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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-11-23 · 17 (23.11.1860) · p. Seite 134

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
17 (23.11.1860)
Date
1860-11-23
Page
Seite 134 (sequence 6)
Language
German
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134 große ״Mehrheit, rer Pcjler isr. Gemeinde" sich einer solchen ״Compro- Mission" gegenüber der Sille und dem Anstand aussetzeu werde, um ihre etwaigen Wünsche und Forderungen in solcher wenig ehrenhaften Weise kundzugeben. Es zeigt aber auch von "Mangel an Unheilssähigkeit über Preßerscheiniingen von Teile der Angegriffenen und ihrer Freunde und Parteigänger, wenn sie sich so viele Mühe gaben, den Urheber solcher Seisenblase zu erralhen, und so weit sich vergaßen, geachteten Männern der Intelligenz und der Wiffenschast die Änsertigung derselben zuzumuthen. — Mehr Beachtung verdient allerdings der erwähnte Vorschlag in Nr. 265 des ״P. Lloyr" vom 17. d. M. — Ich habe nicht Lust, da mir alle Persönlichkeiten serne liegen, das Tünrenregister, welches auch da dem Vorstaute vor Augen gehalten wird, zu prüsen oder zu widerlegen, und wende mich mit meinem ernsten Proteste sogleich gegen den Kernpunkt des Vorschlages, worin angeblich eine Panacee gegen die beklagten Uebelstände liegenlsoll, — gegen den im Concurswcge auszumittelndea bezahlten Vorsteher. ״In kleineren Gemeinden genüge ein Ehrenvorsteher, eine große Gemeinde wie Pest aber bcnökhige — ״nach dem Vorgänge Prag's" — eines Salair-Vorstehers, der des Ungarischen, Teulschen, Lateiniscken mächtig sei n. s. w. (Und Xemikniß des Hebräischen, wenigstens Lesen des (Gedruckten, wäre vom Ueberfluß?) Ich muß gesteben, hier zum ersten Male die Prager Einrichtung rühmen zu hören; an Ort und Stelle war's nickt der Fall. Hingegen ist's niir von reckt vielen großen, geachteten und woblgeordneteu Gemeinden, wL Wien, Berlm, Breslau, Hamburg, Franksurt a. M. 11. A. nt. bekannt, daß die Leitung derselben Ehrenvorstehern anverkraut ist. — Stark an Seelenzahl und reich an EultuS-Unterrickts- und Woklthätigkeitsanstalten, so wie an liegendem Besitzt!,um und an Stiftungen, finden diese Gemeinden auck immer einen oder mehrere Männer, die mit der alrjüdiscken Wärme sür Geineintewcsen auck neuzeitliche Bildung genug besitzen, um'— nur ehrenhalber oder bester der guten Sache wegen — den Gemeindeangelegenhetken sich mit gewiffenhafter Treue zu widmen und ihre Brüter n'^ch Oben und nach Außen würdig und geziemend zu vertreten. — Sollte jmti einmal das Beispiel maßgebend sein, so spräche die Mehrzahl der Beispiele sür reu Ehren Vorsteher gegen den Salarinen. — Aus manchen Leser niag die angebliche ״Verantwortlichkeit" des vezahllen Vorstehers einen gewiffen Eindruck macken. — Aber ich frage: tocsür und wem märe dieser mehr verantwortlich als der andere? — Tein Gesetze veranlwolttich. d. h. rer Straft unterziehbar im Falle eines Vergetwns wie Veruntreuung u. s. w. ist Jeder, ob besoldet oder nickt. Tie öffentliche Meinung sitzt, in anderen Fällen die vom Gesetze nickt geahntet werreti, über den Einen wie über den Anderen zu Gerichte; und sic wirr über den Ehrenvorsteher, testen Zeit doch abläuft, eher bei rer periodiicken Neuwahl ihr stilles aber nachdrückliches Verdick zu sprechen Gelegenheit haben, als über den besoldeten Vorsteher, weil es cock schwer angeht, jedes 3ke und 4tc Jahr einen Vcrsteher-Ecncnrs auszuschreiben. Unk hier sei mir, jenen Stürmern und Trängern gegenüber, welche nur ׳Miner die ״Zeitgcmäßheit" und andere Schlagwörter im Munde führen, eine Beiiierkung erlaubt, nickt im Interesse dieser oder jener Persönlichkeit, dieser oder jener Verwaltung, sondern im Interesse eines Prinzipes nur zur Ehrenrettung jüdischen Gemeinsinnes: Bei allen Mängeln in den Einrichtungen jüdiscker Eulkus Gemeinden, bei allen grammatikalischen und orthographischen T eseclen in der münrlicken und schriftlichen Ansdrucksweise ihrer Leiter, — Eai'sen'Tcscete, die bekanntlich in vielen großen und kleinen Municipien nichts Ungewöhnliches waren, gehörten in den isr. Eulst-Gemeinren zu den allersellensten Ungeheuerlichkeiten; und Rechtschaffenheit »ud Gewisten- Hastigkeit in der Gebarung res Gemeintegutes zierte namentlich stets die Peiler Gemeindeverwaltung, — und ras zu einer Zeit, als durch die noch etwas mehr auronome Stellung dieser Gemeince, rer Umsang ihres Wirkungskreises ein noch ausgedehnterer war. Ja, fraget nur so niaucke Wittwen und Vormünder und Waisen, ob sie's etwa beklagen, daß die Cult.