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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-11-02 · 14 (2.11.1860) · p. Seite 106

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
14 (2.11.1860)
Date
1860-11-02
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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—« 106 DmnumeiAtlML-Hinlsckung. Mit bem laufenden Monate beginnt das;»eite Dxcrtfl unserer während ihres kurzen Bestehen« allgemein beifällig aufgenommenen Zeitschrift. Wir erlauben uns^aher vor Allem unsere geehrten Vierteljährige» AbvvUkUte» aufmerksam zu machen, daß sie chr ferneres Abonnement so früh als möglich bewerkstelligen möchten, damit die Zusendung de« Blatte» ohne Störung erfolgen könne. Für Neueilltreteuve sind noch vollständige Exemplare vom 3. August d. I. bis zur Zeit chre« Eintritts vorräthig und können auf Verlangen nackgesendet werden. — Ein Abonnement vom 3. August bis Ende Tecember d. I. beträgt 3 fl. 34 kr. östkrr. Währ. Besonders bitten wir gefälligst zu brachten, daß unser den ganzjährige» Abonnente» zugesagtes Prfimienblld, darstellend: ״Die 70Arigr Geburtstagskner Kr. (khmmrden drs Verrn Oker-Lakbmers Kalomon L. Rappaport" spätestens im Jänner 1861 zur Versendung an da» I*. T. Publikum gelangen wird. Halbjähriges Abauuemeut fl. 4 — ganzjähriges fl. 8 österr. Währ. vor» Bei der großen Verbreitung, die unsere Zeitschrift seit dem kurzen Bestehe« im In- und AuSlande bereits gewonnen, eignet sich dieselbe züglich für Lllserale aller Art, und werden dieselben auf's Billigste berechnet. _ _ - _ , ״ 1־1-«״',;«« Der Hkr-usgrbkr ״M. -ll-lki-,״ Ntber hie ״?i» desideria 00» Jofrpl) Wrrthrimer." 11. H. ״Ein großöfterreichisches Seminar für Rabbiner und Prediger," so lautet das 3. der pia dosideria des. Herrn W. Wir sind nickt der Meinung, daß es im Interesse des Iudenthumes liege, Anstalten zu begründen, die eben keinen andern Zweck haben, als junge j i'eutt zu Rabbinern, respeclive Predigern abzurickten. Was uns vor Allem! Notb, ist den Geist des Iudenthums in der Gesammtheit zu erhalten, da^ wo 1 er erstorben ist, denselben zu beleben. Wir erreicken dieses nickt dadurch, daß! wir Seminare für Rabbiner errickten. Zugegeben, daß diese dem Ideale des Herrn Verfassers entsprecken und Rabbinen ausbilken, wie er sic zum Heile des Iudenthums für nothwendig eracktet; — was werken diese wirken und leisten können, wenn die Liebe zur Religion in den Maffen erstorben, die . stenntniß unserer Lehren und Borsckriften ihnen Abhanden gekommen'? Wozu j eine Einrichtung, die unö bisker fremd war, bei uns einheimisck macken, wenn wir nur notkwendig baben, eine mit unserer ganzen Geschickte und Entwickelung aufs innigste verwacksene Institution zeitgemäß umzugestalten'? Ein Betd-Hamidrasck, — Haus der Forsckung — werde da, wo die zur Begründung reffelben ersorderlicken Elemente vorhanden sind, er- : ricktet, und man wird dem Iudentbume mehr nützen, als mit 20 Seminarien. Tie freie Forschung bat es bewirkt, daß wir unS während eines 18G»jäbrigen Truckes und Verfolgungen erhalten baben. Ja wir können stolz daraus sein, daß wir die freie Forsckung bewahrt haben zu einer Zeit, da sie von rer Erde verbannt war. Erkalten und wabrcn wir dieselbe, schließen wir sie nickt in die vier Wände eines Seminars ein, büten wir uns vor Allem, auck bei uns den Unterschied zwischen Laien und Geistlichen einzubürgern. Wir alle sind Priester, sc war es und so möge es-bleiben. Errickten wir Talniut-Tbora, eröffnen wir sie allen Israeliten: ein jeder, der die Lehre Gottes kören und erforschen will, finde Zutritt. Sagen wir nickt: Hier tft ein Haus, in den! Rabbinen, Prediger ihre Ausbildung erlangen, sondern: Hier ist ein Haus, in dem Gctteslekren vorgetragen und erklärt werten; ein Zedtr, der nickt blcs Israelit! sein' will, weil ikn ein jüdischer Pater erzeugt, sondern aus tiesinnerster Ueberzeugung, kekre ein und festige seinen Glauben und der altjüdiscke Geist wird in der Gemeinde von neuem sich erbeben und erstarken. Wir batten, als noch die Bote-Hamidrasck storirten, gewiß eben so rücktige Äaufleute . als jei.