Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 17 (23.11.1860)
- Date
- 1860-11-23
- Page
- Seite 136 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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+• 136 •■*■־— ״und ten übrigen nicktnngar. Volks stammen muß Ersteren nicht die nie- ״t erste sentern rie höhere Rangstufe zuerkannt werten, und muß der Un- ״befangene die Ueberzeugung schöpfen, daß der Jude nicht nur im Herzen ״ein guter -Patriot, sondern rückstchtlich der Sprache auch des Namens ei- ״nes 4111״g. Israeliten" würdig sei." Schließlich richtet der Herr Verfasser einige warme Worte der -Ermahnung an seine Glaubensgenossen, daß sie nämlich unbeirrt durch Verkennung und Anfeindung von ihrem Streben nickt ablassen mögen, daß sie namentlich mit allem Eifer fortfahren mögen, .Henntnig der Vaterland. Sprache unter sich zu verbreiten und sie immer mehr in Schule und Haus heimisch zu machen. Wir glaubten den tresslichen Intentionen des Herrn Verfassers am besten zu entsprechen, wenn wir seinen Gedankengang, so weit es uns der Raum des Blattes gestaltet, den Lesern in Kürze Larstellten, da hieraus inehr, als aus allem Lobe, der Werth der kräftig geschriebenen Broschüre ern«effen werden kann. Möge sie den beabsichtigten und erwünschten Eindruck nach beiden Seilen nicht verfehlen! Vermischte Nachrichten und Notizen. Agram. (Israeliten in Kroatien und Slavonien.) Unter diesem Titel bringt ״Pozor" einen Artikel, welchen die amtlicke Agramer Zeitung auszugsweise mittheilt. Ter Verfasser, selbst Israelit, geht von der Ueberzeugung aus, daß die Zeit der vollständigen Gleichberechtigung der Israeliten jetzt kommen müsse, indem man den Gleichbelasteten auch die Gleichberechtigung in jeder Beziehung werde zuzugeslehen veranlaßt sein. Tag die Israeliten in Kroatien und Slavonien begonnen haben in nationaler Richtung.zu wirken, ergibt sich aus dem faktischen Bestand der Einführung der nationalen Sprache und Literatur an allen össeutlichen iSraelirischcn Schulen im Lande; aus der Wahrnehmung, daß auch Erwachsene, vorzüglich das Krauengeschlecht, das bisher in dieser Richtung Versäumte mit gieriger Hast nachholen, was durch rie namhafte Verbreitung der kroatischen Bücher und Zeitschriften unter den Israeliten in jüngster Zeit konstatin wird. Aus diesem erhelle nun. Laß rie Israeliten in den Städten — denn in den Törfern lernen sie die Sprache praktisch — den übrigen Einwohnern nickt nackstehen, wo auch diese die Naticnalfprache noch nicht derart zu bevorzugen gewohnt sind, wie es sein sollte. TieS sei aber nicht nur bierlancs, sondern auch anderswo, z. B. in Teutschland der Fall, wo man die französische Sprache mit besonderem Vorzüge behandelt. Endlich sei die Betheiligung der Israeliten an Vereinen, welche nationale Zwecke verfolgen, eine ganz verhältnißmäßige; wäre aber bei weitem größer, wenn schon vor Jahren der Beittill zu denselben gestattet worden wäre. Es wird zum Schluß darauf hingewiesen, daß sich die Israeliten in Kroatien und Slavonien erst seit drei Viertel Iakreu (seit dem kaiserl. Erlaß, welcher die Israeliten zum Grundbesitz berechtigte), als wahre Kinder dieses Landes sühlenr, sich beeilen, das etwa Versäumte nachzuholen, und wenn rie Na-! ticn.dieselben als untrennbaren Theil anerkennen wird, sie auch chrem Va-! lerlande, diesem Königreiche, mit Gottes Hilfe zu wahrem Nutzen und mit | der Zeit auch zum Ruhme gereichen, und indem uur riese die wahren na- ' rioualen Zwecke sein können, hierzu mit allen Kräften beitragen werden.! 0 Selcwitz. (Zur Gleichberechtigung der Konfessionen.) In rem kleinen Städtchen Selcwitz bei Brünn, haben sich mehrere christliche Famitien für den Wiederhclungs׳Unterricht ihrer Kinder, welche die Volksschule besuchen, eines ton wohnenden tüchtigen und inrellizenten jungen Israeliten bedient, weil die Volkslehrer diesen Familie» nicht genügen mochten. Ter Herr Seelsorger, von dieser Erziehungsmaßregel in Kenntniß ge- - ictzl, Halle nichts Eiligeres zu khun, als rie Enbcilung rieses Wiererholungs-Unterrichls zu untersagen; es gelang ihm sogar, ren jungen Israeliten aus tcm Crte zu entfernen, wodurch die betreffenden Familien, rie sich nickt sogleich einen entsprechenden Privatlehrer verschaffen können, in eine nickt gcrütge Verlegenheit gerieihrn. Rzezcw. (Ter neuernannte Bischof.) Herr Iasinski wurde I ren 21. v. 