Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 11 (12.10.1860)
- Date
- 1860-10-12
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4884143-5427047-5427079--115-4884248- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
n 84 h VaterS nicht im Entferntesten ahnte, es über fick nahm, die ferneren Be- ן sucke seines Freundes 2 lern hintanzuhalten. [ Tas Berfprecken war leicht gegeben, aber rie Effüllung desselben! musste dem armeii^unerfahrenen Joseph manche sckwere Berlezenheit bereiten.! Er konnte es unmöglich über sich gewinnen, seinem Freunde so hart zu Leibe zu geben, um ihm den Eintritt in sein elterliches Haus zu versagen. — Unt dock musste es geschehen, da sich mit Bater Abraham — so lenksam und nachgiebig er auck bei ruhiger Stimmung war, im gereizten Zustande durchaus nickt reckten liess.... Um indesien Leopold nickt in seiner Ehre;u verletzen, fand es Joseph für nölhig, rie gegen ressen Person allein verhängte ׳ Massregel auck auf die übrigen jungen Bekannten auszudehnen; indem er ihnen gegenüber allerlei Hindernisse und Störungen erfand, die in seinem elterlicken Hanse eingetretc» sein sollten, und die jeden Besuch zur Unmöglickkeit machten. Zu rem Ende schützte er bald das Unwohlsein des einen und bald res andern Familienmitgliedes vor, und da ausser ihm nur drei Personen ihren Familienstand bildeten, so war die Reihe bald zu Ende und die Sacke musste früher oder später als das erkannt werden, was ne war, als — eine mit Absicht ausgeheckte falsche Ausstucht, um ihre Besuche im Hause Kchn's zu verhindern. In welchem Lickte hiedurch Joseph bei seinen Freunden erscheinen musste, lässt sich denken. . Jetzt bekam das früher gegen ihn gefasste Borurtbeil seine volle Bestänigung. Sie sahen in Joseph den vom Bater überkommenen Dünkel und Hockmuth erneuet.... Tie ׳'ntente <•<.]•(11:11׳• war erschüttert, und es bedurfte nur des geringsten Anstoßes, um einen völligen Bruck hcrbcizutühren. Tiefer kleine Anstoß liess^nickt lange auf sick warten. — Sc wie Stern das elterliche Haus Josephs besuchte, so pflegte Ioserh auck in ras Slern’s einzukehren, ob ihn gleich dort kein mildglänzender Stern der Liebe.an;og — wie dies bei Leopold bezüglich Esthers der Fall gewesen. Ihn fenelre blos ras vergliche Benehmen der Ellern Leopolr's, rie , ihm in rer Thal stets mir besonderer Wärme und Theilnahme entgegen-; kamen. — T ieses her-,liehe Entgegenkommen ward ihm auck in letzter Zeit;11 Thcil, als rie gegen leine Freunde gebrauchten Ausflüchte bereits erkannt sein mussten, oder schien es mindestens dem unerfahrenen Joseph sc;11 fein. ן Tas Puriuitest, jenes drolligste und gewiss auck» gemnthlickste Volks-! fest, rer Earneval von Beuerig nickt ausgenommen, war für rie jüdischen! Bewohner res Städtchens T... herangeschritten. Ter Leser wird es ans j. eigener Anschauung oder dock mindestens vom Hörensagen wiffen, welch losen : bunten Zerstreuungen, lockern ungebundenen Auftritten und Spektakeln man; fick׳ an diesem Tage hinzab: er wird-es wissen, welch derbes körnige Scherze, \ Maskenzüge und besondere Lustspiele damals Ersatz boten für die gespannten, | nur der bemittelten Arlane zugänglichen Enlr׳-e׳, Eomit׳' , Haute-vell-e-, j ot'senc und geschlossene. junge und alte Hcrrenbälle, welche rie alles nivellirenre '.><eu;eil deck Jndenrhume erschlossen hat. — ״Am Purim ist alles frei," cas war die allgemein herrschende Pa-! role, zufolge welcker nck Gross und Alein, Jung und All wie in einem Lust-! Wirbel bewegte und sortkrieb. Reben dem komisch tragischen ״Ansingen" der! v.igabnndirenren ״Scknorrer," den! burlesk rührenden Abnercln von blinden Biustkauten, dem Stegreifcichlen von professionellen Schalksnarren, den oft improvitirten ״Pnrimstückeln" rer Backurim 1 Talmudjünger:: ausser dem gemüihlichen, an die uralte G. schickte sich lehnenden Brauch der von Haus zu Haus hin und herwändernden (beschenke Schlack-mcnnss . der einem jeden,,! auck