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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-10-05 · 10 (5.10.1860) · p. Seite 78

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
10 (5.10.1860)
Date
1860-10-05
Page
Seite 78 (sequence 6)
Language
German
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—•י* 78 י+ VltN, im September. Wer vor einem Xecennium Gelegenbeit hatte unsere Vorstadt ZünsbauS;u kennen, unr rieselbe nack einer;ebnjährigen Abwesenheit wierer siebt, kann sich eines unwillkürlichen Erstaunens darüber nicht erwebren, raß ein aus nicht viel mehr als aus b Häusern bestandenes Viertel seiner Benennung in so kurzer Zeit und aus so auffallende Weise untreu werden konnte, da aus den srüber die und da vereinzelt gestandenen, allentbalbe» von Garten- und Wiesengrund begrenzten unansehnlichen Hütten zusaninienl'ängente grosse Gebäude mit dazwischen gelegenen prächtigen Gaffen und Plätzen zum Vorschein gekommen sind; wohin unser Äuge blickt, siebt eS säst über zb'acht, die großartigsten Häuser entstehen: und einuens aus׳ schließlich rer Wohnsitz der arbeitenden Elasten, ist Zünshaus nnnmehr eine nur durch die Vinte von Wien getrennte Provinzialstart mit den mannigfalligslen Fabriken, Anstalten, Etablissements u. s. w. Eine׳ mit der Enksrekungs- und EmwicklungSxeriode dieser Vorstadt innigtiverslcchtene Geschichte bat die in derselben sich besinrende kleine israelitiiche Gemeinde, deren Eiubrno gleichsalls in der Zeit des letztverfloffenen Tecenniums zn finden ist.?er arme Hausierer, der der allzugroßen Toleranz 1! ׳ halber innerhalb rer Vinien Wien'S über Nackt sich nicht auskalken turtle, machte sich bier so viel er konnte heimisch, u»r als nach rem Jahre die ehernen SPranken sielen, so war nichts natürlicher, als daß derselbe mit Weib unr Kink an ren Hrl seines Wirkens und Handelns sich begab, unr beim allmäligen Emporblühen des HrieS anrere GlanbenSgenoffen aus Ungarn, Bobinen unr Mähren zur Ansierlung anspornte, nnr zwar so ersolgreick׳, raß in rer kürzesten Zeit schon rie Nolbwenrigkeit!ick beraussiellie, für rie zu Miujan sich Venammelnren unr bereits .;n mebd als!,mal Minjan Ängewachsenen einen eigenen Eutrus zu organisiren, um io ober, als rie Entfernung vom Tempel in rie Starr eine allzugroße in. Ein kiesiger Private wußte mb nun die Erlaubniß zn erwirken, eine cm agoge zum betagten Zwecke einzurichten, roch konnten ihre Ausgaben nicht immer'gereckt werten, ra rie Meisten reu Einzahlungen unter ren ven'ckietensten Vorwänren sich zu entziehen gewußt. Zn Zolge der von tiefem Pri vakeu vcrgetragenen Beschwerren bat nun tie Eultusgeineinre in Wien mit lobenswenl eut Eiter rie aus ren vier Hiimnelsgegeitden Zusanimengeschaaneu in ihren Eultus miieinbezogen, alle Änsäßigen sowie rie sich er!t Annedelnde» zur Entrichtung.rer (iiilttictteiter gezwungen, den Gctkesrienst in der Snnagoae geregelt, einen Eantor sainink Ebor insiallirt, eine Religionsscknie gegrünrek, einen ans reu angesekensten Personen erwählten Vorstand eingesetzt unr über rie so gebildete Eolouie tie Hegemonie überncunneit. Viel!