'M. in rer hiesigen P-arrkircke feierlich installirt. Sein Vorj ganger wurde bekanntlich zum Erzbischof von Lemberg ernannt. Bei dem-! selben halte vor einigen Tagen eine Teputation des hiesigen Israeliten-! Pest I8ö!>r Truck von Carl Werfer, ob Vorstandes Audienz, welche gekommen war, um ihn zu bitten, die Einttacht zwischen den Bekennern beider ReligionSkenntniffe zu fördern. Cie wurde vor Sr. Exzellenz aus'S Beste empfangen und mit der Versicherung, daß dies auch sein innigster Wunsch sei, entlassen. Er betrachte eS als seine Pflicht — äußerte er unter Anderem — die Bekenner aller Glaubensbekenntniffe, die doch Unterthanen desselben Kaisers, Kinder desselben Gottes sind, mit dem Bande der Einttacht und Liebe zu umschlingen. * Stockholm. Tie Verordnung, welche den Juden das Recht zuerkennt, überall im Reiche, sowohl in den Städten als auf dem Lande, festeS Eigenthum zu besitzen, lautet nach vorangeschickter Motivirung in wärtlicher Ucbersetzung: Die mosaischen Glaubensbckenner, welche schwedische Bürger sind, sollen das Recht haben, sich niederzulaffen und festes Eigcnthum zu erwerben und zu besitzen überall im Reiche, sowohl auf dem Laude wie in den Städten. — Im Zusammenhang damit wollen wir in Gnaden erklären, daß ausländische mosaische Glaubensbekenner, welche, nach erhaltener Erlaubniß nur bis auf Weiteres im Reiche sich aufhalten, das Recht besitzen sollen, wie bisher, eine von den Städten: Stockholm, Gothenburg, Norrköping und Karlskrona zum Wohnort zu haben. * Libau. Als eine bemerkenswerthe Thatsache spricht man hier viel von dem Eindruck, welchen eine Synagogeufeierlichkeit bei den hohen Herrschaften, welche hier zur Badekur sich aufhielten, gemacht habe. Der Thronfolger hatte den Wunsch geäußert, einmal den jüdischen Ritus zu sehen. Die Synagogcn-Ausbesserungen wurden daher beschleunigt, und am bestimmten Tage erschien der Thronfolger in Begleitung seines Bruders, seineS Vetters, des Grafen Sttoganoff, seines Curators und Gefolge. Man sagt, es fei dies das erste Beispiel in Rußland. Der Thronfolger zeigte sichtliche Rührung, als die ganze Gemeinde ihm das ״Gesegnet sei, der da kommt!" entgegenrief, und bat hierauf, man möge seine Anwesenheit nicht weiter beachten und den Gottesdienst ungestört seinen Fortgang nehmen lasscn. Ein fremder, gerade anwesender Prediger sprach das Gebet für den Kaiser und die kaiserliche Familie, deren anwesende Mitglieder er besonders segnete. Man will die kindliche Freude des jungen Großfürsten Nicolai vorzüglich wahrgenommen haben. Alle hohen Herrschaften blieben bis zum Schluß anwesend. Der Graf Skroganoff äußerte nachmals gegen den Vorsteher sich sehr zufrieden mit der durchweg erbaulichen Feierlichkeit. Er sagte unter Ankenn, ein eigenes Gefühl habe sich seiner bei der Betrachtung bemeistert, daß ein so lange niedergedrücktes Volk immer mit Muth an seinem alten Brauche festhält und sich mühsam empor arbeitet. Auch sonst hat man Grund zu hoffen, daß die Regierung, wie bereits in Riga, ferneren Reformen sich gewogen zeigen werde. (F. I.) 0 Stuttgart. Unter den Gesetzen, welche dem im Januar 1861 zusammenttetenden Landtage zur Berathung übergeben werden sollen, wird auch ein Entwurf genannt, welcher die Emancipation der Juden bezweckt. 0 A»S Erlau v. 16. wird dem ״Pest. Lloyd" geschrieben: Einige Ucbelredende wußten nichts Besseres zu thun, als das Gerücht auSzustreuen, die hiesige isr. Bevölkerung habe im Interesse ihrer Sicherheit höheren TrteS das Ansuchen um Vermehrung der hiesigen Garnison gestellt; gegen ein solches Ansinnen sprechen sich nun die Israeliten Erlau's in einer eben so würdig als patriotisch gehaltenen Erklärung aus, welche in den Spalten des ״Egri enthalten ist. 0 Bon M. Coster' s holländischer Ucbersetzung des ״deutschen Andacktsbuches für gebildete israelitische Frauenzimmer von Tr. M. Letten ris," nach der sechsten Prager Ausgabe, ist soeben die dritte Auflage in Amsterdam erschienen. . 1M Wochen-Kalender. Freitag 23. November — 9. Kislcw. SounnOciiö 24. ויצא ״ .10 ״ '£ r,ZT; Donnerstag 29. ״ .15 - ״ H-ft -- '2. v. 13 - 14,». Geschichtliche Gedenktage. 26. November 1749: Einführung der Toleranztaxe durch königl. Ungar. Statthalterei - Jnkimat. Eizentbümer. verantwortlicher Aedacteur nnc Herausgeber: Jttef Bärmann. re Donauzeile, Nako'sches Haus Ar. 10.