Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 9 (28.9.1860)
- Date
- 1860-09-28
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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׳«» 70 ח■— t iteA fc tcteutente Mcrttpfiä in ter Dissensckan.^streng verpönt ist, svntern wie «ruck von Gvninassen, deren Ausgabe cs rock nur ist, reu jungen Menschen;um tüchtigen, rem Gemeinwesen rereinst sich nützlick machenden Bürger heranzubilden. rer Iure als Lehrer auSgeicklosscn ist; wenn wir endlich seken, wie in rem sogenannten Staate rer Intelligenz, in Preußen, sogar an christlichen Privat'ckulen rer Unterricht gewisser Tisciptinen, als Geschickte, Literatur, deutscher Stul, reu Juden untersagt ist: sollen wir uns ra nickt enrlick ausraffeu u»t, wenn auch nickt in rer Absickt, rie lächerlichen Ansckauungen, rie in sclckeu Berboten fick kundgeben,;u unserer Richtscknur zu nehmen, so rock wenigstens in rer Absicht, unserer Jugend Gelegenheit zu geben, ibr curck mühselige Nacktwacken, Hunger unr Elend erworbenes geistiges Capital verwerrben zu können, ohne tem Glauben ihrer Baker abtrünnig wetten;u muffen, raran renken Am'lalten zu begrünren, tie specicll von jütischen Lehrern geleitet, es zur Ausgabe haben, ren echten jütischen Geist zu erhalten unr zu pflegen? Mir haben im vorigem Winter vom Herrn Dr. Iellinek über tieseS von uns hier berührte Thema einen glänzcnren Kanzelvortrag gehött, ter, nach rem ungeheuren Eindrücke, ten er aus alle Zuhörer machte, längst praktiscke Resultate hätte haben müffen. Anknüpsenv an tie Betcnkung tes halben Schekel«, reffen Wirkung und Geschichte bis auf unsere Zeit erklarend, sorrerlc er zur Biltung eines Halben-Sckekel-VereinS auf. Irrer Israelit solle auch jetzt len halben Schekel jährlich entrichten, tas Gelt aber solle verwehret werten, rem jütischen Geiste eine Pflanzunt Pstegeställe zu bauen, verarmte cter kleine Genleinten in ter Unterhaltung von Synagog.n und Sckulen zu unterstützen, Reisepretiger erhalten zu kön- , nen u. s. w. Wie gehoben waren wir nach tem glänzcnren und lichtvollen Bortrage — cs ist und bleibt lebhaft zu bedauern, raß Herr Dr. Iellinek ■tie ganze Rete nickt in tausenren von Exemplaren drucken ließ ■und wenigstenS jeder Gemeinte in ter österrcickischeu Monarckie eines zuschickte. — Wir sahen eine neue Aera für raS Iutenthum Hereinbrechen, ter halbe Schekel, tas succcsffv rie Iuren aller Provinzen und Länder einigende Agens, bewirkend, taß in den großen Centren tüchtige Biltungsanstalten für jüdisckc Preriger unr Lehrer errichtet werten können und daß selbst die kleinste entlegenste Gemeinte ernigemal im Jahre das Wort Gottes höre und die Kinder tersclben einen geregelten zeitgemäßen Unterricht erhalten. Diese Perspective war in ter That geeignet, jede Menschenbrust höher schlagen zu machen. Leiter hatten wir bei unseren Hoffnungen aus tie schleunige und unverzügliche Realisirung tiefer herrlichen Idee ganz und gar den Jndiffercntismus der Maffen vergessen, die wohl für den Augenblick aufgerüttelt werten können, bald aber wieder in tie frühere geistige Lethargie zurückfallen, hatten vergeffen die kleinliche Eifersüchtelei sogenannter leitender Persönlichleiten, tie