Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 17 (23.11.1860)
- Date
- 1860-11-23
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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—-« 132 Vision der Statuten nickt ohne wesentlichen Nacktbeil unberücksichtigt bleiben darf. Nachdem der Verein in den Jahren seiner ersten Wirksamkeit seine sogenannten Lehrjahre durchgemacht, in welchen er die nöthigen Erfahrunzen auf dem Gebiete seiner Tbätigkeit zn macken Gelegenheit hatte, wollen wir gerne annehmen, daß er wahrend seines unfreiwilligen Stillstandes auch seine Wandersahre bereits zurückgelegt, und nunmehr neu gestärkt und neu beseelt bereits die Meisterlaufbahn betritt. — Wobl muß seine Aufgabe jetzt wie vor dieselbe bleiben; aber sie soll von einem böhern und weitertragenden Gesichtspunkte ausgehen. Vor Allem aoer dürfen die Leiter des Vereins nickt vergessen, Laß eine 12jährige Pause nickt obne allen Einfluß vorübergesckritten. Das Ziel muß heute in anderer Weise herbeigesührt werden, als dies in den Jahren 184-1 —1847 8 der Jvaü gewesen. Gegenwärtig bedarf die bloße Verbreitung der Sprache und ihre Einführung in Schule unk Haus nickt mehr jenes starken, nachhaltigen Impulses, ressen sie in rer ersten Zeit der Wirksamkeit bedurfte. Mindestens darf der Schwerpunkt der Vereinsthäti'gkeit nickt dahin verlegt werden. Mittlerweile ist in dem Bewußtsein der jüdisch-ungarischen Bevölkerung eine nickt zu verkennende günstige Wandlung eingetreleu, die der Aufgabe des ״Ma״var. ׳•gvlet" wesentlich erleichternd zu statten kömmt. — Gott sei Tank, ist bereits die Notbwendigkeit eines brüderlichen Anschlusses an die berrsckende Nationalität des Landes in's allgemeine Bewußtsein des Volkes übergegangen. Ja mcbr noch, die Nothwendigkeit der Aneignung des ungarischen Idioms kann getrost rer mächtigen Strömung rer Zeit überlassen bleiben, deren überwältigender Schnellkraft sich deiner ju erwehren vermag, obne ein Opfer seines Starrsinns zu werden. Sckon als Kluzheitsmaßregel betrachtet und als eine von rer Lebeusvraris gebotene Ausgabe, ist die Verbreitung der Landessrracke unter der isr. Bevölkerung zuveeftcktlich zu erwarten — und ist nur noch von dem Aufblühen und Entarten der nngarisckeu Nationalität überhaupt, sowie von dem Ausmaße der dem Juden cinzuräumenden Neckte insbesondere allein abhängig. Würde sich demnach der Verein aus die Verbreitung der Kenntniß der ungarischen Spracke beschränken, so wäre dies gerade so, als ob man einem im besten Zuge besiudlicken Train durck Austeiniiicu rer Arme nackhetsen wollte. Man hat in letzter Zeit — wenn auch im vorwurfsvollen vsinttc so haussg auf die Juden in England und Frankreich hiugewiescn, die bereits im besten Sinne den NaturalisirungSproceß durchgemacht haben. Wir nehmen die Hinweisling aus riese Länder gerne an, um zu beweisen, daß so wenig es dort des äußern Zwanges, der besondern Aussordernng, der Vorwürfe oder auck nur der Ilnterstützung bedurfte, um die dortigen Juden für die Spracke res Lances zu beseelen, es dessen eben so wenig bei ׳uns bedürfe: da ja in Gegenden, wo die Majorität rer Bevölkerung ungarisch ist, ohnehin die Magnarisirung in erfreulichster Weise vor sick gegangen. Ist aber ras Ziel, das sich rer Verein ehedem vorgesteckt, ein zu nahes, das in kurzer Zeit seine vollständige Lösung erhalten, unk somit ras permanente Bestehen desselben von Vorneherein in Frage stellt — so steht tem Vereine ein Gebiet der Tbätigkeit cssen, das von ungleich größerer Tragweite ist unk nachhaltigere Wirkung verspricht, als das bisher ins Auge gefaßte. — Tiefes Ziel besteht in dem Streben zur Förderung und Ver-. breitung der ungarischen Literatur und Wissenschaft in directer Welse! Ja, Betbätigung an der vaterländischen Literatur, ras wäre die reckte und würdige Ausgabe, die sich der neu ins Leben tretende Verein zu stellen berufen ist. —Er kann diesen hohen gefaßten Zweck durch verschiedene Mittel und auf verschiedene Weise bewerkstelligen. Unter Anderem durch periodische Ausschreibung von Preisen für die besten Leistungen jüdischer Literatur in ungarischer Sprache, durch Unterstützung bereits anerkannter jüdischer Literaten und wissenschaftlicher Capacitäten, durck Herausgabe volksthümlicker Schriften für Jung Tind