Mannheim
Compact Memory

Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-11-16 · 16 (16.11.1860) · p. Seite 126

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
16 (16.11.1860)
Date
1860-11-16
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4884143-5427047-5427089--162-4884290
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

—.»» 120 »»-— Verfasser der mit allgemeinem Beisalle aufgenommenen ״Charakterbilder^^ 5 wetthvolle Werke;u deinselben Zwecke geschenkt. Ten edlen Sckulwohlthätern wird hiermit für diese Spenden der wärmste Dank ausgesprochen. dl. Lederer, Pest, den 13. November 1S60. Direcwrder k. k. i«r. Muster-Hauptschule. L. Herr M. A. Weiß, Milvorsteher der hiesigen Cultusgemeinde, beehrte den 12. November die isracl. Muster-Hauptschule mit seinem Besuche, um nach dem letzten Willen des seligen Gemeinderathes Herrn Wolfgang Holitscher die jährliche Bekleidung hiesiger armer Waisenschulkinder zu ver« anlaffen. An der obgenannten Anstalt wurden somit 10 arnie elternlose Scküler vollständig bekleidet. k. Sicherem Bernehmen nach ist Herr A. Tatay von Seiten res hiesigen Vorstandes mit der Uebersetzung der in der Synagoge bis jetzt üblichen deutschen Lieder ins Ungarische, behufs demnächstigen Gebrauchs beim öfientlichen Gottesdienste, betraut worden. 8. Unser nächstes Blatt bringt eine Besprechung der in der vorigen Nummer erwähnten Broschüre des Herrn Rabbiners L. Rokonstein ״A’ magvar Izraelita 1 י^<'>< •-ik <-vben." — >KI<- <Corrtfp0«ben3. jiaschau. (Ein offenes Wort über die hiesigen isr. Schulzuftänve.) Tie Wohlthätigkeits - Erziehungs- und sonstigen gemeinnüzigen Anstalten einer Gemeinde sind ras untrüglichste Zeugniß von deren Lebensfähigkeit, Eintracht und Gemeinsinn; so wie das Nichtzustandekommen, oder der Verfall solcher allgemein als unentbehrlich erachteten Institutionen auf einen in der Gemeinde tief wurzelnden Krebsschaden nothwendig hinreuten. Unter allen Obliegenheiten aber einer auch nur halbwegs geregelten Gemeinde, nimmt unstreitig die Sorge um die Erziehung der Jugend den hervorragendsten Platz ein, unk das Kleinste was in dieser Richtung verabsäumt wird, — mögen die Ursachen wie immer geartet sein '— kann nicht hart genug getadelt werden. Es sei zwar hicmit nickt gesagt, daß in der Gemeinde K. für das Schulwesen wenig, oder gar nichts gethan wurde; im Gegentheil, es geschah hier in dieser Richtung das Möglichste; allein die angewandten Mittel und die An wie die Schulen jedesmal ins Leben gerufen wurde, mustten von vornherein jede Hoffnung aus einen längeren Bestand illusorisch macken. — Ter gänzliche Mangel an einer geordneten Volksschule begann schon vor einem Tezennium sehr fühlbar zu werden, und das Verlangen nach einer solchen wurde immer allgemeiner, bis endlich die Gemeinde-Repräsentanz die Initiative ergriff, und die heistersehnte Sckule zu Stande brachte. Tiefe Lehranstalt, wiewohl in ihrer Anlage sehr bescheiden, entsprach dock ten augenblicklichen Bedürsniffen, und dann war ja durch sie der erste Sckritt zum Befferen gethan. Tie Quelle, der man die Geldmittel entnahin, bildete sich auS dem Schulgelde, und der seit undenklichen Zeiten in dieser Gegend bestehenden Fleisckabgabe In letzterer Steuer haben die Gemeindebedürsnisse hier stets ihre hinlängliche Bedeckung gesunden); und in der That war anzunehmen, daß bei einem Stand von circa 200 Familien eine tägliche Zunahme und sonnt ein kräftiger Faktor für die Fortentwickelung der jungen Anstalt sich ergeben würde. Tock alles Irdische ist vergänglich, und rer Untergang dieser kaum im Keimen begriffenen Sckule war schon früher, — wenigstens schien es so, — im ^chooste rer Genieinde beschlossen! — — — Mil der Wirksamkeit der jungen- Sckule begannen auch die oppositionellen Elemente ihre Thätigkeit, und es war des Haders nicht eher ein Ende, bis sie nicht wieder aus dem Wege geräumt war! —-_ Bei der im Iahte 1*50 erneuert ins Leben gerufenen zweitlassigen Volksschule, war der Gemeinde-Vorstand, wiewohl sonst von den besten Ab׳ sichten geleitet, — was wenigstens vorausgesetzt werden mnst, — in der Dahl der Mittel sehr unglücklich. Tie frühere Gepflogenheit, die Schule von den eingehenden Fleischabgaben zu erhalten, drückte Niemanden. Nun wurde aber zu diesem Behuf eine ganz eigene, neue Abgabe kreirt, die der frühen! gar nickt entsprach, und aus einem großen Tbeil der Gemeinde um Vieles schwerer lastete, als jene. Tie Konsequenzen ließen natürlich nicht lange auf sich warten, eS wahne kaum ein Jahr, und die Schule hat zu existiren aufgehört! — — Nun krängt sich die Frage auf: wo denn eigentlich der Grund aller dieser Ealamitäten liegen mag? und ist es denn möglich, daß eine Gemeinde von 200 Familien und einer zahlreichen Intelligenz des kostbarsten Gemein?