Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 16 (16.11.1860)
- Date
- 1860-11-16
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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—׳»! 125 •* Drr Eindruck, den daS Anhören dieses Protokollsauszuges auf den ״ehemaligen" Emigranten und seine Familie hervorgebracht, war so machtig und überwältigend, daß sic lange Zeit kein Wort gesprochen, und daß eS von Niemanden beinerkt wurde, daß der Borsteher Abraham Stern und sein Sohn, Leopold, längst schon eingetreten und stumme theilnahmSvolle Zeugen dieser freudigen Aufregung waren. Als Abraham Kohn zuerst aufblickte, sah er seinen alten Jugendfreund vor sich stehen, und reichte ihm unter den herzlichsten Ergüffen des Dankes die Rechte hin. — ״Nicht mir" sagte der Borsteher, indem er die dargereichte Hand des Freimdes faßte, ״nicht mir gebührt dein Dank, sondern meinem Sohne Leopold da; er hat den guten Einfall gehabt und hat ihn auch klug zu Ende geführt. — Auch mußt du wiffen, Abraham — jetzt wirst du mir doch glauben! — daß er nnschulkig ist an dem waS in unserem Hause geschehen." ״Unschuldig!" rief jetzt eine weibliche Stimme, ״ich hab'S ja gleich gesagt -*■״ eS war die Stimme Esther's. Leopold dankte mit einem zärtliche» Blick, welcher der voreiligen Sprecherin ein wohlverdientes Errkthen abjagte. Unterdesien ließen sich die Männer von dein kleinen Zwischenfalle nicht stören ihr Gespräch fortzusetzen. ״Deinem Sohne, sagst kn, hätte ich alles zu danken, wie begreife ich ras?" — rief der neue ״Familiant." ״So höre mich nur an! —- Tie Beleidigung gegen deinen Joseph ist von einigen jungen Leuten auSgegangen. Mein Leopold hatte nicht den geringsten Antheil daran. Selbst die jungen Leitte hatten eö sogleich bereut .... und da hat ihnen Leopold;»geredet, daß sie ihr begangenes Unrecht dadurch wieder gut macken sollen, indem sie für dieses Mal von ihren Fainiliengcsucken abstchcn. Bcrstchst du?" ״O jetzt sehe ich es ein, wie viel ich euch, dir und deinem guten׳ Jungen zu danke» habe, gegen die ick zu lange im Unrecht bin. — Hier zog er Leopold an sich und drückte ihm zum Zeichen dcS herzlichen Dankes hier wurde am 22. August 1800 einer der größten Exegeten und hebräischen Stylisten der Gegenwart Sam. D. Luzzato geboren. — Seine schriftstellerische Wirksamkeit begann er 1825 und entfaltete seitdem bis heutigen TageS eine erstaunliche Produktivität durch eine Menge gediegener Arbeiten kritisch-grammattschen und exegetischen Inhaltes, welche theils als selbstständige Werke, theils als Beiträge zu verschiedenen Zeitschriften, meist in hebräischer und italienischer Sprache — die Noten zu Rosen inüller'S ״Scholien" französisch — erschienen. — 1820 *tarn er als Professor der Dogmatik und Exegese an dadamalS eröffnete ״Collogiuni Rabbinkura", ward daselbst Mitglied der k. k. Akademie und wirkt zur Stunde noch in diesem Berufe. — Zur Bezeichnung seiner Tendenz und seines Strcbcns führen wir nur einige Worte deS Di*. Jost aus dessen jüngstem Werke hier an: ״Schon in früher Jugend durch Fleiß, Beharrlichkeit und unersättliche ״Wißbegier zu ausgebreiteter Gelehrsamkeit gelangt, beseelte ihn — L. — ״der Wunsch, alle Quellen seines Wissens, jüdische wie allgemeine, niit ״seinem Scharfblicke zu durchdringen. In seiner Brust glüht ein Feuer, daS ״die geschichtlichen Reste früherer Zeiten erfaßt, um die Ansätze und Schlacken ״zu lösen und überall den reinen Kern ans Lickt zu bringen. Furchtlos ״naht er sowohl den biblischen Denkmälern ׳wie den jüngeren Trümmern der ״Borzeit, um daS echte Gold zu erkennen, und jeden falschen Schein zu ״zerstreuen. Dabei steht er fest auf dem Boden des JudentdumcS, dem ״Glauben an die Göttlichkeit der Offenbarung iind^an die Berbindlickkeit ״des Gesetzes, welche anzutasten er für sündhaft hält, während er sich den- ״noch zur kritischen Scknle der Exegese bekennt, sofern sie nur die Be- ״schafsenheit der bibliscken Schriften beurtbeilt. — Ei,»'tiefer Erqst be- ״herrscht altz: seine Erzeugnisse, welche auck i» lcbcnSwarmcn Dichtungen ״bestehen, voll sprühender Wipfunken, oft durch beißende Ironie, auch wohl ״durch schalkhafte Laune belebt, häufig dem Erhabenen zngcwenket." einen >iuß aus die Stirne... — * * * Wenige Wochen »ack diesem freudigen