׳alte rer eingesetzte Vorsianr zu kämpten, um rie eingewurzelten »nr aus reit verschirrnien Vändern milgebrachteu ver'chiedenartizeii Mißbräuche in rer Snnagoge abrusihaffen. un! ras Polemisiren unr Polikisireu wäbreuc res Gettesciennes hiiiranzukalten und annäberungswetse an jene ')tnbe unr Hrrunng zsf gewöhnen, wie sie zur Verrichtung rer Anrachl so »olbwenrig ist: ob schon keineswegs in Äbrere zn 'lellen in. raß gegenwärtig noch so manche Vitt', rauche ab zuschaffe» träten, z. B. ras Planrern vor Beginn res Gottesdienstes nnr meistens während rer Vorlesung rer Tbora, ras laute, barnirnie.ote T 11r,neinancer beim Beten, ras unobligale Begleiten res Eantors beim Vortrag von t^esangsnellen re. re., welche Ilebelnänre um so schwerer zu beff:::gon nur, als eben rie l>׳emeinre einerseits ebne gentliches Hberbaupk in, anrerieils nmiier noch kein Ganzes bildet, indem rie oft neu kintreienren Miialteker längere Zen zur ÄMlnilirung beanspruchen. ~? o.1> non׳ lange wirr dieses Änwachsen von neuen Gemeiureiinlglierern nicta ankbören unr.^bereits in rie Snnagoge viel zn klein geworren, um lEo:1:ers an ffeieriaaen. alle Änrächligen auszuneluuen. Seil »lehrereis Zabren nelil ׳in׳ rer Vorsianr genöibiar, ׳ür rie hoben Zetrraae ein zweites Voeale zn mieibeii. worin sick gegen .'»'ft Personen aus ren angrenzenreu Vrrsiärien Secktsbaus. Rnstenrors, l^anrenzrors, Meidling :c. versammeln: zu welcher Änrachi kan» jerock׳ ein Crt nimme», ren rie!Hefe des Volkes zur Äbbaltung baechannschen Reigens allsonntäglich, ja sogar an rem zwi scheu Neujahrsirnr Vertöbiiungsiesi fallenden Sonntag, benützt, unr welchen Beariss muß sich telbn rer Richtjure ra von rer jütischen Goltesverekrung machen V »Es ist allenthalben rer lobenswenbesie Eifer zur Beseitigung rieses Uebelstanres zu erkennen: zu einer nambaffen Summe nur bereits rie freiwilligen Svenren zum Baue eines Gotteshauses lterangewacksen: und würde rer jungen Gemeinre von der Startgemeinre nur noch, etwas mehr unter , tie Ärme gegriffen werten, gar bald müßte ein würdiges Gotteshaus da ן l stehen, von denen Kanzel herab ein beredter Rabbi durch unermüdliches! Wirken für Synagoge und Schule gar leicht tie keimenden Sprößlinge zu ן prächtigen Pflanzen ziehen und vor Ueberwucherung jedweden Unkrautes hüten unr schützen könnte. Wenn Sie erlauben, will ich in meiner nächsten Corresponde»; unsei rer Religionsschule gedenken. , L. K. 1 —t - י— \ Dritte ans der Komogy. n. ״Mit Vergnügen" lautet Ihre freundliche Rote zu meiner ersten Mittheilung in Ihrer schönen ״Zllustrirten," die mir erst dieser Tage in Ka-; posvnr wieder zugekommen. Wenn Sie nun von meiner Wenigkeit mit Vergnügen lesen, so will auch ich in meinen bescheidenen Zeichnungen fort- . fahren.' ״,pabren?" erwiedert das traurige Echo meiner Behausung — ״Vehrer und fahren?!" Ter Winter nahet, und mußt du nicht deine wenigen gesparten Groschen wohllveiSlick aufbewahren?" Nun denn, so will ich in meiner bescheidenen Berichterstattung ״Aus der Somogy" vorwärtsgehen — nack Gige. Tiefes, südlich von Venguelrüti in einer gemüthlichen Sandebene gelegen, in der Sitz des BezirksrabbinatS — ohne Rabbiner. Diese Gemeinde, die sich würdig rer Schwestergemeinde Vengveltüti anreihl, ist ebenfalls eine der ausgeklärtesien, aber