Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 14 (2.11.1860)
- Date
- 1860-11-02
- Page
- Seite 107 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4884143-5427047-5427085--141-4884271- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
107 י.— dir vaterländischen, ungarischen Sprache kundig, der Handhabung derselben ganz mächtig feien, nur noch von den Wenigsten und Kurzsichtigsten verkannt werden mag, bald aber von Allen, ohne Ausnahme, begriffen werden wird. Zur Erzichung und Heranbilduug solcher Rabbiuen und Prediger könnte davom Berf. d. pia desideria angeregte Institut kaum geeignet sein. — Abgesehen hievon aber und auch nur im Hinblick auf da- Iudenthum und die jüdische Wiffenschast überhaupt, halten wir die Errichtung eines einzigen Seminars nicht zweckmäßig, ja sogar für schädlich» wenn — wie vorauSzusche» — demselben von StaatSwegen das ausschließliche Recht Rabbiuen zu promoviren zuerkannt würde. — Wie solches Recht in einer Hand wirkt, könnte daS mähr. LandeSrabbinatS-Institut zur tHenüge gelehrt haben, und eS ist ganz einerlei, ob eS in die Hand eines den Titel ״LaudeSrabbiner" führenden alten Pilpulisten oder in die eines neueren Gelehrten und Partrihauptes mit dem Namen eines ״Seminar- DirectorS" gelegt wird. Ein Blick ans daS Verhältniß vieler unserer auf positivem Bodeu stehenden, jedoch verschiedenen Richtungen angehörenden Koryphäen'zu einander, auf die Art und Weise, wie sie ihre Streitigkeiten | über untergeordnete Fragen auSfechten und auf ihre Geneigtheit zu gegen- I seitiger Verketzerung, zeigt eS klar, wie sehr der Bestand eines einzigen — ausschließlich berechtigten — Seminar« die Freiheit der Forschung gefährden würde und uns die Aussicht böte, nur mit Rabbinen nach dem Leisten de« jeweiligen Seminarleiters versehen zu werden. Wir könnten eö leicht erleben, vaß, wie einst das Lesen deutscher Bücher, so jetzt eine mißliebige Ansicht 1 über ״Simeon d. Gerechten," eine nicht ganz corrccte Meinung über den I 11. Thl. Jesaias, die Hinabrückung der Abfaflungszeit einiger Psallnen (wir erinnern nur an Hirsch gegen das Breslauer Seniinar) daS Motiv zur Verweigerung des RabbinatS-Diplomes abgeben würde. — —*Kl•- Löw Schwab. | biographische Skizze uon D. יי. ■ (Fortsetzung.)! III. Indem wir nun daran gehen die einundzwanzigjährige Periode von Sä>wab's Lebe» und Wirken in Pest unseren Lesern vorzuführeu, ver hehlen wir uns nicht die Schwierigkeit unserer Aufgabe, und können den Zweifel nicht unterdriicken, ob wir den Ansprüche» unserer Leser auch nur! in dem bescheidcueil Maße zu genügen im Stande sein werden, als es uns ׳ bisher vielleicht gelungen ist. — Worin diese Schwierigkeit vorzüglich bestehe, möge der verehrliche Leser - aus folgenden Bemerkungen ersehen. — Wenn eS auch weder in der Natur »och im Menschenleben ein fertiges; abgeschlossenes Sein giebt und überall und imlner ein fortwährendes Ent- 1 wickeln und Werden sich dem Blicke tarbietct; so sind es doch in der physi \ scheu wie in der moralischen und geistigen Welt gewisse einzelne Phasen und i Stadien, wo dieser ununterbrochene Prozeß des Werken« uns vorzugsweise in'S Auge fällt, im Vergleiche zu welchen wir die folgenden Perioden, trotz des auch da sich kuudgcbcnden FortschreitcnS und Bildens für eine Zeit der Ruhe und rer Reife halten. Jene erstbezeichnete Zeit des stuospens und Blühens, de« Turchbrcchen« der Hülle ist'«, in welche sich der Beobachter so gerne ergeht; und je größer׳ und bedeutsamer ein Menschen ׳ Charakter und Leben ihm dünkt, mit desto größerer, rein nrcnschlicher Theilnahme wird seine Aufmerksamkeit reffen früheren Lebenslauf verfolgen und eine» um so größeren Reiz wird die Darstellung von dessen ersten stampfen und Bestrebringe» auf ib׳r auSüben. Solchen Charakter des Ringens und Streben«, des Erwachens und Entfaltens trug.'auch der Abschnitt in Schwab'» Leben, den wir bisher behandelt; und diesem Umstande mehr als unseren schwachen Kräften schreiben wir eS zu, wenn uns der freundliche Leser mit einiger Theilnahme gefolgt ist. — Die Epoche, von re»׳ wir in! Früheren ein Abbild zu geben uns be-! müht haben, liegt als eine völlig abgeschlossene schon recht' weit hinter un«. ן Während wir dem Leser manche« ihm Unbekannte mittheilen oder Halben׳ ׳ geffene« in'S Gedächtniß zurückrufen konnten, war e« uns auch darum