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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-10-29 · 12 (29.10.1860) · p. Seite 94

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
12 (29.10.1860)
Date
1860-10-29
Page
Seite 94 (sequence 6)
Language
German
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—+* 04 m— weinend und schluchzend stürzt Icfepd in die Stube. — Eine Weile stand 3cteph wie bewußtlos ca. Tarnt bracken feine Mniee unter ihm zusammen. Er siel auf een neben ihm stehenden Scheinet und sein Haupt sank in den Schoß seines Paters niecer. — ״WaS ist cir Iosepbleben," ertönte es wie aus einem Munde dem! Jüngling entgegen. . '! ״WaS ist cir widerfahren, mein Mine?" wiecerbolle Mutter Hanna im nackdruckevollsten Tone cer Peferzniß. > ״Sag's uns cock schnell, lieber, guter Iofexb," ries auck Esther, eie gleich beim Hereintreken Ioferb's ihm zänlich entgegeneilte — ״sag's unS; damit wir. nicht gar vor Angn und Bangen vergeben müssen!" —; Trotz diesem wiederholten heftigen Andringen verging eine kleine Weile,! ehe Ioieph zu Worte kommen konnte. Sobald er es aber über sich gewann, erzählte er umnändlick und lreuber;ig alles, was ihm int Hanse Slern's . widersabren in. — ' ״Und Kar er dick einen B. gescholten, Slern's Schn? — er?!". rief Pater Abraham in wildem Ungestüm. ״Wer denn, lieber Pater?" fragte Esther sichtlich erschreckt. •Jfnn wer anders als Slern's Sohn,'Leopold!! versetzte Abraham. ״Unmöglich" sckrie Estker, ״er kann's nickt gewesen sein, unmöglich!" Tiefe heftigen ÄuSriisungeu von Pater und Tochter folgten so rasch I auseinander und hakten so sehr die Natur rer znverläßigen Ueberzeugungen von der einen und der andern Seite, daß Joseph erst spät daran dachte, die von ihm gewünschte Auskunft;11 errbeilen. Endlich erklärte er, daß er in feiner Bestürzung gar nickt darauf merkte, von wem der Ruf;״erst ausge׳ gangen- Was er aber sicher weiß, ist, daß er nickt vereinzelt, sondern von viele», vielleicht gar von allen ausgegangen fei. - ״Bon Allen?" rief Pater Mobil entsetzt aus. Bei riefen Worten erfaßte Mutter Hanna, die bisher in edler Selbstbckämpsung stumme Zeugin tes Wortwechsels gewesen, die Hand ihres Man- »es und sagte in sanft befchwicktigendem Tone: ״Und wenn es auck alle dort und die ganze Welt gesagt hätte, du ' weiß es, Abraham mein Mind, und ick weiß cs, daß wir im Namen Lottes und seines heiligen Gesetzes angetrant worden sind, und daß wir uns ewig .»!gehören, llnd wcnn's auck alle Welt leugnen möckie, so bist du mein Manu, fo wie ick dein Weib bin. Und diese Minder, die uns lange erhalten bleiben sollen — sind unsere Minder. Unsere Minder sage ick, die meinigeu und reinigen! ״Tie Memigen?! dürfen sie auck nur meinen 'Namen tragen?!" ־ Bei diesem Worte wuchte sich Abraham eine Tkräne ab, die seinen Augen entfuhr, und gleich darauf — als ob er sich dieses unmännlichen Auges geschämt liälie — wendete er sich rafck um und ging in das Nebenzimmer, das er sorgfältig hinter sich schloß, und in welchem er mit heftigen Tritten auf- und abschrilt. — Eine peinliche Stunde verging, während welcker Mutter und Minder wie erstarrt in ihrer Stellung verharrten, ohne nur einen?aut von sich zu geben. T ffenbar fürchteten sie den Gedankengang res tiesverlctztcn Mannes durch'das geringste Geräufch;u stören oder zu unterbrechen. Endlich kielte» die Schritte inne. ׳Nack einer kleinen Pause Höne man einen tief ausgebelien Seufzer; die Tbüre kstneie sick und Abraham Mohn stand zum Weggehen bereu, in einem Mantel gehüllt, mit Huk und Stock versehen, vor rer geängsiigken Familie. ״Tit willst roch nickt beule in fo später Abendstunde das Haus verlassen, Abrabam?" sagte die Mutter in einem Tone, rer von Angst und Perwunrerung zeugte. ״Warum nickt.?. — Aus der ״Suda" ist sa obnebin nichts medr für heute. Das