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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-09-28 · 9 (28.9.1860) · p. Seite 69

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
9 (28.9.1860)
Date
1860-09-28
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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(I ״ 69 Trocknet Thränen, lindert Schnierzen, Leuchtet ewig klar und hell; Wohl bedarf der Gott dev Geister Uns'res Dlenschenwortes nickt, . Und eS übt der Rede Meister D'rum für'S Volk nur seine Pflicht. Dir Armrn-Aogrnkrankrn-Hrilanftalt in Großwardein. (•״•) Diese in ihrer Art einzig in der österreickiscken Monarchie bestehende Heilanstalt für Erblindete ist nickt die Druckt einer gewinnsüchtige» Spekulation; sie ist auch nickt das Werk deS heut z» Tage allgemein vorherrlchenden AffociationsgeisteS, nock anck von irgend einer Körperschaft ins Lebe» gerufen: sondern verdankt ilire Enstehung, Organisation und mehr als einviertelhundertjährige Erhaltung einem jüdisckc» Arzte, deffe» Liebe für die leitende Mcnsckheit im Allgemeinen, und besonders für die lciteiitc ärmere Bewohncrklaste seines heiß geliebten HeimathSlandeS, nickt glänzender und würdiger ans Lickt treten konnte. Dieser edle Gründer ist — Dr. Friedrid) Groß, weiland praktisckcr Arzt zu Großwardein, gestorben am 2. A5n» ner 1808. Zur bessern Würdigung dieses berrlickc» gcnieinnühigcn Institutes niögen einige Paragraphe aus den von dem hochherzigen Gründer fcstgcsehtcn Statute» hier׳ Raum sinken: §. 1. Der Zweck der Privat Augcnkranken-Hcilanstalt für Arnre ist, dem »»bemittelten Lantvolke n»d der arbeitenden -!lasse, vorzüglich dieser - Gegend (wo die Augenleiden grassiren) ein pernianenteS, leickt zu erreichendes und kostenfreies Asyl behufs der Heilung der Augenkrankheite» zn verschaffen» »m so dieselben der Hilflosigkeit »nd O.nacksalbcrci zu entreißen. 8- 2. Zur Anfnalnne in diese Heilanstalt sind geeignet alle heilbaren nnbe- Mittelteil Angcnkrankc obne Untcrsckied des Glaubens und der Rationalität. . . . §. 3. Bemittelte Angcnkranke lverden nur auf dringendes Verlangen, im Falle nock Plah für selbe vorhanden, in die Heilanstalt anfgcnonimen, sonst aber auf Privatwoknnngcn angewiesen. tz. Um die Aufnahme für die Armen zn erleichtern, ist cS nickt »oth wendig, daß dieselben Arinntliszengnisse oder sonstige Docnmcntc vorweisen; die wörtliche Bethenerung der Arniuth macht zur Anfnaknic geeignet. §. 1<>. Der Eigentkümer der Heilanstalt ssk zugleich Ordinarius. §. 12. Die Seelsorger werde» den verschiedene» Glaubensgenossen ans deren Wnnsck oder im Rothfalle herbcigebeten. §. 13. Die Verköstigung erfolgt von der -!ücke dcS EigcnthümcrS »nt ist immer den Ersordernisien angemcffen. Die Zahl der als Ambulanten in diesem Institute el-schicnencn Au genkranken belief sick bis zum Jahre 185»? ans über 36,000; die der klinisck Behandelte» auf 732; von Legtercn hatten 720 im Sinne der Sia tuten jeder eine Wärterin mir sick, die auck verpflegt werde» mußte, somit im Ganzen 1-140 Personen ans 8 osten deS Gründers z» verpflegen waren. Der Ranm dieses Blattes gestattet nnS nickt, in ein näheres Detail einzngehen, daher wir die Leser ans das von dem edle» Verblichenen ersckieneue Werk: ״Tie AugeukranNieite» der größt» C'liene» Ungarns" :c. Großwardein 18.37, verweise», welches der Verewigte in Folge einer an ihn ergangenen Aufforderung von Seilen einer hohen k. k. Großwardeincr Statt- Hallerei nack einem 23jährigen Bestehen seines segensreicken Institutes der Oeffentlichkeit übergab, und dem wir noch folgende Beschreibung des Institutsgebäudes als Erläuterung unserer dieSwöckentlichcn Illustration entlehnen wollen: - ״Dieses befindet sich in der Nähe der Residenz deS römisck katholischeu Bischofs, testen nordöstliche Fronte ganz frei gelegen dem malerische» Weingebirge;»gewendet ist, da befindet sich der Haupteingang, von welcher eine aus Linden und!Akazien gebildete mit Barriören versehene Allee bis zur sogenannte Condö'fcke» Hauptstraße führt; taS InstitutSgcbäude liegt von drei Seiten vollkommen frei. An der »ordöstlicken 43 8lasier langen Haupt- > fronte ist eine mit Barrieren versehene Doppclallee a»S Kngelakazien und! Pappel» anSschließlick zum ungestörten Spaziergang für die Augenkranken anj gelegt; die südöstliche und Südseite sind auch in der Breite eines KlafterS > mit Barrieren und Bäunien versehen, um das Geräusch der Fahrzeuge zu! verhüten. Der Hospitalgrund sammt Spazieralleen occupirt einen Flächen-! raum von 7200 UsFuß; der größte Theil dieses Raumes bildet einen eng- ׳ liscken Garte», in welchem an verschiedenen Stellen sieben verschiedene klei- »ere Gebäude angebracht sind; einen Theil »inimt ein Gemüsegarten in Anspruck. Die Angcnkranken werden daher in sieben kleineren Gebäuden, in welchen sick 22 Ränmlickkeite» befinde», unterbracht und hiedurch wird dem Verderben der Luft dnrck Zusammenwohnen Vieler in einem Gebäude vorgcbeugt; die an einer ansteckende» Angenkrankkcit Leidenden erhalten ein eigenes »nt einem Brunne» versehenes HäuScken. Bier Brunnen versehen die Anstalt reichlich mit Wasser, die am Fuße der WeingcbirgSkettc liegend dieses krnstallklar und wohlschmeckend liefern, nnk dnrck die Arinntb seiner sircn Bestandthcile wie das dcstillirte Waffer bei großer Angenenkz^iitnng sehr gut vertragen wird. Im nordöstlichen Winkel deS HospitalgrnädcS befindet sich das aus sieben Zimmer» bestehende so.zenannte Opelntionsgebände, von welchen eines für den Ordinarius oder Assistenten, ein kleiner Saal zur Vornahme der Operationen, »nt fünf zur Unterbringung von wichtigeren Operirten dient. In den übrigen Gebäuden werden die minder wichtigen Operirten »nd sonstige Angenkranken unterbracht. Drei >!ücken, ein Bade-, Douckc- und Reguisitenzininier sind i» denselben vcrtheilt. Der Oberkrankenwäner und dessen Frau bewohnen ei» eigenes kleines Hans bei dem Hanpteingaiige. Den größten Theil des Grundes nimmt ein englischer Garten ein, in welchem die -!ranken sich erbolc» und erg nicke» können, an passende» Stellen sind dnstreicke Blumcnpartien und Eitronenbänme angebracht, welche das Auge des anS langer Finsterniß Anferstandcncn angenehm überraschen. ES׳ können 30 bis 00 Angenkranke bequem nntergebrackt werden." Gegenwärtig ist dieses Heil - Institut Eigcnthnm deS dortigen Stadt- Phvsikns Herrn Albert Groß, eines Bruders des hochverdiente» 011,"תיderS, nnk wird von selbem ganz im Geiste des edlen Verblichenen alS ein gleicksani der lcidenten Menschheit gehöriges Erbe gepflegt und erhalten. Lorresponden.i. A. Wik», 12. September. Im Herbste des vorigen Jahres wurden viele jütische SchiilamtS-Eandidaten, die an den kiesigen Präparantien ansgenommen zu werden wünschten, znrnckgewiescn, weil, wie man ihnen als Grund angab, die »»znreichcndcn Localitätcn es nothwenkig machten, die Aufnahme ans geborene Riedcrösterrcichcr zu beschränken. Von den bereits im Jahre 18.3s anfgenommcnen 20 jüdischen Schulamts - Eandidatcn, die dieser Tage ihr Examen bestanden, wurde» 12 zu Oberlehrern ernannt. Herr EanonicnS und Obcr-Schnlinspector Stöger nannte beider in diesen Tagen stattgehabten Entlassung dieses Resultat ei» glänzendes Zeugniß jüdischen Fleißes »nd jüdischer Beharrlichkeit; in einer gehaltvollen und gedicgenen Ansprache wies er darauf hin, wie sehr z» loben »nd anzuerkcnncn es wäre, daß gerade die jüdischen Lehrer, wenn sie ihr Examen bestanden kättcn, rüstig und wacker für ihre weitere Ausbildung arbeitete» und sich stets vor dem Wahne hüteten, als ob die glücklich bestandene Lehrerprüfung de» Schlnßstcin ihrer Gesamintbildnng anSmache und stellte sie in dieser Beziehung ihren christlichen Eollcgen als Muster bin. Wir freuen uns . über diese Anerkennung, die jüdischen Schulamts- Eandidatcn gezollt wird, aber ist eS nicht ein Jammer, daß in der Metropole der österreichischen Monarchie nickt eine einzige Anstalt vorhanden, in welcher jüdische ScknlamtS - Eandikaten ausgcbildet werden? Wohin ist es mit dem so sehr gerühmten und gefeierten jüdischen Sinne für geistige Ent׳ Wickelung und Fortschritt gekommen, wen» weder seine Prediger noch seine Lehrer eine Anstalt vorsindcn, auf der sie von jüdischen Lehrern im jüdischen Geiste jene Ausbildung erlangen können, wie sie die Gegenwart erheischt! Man mißverstehe uns nicht. Wir sind nicht der Ansicht, daß die verschiedenen DiSciplinen nur von jüdischen Lehrern unfern zukünftigen Lehrern und Predigern in ersprießlicher Weise docirt werden könnten. Wenn wir aber sehe», wie nickt nur an den christlichen Anstalten, die Lehrer und Geistliche heran;»- bilden die Aufgabe haben, die Anstellung eines Juden, und wäre er eine

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