Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 17 (23.11.1860)
- Date
- 1860-11-23
- Page
- Seite 133 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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‘•■י 133 O könnt Ihr tiefer die Moral, die göttliche, verhöhnen? — Berratb und Falschheit wollt Ihr feig' mit Glück und Würden krönen; Doch Treue, die Jahrtausende geheiligt und erprobt. Sie ist des HaffeS Beute nur, der gierig unS umtobt! — So achtet hoch der Juden Muth, den die Geschichte kündet, llud löflt die alte, schwere Schuld, vereinigt und verbündet! Jahrhunderte vennachten Euch die Sühne ihrer Schmach; Und Treue nur im Glauben war, was unser Volk verbrach! Die Einheit Gottes lehrten wir, der Tora Licht und Klarheit, Wir lehrten, daß Unsterblichkeit die Seelen führt zur Wahrheit; Und Menschenliebe übten wir, und Treue und Geduld; — So gebt uns nun Gerechtigkeit, als Sühne langer Schuld! — * * * Und riesen Weheschrei vernehmt, ans Tausenden den Einen, Ihr Fürsten, die Ihr Juda noch verschmachten laßt und weinen! In seinem Fürsten hat das Volk den Vater stets verehrt; Verstoßt den Sohn, den einen, nicht! — er ist des Ruhmes werth!— Vernehmt auch Ihr, Ihr Weisen all', den Schrei aus altem Stamme, Aus daß am hehren Geisteslicht die Liebe sich entstamme! — Die Finsterniß verbanntet Ihr, ein Morgen ist erwacht; So kämpft nun auch für unser Recht! — erhellt die letzte Nacht! — Vernimm auch Tu den Weheschrei, Tu Volk in weiten Gauen! Wie schmückt die Freiheit Dir so, licht der Hcimath traute Auen! Es steht der Bruder neben Dir, der Dir die Rechte drückt; Versagst Tu ihm die Freiheit noch, die Dich so hoch beglückt? — Wir dienen Alle einem Gott; und um deö Einen willen Laßt endlich Eure Fragen ruh'n und Euren Segen guillen! — Und wie wir GotteS Kinder sind, wir Alle im Verein, S o einigt Euch zum Bruderwerk und laßt uns Brüder sein! Zllinna tLohen. (Zcut Akk,I?u»q.) N. Götz Schwerill-Koh» ward im I. 1762 zu Schwerin a. d. Warthe geboren, und von redlichen, ziemlich wohlhabenden Eltern, den damaligen Anschauungen gemäß, von der zarteste» Kindheit auf, sorgfältig in streng talmntischcr Richtung erzogen, und eben so frühzeitig in das Läbyriuth der Geniara eingesührt. Mußte an diesem iinverwüstlicken Prüfsteine früh schon der Verstand des Knabe», und die Auffafsnngskraft sich schärfen, so scheint auch daS Gefühl der Selbstständigkeit, und mit ihm die Willens» nur Thatkraft sich daran entwickelt und gestählt zu haben;, denn nicht gering mag die Energie angeschlagen werde», die einen 12>ährigc», unmündigen Jungen wegen eines unbedeutenden Zwistes mit einer seiner Schwestern den traulich heimischen Herd plötzlich zu verlassen bewegt, nnd in die unbekannte Fremde hinauStrcibt. — Er floh nach Posen, wo er durch 2 Jahre beim dortigen Rabbiner (vulgo R. JoSkele), einem Eidam des berühmten R. Ez. Landau, sich fcitbilrcte. Die Pofener jedoch, nachdem sie die günsti- ׳gen Vermögcnsverhältniffe der Eltern des Talmudjüngers erfahren hatten, j weigerten sich, ihm weitere Unterstützungen angedeihen zu lasten, und dieser, um seinem Vater die Unterhaltskosten,zu ersparen, ging jetzt nach Presburg dem Athen des PilpulS, z» dessen Großmeister, dem Mahram Barbi.; Welchen Fond von Wissen im weiten Gebiete jener Folianten, welch' unj bezähmbaren Wissensdurst des 14jährigen Knaben, und endlich welche Fülle echter Sittlichkeit bekundet nickt der eine Umstand, daß unser Götz durch volle 7 Jahre aus einem und demselben Bucke mir dem gefeierten Lehrer die höheren Mysterien taliundifchcr Wissenschaft sich aneigne» durste? Und wie der Lehrer ihn erkannte, erkannten ihn anck nnd würdigten ihn bald ihrer vollen Aufmerksamkeit und Theilnabme mehrere Autoritäten jener Stadt. Der vielbekanntc Mäcen würdiger Backurim, R. Judah Dembitz nahm ihn znr vollständigen Verpflegung in sein vielgesucktes Haus, um seine» Sohn David, der kurz zuvor die nachmalige Wunderblume jüdisch weiblicher Intelligenz, die bekannte Resl Moor zum Weibe genommen hatte, in mannigfachen Wissenschaften auszubilten. Einundzwanzig Jahre alt, vom älterlichen Hause mit Anträgen zur Begründung bürgerlicher Selbstständigkeit bestürmt, suchte er sein Ziel in; Prag zu erreichen. Durch einflußreiche Protektion ward er gleich nach