Alt, für Hans und Schule, mit besonderer gewissenhafter Berücksichtigung des jütisch-ungarischen Inhalts. Aber noch ein anderes Feld nutzreicken und jüdisch-patriotischen Wirkens liegt ossen da! Es ist die .Kundgebung in der Presse zur Belehrung, Eirnahnung und nklhigensalls auck zur Wahrung der Würde unk Ehre des Judenthums gegen ungerechte Angrisie. Wir stehen nickt an, die letzte Ausgabe etwas schärfer zu betonen, als es sonst zu geschehen pflegt. — Tiefer Umstand erscheint uns um so dringlicher, als in letzter Zeit nickt selten rer bedauerliche Fall eingetreten, wo auf ungerechtfertigte Angriffe in der ungarischen Presse eben so ungerechtfertigte Widerlegungen von Seiten einiger Unberufenen abgegeben worden — die nur zu beirren, statt rufzuhellen geeignet sind. — Es sei deShalb eine der Aufgaben des Vereines, bei ähnlichen Vorfällen aufrichtige, freimüthige und unbefangene Aufklärung zu veranlassen oder offen abzugeben. Eine solche, die höheren Interessen des ungarischen Judenthums ins Auge fassende Tendenz scheint uns eines ״Izraelita magyaritö egylet" vom Jahre 1860 würdig zu sein! F-n. Die Jnbcnfrajjt. *) Es schleicht so schaurig ein-Gespenst durch langer Zeiten Räume, Von Wahn gezeugt, von Haß genährt, gehüllt in Nackt und Träume: Wie höhnt und schmäht der Schatten trüb' ringsum den lichten Tag Und ruft der Trauer Wehesckrei in tausend Herzen wach! Tu kennst es wohl, das Schreckgespenst, die ewig junge Klage; Es ist die Schmack der Menschenwelt, es ist — die ״Judenfrage"! — Ihr fragt, ob Juden Menschen sind und Eurer Freiheit werth? — Es schändet Euch der Zweifel nur, der Eure Opfer ehrt! — Tie Erde voller Lust und Pracht beglückt voll Liebe Jeden, Und von der Sonne Licht und Macht darf jede Zunge rede»; Ein jedes Her; kann Lieb' und Treu' dem Kreis der Seinen weih'n Und glücklich, recht nach Menschenart am eig'neu Herde sein. Auch jeder Geist darf gottersüllt des Himmels Licht erfassen; — Seht, also hat es Gott gemacht — und Ihr, Ihr wollt uns Haffen? — - Mit gleichen Gaben schmückte Er, uns Alle treu und mild; So bannt den Haß, mit liebt auch Ihr, nach Eures Gottes Bild! — Was thateu wir? — Ein Fremdling däucht der Jute Euren Gauen, Und dennoch ließ uns Roma sckon die neue Heimath schauen; Ter Völker Wandern nur Vergeh'!! zeigt die Geschickte klar; — Wer weiß, ob Eure Ahnen einst das Vaterland gebar! Was hat der Jude Euch gcthan? — Er brachte Gottes Lehre, Er lebte, litt und wirkte nur, zu res Alleine» Ehre; Tas erste rlwlk in jener Zeit, das Gott den Herrn erkannt. War es der Wahrheit Bote stets in (Lottes Vaterhand! Tas Mittelalter schloß sich zu, das unser Blut vergossen; Tes Licktes rühmt Ihr jubelnd Euch, Ihr stolzen Zeitgenossen! — O eben weil das Morgenroth so goldig uns erscheint, Erniedrigt jede Thräne Euch, die ein Gekränkter weint! — Tie Mönche sannen' Martern aus, der Menschlichkeit zum Spotte; Euck schmäht die Judensrage mehr, als Jene die Schaffotte! — Tie Zeit der Folter war umhüllt von Dunkel, Wahn und Nacht; Tech Ihr versagt tas Menschenrecht und seid zum Licht erwacht! So bringt die Frage, schmacknmhüllt, bringt endlich sie zum Schweigen, Und statt der Antwort sollt Ihr nur die Macht der Liebe zeigen! Vergeben ohne Sühne, sei der alten Tage Leid; Gerechtigkeit nur heischen wir: so übt Gerechtigkeit! Zum Mitleid wollen -nimmer wir erweichen die. Gemüther; Verstand, der kalte, werbe kühn, um uus're Mcnsckcngüter! Laßt Bürger uns im Staate sein, tem uns're Kraft gehört! Ihr habt sckon lange frevelhaft der Juden Glück gestört! — Wie darf der Glaube, gottgesankt, den Bruderzwist entfachen, Und eine Mette sein zum Truck, rer Wenigen und Schmacken? Tem Tckkpfer gleich, soll liebend er vereinen Her; an Herz, Und allen, allen Menschen sein, die Brücke himmelwärts! — Dock weil wir glauben, seid Ihr taub und sä't des Hasses Saaten. Tenn Freiheit ist und Menschglück, der Lohn der Apostaten! — Geknechtet sind wir heute noch; — ein Wort der Heuchelei, Ein Waffertropfen nur — genügt, — und morgen sind wir frei! — Tie talentvolle Lerkasierin tes vorliegenden Gedicktes ist ei» lvjäbriges Mätcken, Tochter eine» isr.Arztes in Elmsborn ׳Holstein). Manche gelungene Ticktung der geedrt. Einsenderin wurde bereits in anderen jüd. Zeitschriften verössentlicht. (Rev.)