Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 8 (21.9.1860)
- Date
- 1860-09-21
- Page
- Seite 61 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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»» It ז3 dem Titel eines ״EhowerS" auSgesckloffen, dursten an den hohen Festtagen nicht wie andere Familienväter im Sterbekleit in der Synagoge erscheinen, weil dieß wieder mit dem Begriffe eines Ledigen in, Widerstreit stand, und so gab's noch viele größere und kleinere UnterscheidungSzcichen zwischen dem gesetzlich Berheiratheten und dem nur nach niosaischem Gesetze in den Ehestand Getretenen, zwischen dem Familienvater und den! — Emigranten. (Fortsetzung folgt.» (!oltv »^Sk>l?u»g.) Sir Mosrs Montrfiorr. (-g-) Tie blutigen Borgänge.in Syrien gegen die dortige christliche Bevölkerung bringen unwillkürlich jene gräuclvollen Scene» in Erinnerung, welche 1840 gegen die Juden in Damaskus stattgefunden. Damals wie heute ist cs der religiöse Fanatismus, in dessen Rainen oder uuter dessen MaSke Mord- und Schandthaten gegen unschuldige Mensche» verübet worden. Tamals wie heute erhebt sich zur edelniüthigen Rettung ein »nt derselbe Manu — Sir Moses Montrfiorc! Im Jahre 1840 trat er in Begleitung seiner Gattin und des berühmten Eremieup die gefahrvolle Sendung, nach dem Orient an, die er glücklich und ehrenreich zu Ende führte. Heute ist er e» wieder, der sich mit seinem edlem Gefährten Eremienx an die Spitze einer der großartigsten Eainnilungcn stellt, und eS gelingt ihm durch sein eigenes edles Beispiel der £ pferwilligkcit, so wie durch feinen begeisterten Aufruf, die so weit zerstreute Zudenheit aller Lande und aller Zungen zur etelmüthigsten, bereitwilligste» Unterstützung für die christlichen Opfer des Fanatismus zu beseelen. Wir wollen und wir können hier nicht die ganze ruhmreiche Laufbahn dieses seltenen Manneverzeichnen. Hiezu bedürfte es eines besondeni Buches. Rur Einiges anö seinem thalenreicken Leben und Streben möchten wir bei unsern Lesern in Erinnerung bringen. Schon vor dem, für unsere Glaubensbrnder in Tainaskns so vcrhängnißvollcn Jahre 1840, wo er sich so viele Berdienstc erwarb, so viel Ruhm und EhrenanSzeichiningen eincrntete, hat et au der Seite seiner treuen nur srommsinnigen Genialin Lady Inkill, zweimal, 1820 und 1838, die Reise nack dem heiligen Lande unternoiunicn und jetcSinal hat er seinen Pfad mit Wohlthate» bezeichnet, die nicht >iur seine» Glaubensbrüdern, sondern allen Religionsgcnosse» galten. ' Seine Bertienste in der TamaScener Geschichte sind bekannt. — Es gelang ihm den Ferman vom 12. Raina'an 1250 (0». Nov. 1840) beim Sultan Abdul Megik zn erwirken, welcher einer Eriiciliing ähnlicher Scene» für immer verbeugt. Rach tiefer Zeit bot sich seinem edlen Feuerciser abermals und abermals Gelegenheit dar, sich vor aller Welt zn bewahren. So in der Mortara-Angelegcnhcit, wo er die Sendung übernahm,! das dem väterlichen Hause entrissene 1tint dc» trostlose» Eltern wieder zu! rück zu geben. Leiter ist ihm dies trotz großen Bemühungen mit rastlosen Anstrengungen nicht gelungen. Dafür entschädigte er sich dadurch, daß er eine reiche Gcltsainmlnng für den Vater des »!indes zn Stande brachte, wobei er wicter mit rem anrcgcnten Beispiele voranging. Bald tarauf sehe» wir ihn für seine unglücklichen Glaubensbriiter in Marokko in tie Schranken treten nur ihnen Schutz und -Hilfe bieten.. Ncucrtings steht der crle Greis — er hat das 7>>. Lebensjahr bereits überschritte» — rüstig da im Woklthn», voll Begeisterung, die nur die wahre Frömmigkeit und tie reinste Menschenliebe cinzuflößen vermag, wo cS sich hantelt, für tie verfolgten Ehristcn im Oricin zn wirken. In tiefem Streben wirk er von dem Edelsinne seiner Frau Lady Judith aufs beste nur nachhaltigste bestärkt und unterstützt. Möge dieses edle Paar, denen