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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-09-28 · 9 (28.9.1860) · p. Seite 68

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
9 (28.9.1860)
Date
1860-09-28
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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—•י• 68 יי־— II. ♦ Diesen heilsamen Entschluß reckt' bald uns doch nickt in allzu auffälliger und sür ihren Mann temüthigender Weise in Ausführung zu bringen, war die angelegentlichste Sorge rer Uran Hanna. Es gelang ihr indessen durck ein sehr einfaches Mittel. Sie bewarb sich um die eben zu vergeteilte Gevaktenrelle bei dem aruien Schullehrer res Ortes, dessen redselige t^attin >oir unter dem Namen ״die schwarze Gütl" im Eingänge dieser Er-;äblung kennen gelernt baten. Hiebei batte sie zugleich den Zweck vor Augen, riese arme» Veute für das Wegbleiben ihrer Hinter von der ösfentlicken Schule auszusöbnen. Laß der Antrag nickt resussrt worden, war! voraussichtlich, nackrem rie Lehrer ras eigenrhümlicke Los zn haben scheinen, rau wäkrenr sse alle Hinter rer Welt gerne annebmen, von ihnen nickt so leickk Jemanr ein Hink — unt wäre es auck nur sür rie kurze Zeit rer Besckneirungsceremonie anzunebinen geneigt iss. — Bei dieser Gelegenheit besorgte Hanna rie Snra Beickneirungsmahl) sehr reichlich und ließ es auck nicht an großinülbiger Äusmerksamkeit sür rie Wöchnerin nur reu neuen W ürger mangeln, solcherweise konnte cs nicht fehlen, raß balr äbnl>. e .'liierbieten an sse gesselll wurden, rie sse alle im 'Namen ihres Mannes aui :as Bereitwilligste annatm, unt keren Obliegenheit sie mit gleicher Munissren; wie bei rer schwarzen Gütl zu erfüllen suchte. Hiedurch erössnetc sich׳ binnen Hurzein eine t^elegenbeit um rie anrere, um ten Emigranten nur ׳eine Familie aus rie allerpassenrste Weise in rie große Welk tcr kleinen : HHille einznsühren. liefe von ,rrau Hanna so geschickt wie klug eingeleitete nur durch- > geführte Lelbsteuianciration ihres -Hauses batte augenscheinlich rie besten . ,,eigen nack ssck. Lao tssemütb Abraham Hohns wurde allmälig ruhiger! nur heiterer. Er überließ sich seltener als sonst rem grämlichen Nackrenkcn nur rem müßigen Hinbrüten. Ein neuer <sVift schien bei ihm cingekebrt zu sein. seiirem er rer Welt einen Schritt entgegen gegangen. Er saßte unwillkürlich mclrr Berkranen nur gewann auch zusehends mehr Neigung zu , terselbeu. Auch in rer Gemeinre war in rer Beurtheilung Abraham Holm's eine günstige Wenrung cingeireten. Man ließ ihm nack imt nack Gerecktigkeil wirersahren. Nian gab zu, raß er einer rer wobltbätigsten Männer , Gemeinremikglier konnte man nicht sage») im O erleben sei, nur daß er ries nickt erst von neuester Zeit der sei. Man erzählte sich viel nur umstäntlick von all' ren erleu Zügen, tie man wckl auck irüber von ihm kannte, aber — bei rem allgemein gegen ihn vorwaltenren Unwillen absick'klick — mit Stillschweigen überging. Anstatt ihm aus seinem Emigran . tentkume einen Borwurs zu machen, sing man an es zu bekauern, raß er ihm angekören müsse. Las Lok' blieb natürlich bei Abraham Hobn nickt sielieu, soiirern reimte sick auch — wie billig — ans rie gute .Hanna nur ihre hübschen tresslichen Hinter ans. Lo vereinigte sich Alles um ren armen Emigranten mit rer Welt, rer er fo lange in störrigem Unwillen ren Rücken gekehrt, wierer ausznsöbnen. Fei-t erss konnte man ibn glücklich nennen ... er war es auck in rer a.bat. Wenn Nock kie ui'.r ra ein Ren res allen Unmutbes sein Gemülh ver׳ dünerte, wenn noch zuweilen ein Wölkchen reS Lrüblinns ssck über seine Liirne lagerte, fo berursie es nur eines Läckelns von Leiten Hanna's orer res Anblickes seiner lieben Hinter orer auck nnr reS Gcrankens: ״Balr werten wir wierer aus eine Snra oter Hochzeit geben müssen," 11m alles was res Mannes Her; beschwerte, spurlos zu versckencken. — Glän;eurer konnte rer Erfolg, ren tie Maßnahmen Hanna's herbeisührken, nickt sein! Eine weitere