rein ungeladenen toaste zur Verfügung stehenden. mit den leckersten Speisen und Getränken beladenen Tischen, ausser diesem und vielem andern . res. Ergötzlichen, gab es noch eine Zerstrennng — rer man nck ^!weilen am Purininachmitkage zu überlassen pflegte — es war ras artenspiel. Zn einer solchen Unterhaltung fand sick um ras Jahr 1*25 eine zahlreiche (’^efeÜKhaft junger Leute im Hanse Stent’•5 ein, denen »ich auck , Joseph angescklosien batte. Zwei Stunden res Nachmittags etwa mcckte man ra in aller Ruhe und ' Gemüthlichkeit die Wartentlätter gewechselt halben, als sich — wie ries bei den harmlosesten Spielpartien rorzukommen pflegt — eine kleine Tiiferen; ergab,"über rie sich anfänglich ein kleiner Wortwechsel, bald aber ein wahrer, leidenschaftlich gefühner Streit erhob. Joseph selbst war in der Sacke nickt 1 verwickelt, trat jedoch vermittelnd ein und liess sick von seinem Eifer so weit I fortreißen, daß er ernste Vorstellungen an den Sohn deS Hauses richtete, über das Ungeziemende eines solchen Auftrittes. — Kaum aber hatte er ries gethan, als sich sämmtlicke Streitenden, als ob sic im geheimen Einverständniffe gestanden wären, gegen ihn erhoben, und eine Ladung von Sckimpfreden und höhnenden Ausfällen so dicht und heftig auf das Haupt des jungen Mannes fiel, wie nur je ein Hagelschlag auf daS Haupt eines Sterblichen sick entlud... Von Zeit zu Zeit vernahm man einzelne Krastausdrücke, wie der ״Vermauerte," der ״Gespreizte," ״Aufgeblasene" rc... In Folge dieser über -ihn ergangenen Jnvectiven faßte der schüchterne Jüngling den freilich mehr naiven als heroischen Entschluß, die Thürc zu suchen, um sich dem Tumulte zu entziehen. Kaum aber hatte er die Thüre um die Angel gedreht, als der Ruf über ihn daherflog: Das Magrantenkind will uns lehren, was recht und schicklich ist — der Bankert!.,. Ter Name Bankert, den der junge Mann zum ersten Male auf sich anwenden hörte, machte ihn schaudern. Erschüttert hielt er eine Weile inne; dann schien es, als ob er in das Zimmer zurückkehren und den erlittenen Schimpf racken wollte; aber plötzlich, muß ihn ein mächtiges Bedenken ergriffen haben, und weinend und schluchzend wie ein Kind, das nach erlittener schwerer Strafe die Schule verläßt, sah man den 18jährigen Jüngling, den armen Zögling der grossen Schule des Lebens — gerade Wegs dem elterlichen Hause zueilen. (Fortsetzung folgt.) — »»«,- Las Weltgericht. (Un'fane Tankes.) Vernehmet die Kunde, die treue, Tes Tages hochheilige Weihe. S Tag voll Schauer und Beben! Auf ihnl wird dein Reick sich erheben. Auf ihm sick der Gnakenthron gründen Wo wahrhaft dein Sitz ist zu sinken. Wohl bist du Weltenrickter, fürwahr! Entscheidend, verkündend, bist Zeuge sogar, Ter schreibt unk siegelt und rechnet und zählt: Vergcss'nes, Bersckoll'nes — nichts bleibt dir verhehlt- Tas Buck׳ der Erinnerung rollest du auf, Ta tauckl, was geschehen, von selber herauf. Und Jeder verzeichnet, w'as selbst er vollbracht. Ta schmettert die Weltenposaune mit Macht, Ein Munneln, ein dumpfes, wird weithin vernommen. Es zittern die Engel selber beklommen, Bon Angst unk von Schrecken furchtbar durchdrungen Sckallt es und tönt es von Engelsznngen: Bebt ihr ccm Tag des Gerichtes denn nicht'? Tie himmlische Sckaar auck ereilt sein Gericht! Auck sie ist von Sünde nickt rein unk nickt frei! — Tann schreitet was lebet und webet vorbei. Glcick zagenden Hcerden so ziehen sie hin. Und wie der Sckäser mit musterndem Sinn Unter rem Stabe die Lämmer lässt zieh'n. Sc lenkst tu unk' zählst du unt musterst die Seelen, Benügst über jede nach reinen Befehlen, Und in der Schöpfung urcwigem Buck * Pranget der Gottheit allmächtiger Spruch. Mil Jahresbeginne da schreibst du ihn nieder. Und siegelst am Tage der Sühne ihn wieder: Wie viele vergehen, Wie viele erstehen, Wer da soll leben, ,Wer sterbend erbeben. Sein Ziel soll erreichen. Wer früh schon erbleichen: Turck wogende Fluth, Turck praffelnde Gluth,