Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 15 (9.11.1860)
- Date
- 1860-11-09
- Page
- Seite 118 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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118 •י*״־■—■ ״Tie Gedanken an Esther aufgeben, ihr entsagen? — Es ist zu spat, lieber Pater, ick lieble sie.von dem ersten Augenblicke wo ich. sie sab, als ob sie mit gcheimnißvcllen unsicktbaren Fäden an meine Person gekettet wäre. Wenn es eine Porherbeslimmung gibt, wenn die Ehen im Himmel gescklossen werden, und ich glaub' es, seitrem ich sie kennen lernte, so ist sie für mich bestimmt, und Niemand wird mick daran bindern sie zu meinem Weibe zu machen. — Ick weiß, das sie mick liebt, wie ich sie; obgleich ich sie nickt darüber befragen konnte." — ״Aber", umerbrack ihn der Pater, ״wird Abraham Kohn jemals , in riese Berbiutung einwilligen? — Kann er'S, zumal nachdem was vorgefallen ist!" — ״Er wirr, fiel der Sohn mit leidenschaftlicker Aufwallung ein, er wird unk muß, sobald cs mir nur gelingt, chn zu sprechen, ihn von der Unbegründetheit seines Perdacktes gegen mick zu überzeugen, sobald ich ihm durch Zeugen und Sckwur, durch die feierliche Betheuerung bei dem Hochsten und Heiligsten beweise, daß ick keinen, auch nicht den geringsten Antheil habe, an de/ Beschimpfung, die seinem Sohne bei uns widerfahren." ״So leickt glaubst tu mit chm fenig zu sein? — ja, wenn du chn davon überzeugen könntest, aber darauf kömmt es eben an. So gehe hin und versuch's Mit ihm! — Glaubst tu, daß er es so weit nur kommen läßt? — Wage es seine Schwelle zu übertreten, wenn du dich der Gefahr auSsctzcn magst, eben so kalt und schnöde zurückzewiesen zu werden, wie rein Pater es wurde, als er vor fahren am Vorabende des heiligen Persöhnungstages den Versuch machte, chn zu besänftigen und seine alte Freundsckask wieder zu gewinnen." ״Und wie hat er sich da gegen dich benommen?" ״Anfangs gut. Mein Entgegenkommen und die Worte, die ich an chn richtete, sckiencn ihn zu rühren. Tie scklummernden Gefühle der alten Freundschaft fingen an wieder rege zu werden in ihm. Sein Blick wurde milder, seine Züge heilerer und fast schien es, als ob sich seine Hände zu einer innigen Umarniung ausbreiten wollten; da aus ein Mal — ich war voll seligen Entzückens, mein Her; überstoß vor freudiger Rührung." — ״Run, was geschah da?!" rief Leopold in gespanntester Reugierde. £»" fuhr der Alte, mit gesenkter Stimme fort, ״da beging ich die Unvornchtigkeit, ihn zu versickern, daß er seine ״Familie" sicherlick erhalten würde, wenn er sich nur darum bewerben wollte — und von dem Momente an, war alles vorüber. Ohne mick eines Worts der Entgegnung zu würdigen, sendete er mir den Rücken zu, und wir sind uns so fremd geblieben wie früher." — ״Tas ist unbezreistick, rief Leopold, will er renn sein ״Familienrecht", dessen Rickigewährunz ihm soviel Kumtner verursackle, nickt erhalten? Will er es vielletckt darum nickt, damit er ewig llrsacke zu Groll und Feindlckatk habe, dann hat er ein Harles, böses Herz. ״Ein böses Herz? tagst du" fiel der Vater mit Heftigkeit ein, ״er, ein böses Her;?! Er befiel das beste und zartgesühlendste, kaS cs nur geben kann, aber gerade deshalb ist er für die geringste Verlesung seiner Ehre so empfindlich. Er kann den Gedanken nickt ertragen, abermals ein Reckt an- Mtucken, das chm leider allzulange ungcreckterweise vorentballen wurde. ״Und kann da nickt," fragte d'eovclr gcrükrr, ,.Jemand Anderer für ckn die Eingabe macken? enva du als Po,-sicher rer׳ Gemeinde, viclleickt gar im Rainen rer Gemeinde? da bat es mehr Gewickt und Kraft, und raS Gcsuck kann nickt so leickt abgervicfen werden, wie caS eines Privaten. An guten Gründen zur Unterstützung der Bitte wirst du keinen Mangel haben,!er unbe'ckotteue Wandel rdd- Brunnes, ferne bekannte Wvhlthätigkeit und sein vorgerücktes Atter, alles nuit: 'in de. Bittschrift genau erwähnt und auseinandergesesk werden. Tbue das lieler Vater, t'.me es reinem Minte zu e'iebe und reinem ehemaligen nigendfrennee. in wirst uns beide zugleick überattick.-ck macken!" —- d .׳e nn siebenden Tone gesvr-'ck.'uen Worte übten ans reu Barer äugen.׳ erue greße W1rln.ua aus. Er e.l-ob »ui*־rtvtzlick von' »einem 2;!.c und •־ זז■ יי ecukl-ck in der Stare am nur ab. A:-!״ .:e t'eor.ir der ea.u'veidnng curaegen. Endlick trat der Vaw. r.