Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 7 (14.9.1860)
- Date
- 1860-09-14
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
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-~»י hl ,, Oft mit einem schwarzen trautrerregenden Vorhänge nicht der Pflicht, welche aus dieser Paraphrase resultirt, eben so gut, ja nock besser ein Genügegethan? Hätte Herr G. seine Meinung durchaus geltend macken, hätte er mit Erfolg und Wirksamkeit verfahren wollen, so hätte dies ohne Heftig׳ feit, ohne Fanatismus, ohne zu gehen, so hätte dieß mit Ruhe, Gelassenheit und kraft des moralischen Einflusses geschehen müssen. Zorn und Hitze und gerichtliche Klagen sind in Israel 7",׳. aber nickt die zeitgemäße Abänderung eines zeitgemäß gewesenen Minbags. ״Ein Be׳ rausckter darf keine religiösen Entscheidungen geben", aber der Zorn ist ein wahrhaft betäubender Rausch, in welchem man die Sacke mit ratschen Augen ansieht, und sic falsct׳ angreift, übereilt handelt, die Sacke verdirbt. Rabbi Eleasar Sohn des Porta wurde einst bei der Behörde ei׳ nes doppelte» Verbrechen« angeklagt, daß er ungeachtet des Verbotes das Gesetz predige, und daß er eine Räuberbande anführe. Als er hierüber zur Verantwortung gezogen ward, antwortete er: Tiefe beiden Funktionen sind unverträglich und unvereinbar mit einander, unk wie der Angeber in Rücksicht der einen von beiden Beschnlkigungeii gelogen Kat, so auch in Rückfickt der zweiten. Ein Gelehrter hat kein Schwert in der Hand, und wer ein Sckwert in der Hand hält, kann nickt Gelehrter genannt werden. Die Lehre Israels ist eine Feindin jeder geistlichen «Gewalt, jedes geistlicken Zwanges, jeder hierarchischen Gensd'armerie. In kiefern Sinne möchten wir diesen goldenen Spruch allen Zeloten und Fanatikern empfehlen, welche nicht ihre Tendenzen sondern, didjenigen verfolgen, denen ihre ungegründeten Tendenzen nickt behagen wollen. Von dem Altäre Gottes heißt es: 77עדיך, י.-.!77י7יי r2in■ בי ד־־בך S. Maim. H. Bet Ha׳ beckira. Ueber die Zeit des sabbatiscken Morgengottesdienstes jedoch konnten wir Herrn Di׳. G. nicht widersprechen. Dieselbe Frage kam . einst vor Ezeckiel Landau, dieser äußerte sich prohibitiv. Wenn, schrieb er, ras abend licke Sckema vor Sonnenuntergang gelesen wird, so beruft man fick dabei aus R. Iebuda, der dieß geradezu gestattet. Rode Bitiuda Tl>. I, 0. Tie Meinung des Rab. Lkw in B. Eh. 0. Heft l. H. aber ist auf halackiscken, Standpunkte nickt gegründet. Wenn rer Patriarch R. Iehuda sick mit rer kleinen Sckema begnügte, so war dies nur in Einem Falle ausnahmsweise, wenn er im Toravortrage begriffe» war, daraus folgt keineSweges daß man immer so venabren könne, 11m der Ruhe länger pflegen zu können. Und wer sagt denn, daß der Patriarck die Sckemalektion aus den elften ׳Vers besckräntte, er verhüllte das Angesickt, erzählt kex Talmud und betete, die ganze Parscka (S. Machzit Hasck. 40, 10). Anck R. Iehuda Hachaßid, erlaubte sick dies nur in dem Falle, wo ikn die Länge der eingeschalteten Gebete besorgt machte, daß er den vorgeschriebenen Zeitpuntt des Schema überschreiten möchte. Anck im Ieruschalmi ist nur iu dem dringenden Falle eine« Festtages von dem kleinen Sckema die Rede. Gleickwokl wollte R. Acka gegen da« zweimalige Sckemalesen sein Veto eiulegeu, weil die Enlogien nur das biblische Schema einleiten sollen; wo der Edelstein nicht vorbanden, da soll auch die goldne Fasiung weg bleiben. Gana, 0. September 1800. Der (Cinflaft dcs Lkitgkikks auf die häusliche Erziehung von A. Lederer. I. Ter unersorschliche Geist Gottes waltet überall gleich und immer un׳ veränderlich, die Naturgesetze beherrschen die Wett und ihre Geschöpfe, die unzähligen Sternenhcere im unbegränzten Raume, so wie die unendlich klei׳ nen Infusorien im winzig kleinen Wassertropfen mit einer sick immer gleich bleibenden Eonsequenz; d^ch die Formen, die äußeren Erscheinungen sind es, die wechseln, die sick verändern. Sc finden wir cs in der materiellen, wie in der geistigen Welt. Elternftenden und Elternliebe sind heiße, von Gott und Natur in das Her; des Menschen gelegte Enipsindnngen, diese heiligen (Gefühle bewegten schon das Innere des ersten Menschenpaares und erfüllen nock heute die Brust der zur Gegenwart lebenden Väter und Mütter auf Aürstenthronen und in Bcttlerhütten. Kindersegen und gesegnete gute Kinder waren zu allen Zeiten und sind auch jetzt die größten Schätz«, die heißesten Wünsche der Ettern. Das Streben derselben war, ist und wird zu