Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 16 (16.11.1860)
- Date
- 1860-11-16
- Page
- Seite 127 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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»127 c י‘•— chelhaste Ehre mich als tücktigcn Aufseher der hiesigen Jsraelitensckule dem Lesepnblikum vorzustellc». Bor 1848, als noch das ungarische Element auch in den israelitischen Schulen vorherrschend war, stand ich der hiesigen Sckule nicht als Aufseher, soudern als Direktor niit einigem, aner׳ kanntcm Erfolge vor. Seitdem habe ich mich von derselben gänzlich zurückgezogen. — Hingegen gehört unserem Rabbiner, Herrn Sal. Kuttna (nicht Kuttner) das unbestreitbare Verdienst, die bis zu seiner Ankunft bloß vegetirende Anstalt neu belebt und durch den Bau eines geräumigen Schulhausebefestiget zu haben. Auck verdanken wir dem unermüdlichen Anregen und Aufmnnter» deS Herrn Rabbiners ein neues Gotteshaus, dessen bereits begonnener, i!n maurischen Style auszufiihrenrer, großartiger Bau der Aufinerksamkcit deö Herrn Reisenden entgangen ist. Dr Lergel. (Crnft Nrnan äbrr Salvador. Ter berühmte französische Schriftsteller Ernst Renan, der sich sowohl als Sprachforscher wie als Denker und Geschichtsschreiber auszcichnet, bespricht in der ״U׳׳vue des deux Mondes" vom 15. Oktober «. c. Salvador'? neuestes Werk: Paris, Rom und Zcrusaltilt, und äußert sich i» folgender Weise über denselben: Herr Salvador der eben soweit von der Orthodoxie wie von spielcuder Symbolik, von dem dürren Deismus wie von der Kritik cntsenit ist, nimmt einen eigenen Platz! für sich ein in der religiösen Bewegung unserer Zeit. Eine ganze großartige und ursprüngliche Natur ist Herr Salvador, ein wahres Original, und hätte seinen Platz besser im 16. Iahrhuntcrl in Holland ansgcfüllt. Er war der erste in Frankreich, welcher daran ging» das Problem vom Ekristcutlmme zu lösen, und zwar mit der Eigenthümlichkcit seines Stammes, der durch große, auf einem scharfen Uebcrblick berubenkc Combiuationen sich auszeichnet. Dieser Stamm nämlich erfaßt die allgemeinen Linien der mciischlichcii Tinge, nicht wie wir durch die Analyse »nt das gelehrte Studium der Einzclnheitcn, sondern wie EliaS auf den Höhen des Earmel von einem Hauptgcsichtspunkte auS. Die Philosophie der (beschickte ist ein jüdisches Werk, und gewissermaßen die letzte Wandlung des prophetischen Geistes, welche die Vorläuferin eines Bossuet, Bico nnd Herder wurde... Herr Salvador erinnert zuweilen an Paulus durch die Wärme seiner Seele, durch seine stürmische Gluth in religiösen Dingen, sowie durch die Leichtigkeit, mit welcher er sich mitten in der Berwin'iing bewegt. Ein mittelmäßiger Geschichtsforscher, übertriffl er uns Alle durch daS praktische Verständniß der religiösen Dinge.... Welcher Prophet in Israel hat die Zukunft scincS Stammes kühner behaupt? ״Tritt hervor," ruft man dem Inden zu, ״und sage uns deinen Namen." ״Mein Name? Ich heiße Jude, d. h. unveränderlicher Verehrer des Einzigen und Ewigen." ״Dein Alter? ״Mein Alter? 2000 Jahre mehr als der Stifter des Christenthumcs." ״Dci" Beruf?" ״Ich garantire das Gesetz und bin der lebendige Erhalter jenes antiken Adels und jener Legitimität, welche nach göttlichen! Rechte mit dem Namen, dem Eigennamen des Volkes verbunden sind." — Während Renan die große Bedeutung des IudentbumS für die Menschheit und dessen im Alterthnnie geleistete Dienste anerkennt und bewundert, bestreitet er, daß es die Bestimmung habe, auch i» der Zukunft eine große weltgeschichtliche Rolle zu spielen, und setzt sich auf diese Weise in einen entschiedenen Gegensatz zu Salvador, auf dessen neuestes nnd großartiges Werk wir nächstens näher eingeken werde». Aus dem rrlitn Aahrrs - Ärricht drs Gelang - Vereines ״Aion" in Wien für das Vereinsjahr 1859/GO. Indem wir daran gehen, den ersten JahreS-Berickt deS Gesang-Bereines ״Zion" der Oefsentlichkeit zu übergeben, wüsieu wir die Entstehungsgeschichlc desselben, so wie daS von mancher Seite verkannte oder falsch beurtheilte Ziel, dessen Erreichung ihm vom Anfänge an vorschwcbte, zur ricntirung seiner Mitglieder, Freunde und Gönner näher auscinandcrsctzen. Der Ehcralgcsang des jüdischen Gottesdienstes hängt bis jevt auf's innigste mit seinem genialen Schöpfer, dem Herrn Ober-Eantor Professor S. Sulzcr, zusammen. Die großen Ranmverhältniffe der in den letzten Jahren neu erbauten