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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-09-28 · 9 (28.9.1860) · p. Seite 66

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
9 (28.9.1860)
Date
1860-09-28
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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» 66 + Hüten wir uns tiefes Danaergeschenk der französischen Consistorialverfasiung, wenn es je uns angeboten werten sollte, anzunehmen, seien wir tankbar ten Männern, tie ans ter Warte sieben unt uns warnen, wenn man tieselbe unter tem Borgeben mebr Ordnung unt Regelmäßigkeit in die Leitung unt Berwaltung ter Cultusverkältnisie bringen;u wollen, bei uns,! ten deusicken Juten, einzuickmuggcln beabsichtigt. Wir waren überrascbt, im ' Januar ׳Hefte teS I.’un'mrs rsraelitc, joumal des primipes ronsorrateurs ן du Judaismi• par S. Jiloch einen Brief eines Franzosen vorzusinten, der sich; in Wien aufkaltent Gelegenheit batte, eine Rete res Tr. Iellinek über ten! Sckaten, ten die Cousisterialverfasiung aniickte, unt tie tringente Mahnung; stets tie Autonvmie rer Gemeinte;11 wahren,;u kören. ן is•»־ wisien nicbi, was jenem Bortrage;11 Grünte lag, ob wirklich Ber-! sud,e gemacht wurden, tie iranzösiicke Eonsistorialverfasiung auch in besterreict׳ Keimi'ck;u macken, cter ob rer geehrte Rerncr, rem wohl tie Borgänge in Frankreich nid׳r entgangen sein werten, seine Gemeinte vor ter; Einfükruna ähnlicher ^Ziüänre warnen wollte: wir consiatiren ras Faktum, ran man überhaupt entlick einmal auck bei uns in Teut'cklaut aniänzt, tie sonst im rosiasien Vickte rargesieilten Berbältnisie ter Juten in Frankreick in sinlick reliaiöser ^״,!eliung ricktig;n beurikeilen. Wir!vollen uns über tie sranzösil'cke Consistoriaiverrasimig in einem besonreren Artikel res Weiteren auslasien nur folgen rem Benasier der im Eingänge erwähnten Arbeit in ter TanreUung ter Berbältnisie ter Juten in Preußen. Das Fahr 1*12 gab den Juten Preußens tas Staatsbürgerrechl unt rie Befähigung;n Vebrunt Militärämtern. Tie Inden nahmen nun den ~!hänasten Anibeil am geistigen Leben der 'Nation, sie beberrsckten im Anfange res Iahrlninrerts rie geistigen »kreise Berlins. T!e Resraiiraticirszeir war auck für rie preußischen Iiiten nickt günstia. Tie Berechtigung;n allen Staatsämlern wurte ihnen tnrck Cabiuetsortre versagt. Ter Weg turck ras ertösente Taufbecken in die ehrenvolle Sl-rakscarriere würde von vielen Jure» cingescklazen. Ueberall.sab man Inden in heberen Staatsämlern, überall geraisire Rickker — christlicke Eite abnehmen. Selbst rie politische mit kircklicke Reaktion hat sick in Prosesior Stalel ihre jütiscke Tenkmasckiene ans Bauern vcrsckreiben müsien. Pie Nämpse der katbcliscken Nircke für rie .Emancipation von ter! protestantischen Eentralgcwalt führten ncihwenkigerweise;ur Trennung ter > Hircke vom Staate unt;ur l^leickstellung aller Religionspar leien, ' Tarurck wurde reu Inden wenigstens ras theoretisch gewährt, was ihnen! nack den Anschauungen res incrernen Staatsreckts von selbst ge- : bübne. , | — Es 1‘inc rie betresieuten Artikel ter Berfasinng ras Produkt langer! »lämpie. Tie Provinziallanriagc vom Rbeine, von Preußen, Posen und i Schlesien batten bereits wiererbolentlick auf Erweiterung der Reckte der Juden, ibeilweise sogar.auf Gewährung vollständiger Eman-! i cixalion xetilionirt. Als tbeilweiie «Bewährung der Birten der Proviuzialstänre wurre dem vereinigten Randlage vom 1*47 ein Iutengeietz vorgelegt, welches aus den Juten einen Staat im Staate;ü macken beabsichtigte. Ter mittelal- ' terlicke Firniß, den es an sick trug, ließ über ten Ursprung tesielben kei- 1neu Zweifel übrig. . Ter vereinigte Lautkag sei-te jecock tenr Regierungsprotukte Vorschläge entgegen, welcke aus eine vollständige Emancipation kiuausliefen, das publicine Iucengeiev von 1*47 war ein Eompromiß;wischen beiten Ricktungen. Es kam kann tie Märzrevclution unr in ihrem Gefolge taS Gesetz! vom 6. April 1*4*, welches rie Gleichstellung aller Staatsbürger | ebne Rücksickl auf idr Glaubensbekeltutniß ausiprack. Tie octromrte Berfasinng unr rie Berfasiung vom 31. Jan. 1850; bestätigten tie Gleichstellung ter Juten: eine Anzahl Juten bereiteten sick turck ras Reckrssturium auf tie Slaatscarriere vor. T a kam rer Tag von Brcnzell; Herr v. Mantcuffel fügte sick ins uuvermeitlicke — T7 b. in rie Herren v. Raumer unt v. Weftpbalen. Mit gleicker Resignation fügten sick tie Herren Timons unt v. HeNdt und es : erschienen rie bekannten Rescriptc, Muster spitzfindiger Deduktionen.! Men saut plötzlich, daß rie Juten;war in Beziehung auf dik späj ttrt Gesetzgebung rmancipirt werten. Ter Artik. 