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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-10-05 · 10 (5.10.1860) · p. Seite 79

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
10 (5.10.1860)
Date
1860-10-05
Page
Seite 79 (sequence 7)
Language
German
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—m 79 seinen soi disant Häusern, die uns die Uranfänge der Baukunst so gemüthlich darstellen. Jndeß bildet Alles hier, Menschen und Wohnungen, Schulen und Lehrer, ein harmonisches Ganze, ein nierkwürdiges seltene- Ensemble.... Wenden wir nnS vom schönen Koderküt etwas westlich, so erblicken wir nach einer 3-stünkigen Fahrt, resp. 5-stündigen Fußwanderung den Marktflecken Attiid mit feinen 50 jüdischen Familien und dem Sitze de« Stuhlrickteramtes, der hier so ganz am Platze ist. Denn leider ist die hiesige wohl» habende Judenheit in zwei feindliche Lager: in daS M. ..sche, und in das W. ..sche, getheilt. M. nnd W. sind die großen Anfangsbnchstaben kleiner Mensche» — die natürlicherweise die Reichsten der Gemeinde sind. Die Tenden; des Zwistes ist mir, aufrichtig gestände», unbekannt; denn ein Lebrer, der Mark nnd Blut für die Gemeinde opfert, ״bat sich in Mhile -Sachen nicht zu mische».",... Ich bleibe somit bei nicincr Schule, die hier bester ist als in — Metertut. Tie schöne Synagoge zu Atind besitzt i» ibrem anSgezeichneten Eantor, Herrn Mronberger, auch eine» tüchtigen Pädagogen. lieber Csurgss, Groß-Szigct, GnknzyeS-Mellc-k, KapoSvnr u. s. w. nächstens. Ixton < >nnol! 1״ Eerichtsvrrfahren gegen die Inden im Jahre 1726 in Elsaß. Zn diesem Zähre brachte die Nachricht, daß plötzlich drei stattliche Snnagogcn zu Winzenheim, Hagcnthal und Bicsenhcim (in Elsaß) wie durch einen Zauber sich erhoben, bei der dortigen christlichen Bevölkerung allgemeines Entsetzen hervor. Tie Zsraeliten hatten in der Boraussicht, keine Erlanbniß biezn zn erlangen, cS gewagt, diese Gotteshäuser ebne Autorisation zu erbauen. Ein Schrei des Entsetzens erbob sich allerorten. Das verwegene Unternehmen der Zuden wurde überall verdammt. Man fand eS gegen alles, Herkommen, daß die Zuden eS wagen sollten, Tempel z»r Bcrchrnng und Anbetung ihres Gottes zu errichten. Endlich wurden die aufgeregten Geister durch die Nachricht, daß die Hand der Gerechtigkeit an diesen ״monströsen" Gebäuden die Berlctzung des Gesetzes rächen solle, beschwichtigt. Diese Nackrickt bestätigte sich nur zu sehr. Eine Requisition wurde an den obersten Gerichtshof mit dem Verlangen gestellt, daß die drei Synagogen niedergeristen werken mögen, ״da cS gefährlich sei, ein so kühnes und empörendes Verbrechen zu gestatte», welches das Gesetz, die bürgerliche Ordnnug und die Religion zugleich verletzt." Tie Juden ihrerseits führten vor dem obersten Gerichtshof a», daß sie niemals die Absicht hatten, durch Erbauung der Cnnagogcn irgend einer anderen Religion Aergcruiß zn geben, daß sie der Meinung waren: nachdem sie der König duldete, es ihnen ohne Weiteres gestattet sein werde, sich zur Verrichtung ihres Gottesdienstes zu versammeln, daß cS widerstreitend sei, sie einerseits zu dulden und anderseits an der Ausübung ihrer NeligionSgcbräuche zu verhindern; daß sie bereits in frü- Heren Zeiten mehrere Synagogen erbaueten, ohne auf Opposition zu stoßen, unk daß sic daher glaubten, sie werden anck jetzt dieselbe Freiheit genießen. Diese Vertheitigung hatte iiideffen keinen Erfolg. DaS VerkammungSurtbcil lautete: die Synagoge nieder zu reißen. Folgendes ist der Wor-tlant des von dem obersten Gerichte gegebenen Entscheides: ״Die zu Winzenheim, Hagenthal und Biesenhcim erbauten Synagogen müssen abgebrochen, zerstört und vernichtet werden unk die Materialien derselben zu Gunsten der katholischcn Kircken dieser Ortschaften verkauft werden; den Jude» aber ist bei Strafe körperlicher Züchtigung untersagt, andere Gotteshäuser zu erbauen." Als der Präsident deS RätheS diese Entscheidung dem Minister Herrn von Breteuil unterbreitete, billigte dieser sie in folgenden Worten: Ich habe Ihre» Brief erhalten rc. Seine Hoheit, dem Vd> einen Bericht über diesen Entscheid gegeben, gibt ihr seine Zustimmung und ich muß Ihnen für die Ausiiierksamkeit danken die Sie mir bewiesen haben, indem Sie mir darüber berichteten." Tie drei Synagoge», kaum errichtet, wurden auch wirklich zerstört, und der Erlös für die Materialien unter die