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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-10-05 · 10 (5.10.1860) · p. Seite 77

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
10 (5.10.1860)
Date
1860-10-05
Page
Seite 77 (sequence 5)
Language
German
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»» 77 *1-— (Unterschrift! von eigener Hand.) Werke;urücknchmen werden, »nd;war weil dieselben selbst sehr schwach begründet sind, zngleick den OKiind Ihres schönen Gebäudes schwächen und erschüttern und anck Gefahr drehend werden für diejenigen, die jenes benutzen wellten. — Und was mich in dieser Heffnnng bestärkt, ist Ihr letztes iveickheS Schreiben an mich. Sie, mein sehr gelehrter viclgcsckätztcr Zugeiirfreuiik, kennen nicine Gesinnnngen durch und tiircl׳, und׳ doch haben Sie in letzter Zeit mir se frcundliche Werte zu meinem.Geburtstage;nkeiunicn lassen. i Zn dieser für mich se angenehmen Hefsnung danke ick Zbnen aufrichtig für Ihre herzliche Zuschrift, wünsche Ihnen lange- Leben, und daß Sic einen eben selckcn Alterstag in dem großen Kreise »aber und ferner Freunde feiern möchtcn, unter welche sich dann rechnen dürste Ihr alter, Sie von der Zngend her!,schachtender Freund. .12. Gilt( 020. Ties merkwürdige Schreiben habe ich Freunden eröffnet, weil cS eben ein Grgebnis: der Zeit ist: ohne ZwcifÄ that. der Aussteller dasselbe, weil cs ihn vor Verkennung schuht. Mein Fragesteller erblickte darin allerlei, weil er cS für stndirt kielt. Ick sehe nicktS als reine Natur, durckgebilret vom Geiste nnscrcr Zeit. Wer heute ein Bekenntnis: zur Sckali trägt, — man glaubt'- ihm nicht, weil gar vielezur Schau siebt, dawas anders ist als cS vorgibt. Tarnni bedarf'», des Schutzes. Tie Necktgläubigkeit scheut die Berührung mir der Ketzerei. Wie kann sic dem Briefträger entgehen, der ihr Ketzerwunschc in's Haus trägt? Sie den Flammen übergeben? TaS kann nickt helfe», die Schrift ist wohl noch da. Sie annehmen? daS verrielhe ein Wohlgefallen a» ihr, und dem Schicksale des großen Glicscr möchte kein hochstehender Bolkslehrcr sich anSsctzen. Ta gab cs keinen glücklicher» Gedanken, als den, welcher anck zwischen des weisen Königs zwiespältigen Rath: ״Antworte dem Thoren nach seiner Thorheil", und ״antworte nickt" ei» Sühne herstellt, nämlich ohne Scheu der Ketzerei in'S Gesicht zu sagen: ״Tu bist will- ״kommen! denn Tn käst widerrufen! Tu hast Teine Rene beurkundet, ״weil Tu Glück wünschend Teinein Widersacher nahest! Mick trifft jetzt ״kein Bonvurf, wenn ich Tick segne! den» ick segne nur mit Vorbehalt!" Nehme ick> dies schweigend hi»??lein! Ach habe nichts gemeint, als was ick geschrieben! Widerrufen kann ich »nr, was ick, als Jrrthnm erkannt habe, nickt was Andere dafür anschen, wenn ick anck;»gebe, daß sie dazu berechtigt sind. Mein Segen war der AnSdrnck ungehcuchcltcr srcnnkschaftlicker Gesinnung, die sich nickt a» Bedingungen knüpft; einen bedingten Glückwunsck erackte ick als einen leeren Schall. Hiermit habe ich diesen Punkt erledigt, und der Seffentlichkcit ihr Recht gewährt. .1. ZIk. .lall l»r. (<ut APfili'inw).) k. Wir geben hier in den einfachsten Umrissen die LebeuSskjzzc eines Mannes, denen segensreicher Ginslust sich bis in die entlegensten Gegenden Böhmens erstreckte, denen Nus sich auch nach Ungarn und Mähren verbrcitote. Tairicl Frank wurde geboren im Jahre 17!>4 in einer kleinen Gemeinde des Taborer Kreises; er genest eine fromme, treffliche Grziehnng, namentlich von seinem Vater, der selbst viele Jahre als Rabbiner wirkte. Seine Kenntnisse in der hebräischen Sprache und Literatur, in der Bibelexegese, im Talmud verdankte er meist ausgezeichneten Lehrern, seine gediegenc Bildung in anderen Fächern sich selbst. Und daneben und darüber reifte seine edle Herzensbildung allmälig zu jener Güte, jenem weltumfasicndcn WohlthätigkeitSsinne, von dessen Bcthätignng nicht Wenige Zengnist geben können. Als Rabbiner fungirte er zuerst in Neucerkwe, zwar nur in kümmerlichen Verhältnissen, aber stets Segen und Wohlthatcn spendend. Gincit gröstcrn Wirkungskreis fand er in Wottitz, wo er an der Seite einer gleichgesinnten Gattin, im .Kreise zugeueigter Schüler und im Umgänge mit guten Freunden, zu denen er alle Glieder der Gemeinde zählte, die schönste Zeit seines Lebens genoß. Nack sieben glücklichen Zähren schied er, vielfach bedauert, auS dieser Schaar ticsbetrübtcr Freunde. Kolli» war der nächste und der letzte Srt seines rabbinischen Wirkens. WaS er in diesen letzten 20 Jahren,daselbst geleistet, wie er hier die besten