auch der ältesten de׳׳ lieblichen Somogy. Schon vor 2b Jahre» — bevor noch die hochgelehrten G- und H- und wie die sonstigen eimer's alle heißen mögen, unser schönes Magyarenland keimgesncht — soll hier eine sogenannte A-klassige Rormalhaupischule bestanden haben. Zwei ihrer gewesenen Sberlebrer wirken jetzt als w ackere Rabbiner: Herr Schwarz, Bezirksrabbi;11 Paesa in der Szalader Gespannschast, und Herr Sam. Rosenberg, Bezirksrabbinatsvenveser zu stupolnüs - Nyek. Während meines Hierseins erhielt der hiesige Gemeiudelebrer den ehrenden Ruf nach Kaposvnr. — Wie übrigens Vengveltüti's israel. Genoffenschaft in dem sel. Bernhard Vöwensobn ihren unsterblichen Wohlthäter besaß, so besitzt die Gige'er in der Persönlichkeit deS Herrn Mor. Schlesinger einen ähnlichen, der seiner armen, kaum zwei ״Minjanim" zählenden Gemeinde eine Schule auf eigene Kosten erbaute. ״Ack, dackte ick, was könnten unsere größeril Gemeiuden für Belebung des Zudenthnms nach innen und Hebung desselben »ack außen leisten, wenn anstatt der /,״Herren über Tausende unr Herren über Hunderte"" — wie ein guter Kopf rie meisten gegenwänigen Gemeindeverkreler so treffend betitelt — allenthalben Männer an der Spitze ständen, reuen Vebrerthnm und Sclaventhum, jüdische Schristsiel lerei mit Bettelei nickt gleichbedeutend wäre; — denen, mit einem Worte, offener Sinn, offenes Her; und offene Hand zn Theil geworden!" Bergebene! ״Was gebt ries Alles einen Velirer an?" donnert ein kleinlich banrelnder Großhändler mir zu — und Ich gehe gesenkten Hauptes unk getränklen Gemnlhes bin beten:— .׳;״:־, י *. צי.» רב־־״־״דד• ־־,:־ מ.ד:“ עץ יאנדד•: Die Geschickte res l'iesigen prackt- und geschmackvollen israel. (Zollesbanses rürsle rer Erwähnung nickt ganz unwürdig sein. Unter der Stube nämlich, wo rie kleine Gemeinre ihre Geoele zn verrichten pflegte, befand sichrem Keller. Da ereignete es sich eines Tages, daß ein ehrwürdiger Greis, rer ״Hagbah" Hane, mit rer heil. Gesetzesrolle in der Hand durch ren gebrockenen Ziisiboren in ren .Keller hinab stürzte — mit znin Staunen Aller, rie Tbora umklainniernr, von seiner unterirdisetten Pilgerfahrt nnversehrt emporaesiiegen kam! Ter edle Grundherr Gras Somsich von diesem ,fall benaMrickiet, baute und schenkte der armen l^emeinde die gegenwärtige Snnagoge, wobei er sich einen absonderlichen Grundzins für ewige Zeiten brtungen: I, sage einen Kreuzer jährlich, rer auck hinfort regelmäßig in einem, mit drei Siegeln versehenen Briese von einer Deputation demselben zu Esiid feierlichst überreich! wird. Erlauben Sie mir noch, bevor ich von Gige jeheire, eines Ehrenmannes Erwähnung zu thun, deffen Name hier in gesegnetem Angedenken fortlebk: es ist kies Se. Ehrw. Herr Israel Engelsmann, gegenw. Rabbi zu EgerSzegh. Eine Stunde von hier liegt tie Gemeinde iliodcrküt; bald batte ich mir in aller Schnelligkeit wobl keinen geographischen, aber doch einen ortbographischen, Staatsstreich erlaubt, und Koder-Koth geschrieben — weil — weil hier ewiger Morast heimisch ist. ״Etwas zu kühn!" rufen Sie aus. — Unfreundlich und unheimlich wie tie Umgegend, ist das Dörfchen selber mit

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