allen Zeiten sein, gute und gerathene Kinder zu haben; doch die Idee eineguten I und gerathcnen Kindes und die Mittel zur Realisirung dieser Idee sind und waren stets Veränderungen unterworfen. Die Erziehung der Chinesen, die der Perser, Aegypter war despotisch, knechtisch, bloße Abrichtung und Dressur für einen gewissen Stand eine bestimmte Kaste. Die Griechen hatten die schöne Individualität, die alten Römc» die praktische Individualität als Zweck unk Ziel bei der Erziehung ihrer Kinder aufgestellt. Ein Blick in die EntwickelungSgesckickte der Menschheit, in die Kulturgeschichte der Völker zeigt uns, daß die herangcwacksene Generation ihre Jugend stets zu dem und nach rem heranzubilden und zu erziehen suchte, was sie für das Höchste und Vollkommenste betrachtete, so daß wir die Erziehungsnormen, die Erzichnngsprincipic» eine« Volkes als den Spiegel seines Lebens, als Baro mctcr seiner Kultur betrachten können. Von den religiösen politischen unk socialen Anschauungen und Ideen der Zeit bängt auch die Erziehung und Bildung der Jugend ab. Die Sitten und Gebräuche, die Lebensweise und Gemüthsstiininung der Völker, und der Menschheit üben einen wesentlichen Einfluß auf die ErzichungSideen und die Biltungsweise der Jugend׳ aus. Wer also die Aufgabe der Erziehung glücklick lösen will, muß sick der ErzichungSidee, der hiezu nothwendigen Er ziehungSgrnnrsätze und daher auch des auf jene influirenden, herrschenden Zeitgeistes genau bewußt werde», und dies um so mehr iu unserer Zeit, welche die Unhaltbarkeit vieler alter Principien wohl erkennt, aber den Mangel neuerer und besserer Grundsätze oft bitter empfindet, die so gerne alte Ausckauungcn und Erziehungsmittel negiert, aber keine zweckmäßigeren zuin Ersätze anzugebeu weiß, die so gerne das Alte niederzurcißen sich bemüht, aber etwas Neues nickt aufzubauen vermag , die überhaupt den Charakter einer Uebergangsperiode an sick trägt. Diese Aufgabe ist zwar nickt leicht, und wer sie zu lösen versuckt, fällt nicht selten dabei aus einem Eztrcm in ן das andere; indem er seiner 'Mitwelt bald zu wenig, bald zu viel im Guten! oder Bösen zu«,eilt. Tennock muß sie gestellt und angemuthet werden, daß er reu Geist seiner Zeit, tbcils durch eigene Beobachtung im Umgang mit j Menscken verschiedener Stände und Verhältnisse, theils durch sorgsame Reflerion, Lectüre der neuesten unk einflußreichste» Schriften ans einzelnen großen : Zügen zu erkennen sich bemühe, »m sodann die Heranwachsende Jugend au« j ihrer Zeit für ihre Zeit, aber nur anS dem wahren Guten und Schönen j der gegenwärtigen Zeit, für ras wahre Gute und Schöne der kommenden 1 Zeit zu bilden und zu erziehen. Ter denkende Erzieher muß wissen, was in der Gegenwart faul und morsch, todt unk geistlos ist, damit er es bei der Erziehung entfern«, da mit cs nicht ans die Jugend nachtheilig wirke, er muß aber auch wissen, I was gut und sittlich, frisch und keimfähig ist, damit er -die Jugend für das-! selbe empfänglich macke, und so zur rechten Zeit den Keim zm einem bessern 1 und vollkommener» Zeitgeist« lege. Was ist nun unsere Zeit? welches sink ihre Tugenden und Laster? Unsere Zeit ist das Resultat der Vergangenheit, das großgcwachsene Kind des 18. Jahrhunderts. .Sie ist keinesfalls eine fehlerfreie, vollkommene und gol kene, denn was aus Erken ist vollkommen V Sie ist aber anck nicht wie es uns viele Finsterlinge und Schwarzseher wollen glauben inacheii, eine vcr kerbte und entartete. Unk wenn überhaupt zwischen einem Jahrhundert und dem ander» eine Parallele gezogen werden könnte, wenn es uns überhaupt möglich wäre, ein Zeitalter zu wählen, so könnten wir um so niehr froh in die Vergangen heit blicken unk die Worte des Dichters Werneke, der im Jahre 1704 über! seine Zeit sich folgenkerniaßcn aussprach, ans unser Jahrhundert amvcnten: ״ ןMan klaget, alte Lieb' und Treue sei verloren, j Ter Segen alter Welt sei jetzt verkehrt in Fluch; I -Ick aber, wenn ich die vergangne Zeit durchschau',! Ich danke Gott, daß ick in dieser Zeit geboren."! Tie überraschenden Fortschritte der Künste und Wissenschaften, die bc sonders hervorragenden naturwissenschaftlichen Erfindungen und Entdeckniigen. die Vcrbcrcitung allgemeiner Bildung und Aufklärung sind charakteristische Vorzüge unserer Zeit. Die vielen Humanität«- und WohlthätigkeitS-Anstalten, j die freien Verfassungen, die Anerkennung des Menschenrechtes und die Zu j ״ahme des Selbstbewußtseins und der Selbstachtung aller einzelnen Jndivi *