Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 7 (14.9.1860)
- Date
- 1860-09-14
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4884143-5427047-5427071--080-4884217- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
—•י* 53 - ganzen Menschen, der Mensch selbst. Nur waS in unk mit Gott gethan unk gekackt wird, bat ewigen Wertb: was nickt im Einklänge in und mit ihm gefühlt, gekackt und getkan wird, ist nicktig und nickts. Der geninthlicke und feinfühlende Rückert sagt hierüber: .,Was nickt von Gott hebt an ״Unk sich zu Gott binwendet, ״Ist um und an mißthan ״Mißangethan, mißenret. ״Den Sckein, etwas zu sein״ ״MagS haben eine Frist; ״Bald wird eS offenbar, ״Daß nichts es war »nr ist." Unsere Erziehung ist zum Theile eine materialistische, eine rein sinnliche geworden. Die Theokratie des ZudenthumS räumte den Thron ein der Plutokratie des Heidenthums. Unsere »linder, hört man oft klagen, sind sehr zerstreut, haben nur Sinn für Spiel und Vergnügen, aber wenig Lust zur ernsten Thätigkeit. Die häufigen Beschwerden von Seite der Eltern über Unverschämtheit, Unsittlickkeit, Lüsternheit und Eitelkeit ihrer Kinder sind allenfalls ein Zeichen der Zeit, und jede Folge muß ihren Grund, so wie jede Wirkung ihre Ursache haben. Unsere Erziehung ist zum Tbcile eine pietätslose geworden. Wo findet man jetzt, so lautet hie und da die Klage, jene vielgepriesene kindlicke Anhänglichkeit und Hingebung der guten alte» Zeit. Wie oft wird jetzt häusliches Leben, Anhänglichkeit an den Glauben der Väter, einfache schlichte Lebensweise i» und außer dem Hause als Geistesbesckränktheit und Spießbürgerthum verachtet und verspottet. Wie wenig empfänglich zeigt sich oft die moderne Kinterwelt für unentgeltliche Jugend« spiele, für gemüthliche Naturbetrachtung. Altkluge Kinder und blasirte Jünglinge sollen jetzt nicht niehr zu den seltenen Erscheinungen gezählt werden, und die Gemitthlichkeit der Alten sei eine immcr seltener «erdende Blume in der gegenwärtigen Gesellschaft. Wir haben nun den wohlthätigcn Einfluß, aber auck die schädlichen Einwirkungen unseres Zeitgeistes auf die Ingendbildung »nd Erziehung kennen gelernt; doch der Gedanke an die Gebrechen der Gegenwart darf keinesfalls unfern Muth zur Fortentwickelung und zum Fortschritte niederbeugen. Die Erinnerung an die Gebrecken der Zeit darf uns keinesfalls den Glauden an eine Vervollkommnungssähigkeit, die Hoffnung auf eine bessere Autunst rauben, denn gerade das klare und allgemein erwachende Bewußtsein unserer Sckwäcken und Nebel ist ein Geisteszustand, der unsere Generation vor allen früher» besonders auSzeichnet. Mit der Erkenntniß unserer Mängel und Krankheiten folgt auch das Streben nach Bcfferung und die Kenntniß der Heilmittel. Wenn nun Eltern und Erzieher bei der Erziehung ihrer Kin׳ der die schädlichen Einflüsse des gegenwärtigen Zeitgeistes ferne halten wollen, wenn es ihnen gelingen soll, ihre Kinder-zur Heranbildung einer beffer» Zeit vor den. Bösen und Falschen unserer Zeit zu bewahren, so müßten sie sich folgender drei Mittel bedienen: Sie heißen: Frömmigkeit, Gemüth׳ lichkeit und Enthaltsamkeit. Diese bilden einen unzerstörbaren Damm gegen die heranfluthende» und alles mit sich fortreißenden Wogen des Zeitenstromes, ein sicheres Mittel gegen d.n Giftbiß der hie und da einkersckleichenden Schlange der Verführung. lieber die Art und Weise, wie nämlich die Kinder zur Frömmigkeit erzogen, wie deren Gemüth und Herz gebildet »nd wie dieselben an Enthaltsamkeit und Gehorsam gewöhnt werden können, wollen wir unsere Ansicht ebenfalls in diesen Blättern mit Erlaubniß der geehrte» Nedaction den geneigten Leser» mittheilen. (:cui 1M. 8z. Tic israelitische Kinderbewahranstalt in Wie» wurde im Lahre l *45 von Herrn Josef Wertheimcr gegründet. Seinen eifrigen Beniuhungen, sowie der regen Theilnahme einiger Damen verdankt dieselbe ihr rasches Emporblüben; so daß nach einem dreizehnjährigen Bestehen bereits ein eigenes Jnstitutsgebäude mit einem Kostenaufwande von mebr denn siebenzigtausend Gulden aufgeführt werden konnte. Am lti. Mai 185* wurde dasselbe eingeweiht, und seiner Bestimmung übergeben. * Wir wollen hier nickt von der allbekannten Zweckmäßigkeit solcher Anstalten