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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-09-28 · 9 (28.9.1860) · p. Seite 71

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
9 (28.9.1860)
Date
1860-09-28
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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—׳1« 71 «וי— Sckolen fühlend, hegte eine zahlreiche Partei den Plan, eigene Anstalten zu kreiren, den bis jetzt getrennten Elementar- und Religionsunterrickt zu vercinigen, letztern, bislang mager und kaum in den ersten Grundsätzen ertheilt, zu erweitern, im Allgemeinen aber solcke den Anforderungen der Zeit und dem ererbten Glauben gemäß zu organisiren. Man berechnete, daß die den allgemeinen Wünscken nickt entsprechenden und nur von Kindern bemittelter Klaffen besuckten Privatinstitute wenigstens 151,000 fl. — die nickt unbedeutenden auf Privatstunden verwendeten Summe» ungerecknet — jäbrlick kosten, für wclckc Summe leickt trcfflicke Anstalten geschaffen werden könnten. Dock die Ausführung dieses Planes scheiterte an der Hartnäckigkeit des BorstankeS, der sich von der eingebildeten Fnrckt beherrschen läßt, daß durck die Isolirung der Schulen die dahier obwaltende Toleranz zwisckcn den Augehörigen vcrsckiedcner Bekenntuiffe gefäl-rdct werten könnte. Tic Unstickhal׳ tigkcit dieses GrnndeS ist, abgesebcn von andern liier aus Mangel an Rani» nickt zu erörternden Ilrsackc», um so cinlencktendcr, als anck dermalen die meisten jüriscken Kinder die städtisckcn allgenieaic» Scknlcn nickt besticken u»d nur daS entipreckcnte Sckulgelt für sic zu entricktcn ist. ׳Icickl minder wurde die auf synozogalem Gebiete sich erhebende woblthncnke Bewegung von der Gewalt deS materiellen trivialen Alltagslebens versckcuckt. Eine kompakte, ans den respektabelste» Familien bestehende Partei findet in der Art »nd Weise der Ausübung deS Kultus nack keiner Seite bin Befriedigung. Der von den sogenannten Lrthodoxen »ack alten! ver steinertcn Herkommen abgebaltenc, mit allem Ballast deS finstern Mittelalters beladene Gottesdienst ist ihr zn langweilig, zu unästhctisck und daher zur Befrietigung religiöser Bedürsniffe ungeeignet; der in der Alt- oder Löwi'scken Ecknle üblickc Kultus zu vag, zn kalt nnt zn sehr!!ack katholisckei» RitnS znbereitet, welckem zudem nur an den Hauptfesten die Predigt inhärirt. Sie entwarf souack ein ihre Wünscke enthaltendes nnt von l 5)> > Mitgliedern untcrzcickiietes Programm und überreichte dem EorporationSvorstande ein Bittgesnck, worin der Antrag ans Umban und Erweiterung der Hauptsnna׳ goge, Anstellung eines zweiten daS Wort (Lottes jeden Sabbatl, verkündenden Predigers, Entfernung der Mätcken vom Snnagogenckore, Belebung des religiösen Gefühls in den jngcndlickcn Geniutlieni n. s. w. gestellt wurde. 7— Sind auck seitdem drei Viertel des Jahres verfloffen, so vernimmt man gleickwohl von der Realisirung nicht das Mindeste und ist wabrscheinlich daS Ganze a<l cal'-mW graecas vcrsckoben. Wohl aber wurde von! Vorstände ' und Rabbinate gestattet, die vor 1-irea 30 Iakrcn unter Zuziehung polizeilicker Hülse gesckloffene Mannheiincr-Synagogc wieder zn eröffnen, — unk da, wie in so vielen Falle 1, offenbarte sich wieder der milde und alte religiöse WoblihätigkeitSsinn der ״Fürther Kinder." Genannte Synagoge, vom Zalnic der Zeit zernagt, war natürlick zcrsallen nnt unbrauckbar. Der alles Gute fördernde und mit »ngcwöhnlickcr Hpserfäbigkeit Durstigen, Leitenden, Sieckenrcn :c. fremden und einheimischen Armen zu jeder Stunde des Tages und der Nackt Hülfe spendende Herr I. Henmannn in Gemeinsckaft mit dem ebenso biedern als rnergisckcn Herrn G. Naümbnrgcr veranstaltete be- Hufs der Renovirung und Instandsetzung derselben eine Eollccte bei einigen scyr begüterten Familien, und kam in wenigen Tagen die Sninine von!"00 — 1200 fl. zusammen, wobeiMancker eine nicht inibcdeutcndeSpende unter dem ausdrücklickcm Bedeuten reichte, daß sein Name versckwiegen bleiben niüffc. So kennt Sckreiber dieses eine äußerst wohlthätige Wittwe, welcke bei der Rückkehr von einer Reise unaufgefordert hiezu 1<»0 fl. steuerte. Für die dahier bestehende Hänle'sche Anstalt zur Unterstützung unbe mittelter Waiscnmädcken überreichte ein Unbekannter an den jüdischen Borstand die Summe von 500 fl. und Letzterer konnte die Empfangsanzeige nnt den Tank hiefnr an den stillwirkenden Wohlthäter nur in dem hiesigen Tagblatte aussprecken. Auch in anderweitiger Weise manifestirt sich der hiesige Wohlthätigkeitssinn. Nicht nur, daß dem trefflich organisirten jüdischen Hospitale stets Legate;»fließen-und die Spitaliten sick der humansten und milden Berpflegung unk Behandlung erfreuen, werden