterlande erkannt werden, wo so viele in Glauben, Sitte nnd Gewöhnheilen sick von einander nntersckeidcnde Volksklaffen und Stämme neben einander leben und doch von einem Nationalgefühle durchdrungen und von einem nationalen Bande zusammengehalten werden. — Dazu gehören aber auch die Juden, die, wiewohl so lange außerhalb deS politischen Lebens stehcnd, ja noch damals von Rechten ausgeschlossen, als die Thore des Verfassung allen anderen weit aufgcthan wurden, dennock inniger und heißer als viele Andere daS Vaterland und die nationalen Institutionen lieben und ehren. — Der Verfasser benützt einige Dccisionen berükmter Rabbiner um daraus nackzuweisen, daß eS viele rein ungarische Gemeinden gegeben nnd daß die ungariscke Spracke als die nnter ihnen allein herrsckende angesehen worden. ES sei nicht zu verwundern wenn dies durch viele Einwanderungen, durch häufigen geschäftlicken Verkehr mit Fremden, zumal in ׳einer Zeit, wo selbst die bevorzugten Führer und Häupter der Nation die vaterländische Sprache geringschätzig ansahen, anders geworden. Aber auck nur Befangenheit und Vorurtheil könne den wieder in neuerer Zeit eingetretenen Umschwung in Abrede stellen und die weite Verbreitung der Kenmniß des Ungarischen unter den Juden ignoriren. ״Gewiß, bei einer Vergleichung zwischen Juden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.