12. ter Berfasiung, ter die Gleichstellung aller Staatsbürger ohne Rücksicht auf ihr Glaubensbekenntniß aussprach, sei nur eine Norm für die spätere Gesetzgebung. Aber ein spezielles Gesetz, wie das Judengesetz von 1847 könne er nicht ausheben. Ten Art. 109 der Berfasiung, der alle ter Verfassung entgegenstehenden Bestimmungen für aufgehoben erklärte, ignorirle das Ministerium. Aber auck als Maaßstab für die spätere Gesetzgebung erkannte man ten An. 12. nicht NN. Als im Jahre 185,3 die Ärcisstände wieder reaktivin wurden, stellte ter Abgeortnete von Malinckrodt das Amentement, taß dieses nur soweit geschehen dürfe, als die Berfasiung der.'!treisstände nickt ter Landesverfassung zuwider liefe, um den jüdische» Rittergutsbesitzern ibre konstitiltiouellcn Rechte zu sichern. Das Amendemenk res conservativen katholischen Abgeortueten wurde angenommen. Trotzten, rescribine Herr v. W-stphalen: Da die Juten nack dem Gesetz von!*:>7 ttäntiscke Reckte nickt ausüben könnten, so sänke auf sie tas Gesev von I8f>3 auck keine Anwentuiig. Die Reaktion wurte endlick so kühn, taß ter Abgeordnete Wagener die Absckaffung des Art. 12 verschlug. Jetzt zeigte sich indesien, daß die Reckte der Juten der schützende Wall für alle Minoritäten in Preußen sink. Nickt allein die Juten, auck die »kathcliken wurden allarmirt. Der Abgeortnete Reickensperger sGeltern) trat in einer geharnischten Rete für tie Reckte ter Juden auf. Ter Wagenerscke Antrag wurte turch die Tagesordnung beseitigt. Auck Herr von Weftpbalen trat für dieselbe auf — weil tie Regierung auck mit dtlll Bkrfnssllllg!- Paragraphen zu rcgicrcih verstehe. Es trat ter Ministenvecksel in Preußen ein, Minister Flotwell ließ tie Juten zur >ircis>lantsckaft zu, sein Nackfolger Schwerin sogar zu läntlichen Ecmmunalämtern. Ter Instizminister hingegen schloß rie Juten nack wie vor vom Rickteramte aus, erst in allerjüugster Zeit wurdeu 2 oder 3 Juten Rechtsanwaltttellen verliehen. Was soll aber mit der beteutenten Anzahl ter übrigen jüdischen Juristen geschehen, rie bauend ans tie gewisieubafte Ausführung ter beschworenen Berfasinng, ein Dezennium kintnrck theoretisch unr praktisch ihre Ausbiltung zum Rickter auf das Gewisienhafteste betrieben hatten unr sick nun um ten wohlverkienten Lohn ihrer Nachtwachen, um den Lohn für tie Jahre, tie sie unentgeltlich tem Staatsdienste gewitmet hatten turck tas Tentelu und Mäkeln eines Ministers gebracht sehen'? Wenn sie mit ihrer ganzen Vergangenheit nickt blecken wollen, unt wir sinr fest über» zeugt, daß tie Mehrzahl unter ihnen dies nicht will, so bleibt ihnen nichts übrig, als entweter jenseits res Meeres eine besiere Heiniatb zu sucken — haben wir renn einen solchen Ueberslnß an ehrenhaften, wisiensckaftlich turchgebilteteu unr moralisch erprobten Charakteren, daß wir dieselbe» so gleichgilrig von uns ziehen sehen! — oder sich indeß als Lobiisckreiber bei irgend einem Recktsanwalte zu verdingen, um in der Erwartung besierer Zeilen tas tägliche Brot sick wenigstens erwerben zu können. Und da spräche man noch von jüdischen, Tünkel und jüdischem Hockmuth, wenn mau siebt, wie diese jungen Männer, um nur dem Glauben ihrer Väter nickt lintreu werden zu rürsen, lieber das höckste (fyit des Menschen, die Selbstständigkeit, misien; wie sie rie herrlichsten und gekiezensten Elaborate für Ankere anfeiligcn, die, wenn nnter ihrem Namen den Sberbehörden vorgelegt, ihucn gewiß Rang unr Beförderung eingebrackt haben würte». Ter Herr Cultusminister mochte hinter seinem Herren Kollegen nickt zurückstehcn, auck er verweigerte reu Juten tie Anstellung als Gnmnasial lebrer unr als Lehrer an ten höheren Bürgerschulen. So bleibt denn auch ten jungen Leuten, die tie kostbarsten Jahre ihres Gebens darauf verwendet sick zu tüchtigen Philologen heranzubilten, i» der Hoffnung, es werde bald ein helleres Lickt über Preußen aufgeben, wenn sie eben ihrem Baterlande nickt ten Rücken kcbren wollen, — unt wer thut tiefes so leickten Herzens! — nickts anderes übrig, renn als Hofmeister in irgend einem Hause ihre Ernten; zu sucken. »können sie dock nicht einmal an christlichen Privatsckulen als Lebrer angestcllt werden, weil auck hier der Unterricht der meisten und wicktigsren Tisciplinen ihnen als Juden untersagt ist! Sb tiefe Zustände bald besieren und erfreulickeren weicken werden, wir wissendes nickt. Die Juden und ihre Reckte haben an der Iunkerpartei, die jüdische Rittergutsbesitzer von den Kreistagen ausgeschloffen wisien will, und ter Bureaukratie die die jüdische Concurren; in der richterlichen Carriöre mit scheelen Augen bettachtet, zu einflußreicke und mächtige Gegner, als daß ihnen in nächster Zukunft die völlige endliche Anerkennung von Seiten der Staatsgewalt prcgncsticirl werden könnte, es müßte denn fein, taß unerwartet ein-

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