gestattet, von den Dingen und Personen mit der gebührenden Freimüthigkeit und dn nöthigeu Unbefangenheit zu sprechen, welche von keiner andern Rücksicht begrenzt wird, als welche die Schicklichkeit und dn Anstand unter allen Umständen gebieten. — Anders der Zeitabschnitt, an den wir heranzutreten im Begriffe stehen. Schwab'S Leben während deffelben ist zum großen Tbeile eine« mit dem Leben seiner, der Pester, Gemeinde; und wa» in dieser Gutes und Schlimmes geschehen, ist von der eben in diesen Jahren zu lebhafter Thättgkeit erwachten jüdischen Presse überhaupt und der Journalistik insbesondere im Wesentlichen so genau registrirt worden und lebt auch noch in so frischen! Angedenken Vieler, daß wir nicht leicht dem Leser Neues zu bieten vermöchten; eS wäre denn, daß wir die Detailgeschichte jedes Institutes und jedes Vorganges schreiben und somit über die Grenzen, welche wir un« für unsere Darstellung anfänglich gesteckt, noch weiter hinauSgehrn wollten, als dies schon geschehen ist. — Anderseits aber kommen im Laufe dieser Jahre Fragen und Angelegenheiten zur Rede, die noch viel zu wenig abgeschlossen sind und noch zu sehr die Geister beschäftigen, um nickt oft noch mit dem Urtheil zurückhalten zu müssen; eS sind manche, Persönlichkeiten betreffende Verhältnisse und Beziehungen so zarter Natur, daß wir sie nur vorsichtig berühren dürfen; die an die Zeitereignisse sich knüpfenden Erlebnisse von solcher Beschaffenheit, die keine volle Besprechung gestattet — gilt dies doch von einem auf Schwab'S Körper- und GemüthSzustand tief einschneidend wirkendem Erlcbniß; — und endlich ist die Beforgniß zu naheliegend, manches unserer Wone mißdeutet und viele nicht beabfichtigte Hinweisungen unk Anspielungen herausgelesen zu sehen. ' Dies die Schwierigkeiten, die wir andeuten zu müssen glaubten, um sie den Lesern zur Würdigung und Anerkennung heinizugeben, und uns deren freundlicher 'Nachsicht zu versichern, wenn sie Vieles in den folgenden Blätlern nickt ganz befriedigend finden sollten. — Wir bedürfen dieser Nachsicht namentlich von jenen unter unseren Lesern, welche gerade der jetzt beginnenden Darstellung mit verdoppelter Neugierde entgcgensehen, weil sie die Zeit mitgelebt, die Umstände und Verhältnisse genau zu kennen glauben, ihre eigenen .Meinungen über Personen und Dinge fcstgestellt haben, und darum zu strengeren! Richteramtc über den Erzähler sich berechtigt und befähigt fühlen. — Wenn wir nun ihren Erwartungen nicht entsprechen, nicht das Pikante bieten, worauf sie gehofft, unk den persönlichen Sympathien und Antipathien nicht ganz zu Willen sind; so mögen sie in Erwägung des oben auseinandergesetzten uns doch die bisherige Theilnahme nicht entziehen und eingedenk sein, daß wir denn doch nur die Errichtung eines schwachen DenkmalS der Liebe unk Verehrung und keine eigentliche Geschichtschreibung uns zur Aufgabe gesetzt haben. — Allenfalls sollen sie auch in Folgendem wahrnchmen, wie uns der Gedanke an blinke Verherrlichung nach der einen Seite eben so ferne liegt, als der an unwürdige Verunglimpfung nach der anderen; —!und daß, wo eS uns nicht gestattet ist, die ganze Wahrheit zu sagen, wir darun! doch nichts Anderes als die Wahrheit sprechen. — Forn'ev. iciot.) Dir (Cmiflrnnltnfamilir. Ferlscoung.) Die alte Gertrude halte Recht! Ter Emigrant »׳erließ die Pfarrerwohnnng in trüber Stimmung. — Das zeigte sein verstörter Blick und seine schwankende Haltung. — Kaum war er auch einige Schritte vom Hause cutsernt, da brach er in die Worte aus: ״Alles vergebens — mir ist nicht mehr zu helfen!" — Indeß lenkte er in den uns wohlbekannten Waltpfad ein, abermals die breite, begucmere Lanrstraße zur Seite lassend. Dieß׳ mal aber schritt er langsamer und bedäckliger einher, als es beim Her gehen der Fall gewesen. Er schien völlig vergessen zu haben, taß seine Familie seiner ängstlich wartete, und daß er ihr seine baldige Rückkehr versproeher! hat. Die Zeit, innerhalb welcher er heimkehren sollte, war schon längst überschritten. Von dem stirchthurme herab hat cs so eben!> Uhr geschlagen. Abraham Kohn schien daraus nicht zu achte». — ' ״Mir ist nicht mehr zu Helsen" sagte er abermals halblaut vor sich hin, als ob ihm Jemand zur Seile schritte, dem er seinen Schmerz offen- >, Liehe Ar. u.!», I», I I, 12 n. >:!. # '1 Liebe Ar. 1, 2, 3, 4, 6, K, 10 11 u. 12.