sprechen, und uns darauf beschränken,;» dem von uns gelieferten Bilde, einige Erläuterungen über die Räuinlickkeiten »nd über die Leitung der Anstalt zu geben. DaS von dem Architekten Keiner solid »nd zweckmäßig aufzefüdrte Gebäude macht auf den Beschauer einen freundlichen Eindruck; nack Außen durch die einfache nette Karate, im Innern durch die luftigen lickten Räumlichkeiten, die vollkommen ihrem Zwecke entsprechen. Die Localitätcn der Anstatt bestehen aus drei großen Säle», von denen der mittlere als Speisesaal benützt wird und den Kleinen z» jeder Zeit und jeder Witterung ihren Harmlose» Spielen nachzuhängen gestattet; links befindet sich der Sckul׳, recktS der Prüfungssaal. Letzterer ist mit dem nack Sckrotzberg gemalten Bild niffe Ihrer Majestät der Kaiserin Witwe Karoliut Allgusta, crstcrer mit dem des Gründers, Herrn Josef Werthcimer, geschmückt. In jedem . Saale sind kurze leichtfaßlichc Bibelsprüche, in hebräischer und deutscher ׳ Sprache, an die Wände gemalt, die von den .Kindern auswendig gelernt werten. Der geräumige, zierlich, angelegte Garten bietet mit seinen jungen Bäumchen allerdings nock keinen Schatten, nichtsdestoweniger ist er mit sei- »er-frischen, vom Dufte der Blumen geschwängerten Lust, in der wännere» Jahreszeit ein angenehmer Tummelplatz der Kleinen. Der Unterricht in der Anstalt wird von dem als Pädagogen rükmlichst bekannten Herrn LtidtSdorftr geleistet. ES ist echannlich, welche Resultate er bei diesen meist drei bis vierjährige» Kindern zu erzielen weiß, die mit einer kindlichen Liebe an ihm hängen, welche er durch ffeinc wahrhaft väterliche Leitung in der׳ Tkat auch verdient. Seine liebenswürdige Gattin steht ihm helfend zur Seite. Die Uebcrwacknng der Anstatt besorgt ein auden Damen: Sofie TodeSko, Marie Schnapper, Henriette Wert- י heimer, Emilie Schnapper, Nanette Goldschmidt, Elise Herz. Louise Beyfns bestehendes Eomitv, das sich bereits große Verdienste um [ dieselbe erworben, und hoffentlich nock erwerben wird. Die Gründungsfeier wird alljährlich am ft. Februar, als dem Ge׳ burisfeste Ihrer Majestät der Kaiserin Witwe Karoline Allgnsta, der obersten Schutzfrau aller Kinderbewadranstalten Wien's, festlich begangen. Ällerhkchstdieselbe beglückte am!1. Mai 185,9 die Anstalt mit ihrem Besuche und geruhte sich über die Einrichtung und Leitung derselben huldvoll auSzusprecken. i . (Corrtfponbf' x. Briinn. Der Gast für eine Weile sieht auf eine ganze Meile! Mit diesem unter uns Glaubensbrüdern vorzüglich weit verbreiteten Spruche sehe ick mick veranlaßt, meine heutige Eorrcsponden; zu beginne» um den Standpunkt zu bezeichne», welchen ick bei derselben einnehme, und ui» die Versickerung geben zu können, daß mir alle Persönlichkeiten in Brünn fern stehen, cine Versicherung, welcher nötbigenfallS auch die löbliche Redactio» nickt versagen wird, die Bestätigung zu ertheilen. ') Doch zur Sache! Ein Jahr verging schon, seitdem die hiesige junge Eultusgemeinde den Entschluß gefaßt, an ihre Spitze ein geistliches Oberhaupt zu stellen, das allen Funktionen eines Religionslehrers und ״ReligionsweiserS" nachzukommen habe. In von Seite der Gemeinde größtentheils unverschuldeten Vcrzögerungen verging dies Jahr und man steht heute an derselben Stelle, wo man damals gestanden, nur mit dem Unterschiede, damals bestimmte sich die Gemeinde für eine Persönlichkeit, heute bestiinmen Persönlichkeiten die Gemeinte, damals wollten alle Gemcindeglieder eine bestimmte Person, heute will beinahe jedes Mitglied eine andere Person. Wir glauben nickt scklcckt unterrichtet zu sein, wenn wir berichten, daß man damals zunächst Herrn Rabbiner köw aus Szegetin zu berufenwünschte, nacktem derselbe abgesagt, soll der Rnf an Herrn I)r. Goldsckmid in Leipzig ergangen sein, dock auch dieser schien keine Neigung für die Metropole Mährens gefühlt zu haben, und so wurde denn endlich der Beschluß gefaßt, den Eoncur« für diese Stelle anSzuschrciben. Und siehe da! so eine EoncnrsauSsckreibung muß einer Rabbinerstclle einen besonder» Reiz verleihen, denn wo man früher verlegen war, an wen der Ruf nock zu ergehen habe, da kämpft man jetzt mit einem embnrras ' Mil guleni Gewissen könne» wir die Bestäichuiiq cttbeilen. D. Ked. J