Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 13 (26.10.1860)
- Date
- 1860-10-26
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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mechanisch als bewußt jnm Abschiede. Der Greis begleitete seinen Gast bis ׳ an das Hausthor, wo er ibn nochmals aufforderte, ein anderes Mal zu kommen. Als Gertrute das Thor Himer dem Emigranten geschloffen, mur- - melke sie zufrieden vor sich hin: ״Man sieht es, heute hat Abraham kein Geschäft machen können. — Hab' ich's ihm doch gleich gesagt!" — (Fonsetzimg folgt.) (int Aß&ilSung.) - r. Wir bringen heute die Abbildung der großen ״Synagoge der Aschkenafim in Jerusalem." Der Bau derselben ist leider in Folge des MangelS an den nöthigen Geldmitteln nock nicht vollendet. Zwar ist schon die Kuppel ganz fertig, noch aber fehlen Thüren und Fenster, Pflaster, Vorhcf und bas Local für die Frauen, die Wände sind noch nicht mit Kalk überkleidet -- auch die ganze innere Einrichtung fehlt. Die Gemeinde hat nun in der Person deS Rabbi Mordchai ben Salomon einen Abgesandten an ihre Brüder geschickt mit der Bitte, durch Beisteuerung milder Gaben den völligen Ausbau des Tempels ermöglichen zu helfen. Le. Majestät der )Kaiser hat die Ermächtigung zur Sammlung von l Beiträgen allergnädigst zu ertbeilen geruht und gestattet, daß die gesammelten! Beiträgt dem k. f* öfterr. General-Consulate in Jerusalem übermittelt ׳ werden, dessen Ausgabe eS sein wird, die richtige Perwendung derselben! zu überwachen. | Tie Namen der. Geber nebst deren Gaben werden in ein 1 für diesen Zweck bestimmtes Buch eingetragen, welches im Archiv! in Jerusalem niedergelegt wird. ן Bis.setzt sinr 8000 St. Dukaten verausgabt worden, wozu Berlin allein 800 St. beigesteuert hat; noch fehlen 5000 St. Dukaten. j Gewiß werden Gaben der Liebe zum Ausbau und zur Ausschmückung i eines Tempels, errichtet an heiliger Stätte, von allen Seiten herbeiströmen.! -«!»ס¬ <5, rresp 11 ,de »). Sgicn, 10. Lctober. In welcher Weise eine gewisse Partei bestrebt ist, ihre Macht und ihr Ansehen zur Geltung zu bringen, mögen Sie aus! folgendem Vorgang entnehmen. j Ter Direktor einer hiesigen Privatunterrichtsanstalt erhielt vor einigen ( Micken vom Erzbischöflichen Consistorinm die Weisung einen jüdischen; Sch^eiblehrtt, der seit 12 Jahren an seinem Institute unterrichtete, ohne | Weiteres zu entlassen, da^ den gesetzlichen Bestimmungen gemäß, Juden an christlichen Instituten nickt deutsche Sprache unterrichten dürften, mithin, wie — unS allerdings unbegreiflich — der consistorielle Erlaß interpretirte,! auch nicht als Schreiblehrer an christlichen Instituten sungiren sollten. — Erst auf die Gegenvorstellungen des Direktors, daß eS seinem Gefühle widerstreite einen Mann, der in seinem Institute 12 Jahre hindurch mit unrrmüdlichem Fleiße und Ausdauer in ersprießlichster Weise gewirkt, so ohne Weiterezu entlaßen; caß er kontraktlich verpflichtet sei demselben noch für! eine Zeit lang den stipulirten Gehalt wciterzuzablen und daher eh« er den : Weisungen des Eonsistoriums Folge leisten könne, von demselben vor allem jene kontraktlich zu zahlende Summe erhalten müsse; und daß das Eonsistorium, ohne ihm die seinerseits zu leistende Eussckädigung zu zahlen, doch; nickt auf die Entlassung res jüdischen Schreiblehrers beharren könne, da ja s letzterem von Seiten der׳ Staatsgewalt die Concesfion zur Errichtung einer Schreibschule ertheilt worden, ohne daß an dieselbe die Bedingung ge» knüpft fei, nur jüdische Schüler aufnebmen zu dürfen, daß also die Staatsgewalt mit der geistlichen Schulbehörde augenscheinlich nicht in Uebereinstim-! mung sei; — erst nachdem alle diese Vorstellungen von Seite deS DireftorS gemacht worden waren, sah -sich die dem Institute unmittelbar Vorgesetzte geistliche Schulbehörde veranlaßt von der stritten Ausführung des consistori- > ellen Erlasses vorläufig abzustehen. Aus dem Ganzen erhellt, wie die Fühl- Hörner auSgestreckt werden, um zu sehen, in wie weit gewisse Anschauungen ' und Ansichten zur Geltung zu bringen sind. Wahrlich die Zeit ist nickt dar-! «ach angethan die längst überwundenen Voruriheile wieder zu erwecken. In j diesen kritische» Zeiten bedarf der Staat mehr als je der Hingebung und ׳ Aufopferungsfähigkeit einejeden seiner Bürger. Sb Vorgänge, wie der i eben erzäblte, wobl geeignet sein mögen, jene beiden Eigenschaften zu wecken! und zu festigen? Stuhlweißtnburg. In