- degutes, des geregelten IugendunterrichteS, entbehren kann?-Ich wäre sehr geneigt, den Grund der ungünstigen Schulverhältniffe in K. zum großen Theil in der obersten Leitung der Genieinde zu suchen. Tie Mehrzahl, — sei es einer Nation, einer Gemeinde, oder sonstigen Körperschaft, neigt sich im Allgemeinen immer zum Bessern hin, — Er kann daher mit größter Zuversicht angenommen werden, daß wenn die Leiter der Genieinde den Rath gewiegter und einsichtsvoller Männer berücksichtigt hätten, derartig ttaurige, ja kaum verantwortliche Erscheinungen nicht vorgekommen wären. Es ist durchaus nicht meine Absicht, die Intentionen des Vorstandes in ein ungünstiges Lickt dadurch zu stellen Tie Vertretung und Leitung einer Genieinde ist «in schönes, — zwar wenig dankbares, aber um so heiligeres Amt, und daß auch der Vorstand der hiesigen Gemeinde dies begriffen, daran konnte ich nie zweifeln! — An Euch daher, Ihr Männer der Intelligenz dieser Gemeinde, ergeht der wohlgemeinte Ruf: ״Versündiget Euch nicht an dem Kinde!"; wenn auch so viele heilsame Institutionen in dieser Gemeinde schmerzlich entbehrt werden, so ist es dennoch zunächst von der Dringlichkeit geboten eine einer jütischen Gemeinde entsprechende Schule ins Leben zu rufen. — Darum schreitet an das große Werk und höret nicht auf diejenigen die da sagen: ״Ter Tag ist groß und lang" es ist noch immer Zeit; — renn die täuschen sich bitter, und bereuen es dann zu spät. Ist einmal der Grundstein zur ersten heilsamen Anstalt gelegt, kann wird eines dem andern rasck auf dem Fuße folgen, und Synagoge und Schule, werden blühend dastehen, wie es der Würde einer geregelten israel. Gemeinde angemessen ist. .1. fr. Tkmesvar, 2. November. In den ersten Nummern dieser gesckätz׳ ten Zeiffchrist ist eine der wichtigsten Angelegenheiten jeder und der hiesigen Gemeinde, die Rabbinerwahl, einer eingehenden Besprechung gewürdiget worden. Toch wurden damals nur die vorherschenden An- und die sich bekundeten Absichten verzeichnet; heute hingegen sind wir in der Lage über Thatsacken berichten zu können. Tie Rabbinerfrage, obgleich von den politischen Veränderungen der letzten Zeit beeinflußt, — so z. B. wird jetzt schon von Vielen bei dem anzustellenden Rabbiner auf Kenntniß der ungarischen Sprache reflektirt — ist dennoch in ein neues, in ein günstiges Stadium getreten. Ter Gemeindevorstand trat mit bedeutenden Persönlichkeiten in Unterhandlung, und lebt man hier der Hoffnung den vielgepriesenen Rabbiner Dr. Schmiedl aus Prcßnitz, der auch die ungarische Sprache versteht, für ras hiesige Rabbinat zu gewinnen. Mitlerweile hatten wir Gelegenheit, in der Person des Herrn Rabbiners Stern aus Lengyeltüti, einen tatenlirten und fähigen Mann kennen zu lernen. Herr S., der als Gast hier war, hat auf Verlangen am vorwöchentlichen Sabbate 27. Lclober im hiesigen Tempel eine Predigt und eine halackische Derascha abgehalten, und mit beiden Vorträgen einen glänzenden Erfolg erzielt. Einen schlagenden Beweis von homiletischer Begabung gab Herr S. bei Gelegenheit einer im Tempel stattgehabten Copulation, der er wie viele andere nur als Zuschauer beizuwohnen dachte, während des Minchagebetes aber zur Voniahme des Trauungs-Actes erbeten ward, und hiebei ex tempore eine sehr gelungene Rete hielt. Wir haben durch Herrn S., dem die Gemeinde eine sehr schmeichelhafte Adresse überreichte, jedenfalls die angenehme Ueberzeugung ge- Wonnen, daß wir auch im eigenen Lande Männer besitzen, die Tüchtiges zu leisten vermögen, sonach es nicht nöthig werden kann, Deputationen ins Ausland zu schicken. Möge dieser Gegenstand zum Wohle der Gemeinde in Bälde entschieden werden! F. Kaposvrir, 5. Lctober. Wohlgeb. Herr Redakteur! Im Intereffe Ihres gerngelesenen Blattes wollen Sie gefälligst folgende Zeilen ausnehmen. Einer Ihrer werthen Correspondenten erzeigt mir, auf einer Rundreise durch eie Somcg«,, in Nr. 12 Ihres geschätzten Blattes, die schmei-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.