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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-10-29 · 12 (29.10.1860) · p. Seite 95

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
12 (29.10.1860)
Date
1860-10-29
Page
Seite 95 (sequence 7)
Language
German
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—•m 95 **׳— t wertster B. Corrcspontent ans Brün» behaupten mag, daß ich kein Gast in Brünn und in derselben Zeile sagen kann, daß ich die einflußreichen Persönlichkeiten nicht zu kennen scheine. Ist Schreiber diese-, wie Herr B. meint, heimisch in Brünn, wie konnten ihm die einflußreichen Persönlichkeiten fremd sein; ist er ein Fremder, wie ist'- zu verwundern, daß ihm dieselben unbekannt'? Andiesem Dilemma könnte der wertke Herr B. Korrespondent ׳ hcrausführen wenn — es sich überhaupt verlohnen würde ein Wort darüber zu verlieren. Ich fühle mich nur veranlaßt, die Leser dieser weit verbreiteten Zeitschrift von der Wahrheit zu überzeugen, daß der Brief in Nr. 7 von keincin Manne geschrieben iviirde, welcher als l 'ioer״ j!r<> domo 811a Correspondenzartikel i» die Welt schickt, von keinem Manne der für irgend einen Competentcn Partei crgrciik, -sondern von einem Manne, der eS au- GlanbcnStreue und beseelt von dem Wunsche zur Hebung de- Iutentluinis beizntragen, wünscht, daß nach der Metropole Mährens ein Mann komme, welcher ״dawahre Iudenthum nach Innen und Außen würdig zu vertreten" im Stande -sei. Daß dieses keine Phrase, wird der Herr B. Corrcspodent auch einschcn, wenn ich ihm sage, daß ich mit ihm vollkommen in den Wunsch einstimme, daß ״die alte von mährischen Landrabbincrn geübte Sitte ihre Schwieger-Söhne, wenn auch auf kosten der Gemeinde a tont jirix mit einem Rabbinat zu versorgen" nicht mehr zur Anwendung komme; und ich kann den Herrn 1!. Correspondcnten versichern, daß auch ich will, ״daß den stimmberechtigten Gcmcindcglietern Gelegenheit gegeben werde, aus den sich darbietenden Persönlichkeiten den — ״nicht anscheinend" wie Herr B. schreibt, sondern den ״wirklich" — ״Tüchtigsten n»d Gediegensten heranszuwählcn." Nachdem ich diese Erklärung abgegeben, dürfte ick wohl fragen, ob meine Corrcspondcn; in Nr. 7 noch vielen Spaß bringt? Möge sie eö immerhin! Ick habe meine Pflicht erfüllt, ich habe jeden Verdacht, von welchem immer einheimischen Correspontentcn, herabgcwälzt, ick habe gezeigt, daß mick nicht Privatrücksickten bei Abfassung meines Briefegeleitet, sondern der Wunsch, daß Brünn einen Mann an seiner Spitze erhalte, welcher, wie ich es Seite .'»4 geschrieben, dieser Stelle würdig sei, ״möge er unter den Competcnten auch der fünfzehnte sein." Diezur Erläuterung für den Herrn B. Corrcspondcntcn; sollten in ihm aber doch noch Zweifel über meine mähriscke Nichtzuständigkeit aufsteigen, so würde ich dringenden Fallkeinen Ausland nehmen, ihm meine Adresse im Privatwege mitzuthcilen. Genehmigen Sie Herr Redacteur die Bersichening der vollsten Achtung Ihrein Prag weilenden x. B. Berlin 5. Oktober. Ein Botnm Dahlmanns. Gerechtes Aufsehen erregt hier überall ein erst jetzt veröffentlichte- Aktenstück über die Zulafsnng der Inden zu Lehrämtern an christliche» Scknlen. Es ist dieses ein Separatvotnm von dem bekannten Professor der Geschichte Dahlmann. Er erklärt sich darin für Zulassung der Juden zu Lehrämtern: 1. Im Interesse der freien Bewegung der Wissenschaft. — Wir sind, schreibt er, noch immer der Gefahr nicht entronnen, daß Gegenstände, deren Erforschung der weltlichen Wissenschaft angehört, dürch eine vorschnelle Theologie dogmatisirt und so der freien Forschung entzogen werden niöchten, ich erinnere nur an die mannigfache Verketzerung, welche Humboldt'- Kosmos neuerdings erfahren hat. Da scheint es mir der freieren Bewegung der Wissenschaft ungemein förderlich zu sein, wenn einige Männer, die außer unseren kirchlichen Schranken stehen, uns diese Gefahr stets gegenwärtig erhalten u. s. w. 2. Meine lleberzeugung würde den sonst befähigten Israeliten nicht einmal vom historischen Lehramt unbedingt auSschließen. Denn anch abgesehen von der immer gewaltigeren Bedeutung, welche die Geschichte der nicht christlichen Völkerschaften, namentlich in neuester Zeik erhalten hat; wenn ein jüdischer Gelehrter durch ein tiefsinniges Werk gezeigt hätte, daß er den Geist der christlichen Welt richtig zu würdigen weiß, so wäre ihm meines Erachtens der nicht erfolgte llebertritt so lange zu Gute halten, als der fortdauernde Hader der christlichen Kirchen jedem Draußenstehenden da- Urtbeil erschwert, in dci» Schooße welcher von ihnen der allein wahre Glaube;»'finken sei. 3. Darf wohl geltend geniackt werden, wie große Billigkeitsgründe dafür streiten, keiner menschlichen Anlage den Weg zur Ausbildung und ihrem Lohne zu versperren; die bedeutenden Fälligkeiten, welche die jüdische Nation namentlich in den in Frage stehenden Fächern entwickelt, sink aber unzweiselbast. — prirfc aus brr Aomogy. 