sie häufig von frommen Familien zu gewiffen Zeiten auf das Köstlichste regalirt. Ebenso übcrrasckt wird man über die in den von Zeit zu Zeit zu lccrenken Almosenbückse» vorhandenen bedeutenden Summen. So fand man verwickenen Winter in einer Bückse der Hauptsynagoge fast 500 fl., worunter 400 fl. in Gold, muthmaßlick von einer Person herrührend. Scli. g. WlkN. Das Rosch - haschana - Fest ist diesmal bei unS im neuen Tempel in wahrhaft Herz- und geisterhebenter Weise gefeiert worden. Der hier bestehende jütiscke Gesangverein ״Zion" hatte sick mit dem besoldeten Chore vereinigt und so hatten wir daS seltene Vergnügen, einen eirea 8t) Mann starken Mannerchor in einem iSracliscken Tenipel singen zu hören. Ter Bethansvorstand hatte dem vereinigten Chore einen Theil der zweiten Gatleric eingeräunit. In welck' erbabene und feierlicke Stimmung ward Alles im Tempel versetzt, als die ersten Klänge mäcktig dabinransckten! Unwillkürlick füllte sick manches Auge mit Tbänen, sei es der Webmuth, bervorgerufen durck die Erinnerung an die einstige Prackt und Größe des iSraclitischen Gottesdienstes, sei es der Freude, daß eS uns wieder ermkglickt sei, frei nnt frank mit lauten Inbelklängcn den Herrn der Heersckaarcn zu preisen und zu verkcrrlicken. Bezeicknet dock in der Thal der Gesang Israels die Entwickelung seiner Geschickte. Zur Zeit seiner Blüthe nnt Selbstständigkeit, da ersckoll Musik und Cborgesang in seinem GotteSbansc; sein Tempel ward zerstört, cS selbst vertrieben, zerstreut unter alle Nationen, bedrückt, verfolgt n!1d gehetzt von denen, unter denen es leben mußte; was war natürlicher, als daß die Musik ans seinem Tempel sckwand, daß die laut binsckallenden Iubelklänge leise verhallenden welnnütyigcn Klageliedern Wicken und den! ganzen GotlcSticiiste jenes düstere, traurige Gepräge anfgcdrnckt wurde, das dem Gedrückten und Verfolgten eigen ist nnt von ihm »atürlickerweise in allen seine» Lebrnsbe- - ziehnngen znm Ausdruck gebrackt wird. Ist es aber natürlick, daß wir jetzt, wo — mag im Einzelne» Vieles noch zu wünscke» übrig sein — gleicher Recktslckntz allen llitterthaucn eines Staates zn Tbeil wird, der Gottesdienst der Israeliten nock derselbe sei, wie er im Mittelalter gewesen? Hier ist sreilick nun sckon seit mehreren Dezennien ein zeitgemäßerer Gottesdienst ciuzesührt, aber einen crfrenlicken Fortsckritt erblicken wir in der Bcthciligung deS Gesangvereins ״Zion," wclcker solchergestalt, Dank der unermüdlichen Tbätigkeil der Comiti'-mitglicder, namentlick des Herrn Wil- Helm, so wie der unverdroffenen Ausdauer des Cbordircctors Herrn Snlzer, j sckon jetzt hcrrlicke Frückte trägt, und gcwiffcrmaßen den Kern bildet, aus I dem in nickt ferner Zeit ein von der Gcsanlinthcit getragener Gottesdienst hervorgeben wird und muß. Wir'constatircn mit um so innigerer Frende das die ganze Gemeinde erfreuende Wirken des Vereins, als uns sehr wohl bekannt ist, gegen welch' kleinlicke Intrigucn der Verein bei seiner Entstehung zn kämpfen hatte. Ge-- wiffe Kreise rümpfte» die Nase — cs war ja ein Antcnvcrein. — Man ließ die Nase rümpfen und constitnirte sick. •'*»־' Ter Verein hat über 200 Gulden zur Anschaffung von Macksorim und Taleßim für »nbeiuittelterc Mitglieder diesen Rosch hasckana verwendet. In welckem Contrask mit dieser Handlnngsweife befindet sick die des Bet- Hausvorstandes, der auSdrücklick verboten bat, dem Zionsverein im Gottes- Hause Spenden zuzuwcndcn, einem Verein, der dem Gottesdienste durck sein loyales Mitwirken die reckte Weibe gicbt! — I -״UH*- vermischte vachrichten und Notizen. d. Im ״offenen Sprechsaal" deS ״Pest. Lloyd" vom 25. September weist Herr Vas Gereben den ihm gemachten Vorwurf zurück, als hätte er die israel. Badegäste in Füred bald wegen Tragens bald wegen Nickttragens ungariscker Kleidung gesckmäkt. Ans Rücksickt auf einige von ihm sehr gesckätzte Israeliten weist er nock aus den von ihm 18-18 im ״N^pbarät" er» schienenen Artikel ״für die Israeliten" hin, der wohl von größerem Ge- Wichte als alle jetzigen ihm zugcschriebene» von ihm aber desavonirten An griffe sein dürfte. — Gewiß wird jeder Leser von dieser Erklärung mit Vergnügen Notiz nehmen. Szcntcs. Im Gegensätze zn dem in mancken Srten unseres VaterlandeS bei solcken Gelegenbeiccn sick noch knndgebcnden Geiste der Intoleranz sind, wie uns von dort berichtet wird — zur Theilnahme an der Begründüng eines Casino-Lesevereins auch 'mehrere Israeliten, darunter der geacktete Hauptschullehrer, Herr M. L. Ehrlich, freundlichst aufgefordert worden, welcke sämmtlick der Aufforderung bereitwilligst entsprachen und als Vereins-Mitglieder beitratcn.

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