Gott keine Kinder schenkte,,tie ihre» Rainen auf die Rachwelt fortpflanzten, in tem Getanken Trost n»t Bernhigung finden, tas; ihre etleu Thaten mehr als »linder, Enkel und Urenkel ries können, ihr Andenken in der spätesten Nachwelt fort erhalten werten. fitb am llerlohniingstagr. Stach Psalm 130. Aus des Herzens Tiefen flekcn wir, Allgül'ger Gott, zu Dir. * In deinen -Höben Vernimm, Herr, unser Flehen! Erhör' uns, Gott! Willst du. streng' auf uns're Sünden seh'n. Wer kann vor Dir besteh'n? Ter Mensch von Staube, Er wird gar leicht zum Raub« Der Sinnlichkeit. Doch Du, Gott der Gnade und der Huld, Vergibst so gern die Schuld Der Menschenkinder, Flieh'» sie vom Pfad der Sünder , / Zn Dir zurück. Hoher Trost für unser Herz! — wir schau'» Voll Hoffnung mit Vertrau'» . Zn Div in Reue, Und fleh'n: Du Gott der Treue,׳ Vergib die Schuld! O, vergib die Schult! — wir harren Dein! Wir harren mehr noch Dein, Als auf den Morgen Der Wachende in Sorgen. Wir Hane» Tein! Israel, vertraue nur dem Herr»! Tenn Gnade ist beim Herrn. Er tvird dich retten Aus deiner Sünde-Ketten. Vertrau' dem Herrn! 8. 8le>nh»rd. —•1M<•- Lorrkspondrnz. ('. Wiril, 0. September. Eine Frage, die Haupt nnt Glieder der hiesigen Gemeinte lebhaft beschäftigt, ist die Schulfrage. Tie Religionsschnle ter hiesige» israelitischen Gemeinte — teiin nur einer solchen erfreut sich ticselbe — ist bis jetzt im '4. Stock des in der Seitcnftättcngasse gelegene» alten TempclgcbändcS domicilin gewesen. Schon längst hatte überall die Ueberzcugnng Platz gegrisscn, daß diese Lokalitäten für eine Schule durchaus ungeeignet seien. Und in der Thal ist cs n»S unbegreiflich, wie jüdische Väter, denen für die geistige und köt-perliche Ausbildung ihrer Kinder dock sonst -kein Opfer zu gering ist, cs über sich gewinnen konnten, ihren Kindern den Religionsunterricht, koch gewiß die wichtigste und für die Entwickelung des Menschen entschcikenste Tisciplin — im 4. Stock hoch gelegenen Localitäten crtheilen zu lasten, denen die für eine Schule nnumgänglichsten Ersorderniste, Lickt und Luft niangeltcn. Bon den Treppen, die zu diese» 4 Stock hoch! gelegene» Localitäten führen, wolle» wir schweige», bewundern müsten wir freilich die O psersrentigkeit unserer israelitischen Jugend, die um das 1 Wort Gottes zu hören nnverdrosten in der Hitze des Sommers und in der »kalte teS Winters, oft ermürct von schon erhaltenen mehrstündigem Unter rick'te, diese schmalen, finsteren Treppen hinansklcttcrte. Tic össentlichc Meinung sprach endlich ihr ״Laßt doch nun genug sein, des grausamen Spiels" nnt man telibcrirt »>!», wohin die Religionsschnle zu verlegen. Ein Thcil der in Rechnung for.!1 nciil't’ii Factoren ist dafür, daß die Localitäten aus dem 4. Stocke in den 2. verlegt werden. Die »kleine» würden freilich 2 Stockwerke weniger zn klettern haben, indeß deS ״ Lichtes unk der Luft noch mehr entbehren als im 4. Stockwerke, und dabei sind diese beiden Treppe» so finster und eng, daß cs ein Wunder ist, wenn nickt z»»1 Oefteren Unglücksfälle sich ereignet haben. Man will aus Rücksicht für die die Religionsschnle besuchenden Realnnd Gvmnasialschüler dieselbe z.nr tont in der Stadt lassen, während cö dock so nahe liegt auf den in der Leopoldstadt gelegenen der Gemeinde gehörigen Bauplatz neben dem neuen 1 israelitischen Tempel ein ordentliches Schulgebäude aufsühren zu lasten. Soll etwa die Wiener Eultusgcineindc hierin der unbedeutendsten Provinzialgemeinde I »ackstehen und in der Statt, wie es von einigen proponirt wird, mit ihrer | ReligionSsckule zur Miethe gebe»? Soll denn die kaum 5 Minuten bctrageilte Entfernung vom alten bis zmn neuen Tempclgcbäude wirklich dafür entscheidend sein, daß die Religionsschnle, um doch der öffentlichen Meinung einige Concessionen zu macken, in den 2. Stock verlegt oder anderweitig in