-r il-u: i'iit und ׳'.r.ue in eeru'er Wesse:. ״E-׳' gebt nickt, Jeter«, ..; 1:1;' :::: ,1:7 1י .Neu W;U.u ni.rt!" —- ..N. 7 ■•.. :״ u.an. as :יי״:•.: d;ck 7.. — sen scheinst. Weißt du nickt, daß viele andere Mitbewerber gegen uns auftreten werden, und zwar mit Erfolg! — Wer kann sie daran hindern?! Ein Emigrant ist kein so unbescholtener Konkurrent, wie du glaubst — und noch dazu der wichtige Umstand, daß er nicht selber für sich einschreitet. — Es geht nickt, Leopold, all' unsere Mühe wäre vergebens, wir werden unbedingt abgewiesen werden, und zu guter Letzt wird er noch glauben, wir haben dieses alles ihm zum Possen gethan, damit er auf seine alten Tage noch eine bittere Enttäuschung uiehr erfahre. Das mindestens wollen wir ihm und uns ersparen, kurz und gut — es geht nicht." ״Sei beruhigt, lieber Pater," sagte Joseph nach einiger Ueberlegung ״laß nur mick machen" setzte er hinzu, während ein leuchtender Strahl der Hoffnung die Züge des Jünglings zu erhellen schien. ״Ick weiß was du zu thun gedenkst, Leopold," sprach der Vater. ״Ich glaube nicht daran, daß es dir gelingen wird. Indessen will ich dir die Hoffnung nicht benehmen. Ich lasse dir völlig freie Hand und will dich in allem unterstützen. Nur bitte ich dick, sei vorsichtig, laß dich von deinem Eifer nicht Hinreißen, übereile dich nicht. Du könntest sonst mehr schaden als nützen. Bor allem andern sei darauf bedacht, daß man im Hause Kohns nichts erfahre, da von seiner Reizbarkeit alles zu erwarten ist.-Per« such's, ob es gelingt, steht dahin! — Ich glaube es nicht." ״Und ick," rief Joseph begeistert aus, ״bin fest überzeugt, daß eS mir gelingen wird." Mit diesen Worten verließ er eilends die Stube. — Lange stand der Vater da in tiefem Nachdenken versunken, dann ließ er sich behäbig in den gut gepolsterten Sorgenstuhl nieder, und bedenklich das Haupt schüttelnd, sagte er meckanisch vor sich hin: ״Was den heutigen jungen Leuten nickt alles einfällt!!" — ' (Schluß folgt.) -•וא1" Lorrespondroz. Aus Groß-Szigeth (Somogy) sind uns mehrere Entgegnungen auf die in Nr. 12 d. Bl. gebrachten ״Briefe aus der Somogy", respect. Berichligungew einiger in diesen Briefen enthaltenen Angaben über genannten Ort, zugekommen, welche wir ihrem ganzen Wortlaute nach abzudrucken uns außer Stanke sehen, woraus wir daher nur die eigentlich zur Bericktigung dienenden Notizen hier mittheilen: 1. Ist der allerdings zu den achtbarsten Gemeindemitglicdern und um das Gemeindewesen in Szi geth sehr verdiente Herr S. Fried nicht Vorsteher daselbst. — 2. Ist der von Gy. Mellök dahin übersietelte Herr M. Grünhut weder Arzt' noch Oekonom, sondern Handelsmann. 3. Gibt es unter den an der dortigen isracl. Schule wirkenden Lekre׳:n keine Rangabslufung als Ober- und Unterlehrer. 4. Wird gegen die Angabe, als scheine dem dortigen Rabbiner Herrn E. Meissel's moderne Bildung eine Luxusartikel, protestirt, da — den Berichtigungen zufolge — derselbe ausgebreitete Kenntnisse der hebräischen, deutschen und lateinischen Sprache und Literatur besitzt und bei seiner streugen Rcligiösikät dock auck ״in allen Zweigen seiner Amlsthätigkeit dem Zeikgeiste Recknung zu tragen" versteht. — (Red.) G r. K an i zs a, 30. Oktober. Während UNS die Tageblätter NNheimlicke Prödcken der Preßturger Intoleranz bringen, möge ein Factum in Ihrem gesckätzlen Blatte als Euriosum würdige Aufnahme sinken. Ick will nickt erst gesagt haben, daß hier ein wohlorganisirter Verein besieh:, der von jeder armen jüdischen Familie die Gevatterstelle bereitwillig übernimm:, sondern daß sick trotz ressen Bestand rer hiesige Easseesieder Herr Reindl -Katholik von: Rabbiuate erbeten, bei einer armen Familie Gevatter sieben zu dürfen, was ibm auck bewilligt wurde. 311 rer nächsten Morgensiunde fand sick Frau Reindl mit den: Kinde in der Snuagoge ein, aus deren Arme» ihr Herr Gemahl nack üblicker Wsssc ras Kind empfing und reni E'.iaku - Stuhle;::fübrte. Tas ״Litzen" übertrug er rem Herrn Rabbiner Fasst,! nick: ebne sonst den: Acre der Befckneienng zu assisiiren. Herr Reindl und Frau wohnten nickt nur rem ״Frübsiücke bei, sondern besinnen alle Kosten desselben, nnr besckenkien sogar den ״Biohel" in ׳edel,':er Wesse. Teilet Falle sieben be! uns zwar nick■: vereinzelt da: dock wäre cS 11! ii gesenen, wenn alle unsere Mitbewohner vcn gleicker Bornrtheilstesiaie!: und F,e111«1׳!ake11 be'eelt wären. Co um.