11r. Ick beeile mich, bevor ich zur Fibel-Luft meiner Wintcrbehansung heinikehre, noch einiges über meine Somogncr Reise nackzntragen. Esllksic» besitzt eine aus 40 iürael. Familien bestehende intelligente Gemeinde, an deren Spitze ein wackerer Rabbi steht. Es ist dies Her»׳ Löwy, einst zu Groß-Kanizsa Vorgänger unserS hochverdienten Leopold Löw — ein Mann, der seiner gediegenen Wissenschaftlichkeit wegen durch die ganze Somogy hochgeachtet wird. Eben so tüchtig sind die an der Schule daselbst wirkenden Lehrkräfte. — Groß-Sziflkt, eine 140 jüdische Familien zählende Gemeinde, besitzt eine schön organisirte Schule mit dem dirigircnden Oberlehrer Herrn Wolfs an der Spitze, einen würdigen Vorstand in der Persönlichkeit des Herrn Sam. Fried; dafür aber einen Rabbiner Heien Meiscl — Nachfolger seines vor <» Jahren verstorbenen VatcrS — einen strengorthodoxen Mann, dem die moderne Bildung ein Lnrnsartikel zu sein scheint.... Ghöllghos-Mtllök, vor einige» Jahren noch eine durch Opferwilligfeit ausgezeichnete Kommune, bildet jetzt gleichsam blos Ruinen einer Geuieindc. Sie besaß bisher blos 3 Rabbiner, die aber in sehr hoher Achtnng standen: Rafael Rosenberg, eigentlich Gründer seiner Gemeinde, der nach einem mehrjährigen segensreichen Wirken daselbst verschied, war ein wackerer Jünger des berühmte» Markus Benedikt — fromm und crlcucktct, offen und bieder. Ter Geist desselben erbte sich auf seine 3 hinterlasscncn wackeren Söhne fort, deren Einer, Adolf, alck feingcbildctcr 24jäbriger Jüngling sein Grab zu Groß-Szigct, wo er alS Oberlehrer wirkte, fand; der Zweite, Samuel, gegenwärtig BezirkSrabbinatsvcrwcser zu Käpolnas-Nyc-k, und endlich Heinrick, Lehrer an der k. k. Israel. Mnstersthanptschnle zu Pest. — Der Nachfolger des obbcnannten Rabbi hinterließ nach einer kaum 5jährigen Amtirung der verwaisten Gemeinde seine trauernde Wittwe mit 9 Kindern. Die Thatsacke, daß diese Wittwe nebst freier Wohnung nur noch 2, sage zwei Gulden von Seite der verarmten Gemeinde wöchentlich erhält, führt mich auf ein jimm desidcriiun, um dessen gütige Mitibeilmig ich Sie hiemit ersuche. Nehmen wir anstatt der üblichen Zahl von 400 iSrael. Gemeinden, die statistisch ans Ungarn und seine vorm. Nebenländcr entfallen, blos 3<K) an, und erlegen 150 der großen! Kommunen ein für allemal die Silmmc von 100 fl., die kleinem jedoch nur 50 fl.; verpflichten sich ferner die betreffenden Rabbiner zur geringen Sunmie von jährlich 51 fl.; so hätten wir nach 51 Jahren einen ״Rabbiner-Waisen und Wittwen-Fond" mit' einem Stammkapital von 30,000 fl. — Der 3. Rabbiner, der nach einer zweijährigen AmtSthäligkeit GyöngyöS-Mellök verließ, wirkt jetzt als Bezirksrabbi zu Sziklös in der Baranya'er Gespanschaft. .. Die hiesige Synagoge — ein Denkmal aus bessern Tagen — ist zugleich ein beredtes Denkmal antiker Gläubigteit, indem dieselbe im buchstäblichsten Sinne des Wortes von׳ deren Bekenner» aufgebaut wurde. Jünglinge und Jungfrauen, Greise und Kinder wetteiferten unverdrossen in der Verrichtung der schwersten Taglohnarbeiten — bis das HauS der Erbauung zur Ehre GotteS fertig gestan« den! So wurden von nnsern Altvordem die Gotteshäuser anfgeführt, wo jeder Stein ein Denkstein, und wo an jedem Stein das: אכן מקיר תזעק sich so heilig und würdig bewährt! Jetzt haben wir Synagogen auf Aktien, Mizwoth noch immer durch Auktion — doch nirgends leider die innige, echtjüdische Aktion! ... Ich kann von hier nicht scheiden, ohne eines Mannes Erwähnung zu thu», mit dessen Ucbersiedelung nach Sziget nun auch der letzte Glanzftrahl der hiesigen Gemeinde verloschen: eS ist dies Herr Max Grünhut Mcdieinä Doktor, der sich dem Gebiete der Oekonomie zuwandte und in Folge dessen in obigem Orte vor 2 Jahren seine Wohnnng aufschlng. Dock bald hätte ich an den Lehrer der armen Gemeinte an Herrn Tav. Käufer vergessen, der durch 15 volle Jahre hier mit segensreichem Erfolge wirkt. Heber Nagy-Bajom, eine 00 jüdische Familien zählende Ailialgcmeinde von KapoS, dürfte wohl daS cinc Charakteristikon hinrcichen, daß hierorts ein halbjährlicher Lchrenvcchsel ganz in Ordnung ist, und die Schnlstube daher den Namen Wechselstube verdiente. — Einer blos ist es hier, teil die jüdische Ehre rettet: I)!׳. Grünhut aus Pest gebürtig, welcher als tüchtiger Fachmann das allgemeine Vertrauen genießt und... verdient.

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