jcre Irce, die sie nicht selbst ausgeheckt, und wäre sie noch so groß, nock so^sckcn und edel, gleich bei ihrer Geburt mit Scheelsucht ansehen, ff« bekritteln und bemängeln, tem kaum gebornen Kinde, das der sorgsamstcn Pflege, Wartung und Hingebung berars, um großgezogen zu werden, überall Hinrerniffe enkgegenstellen, so daß cs nickt vorwättS kommen kann und ein Product besserer unt eklerer Köpfe tie Erstehung solcher abwartcn muß, um verwirklicht werten zu können. So verklang ungehört ein die Idee des Henn Dr. Iellinek ausnehmendes Inserat des Herrn Josef Wettheimer in det^kstett. Zeiluikg und so kam es, taß bis heute zur Verwirklichung jener schönen unr großen Irce noch nickt ein Sckritt geschehen ist. Gleichwohl kann uns rie Hoffnung nicht verlassen, taß Hett Dr. Iellinek daS Samenkorn, tas er im vergangenen Winter in eie Herzen aller seiner Zuhörer gelegt hat, zur geeigntten Zeit zur fruchtttagenden Aehre emporwachsen zu lassen bemüht sein werde, und daß sich dann schon die geeigntten Männer finden werden, tie im Bttcine mit ihm das große Werk vorbereiten helfen, tas bestimmt ist Israel zur wahren Freiheit und zum wahren Lichte des Geistes-zu verhelfen und chm die endliche Anerkennung derer, unter denen zu leben chm bestimmt ist, zu erkämpfen. (Verspätet.) 3ilOÖ, im September. Es ist eine bekannte leidige Gewohnheit vieltt unserer Glaubensgenossen, ter wir nicht nur im mündlichen Verkehr begegnen, die uns häufig auck in dtt Journalistik unangenehm entgegen tritt, daß keinem Institute und feiner Persönlichkeit Lob und Annkennung gezollt wird, ohne dabei scheele Seitenblicke auf ähnliche Anstalten zu werfen und hämische Bemttknngen über noch wirkende oder abgttretene, oter auch gar dahingeschiedene Männer gleicken VerufeS zu machen. Kommt ein neuer Vorstand au die Spitze einer Gemeinde, so wird letztere ״jetzt erst ein geteihliches Leben beginnen," und ist es nickt anders, als wenn sie bisher am Rande des Abgrundes geschwebt hätte, llebernimint ein neuer Lehrer die Leitung einer Schule, so ist eigentlich früher nock gar kein Unterricht ertheilt worden, und war die liebe Jugend in Gefahr ganzlick zu verwilrern. — Tritt gar ein neun Rabbiner oder Predign selncn Posten an, ja rann beginnt gewiß eine neue Aera nach den Bnichten der Entkufiasten mit Lobhudler. Man erfährt erst jetzt, was eigentlich eine! Pretigt oder Drascha ist;׳ man hat bis nun nock gar kein deutsckcs Wott '! gehört; tie Religion wirk nun erst in een Geinüthern ihren Tempel auf-! schlagen, während sie durch Fahrlässigkeit unr Unthätigkeil tes Vorgängers verackttt und mit Füßen getreten worden rc. —! Solche Verhimmlungen auf Kosten Anrerer, denen es wohl auch Ernst j um ihren Beruf gewesen, unr rie ihre beste Kraft vielleicht an die Ersül- > lung ihrer Pflichten hingegeben haben, sink schon an und für sich verächtlich, - ob der Undankbarkeit, zuweilen auch des Mangels an Pietät, welche sich! darin aussprecken; sie sind aber auch läckerlich und unklug, weil sie ihren; Zweck verfehlen, ja bei vielen■ Besseren ein ungünstiges Vorurtheil gegen den Belobten erwecken, dessen Lob erst die Herabsetzung und Schmähung zur Folie 1 haben muß. Empörend und abscheulich