jüdischen Tempel mußten jeden Unbefangenen überzeugen, daß ein kleiner Chor für dieselben nicht ansreiche. Diese Erwägungen veranlaßten zunächst die Bildung unseres Gesangvereines. Er sollte den kunstgerechten Gesang de» Mitgliedern der Gemeinde zugänglich, den Chor zum Hauptträger de- GotteSdienstes. machen, und den großen heiligen Räumen neue Kräfte zuführen. Um aber den ausübenden Mitgliedern des Vereines für ihre im Laufe de- Jahres oft in Anspruch genommene Mitwirkung, so wie den unterstützenden für ihre jährlichen Beiträge einen Ersatz zu bieten; in Anbetracht ferner, daß Alles, was in das Bereich der wahren Kunst gehört und das menschliche Fühlen veredelt, nicht als profan, des alten Namens ״Zivil" unwürdig verschrieen werden dar!׳ wurde die Wirksamkeit deS Vereines auf das Lied im Allgemeinen ausgedehnt, um auch Liedertafeln lind Concerte abhaltcn zu können. Fern war eS, durch den ״Zivil" konfessionellen AbsonderungSgelüsten Nahrung nnd Befriedigung zu gewähren, und sollte ihm eine feste Basis für sein Fortbestehen gegründet werden, so durfte die Psiegc deS Gesanges nicht aus den Tempel allein beschränkt werden. ׳ Wir wollen nun daS Inslebcntrctcn und die einjährige Entwickelung des Vereines schildern. Nachdem die Statuten desselben durch Erlaß der k. k. nicd. kstcrr. Statthalterei, ddo. 15. September 1859, Nr. 39.85t!, bestätigt worden waren, bildete Herr 1)1°. Jcllinek ein provisorisches Coinitä ans den Herren I. Alschech, I. W. Gutmanu, A. Samek, A. Strauß, Prof. I. Sulzcr nnd S. Wilhelm, welches seine erste Sitzung am 9. October 1859 hielt. Ten Bemühungen desselben gelang es, bereits am 31. desselben Monats die erste General-Versammlung cinzubernfen, in welcher daS provisorische Comitä -definitiv gewählt wurde. Die Gcsainmtübungcn begannen nnd die ausübenden Mitglieder bethätigte» einen solchen Fleiß nnd einen so regen Eifer, daß schon am 20. December Abends der Verein ein schwieriges, vom Chormcistcr componirteS Tonstück als Einleitung des Makkabäer- (Channca-) Festes im hiesigen neuen israelitischen Tempel vorgctragen nnd vier Tage darauf eine Liedertafel in! engen Kreise abhaltcn konnte. Am 25. Jänner trat der Verein zum ersten Male durch seine StiftungS-Liedertafel, die beim ״Spcrl" stattsand, vor daS größere Publikum. Indem wir auf das betreffende Programm verweisen, erfüllen wir die angenehme Pflicht, den Damen: Fr. Csillag, Frl. Sulzcr, k. k. Hof- Opcrnsängerinnen, sowie den Herren 1>1\ Komperl, Sonnenthal, k. k. Hofburgschanspieler, Epstein, Bacharich und Lacken buch für ihre freundlicke Mitwirkung unfern ergebensten Dank auszusprcchen. Am 7. n. 8. März sang der Verein int Tempel auf Veranlassung des PiirimfesteS und hielt dann eine Liedertafel im engen Kreise ab, so wie er vom 7. bis zum 14. April wieder achtmal beim Gottesdienste thätig war zur Verherrlichung des Paffafestes. Am 24. desselben Mona.s fand die zweite Liedertafel im ״Sophiensaale" statt, welche durch die Mitwirkung des Frl. Bognar, k. k. Hofburgschauspielerin, und der Herren Dr. Schmid, k. k. Hofoperusänger, Professor Levi, Zamara und Rover gehoben wurde, wofür wir ihnen hiermit nochmals unsern Dank zollen. Die beiden Tage des WochcnfcsteS (27. u. 28. Mai), das Geburtsfest Sr. Majestät des Kaisers Franz Joses l. (17. August Abends), daS Neujahrsfest (10. u. 17. September), das VcrsöhnungSfest (25. n. 26. Septeniber) und das Hüttcnfest (1., 2., 8. n. 9. Oktober) fanden die Mitglieder unseres Vereines in voller und angestrengter Thätigkeit, um an der Feier religiöser nnd vaterländischer Feste mitzuwirken. Ueberblicken wir das Kcsammtwirken des Vereines in seinem ersten Jahre, und erwägen wir die Schwierigkeiten, gegen welche jeder junge Verein in seinen Anfängen zu kämpfen hat, so glauben wir auf ein billiges Uriheil zu seinen Gunsten rechnen zu dürfen. Fügen wir noch hinzu, das trotz der großen Ausgaben für die Gründung eines Archivs, den Ankauf eines Instrumentes und des nöthigen Mobiliars, eS dem Vereine doch möglich wnrde, 249 fl. österr. Währ, vier hiesigen WohlthätigkeitSanstaltcu und audcrcn Humanitätszwecken zu widmen. Der Verein besteht aus Einem Ehrcmnitgliede, 1* 1 ausübenden und 198 unterstützenden Mitgliedern. Unter den letzteren haben sich , mehre durch namhafte Beiträge ausgezeichnet, was wir mit besonderem. Danke hcrvorhcben. Auch haben Männer auS der Mitte der hiesigen Gemeinde durch