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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-11-23 · 17 (23.11.1860) · p. Seite 131

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
17 (23.11.1860)
Date
1860-11-23
Page
Seite 131 (sequence 3)
Language
German
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— -»» 131 «*•— ‘ wahrt werde. In dem Streben nach Verschönerung und Veredlung der C»ltusformen erblickte er auch nicht bloße Aeußerlichkeit, sondern erkannte ein wahrhaft religiöses Moment darin ״denn mein Haus soll von allen Bölkern ein Gotteshaus genannt, als solches erkannt und geehrt werden." In den Wirren deS Jahres 1848/9 und der darauf folgenden Zeit, da die Sorge wegen Strassteuer u. s. w. schwer auf der Gemeinde lastete, mußte natürlich jeder Gedanke an Tempelba» in den Hintergrund tre׳ ken; persönlicher Ehrgeiz, der das Werk nicht von anderen Händen auSgeführt sehen wollte, wußte 1851 eine fernere Vertagung zu erzwinge»,- bis endlich 1853 ernstlich dazu geschritten und der Bau begonnen wurde. — Wie Schwab hiebei durch sein versöhnendes Wort neu auftauchende Schwierigkeiten zu beseitigen mit Erfolg sich mühte, dürste nur einen Thcil unserer Leser interessiren, der aber hievon bester als wir selber unterrichtet sein mag. Ein rühmliches Blatt in Schwab'S Leben füllt besten Thätigkeit — soweit solche mit dem Berufe deS Seelsorgers verträglich — in Bezug auf Alles waö zur Verbcfferung der politischen und bürgerlichen Stellung der Israeliten, zur Abwehr ungerechter Angriffe, zur Aneignung nationaler Sprack e und Gesinnung und zur Förderung gemeinnützigen patrictiscken StrebenS beitragen konnte. — Aus dem Lande der Knechtschaft, wie das vormärzliche Mäbrcn süglich von dem Juden genannt werden konnte, red dort an eine Berbesterung seiner Lage auch nicht in! Traume zu denken wagte, war S. nach Ungarn übersiedclt, in ein Land, das nicht nur durch die Abwesenheit so vieler Beschränkungen und Lasten als ein Land der Freiheit dagegen erschien, sondern wo allein im weiten Gebiete des Kaiserreiches die Stimmen der Edelsten laut wurden für manche freisinnige Idee deS Jahrhunderts, und wo die Mehrheit der Bcvölkening durch religiösc Toleranz und Unbefangenheit sich vortheilhaft auszeichnete vor der, in deren Mitte er bisher gelebt hatte. Bald lernte er seine neue Hcimath und ihre Institutionen trotz der viel verschrieenen Mängel achten, ehren und lieben, aus voller innerer Anerkennung und lleberzengung, die mehr Wärnie gicbt als die instinctinäßige Vorliebe für die Scholle wo der Zufall geboren werden ließ. — Tie Stellung der Juden in Ungarn war schon oft Gegenstand berathender Versammlungen gewesen, und wurden von manchen EomitalS-Eongrcgationcn die liberalsten und freundlichsten Jnstnictionen darüber ihren Abgeordneten ertheilt. — Im Jänner 1840 beschlossen die in Pest tagenecu Deputieren der jüdischen Gemeinden, an den in! vorhergegangcneu Sommer zusammengetretenen Reichstag die Bitte um Verbcfferung der Lage rer Juden zu richten. Schwab entwars die Petition, welche ini Feber den Ständen überreicht wurde, und die wir heute nach zwanzig Jahren mit einem Gemisch von Befriedigung und Wehmulh lesen; mit Befriedigung darüber, daß doch so manches in unserer Lage anders und besser geworden, mit Wehniuth weil ach so gar Vieles in dcui Schriftstücke noch immer nickt veraltet ist. Aus eben diesem Grunde erlauben wir uns Einiges daraus mitzutheilen. — In den einleitenden Worten, an welchen seiner Zeit ausländische die Haltung des Ganzen lobende Beurtheiler den etwas theologisirenden Ton rügten, wird die in den Herzen aller ungarischen Israeliten festgewurzelte Ueberzeugung ausgesprochen: daß eS wohl nicht erst der gegenwärtigen Petition bedürfte um die fürsorgende Weisheit einer h. Reichsversamnilung aus ken beklagenswerthen bürgerlichen und socialen Zustand der Israeliten hin zulenken; doch fühlen sich letztere vorzüglich daruni gedrängt mit ihrer Supplik zu nahen, weil das verttauensvolle Hanen und Schweigen von de» Gegnern häufig mißdeutet und zum Beweise gebraucht worden: ״daß der ״größte Theil der Juden, theils aus Superstition, theils aus Indolenz 11. s. w. ״jeder Reform ihrer bürgerlichm Verhältnisse abhold ist, und anS der ge- ״genwäNigen Lage gar nicht herauszukommen wünscht." s) — Hierauf folgt eine wahrheitsgetreue, nickt überladene Darstellung der traurigen bürgerlichen und politischen Lage der Juden, die zuletzt in folgende Worte zusanimengesaßt ist: ,/Noch immer wird der Jude, den das Vaterland schon vor vielen Jahrhunderten in seinen Schooß aufgenomme», der mit allen Fasern seines inner» und äußeren Lebens in dem heiligen Boden dieses Vaterlandes wnr- ״zelt liiid bereit ist, eS mit Gut und Blut zu vertheidigen, als