seiner Ankunft daselbst in eines der ersten Häuser, bei M. L. Wehli anfgenommen, wo er außer dem überwiegenden Talmudstudium, unter Leitung verschiedener Lehrer auch französische Sprache, Arithmetik, Algebra, u. a. ui. betrieb. — Diese generellere Bildung und Mannigfaltigkeit ermöglichte seinen Eintritt in das Haus dcS Herrn Abraham Przibram,' wo er als Lehrer und Erzieher deS Sohnes fungirte, und gleichzeitig vor den damaligen hervorragendcrcn Gliedern der Jeschibah öfte/e Vorträge hielt, denen unter Andern die Herren Bezalel Ransbnrg und Ephraim Wehli beizuwoh׳ nen nicht "verschmähten. _ __(Schluß folgt.) P-l>. I. Herr Redactcur! Mit Verwunderung bemerkt ein Theil der Leser Ihres Blattes, daß die Mittheilungcn unter der Rubrik Pest seit mehreren Wochen auf ein Minimum reducirt sind; und während wir ausführlichen Berichten aus manchen großen und kleine» Gemeinden begegnen, finden wir nur spärliche Lebenszeichen ans unserer wcrthen heimathlicken Gemeinde, der׳ größten im Vaterlande. — Sollte dies Schweigen ein Eompliment für dieselbe sein, etwa in dem Sinne, wie der Dichter die Frau für die vorzüglichste erklärt, von welcher am wenigsten gesprochen wird?,—, Ich glaube nicht, daß solches Eompliment in Ihrer Absicht gelegen; am allerwenigsten entspräche es dem Geiste und der Stimmung einer beträchtlichen Zahl von Gemeindegliedern, die seit einiger Zeit mit Gcmeindeangelcgenheiten und Gemeindeverwaltung, vielleicht mehr als noth thut und gut ist, sich beschäftigen und einer leidenschaftlichen Aufregung sich hingebcn, welche gegen die sonst wakrgenommene Apathie auffallend absticht. — Als treues und wahrhaftiges Organ für unsere Interessen und Zustände muß Ihr Bl. wohl Act von der herrschenden Stimmung nehmen; mir aber erlauben Sie, einige »»befangene Bemerkungen in mehreren nach einander folgenden Zuschrislcn darüber auszusprccken. — Die Gährung ist, ob berechtigt oder nicht, durchaus nickt wegzulcug׳ nen, und es ist daraus zu schließen, daß ״etwas faul sein müsse im Staate Dänemark." Zur Stunde ist der Eult.-Gem.-Vorstand d(r Sündenbock, aus den von vielen Seiten loSgeschlagen wird, und gegen welchen schon manche Expcctoration in öffentlichen Blättern laut geworden. — Auf uns, . denen — nebenbei bemerkt — der Gemeindefaal eine t<!1׳r:r iueognitn ist, und denen keine nähere Beziehung zu den Männern, die dort tagen, den Berns zum Kläger oder zum Anwalt nahe legt, haben die bisherigen Erörtcrungcn einen höchst unerquicklichen Eindruck gemacht. In Tagen wie sic heute sich anlasse» unk zunächst sichgestalten, thätcn wahrlich höchste Eintrackt und festes Znsammenhalten doppelt noth, und läßt sich aus allen Recriminationen und Schmähungen noch weniger Heil als sonst prognosticiren. — Ferner kann man sich nicht erwehren zu bcmerkeii, wie schwach die menschliche Natur nnd wie wandelbar die Aura populär'!» ist. — TheilS direct, thcilS indircct aus einer Wahl hervorgegangen, für welche eine ziemlich breite Basis gegeben war, von welcher man den Beginn eines neuen Zeitabschnittes im Genieindelebc» datiren wollte, mochten sich die gegenwärtigen Leiter der Gemeinde mit Stolz die Männer des allgemeinen Vertrauen« nennen; — nnd heute sind eS nickt vereiiizelte, sondern ein imposanter Chor von Stintmen, welche über Herabwürdigung des GemeindeansehcnS, über mangelhafte Vertretung nnd schinähliche Verwahrlosung der Gcmcindcintcrcsscn Zeter schreien. — Ist diese Erscheinung, wie man etwa glauben könnte, blos Folge der jüngsten polstischen Ereignisse und der durch diese veranlaßtcn Richtung ans ein gewisses Ziel, dessen Erreichung matt durch daS Gebaren deS Vorstandes gefährdet wähnte? Äeinesweges. Sie katirt, nach!»einem Dafürhalten, von früher her, und ihr Grund liegt tiefer, worauf ich jedoch ein anderes Mal zurückzukommen gedenke. — Zunächst möchte ick nur die jüngsten Kundgebungen dieser heftigen Opposition in's Auge fassen. — Eine kurzangebimdene Ausforderung an den Gemeindevorstand zum Abdanken, welche im Sprechsaal des ״P. Lloyd" und deS 1״*. Naplö" zu lesen war, so wie ein Vorschlag in Nr. 265 des ״P. Lloyd" erregten besondere Aufmerksamkeit. — Erster« beweist eine noch sehr printitive Anschauung von Seite deS Einsenders, der sich einbildet, der Welt wirklich glauben zu »rachen, daß die