Anstalten, sei cS Schule oder Gotteshaus hcrvorricf, -wie er allmälig die tüchtigsten Köpfe Böhmens in tcn Kreis seiner Bekanntschaft und seines Vertrauens zog, wie viel GnteS er unter Bekannten und Unbekannten stiftete, alles dies zn schildern, wäre die Aufgabe eines Buches, nicht dieser wenigen Zeilen. Vier Jahre vor seinem Tode wurde er zum Bcranner Krcisrabbincr ernannt; zwar blieb er in Kolli», bereiste aber alljährlich den Kreis und er׳- füllte auch hier seine Aufgabe mit dem edelsten Gifcr und vieler Aufopferung. Nack׳ einer langen schmerzlichen Krankl,eit entschlief er am 0. Juni 1800, innig beweint von seinen Kindern und Freunden. Au seine», Leichcnzuge fand eine Wallfahrt von Nah und Fern Statt. ■•ואו• Corrcspondrnz. KtlSktlll« t. Zn einem Berichte, d: dato Prag 0<>. Zun, bringt der : ״Be» Ghananja" die jedem Freunde des Friedens gewiß sehr angenehme Nachricht, daß alle Tisfercnzen zwischen der Prager Znrengemeinkc und der! böhmische» LandeSjudenschaft völlig behoben seien. Gs haben sich. wird i berichtet, die chcmaligcn Pächter der Zudenstener, die Vorsteher der Prager : KultiiSgemeinde und die Repräsentanten der böhmischen Landesjndenschaft in; einer Sihung über die Gründung eines Waisenhauses geeinigt, und Her! \ Mündel auS Böhm. Brod habe sich trotz vieler früher erfahrenen Veruu-!. glimpsungeii um diese Angelegenheit wie um viele andere Interessen der; böhmischen LaiideSjndcnschaft hock verdient gemacht. TaS alleklingt reckt sckön und erbaulich; aber wisteii möchten wir gern, wie die Herren Repräsentanten der bölmi. kandeSjnteiischaft, iiiiter ihnen Herr Mündel, der gleichfalls der ehemaligen nickt ohne Ursache verhaßten Stenerpacktgesellschaft angchöick, zur Repräsentanz berufen wurden. Haben sich vielleicht wieder sogenannte Tepntirte gefunden, die ohne von Jemand gewählt zu sei», sick selber dcpntirte»? Das Mistrauen gege» Herrn Mündel und Gollege» war ein tief eingewurzeltes, und es müssen große und interessante Fakta geschehen sei», die dieses Mistrauen der böhm. Jndenschaft in Vertraue» »inwandel» konnten. Tiefe Fakta niöckte» wir gern, sehr gern kennen. Wir erlauben n»S an den Aufruf einer der ersten Gemeinde» Böhmens zn erinnern, die sich -gegen die aufgedrnngeue Repräsentanz der Stenerpäckter mit den Worten verwahrte: ״Wie sollen die für das Wohl des JiidcnthninS wirken, die so viele durch ihr Gebakrcn auS dem Indenthume hinauSgcdrängt haben? " Wir begnügen uns keineswegs damit, gegenwärtige Fragen anfgeworfen zn haben; sondern werden geeigneten SrtcS über die näheren Umstände Grkundigung einziehen, und falls nnS kein anderer Berichterstatter znvorkonnnt, unseren Lesern ganz unparteiisch daS Nähere mittheilen. Lin kiühiii. Üsraesite. li. Briillll. Vielen Spaß hat Ihre Gorrcspondcnz, die Sic in Nr. 7 aus Brünn brachten, allenthalben hier gemacht. Ter Herr Gorrespondent, der sich zunächst für einen Gast ansgivt, so viele Judicien auch dagegen sprechen, scheint die einflnstreicheren Persönlichkeiten hier schlecht zn kennen. Gs sind dieses nicht Männer, aus welche Persönlichkeiten, von welcher Beschaffenheit sie auch sein mögen, so leicht Ginfliist gewinnen. Ter langen Rede kurzer Sinn, der Herr Gorrespondent will nicht, daß de» srinimbercchtigten Ge- »leindcniitgliedcrn Gelegenheit geboten werde, ans den sich darbictenten Persönlichkeiteu den anscheinend Tüchtigsten und Gediegensten heraiiSznwählcn — sondern das: man ohne das Bessere zn hören, sich für Jemanden entscheide, der etwa von gewisser in Brünn einflußreicher Seite als ein solcher empfohlen wird, der im Stande ist, das wahre Judenthnm »ach In ne 11 und nach Austen würdig z» vertreten! Wie herrlich das klingt, und doch sann ich Sie versichern, daß dergleichen Phraseologie hier vollkommen durchschaut wird. ״Man merkt die Absicht und wird verftimnit," sagt unser großer Dichter und wir erlauben uns bescheiden hinznznfügcn, daß wir die Zeit nickt danach, angcthan sindcn, die.alte von mährischen Landrabbinern geübte Sitte, ihre Schwiegersöhne, wenn auch oft ans .Kosten der Gemeinte n tont j»1׳ix mit einem Rabbinat zsi versorgen, wieder ausleben zu lasten. >S.1׳]»enti ->at. (Unser ehrcnwcrther Gorrespondent x aus Brünn in Nr. 7 war;. Z. in der That nur Gast daselbst, und hat sicherlich seine Wahrnehmungen ganz nnbesangen, ohne alle Neben- und Hintergedanken,!Pieter gegeben. Wir haben dies bereits in einer 'Jirtc zu Nr. 7 versichert, und finden dem» nach den Zweifel dcS Hrn. 1!. durchaus ungerechtfertigt. T. Red.)

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