katholischen Kirchen genannter O Ae vertkeilt. die» 0' Israel. Ein Nnlrbrricht von Albert Loh». Herr Altert Cohn ist bereits in Paris angelangt. In einem Schreiben an die Redaction deS ״Jewish Chronicle" vom 26. August finden sich einige interestante Einzelnheiten, die wir hier zur Mittheilung bringen, lieber die Gemeindezustände in Gibraltar spricht er sich sehr ungünstig aus. Dieselbe entbehre, nachdem sic bereits anderthalb hundert Jahre unter der englischen Regierung steht, noch immer eines Rabbiners und einer Unterrickts an stakt für Mädchen. Auch die Kuabciischuten seien hier eine Art von Ebeder und nicht einmal von besserer An. Mit äußerst seltener AuSnähme fand er die Kinder sehr unwissend; an die Kenntniß der hebräischen Grammatik sei gar nicht zu denken. — Als Contrast zu diesem beklagenSwcnhen Zustande schildert er den erfreulichen Eindruck, den die Gemeinden in Algier aus ihn machte». Dabei sprach er nickt bloS von den Städten Algier unk Oran, wclcke bereits durch die Dauer einer vollen Generation zu Frankreich gehören, sondern auch von Gemeinden >vie Tlemcen, MaScarah und Mostagem, die nicht länger als 15 Jahre Frankreich angekören. In allen diese» Gemeinden können die Knaben- und Mädchenschulen kühn selbst mit denen von Paris wetteifern, während die Gemeinde zu Gi» braltar noch innncr dem alten Systeme der Unwissenheit huldigt. AnS AlgesiraS berichtet der philantropische Reisende, daß ein jeder Flüchtling von der spanischen Regierng täglich 2 Reale (etwas mehr als einen kalben Frank) und jede« Mint eine Reale erhält. Herr Cohn vcrtheilte 2! >00 Franken unter dieselben und hinterließ noch bei Herrn Berge! mehrere Hundert Franks, nm damit die Mosten der Uebcrsahrt für diejenigen der Flüchtigen zu bestreiten, welche die Rückreise nach Tangier antretcn wollen. Während seines Aufenthaltes i» Tangier kamen mehrere Flüchtige zurück; sie wurden von dem Dragoman dcü französischen General - EonsnlS zu dem Pasckah geführt, wo sie sich nur als in Marokko zuständig zu erklären hatten, um anstandslose Aufnahme zn sinken. Sie sink unter׳ den vereinten Schutz von Frankreich, England unk Spanien gestellt. Den Schutz der letztgenannte» Macht erwirkte Herr Cohn durch seine Briefe vom 13. v. M. Schließlich spricht der verehrte Reisende die angenehme Hoffnung auS, daß die Gemeinden von Tangier nnd Tetnan in Folge der daselbst errichteten Schulen bald auf gleicher Stufe mit der von Algier stehen werden, — die Juden von Gibraltar weit hinter sich znrücklaffend. — DaS interessante Schreiben enthält noch folgende Meldung: ״Eben besorgen wir mehrere Mehlseiidungcn, im Wertkc von 3000 Franken, von Alepandria nach Palästina, wo großer Mangel herrscht." L i t r r a r i f ri) t s. d. Wir erlauben nnS unsere Leser ans zwei der jüngsten Erscheinungen auf titcrar. nnd artistischem Gebiete anfmerksam zn machen, deren Inhalt und Stofs zwar weder Juden noch Jndcnthnm berühren, die wir aber den׳ noch in den Bereich dieses Blattes gehörend betrachten, nicht nur weil sic von Glaubensgenossen verösscntlicht worden, sondern auch weil sie gewissermaßen als Ausdruck vaterländischer Gesinnung und Strebsamkeit daS Intercsse patriotisch denkender nnd fühlender Juden in Anspruch zn nehmen gei eignet sind:! 1. A’ llagvar nyel» rövid tun- 1:8 ismötliikünyve. Najjyoldird- . : szlnt az 1. 68 II. iiyolvgyakorli»- 68 c>lva86 könyvbcni szabiilvukra | alapitva. 11 ta Fhrhfr >8(b;tn (IVst, AVbdnianei• I'. 1161 IXi',0). — In!! gegenwärtigen Augenblicke, wo sowohl im Hanse als in der Schule wieder! daS erfreuliche Streben sich kund gicbt, der vaterländischen Sprache den gebührenken Rang einznräumen und auch gewichtige äußere Gründe die?ln- I eignung des Ungarischen unerläßlich macken, ist jede Bermchrnng der dazu I geeigneten Hilfsmittel nur erwünscht; nnd obgleich die schon vorhandenen! Lehr- und'Hilfsbücher dem Zwecke wohl entspreche^; so kann d^ch daS erj wähnte Werkchen wegen der sachgemäßen und methodischen Auorduung und Behandlung eine willkonn^iene Gabe genannt werden. — 2. Sierbanyi F.mleny. Tartaliuaz 10 ,-rodet! 1na״yar ilalt z<»;1gura kisercttid, zr׳noj6t 8zerz6 KnJianvi »S. — Herr Sf. (j>er Knaben- JnslitutS-Jnhaber S. Kvhn) hat bereits vor einiger Zeit durch die von ihm herausgegcbenen 200 Kinkerlicdcr ein schönes CompositicnStalent bewährt.

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