Boisallc fand die solenne Trau ung Abraham-jiohn'S und seiner Hanna statt. Selten ging eine Hochzeit-- seierlickkcit unter aufrichtigerer Thcilnahmc und Glückswünschcn sanmitlicker Bewohner de- Qertckcns vor sich, als diese. — Am selben Tage feierte man auck die Berlobnng von Leopold Stern mit seiner Estbcr! — Wie lange sich die ehemaligen Emigranteneltcrn ibrcS Glückes zu erfreuen batten, wie viele Eiil-l und Urenkel sie auf ibren schwachen Armen wiegten, überlassen wir Bessermitcrrickteten anzugcbcn. Wir wollen mir erwähnen, daß sic von da an glücklich und ziifrickcn und in ungestörter Harmoilie mit aller Welt lebten und daß Abrabani .stob» zu bcstiimntcn Zeiten den Fricdbof besnckte nur daselbst renmüthig zu beten pflegte; in getreuer Erinnerung an jene Puriinnackt, in wclckcr er einer großen Gcfabr cnlgan gen und seit wclckcr Zeit ein günstiger Wendepiinkt s,"1r ihn und seine geliebte Fainilie eingctrctcn war. Ognat; ,sriebinnnn ' t־lU ülnt^llltq.) 3amild David Luzzato, ressen Bild wir, nach cincin im Besitze reo Herrn Dr. A. Jellinck, Prediger r. i-ral. Enll.-Gcni. in Wien, befindlid'Cii photographiAcn Portrait, heute bringen, stammt ans einer scko» seit 400. Jahren in Bcnetig cristirenden Familie, die rast in jeder Generation einen nainbasten Rabbiner, Dickte»׳, Gelehrten oder Arzt anfziiweisc» hatte, und deren weiblicke Mitglieder selbst sick bänfig dnrck »ngcwöbnlicke Bit tmig unr nainentlick jüdische Kenntnisse auSzeickiieten. — Bon den vielen hervorragenden Männern dieser Familie nennen wir blos zwei Namen, die jeccni nur halbwegs niit hebräischer Literatur Bcrtrautcn gemigsani bekannt sein dürsten: den hockberülmiten Mystiker und Dichter Mose Ebajim L. aus Padua, geb. 1707, gest. im beil. Lande 1747, und den geistreichen nne gewandten in London JO Jahre wohnhaft gewesenen Arzt und Dichter Ephraim L-, gest. in Lausanne 1702. — Zufolge einer von der venetianiscken Regierung 1777 erlassenen Berordnung, wodurch das Wohnrecht der Juden im Gebiete der Republik beschränkt wurde, übersierelte ein Zweig dieser Familie nach Triest; und peL Am 2. d. M. wurde uns die außerordentliche Ehre eines BesuckeS von Seiten des hockw. Herrn SckulratheS Barton, Sr. Ehrw. des Herrn Obcrrabbincrs I>r. Meisel und des lkbl. Borstandcs der iSrael. Scknl- Eommission zu Thcil, bei welcher Gelegenheit die aus Beranlasiung »inscreS verdienst- und liebevollen Herrn Directorö und Lebrerbildners A. Lederer zm» Wohlc der isracl. Lchraints-Eanditatc» dcponirtc» Gelder unter die Dürftigsten derselben vcrtbcilt ivnrden. '15111 können wir nickt m»l>i» den Eindruck, welchen dieser WohlthätigkcitSact ans nnscr Gemütb ansgeübt, ans dem engen Ramne liiisercs Herzens hcrvortretcn z» lassen und Misere übcreinstilmncndcn Dankgefühle in schwache» Ausdrücken wieder zu geben. Wenn wir die hochherzige» Gesinnungen unseres vielgeliebten Herrn DircctorS in Erwägung ziehen, die sich so deutlich iw allen seinen Handlungcn, welche »nr einzig »nt allein auf die Beförderung der Anstalt hi» zielen, anssprcchcn; wen» wir daran denken, mit welcher Bereitwilligkeit er so viele und schwere Opfer am Altäre der Menschheit und der Beriifscr׳- füUung darbringt, so es gilt miscr inatcricUeS und geistiges Wohl zu befördern; so können wir überzeugt sei», daß er auch ferner diese Zwecke vor Auge» haben mir überhaupt Alles zu unfern! Besten leiten werde. Weiter dem Drange unsere« Herzens folgend, sprejchc» wir auch dem Ebrw. Herrn Oberrabbincr!>,׳. Meisel,^ so wie den übrigen geehrten Schul- und Lcbrersrcundcn nnsern tiefgefühlten Dank aus für ihr eifriges Bemühe», Misere Lage in jeder Beziehung;11 bessctn. •Im Zkiiiiie!» fiiminlfirficr L'eOrnmts• Üuiifiiftiilcii t)ps I -lahrgangea וווו der li fi. isrnel. .Ilkuller-Hauptschule. 1). (ir. R. M. A. S. L. M. Die löbl. Redaction der israel. Zeitschrift ״)iarniel" läßt der gcfcrtigten Direction wöchentlich 2 Exemplare und die der ״Allgemeinen Jllustrirtc» Judcuzeitling" 1 Exemplar der eben genannten Blätter für die Lehramts- Zöglinge der beiden Jahrgänge unentgeltlich zukoinmen. Ferner hat der Ober-Eantor Herr M. I. Fricdmann 10 fl. ö. W. zur Unterstützung hilfsbedürftiger Lehramts-Candidaten nebst 10 Stück Bücket zur Bermehrung der Präparanden-Bibliothek und Herr Ignatz Fried mann.