-Gemeinde- Verwaltung ebemals sogar auck ein Waisenamt gebildet, und zwei von deren BUtglierern stets, nur um der Ehre und des lieben Gottes willen, als scgenannle Waisenvärer amiirten. — Ich gedenke keineswegs dieser Autonomie das Wort zu reden, l>nd kenne wokr die söberen Gründe, welche, abgesehen vr» den Regierungsverordnungen, das Ausscheiden aller solchen autonomen Elenienreaus ccm Bereiche der Eulnis-Genieinde wünickenswerth machten: ich wollte nur erinnern, daß die Verwaltung durch Eh reu Vorsteher manche rühmliche Seite hatte, welche zu verkennen nur Wegwerfung und Selbst- Verachtung wäre. — Ich hätte noch so vieles gegen den bezahlten Vorsteher vorzubringen, hätte noch Manches über die Vorschläge der Herren L. R. Landau (Localbl. Nr. 267) und 2. K-n. (P.'Lloyd Nr. 267) zu sagen; doch die Zeit ist kurz und der Raum beschränkt; darum davon, so wie von dem mehr diplomatischen als würdigen Auftreten des löbl. Gemeintevorstandes in hastigen Inseraten und pfiffigen ConcursauSschreibungen später ein MchrereS. — Bis dahin mit... Ihr Rärlüs. y. Wie wir nachträglich durch die löbl. Tircction der isr. Lehrer-- Bilduitgsanstalt verständigt werden, waren die jüngst daftlbst vertheilten 150 fl. k. W. der Reinertrag einer bereits vor niehreren Monaten im hiesigen kön. städt. Theater zu diesem Zwecke ftattgefuntenen Theatervorstellung, welche vorzüglich durch Bemühung des Herrn SchnlaufseherS Tavid Gans veranstaltet worden. 1 (Eingesandt.) Es wird in den öffentlichen Organen die Frage vielfach ventilirt, wie in unserer Zeit der Regeneration die isr. Vorstände, sowohl in kleineren wie in größeren Gemeinden z» constituiren wären, damit selbe ihren Obliegenheiten, — umsichtige Verwaltung nach innen und würdige Vertretung nach außen — wahrhaft genügen. Es werken auckr manche Einrichtungen vorgeschlagen, die zur Erreichung dieses .Zieles am ehesten führen sollen. Ich schätze jede individuelle Anschauungsweise, wen» deren Richtigkeit sich auch im praktischen Leben nickt bewähren möchte, und erlaube ich mir hiemit zu erinnern, daß wir Israeliten nicht weit zu suchen haben nach rer Basis, aus welcher gestützt, bei Vorstaildswahten fürzugeheu ist. — Unser unsterblicher Lehrer, der Gortcsmann Moses hat sie i»! Buche der Ewigen Wahrheit in den wenigen Worten »iedergelegt: ״Schaffet Euch Männer, lie weise, einsichtig und gekannt sind" (V. B. M. c. 1). Intelligenz Wissenschaft und Reichthum sollen im Vereine zusainmenwirke», damit das Gute und Erle in Israel gedeihe und zur Volleutung reise. — -ll'itinsh. -־««««-- Lorrespondkn.z. Szolnok. Unser voriger Oberlehrer, Herr Perl, wirkt jetzt als dirigirender Lehrer an der rreiklassigcn Sckule in Tokay, wie wir hören, zur größten Zufriedcnheit der Gemeinde, nachdem der dortige Lehrer, Herr Weiß, als Haupt-Schuldirector nach Unghvär berufen worden. — Tie Leitung der hiesigen Schule übernahm Herr I. Spiegler, der im Vereine mit seinem wackeren Eollegen, Herrn Löwinger, sich die Hebung und Verbesterung der Schule sehr angelegen sein läßt, unk nach dessen Antritte dieselbe mit einer neuen Klasse bereichert worden. ' Aus Böhmen. In der bewegten Zeit in welcher wir leben, ist die Gelegenheit so selten geboten, Eintracht und Gemeinsinn zu finden, daß diese Wahrnehmung an Interesse und Anerkenuung gewinnt, und ich freute mich eilt Beispiel dieser Art von einer jüdischen Gemeinde mittheilen zu könneu, welche klein, der Zahl ihrer Mitglieder nach, durch tüchtiges Zusaminenwirken und brüderliche Eintracht, erstaunliche Erfolge nachweist. Horic in Böhmen besitzt eine Iureiigemeinde, deren Mitglieder, zumeist Fabrikanten, durchwegs iukelligcnle strebsame Männer sind, deren Gemeinde- Vorsteher aus ihrer Mitte gewählt, mit Umsicht und Eifer die Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten nnd Geschäfte führt, und thatkräftig von Allen unterstützt wird. Tiefem löblichen Wirken verdankt Horic Wohlthätigkeitsanstalten,tie nach dem Maßstabe der vorhandenen Kräfte bewunkerungswürdig siltd; der Unterricht der Kinder in allen Fächern ist-vorzüglich, und namentlich ist es Religion und Sitte, welche eifrig gepflegt und genährt werden, und der Sinn dieser Kleinen für die heiligen Ueberlieferungcn unseres Glaubens wird rege erhallen, ihre Anschauungen richtig geleitet, und ihrer Fassungskraft angepaßt. Tiefen Erfolg verdankt aber diese Gemeinde vorzüglich ihrem Rabbiner und Prediger, Herrn l>r. Adolf Ehrentheil, der es mit seltener Eonseguen; versteht, ras Gefühl dieser, mit Intnstrie und Erwerb so vielbeschäftigten Männer, für die Religion, deren eifriger Ver-. kundiger er ist, und für ihren Eultus, rege zu halten, der immer lhätig

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