Eonseauenz res im Hanse Abraham Hcbn'S stattgesunreneil, Lnnemwechsels war es. raß auck ten Hinter» mehr unr mehr ,vrei־ keilen eingeräiiiill-wurren. Lie frühere peinliche Uebcrwackung terselbeu hörte gänzlich aus. Ja, es kam so weit, raß man es hören konnte, wie rer sonst so tüssere nur ernss gestimmte Baier seinem Lohne Joseph Mulh zusprack unr ibm über Geselligkeit unr Lebensfrenrc ,,prerigte." Labei fehlte es nickt an Borwürsen wegen seiner Iosepk's Zurückgezogenheit unr Lchückternbeit. Tie weile väterliche Ermahnung schloß damit, daß rer Mensch für rie Gesellschaft la sei, raß man lebhaft, sreunklick unr tkeilnehmenr gegen Jeder- -mann sein müsse, daß er 1 Baker Abraham, selb» ein sehr lebhafter Junge zu seiner Zeit gewesen und—anderes dergleichen mehr. :— Baker Abraham sprach reckt unr gut; nur schien ^r vergessen zu daden, wie dieses ,,zu seiner Zeit" etwas weit hinter ibm läge, unk raß er, wie mancher anrere Baker auck ein klein Wenig an tem Fehler seines Hintes Schuld trage. Wenn Joseph schüchtern und zurückgezogen war, wer konnte sich darüber wundern? War dies nicht die Folge seiner Erziehung und der sehr natürliche Reflex des ungeselligen Geistes, der sich über ihre ganze Häuslichkeit durch die 18 Jahre seines Lebens lagerte. Doch wir wollen mit dem alten Kohn nicht rechten, vielmehr uns reckt herzlich über seine glückliche rechtzeitige Umkehr freuen. . . . Rechtzeitig mochte diese Umkehr noch immer sein. Die Kinder standen glücklicher Weise noch in einem Alter, wo die ihnen inwohnente Lebenslust alle Schwierigkeiten und Hindernisse, die die Erziehung herbeisührte, leicht überwinden konnte. Das beste Mittel hiezu war, namentlich für Joseph, der Berkehr mit den jungen Leuten des Ortes. Ein solcher fand statt. Er besuchte sie häufig, und sie sauren sich nicht minder oft bei ihm ein. Der Eindruck, den er allenthalben machte, war im Ganzen genommen ein günstiger zu nennen. Man sah in ihm ten hübschen bcscheirenen und wohlerzogenen jungen Menscken, der ein liebreiches Entgegenkommen verdient. Wenn man ja etwas an ihm zu takeln hatte, so war es eben jenes furchtsame schüchterne Wesen, das ihm auck sein Baker, wie wir wissen, zum Borwurf machte. Freilich waltete da noch ein kleiner Unterschict ob, den wir nicht mit Stillschweigen übergehen türfen. Lie Schüchternheit Josephs wurde in der Gesellschaft als solche nicht anerkannt. Man sprach vielmehr von einem zurückhaltenden, allzu steifen Benehmen tessclben. In gänzlicher Berkennnug der obwaltenden Umstänke wollte man in tem Benehmen tcs jungen Mannes etwas von der Steifheit und dem bekannten stolze seines BaterS erkennen; was freilich wenig zu seiner Empfehlung beitragen konnte. (Foniepung solch. 1 ״Dies sind die Ulorte" nack» dem Midrasch von vr (Lhreiltheil, Rabbiner in Horic. ״Purpur kauft zu bill'gem Preise ״Unt von Heller fester Färb'," So nack alter schlichter Weise Einst ein Hrämer Häuser warb. Ob des Rus's ter Fürst erwachet. Ruft ten Hrämer schnell vor sich; ״Mann, rer so viel Worte machet, ״Was verkaufst tu Schönes'? sprich!" ״Nichts, mein Honig nnr Gebieter!" Spricht ter Man», will cilents fort, Lock rer Fürst, vor Neugier glübt er, Spricht: ich hört' kein rufend Wort. — ״Wohl fürs Bolk, rem's seltne Gabe Biet' ick Purpurwaaren feil, Loch sür Lick mein König habe Ick wohl keinen Purpur feil, Ler Lu täglich präcktig strahlest In res.Purpnrglauzcs Lickt, Ob Lu's fürstlich auch bezahlest Tir genügt mein Purpur nickt. * * So von Mose's Lippen fließet Einst rer Lhora göttlich Wort. Las ren herbsten Schmer; versüßet. Las beseligt hier unt kort. Bon ter Retncrgab' ter eignen Sprach er ״bin kein Mann res Worts," Wie'? ein Mose wollte läugnen? Läugnen allerhöchsten Orts'? Nur vor Gott, tem Herrn ter Welten, Tünkt als Reener er sick klein. Lock für'S Bolk, dem Wahrheit selten. Floß sein Bortrag klar unr rein — Floß vom Munre wie vom Herzen Floß als ew'ger Himmelsgucll,

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