-t. Tie «Geschäfte derselben waren vielleicht nickt so gewagter Natur, 1 nickt von so rieienbaslem Umfange, aber die Leute wurden auck reich, thalen mehr Gutes als unsere jetzigen?Herren, und versckmäbten es nickt, deS Abends in das Betb-Hamidrasck zu geben und mit gespannter Aufmerksamkeit irgend einer Analnse res Talmud zu folgen. Ibr geistiger Tbeil fand fick unstreitig besier dabei als rer ibrer Nackkommen, die an den Zoten unserer Komödien nach des Tages Müden Erbolung und Erfrischung sucken und finden. Alle die tüchtigen und gewaltigen Geister, die die immense culturbistoriscke Bedeutung des IudenthumS und die Mission, die es nock zn erfüllen hat, klar erkannten und die Mafien durch Sckrift und Wort bierüber aufzuklären begonnen haben, haben nickt auf Seminarien ihre Richtung! erhalten. Was sie geworden, sie verdanken eS sick und der gewaltigen Wahrj heit der Lehre, die sie verkündigen. Und so hoffen wir, daß auch ferner noch, inteß ohne Seminarien, nnS die Lehrer für unser Volk nicht fehlen werden; schaffen wir ihnen den Boden für die Saat, die sie ausstreuen wollen, suchen wir den Sinn für das Studium der Thora in den Maffen zu verbreiten, errickten wir Bote-Hamidrasch! Ob aber selbst dann, wenn die in religiösen Dingen leider jetzt so indifferenten Maffen dem Studium der Thora wieder größere» Eifer, größere Hingebung zugewendet haben, die zu erricktcndcn Schulen für Rabbiner oder Prediger nach dem Vorbild der vom Herrn Verfasser erwähnten Anstalten von Warschau, Breslau, Metz organisirt werden sollen, ist eine Frage, deren Beantwortung wir einer späten, Arbeit Vorbehalten. Darauf erlauben wir uns vorläufig hinzuweisen, daß noch keine dieser Anstalten dazu beigetragen hat, dem Iudentbume die wichtigste Prärogative, ein Volk von Priestern zu sein, zu erhalten. — Nachbemerkung der Redaction. Unsere Leser werden wohl mit uns die Wahrheit vieles reffen, was der gesck. Verfasser obigen Artikels so warm und kräftig auscinandersetzt, anerkennen, schwerlich aber in der Schlußfolgerung — die Seminarien betreffend — mit ihm übereinstimmen. Die Nothwendigkeit solcher Anstalten, — mögen sie nun Seminare, Bote-Hamidrasck oder einfach Rabbinerschulen heißen ^— worin die Rabbinats-Candidaten in geregelter Weise ihre Studien betreiben und, des systemlosen Hin- und HerschwankenS übe, - heben, dem in's Auge gefaßten Ziele zustreben können, kann nicht in Ab rede gestellt werden; heut zu Tage um so weniger, als die dem Rabbiner unerläßlichen allgemeinen und höheren classiscken Studien auch auf den Unterrichtsgang in den eigentlich rabbinisck - theologischen Fächern, namentlich am das Talmudstudium wesentlich einwirken muffen und es nicht mehr gestatten, so wie einst aus dem vasten Meere des Talmuds ohne Ziel nnd Richtung berum zu steuern und nur erst dann, wenn die materielle Frage nach Berns und Brod herantritt, auch für die practiscke Ausbildung zu sorgen. — Die Gemeinden wollen Predigt hören und verlangen Ausdrucks- und Vortragsweise, die dem ästhetisch Gebildeten. an anderweitige öffentliche Vorträge Gewohnten zusagt. Nun läßt sich allerdings das Predigertalent nickt willkürlick aneigncn, und wird vielleicht der Prediger — wie der Dichter — geboren. — Aber der Uebung bedarf auch das entschiedenste Talent; sollen etwa immerfort unsere jungen Prediger nur dann ihren ersten oder zweite» Versuch macken, wenn schon ihre ganze Existenz auf dem Spiele steht und dieser Versuch über ihre fernere Stellung nachhaltig entscheidet? — Ob aber mit der Errichtung eines Seminars in der Residenzstadt dem Bedürsniß abgeholfen würde'? — möchten auch wir bezweifeln.— Zuvörderst haben wir hiebei unser Heimathland ״Ungarn" im Auge, das in Rücksicht auf die Zahl der jüdischen Bevölkerung einen vordersten Rang in der Monarchie einnimmt. ^Ohne uns imn in eine, der Tendenz dieses Blattes fernliegende Erörterung poliiiscker Zustände unk Berhältuiffe einzulaffen, können und müssen wir es dock aussprecken, daß das unab weislicke Bekürfniß, Rabbinen und Prediger zu besitzen, die

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