erscheint dieses Gebaren aber, wenn! gar zur plumpen Lüge und Injurie gegen ten Einen gegriffen wird, um deu Antttu gehörig herauszustreichen. Diese Gedanken drängten sick mir aus, als mir unlängst zufällig tie Nr. 8 res ״Israeliten" von Dr. Lehmann in Mainz zu Gesichte kam, worin der Ainksantritl des neuen Rabbiners von Eperies berichtet wird. Es ist dem Referenten F. nicht genug all' das Scköne und Hettliche, das er an dem Gefcictten zu finden weiß zu melren, die stoische Enthaltsamkeit beim Gastmahle wegen ״io plag" u. s. w.; er muß ״zur größeren Ehre" der Oithodoxie den Modernen noch etwas ad notam geben, und weiß dies auf keine bessere Weise zu thun, als indem er den Vorgänger im Rabbinat zum Apostaten stempelt und ihn! das Taufwaffer aufdisputitt. Daß die Angabe des F. ttlogen und daß der vormalige Rabbiner von Epnics, Dr. B-, noch nicht tas Beispiel des einst so hochorthodox sich gerirenten berühmten Verfassers des Artikels ״Juden" in Ersch und Gru» ber's Encyclopädie nachgeahmt, ist Ihnen, Hett Redacteur wohl eben so gut und noch besser als mir bekannt, und es ist vermuthlich auch von dem Betteffenden Bereit« die Berichtigung veranlaßt worden. *) Auch ist es gar nicht die Absicht tes Schreibers dieser Zeilen, als Anwalt oder Lobredner des Dr. B. aufzutreten. Derselbe hat ganz aus freiem Antrieb seine Stelle niedttgelegt und einem anderem Berufe sich zugewendet, und ist daher jetzt gänzlich gleichgültig gegen jede Beuttheilung seiner rabbinischcn Tüchtigkeit, um die ihn übrigens mancher orthodoxe Rabbintt neuesten Datums beneiden dürfte, und feiner rabbinischcn Gesinnungsweise. Nur zur Wahrung dn Ehre aller rechtlichen Gemeindegliedcr von Eperies hält es Schreiber diestt Zeilen für Pflicht, die Vermuthung zurückzuweisen, als konnte ein solcher lügenhafter Angriff daselbst Beifall finden und anders als mit Entrüstung gelesen werden; Beifall bei denselben Männern, die bekanntlich Dr. B. nur sehr ungerne aus ihm Mitte und von seinem Berufe scheiden sahen und manche Schritte thaten, um ihn von seinem Entschlüsse abwendig zu machen. — Schließlich noch eine Erinnernng und zwar, ad notam für den ״Israeliten": Der Vorgänger des gegenwättigen Rabbiners war gar vom mährischen Ober - Landcsrabbiner Dr. Samson Raphael Hirsch diplomirt; welche Blamage für diesen, wenn jenes F. nicht gelogen hätte! Id. W. Flltth in Bayern, im September. Wenn aus Bayern überhaupt vor dtt Hand — bis zum nächsten Zusammentritt des Landtages — wenig über die Vtthältniffe dtt Israeliten zu berichten ist, so ist dies auch bezüglich der hiesigen jüdischen Corporation der Fall. Uebtt deren Zustände in socialtt und religiöstt Rücksicht wurde Bereits vor Jahren in einem andttweiten öffentlichen Blatte (,,Allgem. Ztg. d. Judenthums/' Iahrg. 1857, Nr. 51. 1858, Nr. 9 u. 47. 1859, Nr. 19, 24 u. 38) des Weitttn rcferitt. Seit jcnn Zeit war zwar kein Rückschritt, abtt auch kein redenSwetthes Anzeichen des Fortschritte« zu bemttken. Die Mangelhaftigkeit dtt «) Wie uns bekannt, hat Dr. B. bereit« vor Monaten die Benchtigmrg einstlich vttlangt, dn fromme Dr.Lehmann konnte e« abtt bi«htt noch nicht üdtt'« Herz bringen, dtt Wahrheit die Ehre zu geben. D. Red.