Fremdling */ Etwas ÄehnlicheS ist wie bekannt neck! in der letzten Zession der preuß. Ab.zeortneten Kammer behauptet werden. — ״im Lande betrachtet, während doch der wirkliche Fremdling selbst allenthal- ״ben nur einer kurzen Frist zur Naturalisirung bedarf." Die Israeliten Ungarn-, heißt eS ferner, tragen das herzerhebende Selbstbcwußtsei», dem höchst verderblichen Einfluffc, welchen solcke AnSnahmsstcllung ihrer RaMr nach, in moralischer und intellectueller Beziehung, hätte übeiz müssen, widerstanden zu habe»; sie seien sich bewußt, an Treue und Ergebenheit, a» Liebe und Hingebung den übrigen Bewohnern des Va terlandeS nickt nachzustchen u. s. w... bewußt endlich, weder durch Religion noch durch Denkungsart noch durch Volksthümlichkeit zu solcher Stellung prädiSponirt zu sein, indem sie bei aller religiösen Absonderung, i» dem was dem Menschen, als Menschen, nahe geht, was zur bürgerlichen und gesellschaftlichen Ordnung u. s. w. niit ihren nicktjüd. Mitbrüdern ein Her; und eine Seele zu sein wünschen... Im Hinblicke auf den Umstand, daß bereits die Reichsvers. im I: 1791 die Notbwendigkeit einer Vcrbefferung der Lage der Israel, cinstimmig anerkannte, wird die Bitte formulin: daß die h. Reichsstände eine» Act der Gerechtigkeit und Humanität vollziehen und den Beschluß fassen mögen, daß den Israeliten des Kknigr. Ungarn die staatsbürgerlichen Rechte ertheilt werden sollen. — Nach dem Hinweis auf Engiand, Frankreich, Belgien, Holland, Baden, re. re. wo die Inden schon völlig oder doch in den ineisteu Beziehungen gleichgestellt sind, und alle die Befürchtungen, welche die Gegner vorzu׳ bringen lieben, sich als grundlos bewiesen haben, wo Staatsniinister wie Merilhou in Frkr., Winter in Baden u. A. sich vielmehr sehr günstig über die heilsamen Folgen der Enianzipation ausgesprochen haben, schließt die Petition mit den Worten: ״Wir glaube»... uns der fteudigen Hoffnung ״überlassen zu dürfen, daß.... unsere flehende Stimme nicht verhallen, und ״in den für alles Große und Edle schlagenden Herzen der erhabenen Gesetz- ״geber Anklang finden werde. — Die huldreiche Gewährung .... würde ״Hunderttausende treuer Landeskinder zu neuem Leben wecken, würde für sie ״ein neuer Grund sein zur tiefftcn Verehrnug und innigste» Dankbarkeit ge- ״gen die erhabenen Reichsstände, würde sie noch vzniiiger und unauflöslicher ״au taS Vaterland knüpfen und zu nock treuere» und gehorsameren Unter- ״thane» machen!" ^Fortsetzung folgt.) Magyaritö Kgylet. Der 1844 zum Bchufc der Verbreitung der uugarifchen Sprache und Literatur unter den Israeliten Ungarns gegründete ״s/.1-t<-Iitn->l1nM»ritt', ,---vlvt" soll nach einem durch die Ungunst der Zeiten und Verhältnisse herbeigeführtcn nahezu l 9jährigen, Stillstände — nunmehr seine längst erwünschte Rekonstitliirung erlangen. Diese Kundgebung edler Regsamkeit unter der Pester isr. Bevölkerung ist um so erfreulicher, als sie die erste ist, womit sie der anbrechenden Neuzeit anerkennend und huldigend entgegen tritt. Vor wenigen Tagen haben bereits die nöthigen Vorberathnnge» zwischen den ehemaligen, noch heute, für die Sache begeisterten Mitgliedern des Vereines stattgeflindeii, und ist auch schon zur Revision der Statuten geschritten worden. Ursprünglich sollte die Hauptaufgabe des Vereines darin bestehen, daß er die Aneignung und weitere Ausbildung der Landessprache unter den Israeliten aus jede mögliche Weise herbeizuführen suche. Er sorgte deingemäß für ein mit Büchern und Zeitungen wohlversehencö Vereinslokale, woselbst anch auf Kosten und Veranlassung deS Vereines regelmäßige Vorlesungen, belehrenden und anregenden Inhalts, in ungarischer Sprache gehalten wurden; ferner übernahm er die Ueberwachnng des Jugendunterrichtes in sämmtlichen jüriscken Privat- und öffentlichen Lehranstaltcn Pest's, soweit die« die Pflege der ungarischen Sprache betraf, gründete selbst eine Mädchen- Schule »nd Bewahranstalt und trat auch in dem letzten Jahre seines Bestandes 1847 '8 mit einem taktvoll redigirten und vock tüchtigen Kräften zen-' genden Jahrbuche: ״Zsidö Nnptnr" würdig in die Oeffentlichkcit. Die Erfolge dieses lobenSwerthen, patriotische» StrebenS gaben sich nicht bloS in den Jahren seiner Wirksamkeit unmittelbar zu erkennen, sonkeru müsseit nock heute in ihrer segensreiche» Nachwirkung von jedem unparteiisch llrtheilenden gewürdigt werden. Hieraus ist auch die ungetheilte, freudige Sensation z» erklären, welche die Nachricht von dem Wiederaufleben dieses schonen, ge ineinnützigen Vereines allenthalben in jüdische» wie nichtjütischen Kreise» hervorrnft. Jndeß hat sich doch so manckes seit dem. Jahre 1844 — der Zeit seiner ersten Begründung — geändert, waS gegenwäoig bei der Re-

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