wirft du selbst einfeken, ulte da rck eine dringende Angelegenheit abzumacken habe, fo will ick mindestens die Zeit benützen. — S der glaubst du vielleicht, daß wir uns, unterhalten sollen? — Etwa gar mit den Nuten die unS besuchen werden, die fick bei uns über uns lustig machen wollen?! Dazu müßte ick mich erst in eine Maske versetzen: ohne Maske gebt das bei mir nickt." — ״Wer sagte denn, daß wir uns unterhalten wellen, oder Gäste em- . psangen, der Purrm ist einmal ״verstört" — siel Hanna besänftigend ein — raS sieht dein Weib sc gut ein wie du Abraham — aber deshalb brauchst du nickt wegzugeben. Sieh', wir haben den Abend fo gut und . vergnügt zugebracht, als wir an die Welt nickt dachten und nur mit uns allein beschäftigt waren. Vasten wir die böse Welt! Bleiben wir zusammen, du und meine Minder, ihr seid mein Alles was ich habe." — ״Ich kann nickt Hanna, ick muß noch heute fort, ich muß." — ״Du mußt?? — Sieh' Abraham, wir haben noch nie wie die Andern einen Tisch am Purim ausgestellt und wir waren immer zufrieden miteinander, aber du hast auch nie dein Weib und deine Minder an einem solchen Tage verlasten." — ״Ich muß gehen ltebe Hanna, dränge nickt in mich — ich werte bald — in einer Stunde vielleicht sckon — bei euch sein."... ״Fürchte dich nickt, ich werde mir kein Leides anthunz" fügte er läckelnd hinzu, ״das sollen die Leute Abra- Ham nickt nacksagen. Sei unbesorgt, gute, liebe Hanna, lebt wohl Minder; laßt das Haus sperren, damit Niemand hereingche, ehe ich zurück bin. Löscht auck die vielen Lickter aus. Eins wird genug sein, wie an ankern Tagen. Wenn es Gottes Wille ist, werden wir unfern Purim ein anderes Mal feiern."... ״So nimm dock wenigstens Joseph mit dir," bat Hanna, als sie einsah, daß ihre weiteren Pcrstellungen vergebens seien... ״Nimm Joseph nüt dir, damit tu nicht allein gehst in so später Nackt." — Joseph bleibt zu Hause, antwortete Abraham entschieden — damit ihr nicht ganz allein seid... Ick brauche ihn nicht." — Einen Muß aus die Stirne Hanna's drückend, und einen zärtlich ruhrenken Blick auf seine Minder geheftet, verließ er eilends eie Stube, als ob er allem Bedenken auf einmal ein Ende mackke. Abraham war noch nicht weit vom Haufe entfernt, da wendete er sich plötzlich um, und sah wie ein Vickt um das andere, gleichsam zum Zeichen der Familientraucr, erlosch — raun schritt er wieder weiter vorwärts mit den leise vor sich hingemurmeltcn Worten: ״Für uns wird es wohl keinen Purim mehr geben!" lstortseo. folgt.! Ein Nab' lich fdjaart zu feiner Art. -lach dem Midrasch. Einst kan! 'ne fremde Bogelart In's heil'ge Land geflogen. Darüber in den Sckulen ward Die Frage viel erwogen,!Sb diese nach dem Wort der Schrift Zur Nahrung darf gereichen; Tenn Meiner an ihr deutlich trifft Die vorgeschricb'ncn Zeichen. Doch Rabbi meint: Laßt einen los Und frei aus'S Tack sich stellen, Und merkt mir von der Ferne blos, Wer ihm sich wirk gesellen! Sie tbnn also. Bald fliegt einber Ein Rabe ihm zur Seiten, Unk tbut also, als wenn es wär' Ein Freund aus alten Zeiten. Und-Rabbi spricht: Tie Bogelart Gehört nickt zu denreinen; Der Rabe, der zu ihr sich schaart. Erkennt i» ihr die Seinen. -lir. •Sfäßef. -tMi- Lorrefpondenz. Noch ein Wort über die RabbineLwahl in BrÜNN.*) Geehrter Herr Redacteur! Sie waren so freundlich zum zweiten Male zu bestätigen, daß die Corresponden; aus Brünn in Nr. 7. d. Bl. nicht von einem Brünner herrühre, und ich danke Ihnen dafür. Ich begreife aber nicht, wie Ihr *) Mit der bereit« gemeldeten Besetzung de« Rabbinale« in Brünn ist wohl jede fernere Ts«cusficn über diesen Gegenstand überflüssig geworden. Doch konnten wir nicht umhin dieser noch vor Bekamnwerden der Wahl geschriebenen Entgegnung de« Herrn x. Raum in unserem Blaue zu gönnen. — T. Red.

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