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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-10-29 · 12 (29.10.1860) · p. Seite 92

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
12 (29.10.1860)
Date
1860-10-29
Page
Seite 92 (sequence 4)
Language
German
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92 «. tinate berufen, waren mehrere Monate verflossen. Erst Mitte Jänner, am Tab bat, ״Waör»7" hielt er unter den Tbränen der Mitglieder feiner Gemeinte und in Anwesenheit vieler Fremder, die eigens zu diesem Anlässe nach Prostnitz gekommen waren, seinen Abschieds-Vortrag und betrat am 2s. Jänner 1 >30 teil neuen Schauplatz seines 'biirfenä — Pest.— Fonseviinq folgt.) Beschichtk drr ^lldcn tn Polen. :2MüV1./ 1 A. "iL-eitu nun auch 31 •;ג beweist, das; auck Polen von einen, ^Wahrte nicl't frei gewest», der, so absurd er auck war, weil er mir ren Grundgesetzen des Mo'aiemus in Widerspruch stand, nickt nur das ckristlicke Mittelalter belierrsckte, sondern nock in der allerneuesten Zeit in vielen stopfen spuckte; so sehen wir dock hierin die Borstcki unk Gerecktigkeit des Gesetzgebers, der zur Begründung einer Anklage, die die surcktbarsten Eonseguenzen nach sich ziehen konnie, allster drei ckristlicken Zeugen drei jüdische als nothwendigeS Elsordernist hinneüie, und überzeugt, das; wohl die meisten Anklagen als Ausstust des Religions!׳affes zu belrackten, diejenige Strafe über den Ankläger, 'der seine Anklage nickt zn begründen vermochte, verhängte, die der Jude, wenn er sckulkig befunden.worden wäre, hätte erdulden muffen. Hervorheben wollen wir hierbei nock, daß rer betreffende Paragraph eingeleilei wird mit den Worten׳ den LcsllllllllUNljcN ddv PaMdst gemäß, juxta t״u j>timtion<!s I׳a1>ae, verbieten wir, rast die x>»den in unserem Reiche bescknlcigt werden, dast sie Meusckenblut gebrauchen, weil,׳— wie es im lateiniscken Teile noch heißt und was der Herr Berfaffer in der dentscken Uebersetzung weggelaffen hat — die Inden wegen der Porsckrisr des Gesetzes sich gänzlich jeglicken Blutes enthalten 1״un juxt•! z,1׳ac.-oei»tu»> l-״־is :11» <unui!•ror.'iis s.!1:״uine s .s1״l:>> i .•1b>־th.e nt.mmvrsi! — Wieviel Weh ist durch die abnorme, ihörickte Beschuldigung des Gebrauches von Elnisteublnt über die unglückluven Juten gekommen! Dast es im Uebrigen in der Absicht des Gesetzgebers lag, den Juden > den kräftigsten Tckutz gegen jegliche Unbill und O-ewaltthätigkeit zu Theil werden zn lasten, beweist sowohl 8- 3.5, rer dem christliche» Nachbar gebietet, wenn er nickt in hohe Tbasege^mmen sein will, dem überfallenen, um Hilfe rnfenten Juden beizntprmgen, ferner 8l-l der den Ehristen, der die Begrä! ׳sistplätze.irr Juden beschädigt oder zerstört, mit EonsiScation seines Bermögens bedroht und endlich der Ls. 1.5, derdem Ehristen, der eine Tnnagoge veruneluk, eine Ttrafe von 2 Tkein I Ttein — ‘52 Pfund, Pfeffer auserlegt. Tas vielgesckmähte Biittelalter hatte für Grabstätten- und Tempelickänder, und das uttt vollem Reckw, eine hänere Ttrafe, als unsere ('»stfotzgebungen: und dieses ist auck der Grünt, rast niedrige Bosheit und gehetzte׳.׳ Pöbet leider so oft die uns lhenern Ttätten verunehren und beschädigen! Wie aus dem bisher Entwickelten ersichtlich, ist das ganze Privilegium von dem Geiste cer Gerechtigkeit, des Wohlwollens und der Billig- -kstt durchweht und zeicknel sich in diestr Beziehung vortheilhask vor ankern Privilegien aus, die, weil in den meisten Fällen wenigen Begünstigten zur Ausbeutniig der Masten gegeben, nickts weniger atS die Gerechtigkeit zu ihrer Basis haben. Das ganze Tlatur ist ein gleick ehrendes Zeugnis: für ren.nincen und gereckten Tiun des Fürsten, »nrer keffen Regierung es abgefastl wurde, als auck für die vornrtherlsfreie, humane Anschauung rer andern ,Faktoren der Gesetzgebluig!rer Herzog konnte ohne Rath und Einwilligung nrr T!ände kein ("eie 1• erlassen.' , ebne deren Mit wirkluig und Zustimmung der Erlasi eines solchen (Gesetzes eine llninbgtichkeit gewesen wäre. Als Easimir rer «Droste die Regierung 133,2 antrat, waren die Berordmiugen und <"e׳etze, welche Boleslaw eriasten batte, in Bergestenheik geraihen. «'*leid׳ heim Änlr!1!e seiner Regiening bestätigte er die den Juden ertheilken Privilegien. Bi an hat die Begünstigungen, die den Juden von Easimir zu Theil wurden, ce!n Umgänge cestetben mit der schönen Jüdin Esterka zugesckrieben; liirest verdrängte Efterka's Täaonheit die i'cklaue Rokiezana erst um das- Jahr 1350: und bereits 13 14, ali'o 22 Jahre früher wurden die Boleslaw'!.:׳,׳!! Privilegien;um T.t'utze rer Jude» von Easimir bestätigt. », 2 :.5 >•׳.