einer Zeit, wo Zwist und Hader zwischen Gemeinden und Rabbinen zu einer conditio sine qua non geworden; wo Jndifferentismus und Materialismus sich um die Herrschaft über die Gemüther streiten, oder doch wenigstens Hand in Hand gehen; — ist es wahrhaft erfteulich wieder einmal eine KriedenSstimme zu vernehmen, erfteusicher, sie auS einer kleinen Gemeinde zu vernehmen, während in der Regel die großen Gemeinden den keinen zum Muster dienen sollten. In Kapolnäs Nyek — zwei Stunden weit von hier — in derselben Gemeinde, deren der Correspondcnt M. I. Friedmann aus Pest im Augusthefte des ״B. CH." rühmlich gedachte — starb vor einigen Wochen Herr A. Frank, ein allgemein geachteter Mann, der sich um die Gemeinde-Jnstitutionen bleibende Verdienste erworben, wie dies auS der Leichenrede, welche der dortige talmudisch und wissenschaftlich gebildete Rabbinatsverweser, Herr S. Rosenberg, gehalten, und welche ihrer Gediegenheit wegen auf Kosten der Frankl'schen Erben im Drucke Erschienen, deutlich herrorgehet. Durch den Tod Frankl's, der zur Erhaltung des Gotteshauses und der dreikassigen Hauptschule viel beittug, mußte nun eine neue Repartision der Cultussteuer vorgenommen, die Steuerleistung vieler Gemeindemitglieder erhöhet werden, in Folge dessen so bedrohliche Mißhelligkeiten ausbrachen, daß der Fortbestand der Schule gefährdet schien. Doch wo die Noch am größten, ist die Hilfe am nächsten! So versuchte es der erwähnte Herr Rosenberg, der, nebenbei gesagt, ein - talentirter Kanzelredner ist, in seinen am verflossenen Roschhasckanafeste gehaltenen Reden die Gemeinde zur Einigung und zum ftiedlichen Zusammenwirken zu ermahnen, und es gelang ihm sehr günstige Resultate zu erzielen. Worte, die aus dem Herzen kommen, dringen wieder in's Herz. — Tie Gemeindemitglieder kamen am zweiten Tage Rosckhaschana Nachmittag zusammen, schießen allgemeinen Frieden und faßten überdies folgende Beschlüsse, die später in einer vom Herrn Rabbinatsveriveser diesfalls verfaßten Urkunde verzeichnet worden sind: 1. Fortan an Sabbaten und Festtagen die Geschästslokale geschloffen zu halten, wodurch einem mehr denn zehnjährigen religiösen Uebel gesteuert wurde. 2. Tie Summe von fl. 300 zu dem Zwecke des Aufbaues einer Mauer um den Gottesacker herbei zu schaffen, welcker Bettag von den einzelnen Mitgliedern alsogleich zusammengelegt wurde. Zu eben diesem Zwecke hat der selige Frankl fl. 200 teftirt, und dessen Sohn Herr Wilhelm Frankl fl. 50 gespendet und weitere fl. 50 auf drei Jahre zinsftei geliehen. Ferner haben die Erben Frankl's mit Einvernehmen des Herrn Rabbinatsverwesers den Erttag der erwähnten Leichenrede demselben Zwecke gewidmet. Dieses schöne Factum ist hinlänglich geeignet, dem Herrn Rosenberg sowohl, als auch der wackern Gemeinde die volle Achtung aller Gutgesinnten zu sichern, daher wir uns jeder weitern Belobung enthalten. Doch können wir nicht unerwähnt lassen, daß, wie verlautet, Herr Rosenbcrg in Anerkennung seiner vorzüglichen Leistungen als Rabbinatsver- Weser und Schulleiter, zum Bezirksschulrn-Tirector ernannt werden soll. 1'. ]{. Berlin. 15. Sctober. Wie bekannt wurde auf dem vor einigen Wochen hier abgehaltmenen Juristentage vom Assessor Sutro der Antrag auf Einführung einer allgemeinen Eidesformel gestellt und dem enssprechend von der Versammlung die Einführung einer solchen für wünsckenswerth erklärt. Dieses Votum deS JuristeniazeS, auf dem, wie ich wohl als bekannt voraussetzen darf, sich die besten uud gediegensten Kräfte deutscher Länder eingefunden hatten, ist nun Gegenstand eines Angriffes des Herrn Consistorialrath Professor Schulte geworden, der in der vor einigen Tagen in Prag stattgehabten Genttalversammlung dtt katholischen ״Vereine" diesen Anttag nicht nur als einen unpraktischen, sondern auch gefährlichen bezeichnete und hievon Vttanlassung nahm übtt daS Streben eintt gewissen Seite, nach Entchristlichung dtt Staaten, sich auszusprechen. Wir bedauern in dem uns vorliegenden Refttate jener Rede nicht die Gründe angegeben zu sehen, in Folge dnen jenes Votum des deutschen Juristentages unpraktisch, ja gefährlich genannt wird, wissen übtthaupt nickt, ob dtt Httr Consistcrialrath eS auch für nothwendig gehalten, seine Meinung nähtt zu motiviren. Wenn wir nun selbst übtt diese Frage die entgegengesetzte Ansickt haben, so wollen wir wenigstens die Gründe, die unS dazu bestimmen, nicht schuldig bleiben.