׳a. 11 Die Inquisition konnte sich in Polen nicht in dem Maste, wie in den westlich gelegenen Ländern, entwickeln. Während ihrer 2«X)jährigen Wirksamkeit in diesem Lande (von 1341 —1541) konnte sie sich nur eines Anw ,la t<- erfreuen. Mit WlakiSlaw Jagiello beginnt die jagellonische Dhnastie. — Hier endigt der erste Theil des besprochenen Werkes. (!sitL Akbil'öuag.) -b. Zfak '310a Mannheimtr, Prediger der israel. EultuSgeineinde in Wien, wurde a>n 17. L^ctober 1793 in der dänischen Haupt- und Residenzstakt Kopenhagen geboren. Tein Bater, Lorbcter der dortigen israel. Gemeinde, liest ihm im׳ Hebräischen und im Talmud, so wie in den Tckulgegeiiständen und in der französischen Sprache Unterricht ertheilen. — Ein Jahr nack keni berühmten oder vielmehr berüchtigten Bombardement Kopenhagen'S durch die Engländer, keffen Tchreckniffe der 14jährige Knabe durchlebte unk wobei das Haus seiner Eltern in Flammen aufgegangon, besuchte er das dortige Gnmnasium, 1808 —1814, aus welchem er mit empfehlenden Zeugnissen versehen, zur Universität überging. — Nebst den Ttudien der Philosophie, Philologie rc. rc. widmete er fick »och vorzüglich der jüdiscken Wiffenschaft. — 1810 wurde M. in seiner Baterstakt als Katecket angestellt, in welcher Eigenschaft er auck bei den gewöhnlich am Mittwoch abgehaltenen ״Erbauungsstunten" Predigten in dänischer Tpracke hielt, von welchen eine kleine Sammlung 1819 im Drucke erschien. Aus einer Reise durch Deutschland 1821 predigte er in Berlin in deutscher Sprache unter grostem Beifalle aller Hörer, und wurde bald an die Stelle des vom Predigeramte zurückgelroteneu Dr. Zun; dahin berufen. — Bekanntlich wurde ,,deutscher Gottesdienst" unk ״deutsche Rede" durch die königl. Eabinets-Orkre vom 20. Deeember 1823 und vom 28. Februar 1824 strengstens untersagt, unk verfügt, ״käst der (Gottesdienst der Inden ״nur nach tem hergebrachten Ritus, ohne die geringste Neuerung in der ״Tpracke, in den Eeremonien, (Gebeten und Gesängen, ganz nach dem alten ״Herkommen gehalten iverke." — Nackten/ Mannheimer's bisherige Wirksamkeit dadurch Unterbrechung erlitt, privatisirte er abwechselnd in Berlin unk in Hamburg. Tort erfreute er sich des freundlichen und freuntschaftlicken Umganges mit Männern wie David Frieklänkler, Finanzrath Jsr. Jacobsohn, Laz. Bendavik, Eduard Gans, Jost und Aunz; in Hamburg vertrat er häufig den Prediger Do. Talomon während keffen Abwesenheit aus der Kanzel. Austerdcm predigte er regelmästig während der Messe in Leipzig an'dem daielbst für diese Zeit eingerichteten, sogenannte» Hambnrger Tempel. — Hier hatte ihn 1824 der eben anwesende Borsteher der Wiener JSraelirer M. L. Biedernmnn predigen hören, und veranlastte keffen Berufung nack Wien. — Als ״Religionslehrer" trat Mannheimer im Juni 182.5 sein Amt in Wien an, bald aber wurde sein Wirkungskreis zu dem eines eigentlicken Seelsorgers erweitert. Welche großen Berdienste um die Verbreitung der Predigt unk um die Hebung des israel. Eultus in Desterreick sich M. als Meister der Rede während seiner mehr als rreistigjährigen Wirksamkeit erworben, welchen Antheil er an Allem was im Laufe dieser Zeit in Wien Gnies unk Zweckmastiges erstanden ist, genominen; wie Vieles ans seine Anregung oder durch seine kräftige Mitwirkung ins Leben getreten, welchen Einslust er cuis die benere (Gestaltung vieler Gemeinden, namentlich durch Unterstütz»»» ihrer Bestrebungen im Kampfe gegen;eletische- Anfeindungen geübt, ist zn allgemein bekannt, als dast wir hier, in kein ohnedies beschränkten Raume, ׳Weiteres darüber;11 sagen nöthig hätten. — Bis jetzt sink von ihm erschienen: Tecks Festprekigren, Wien!«33; Ein Bank Predigten über Genesis unk Exodus, Wien 1834: Uebersetzung des Gebetbuches seit 184" in mehreren Auslagen; Uebersetzung der Festgebete seit 184<> in drei Auslagen: Ferner mehrere einzelne Predigten und Gelegenheilsreden. Aussehen mackte sein über die BeschneikniigSfrage nach Franksurt a. M. 1*43 abgegebenes Gutachten durch die Tckärfe, womit ej. gegen die dortige Reformparthei auskrat. —

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