Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 7 (14.9.1860)
- Date
- 1860-09-14
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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» 50 «»- der-Friede, wonach um'ere Brust sich sebnk, und dm wir nickt inbrünstig genug von Gott ersteben können? Wann und wo aber herrschte denn je der wahre Friede? Kampf sehen mir in, um und neben uns, und Friede, dauernder beseligender Friede gedort jener Zeit an, von der die Propheten künden, daß sie einst eintresien j werte, da nänilick ״die Erde voll sein wird von Erkenntniß des Herrn, wie 1 ״Wasier die Meere bedecken," ״da der Ewige Köniz kein wird über die * ״ganze Erde" u»r sein einziger Name gepriesen werten wird von Aufgang ״bis znm Niedergang der Lonne." Es kämpft der Mcnick, so lange er lebt, mit seinen Tborheiten »nt Leidenschaften, mit seinen Zweifeln und Irrthnmern, inir rem Geschick und seinem eigenen Willen. Es kämpfen Stämme und Böller um Mackt und Vänterbesitz, um Hcrrsckask und Freiheit, um Güter der Erde und des «Zeines. — Und Israel — von seinem Eintritt in den Gesichtskreis der t^esckickte bis auf den heutigen Tag — wann ward ihm der Kamps gespart? Bis zur Stunde und vielleickt jetzt mehr als je ist Kämpfen sein 1 Vo«. — Hier nock um das.Neckt des Leins, den um Anerkennung und würdigen 1 Platz im Batrrlande, das ist sein fortwährender Kampf nack Austen; und im Innern sticken wir vergebens die Friedensstille, welcke das Gemüth mit seligem Behagen erfüllt. In den Gemeinden und in den Synagogen, in den j Schulen, unk auf den Kanzeln, in der Prcsie und vor Gerichten sehen wir überall Streit und Hader zwischen Häuptern und Gliedern, zwischen Lehrern rmd Sckülern, zwischen Alten und Neuen, zwischen Forschern und Wisienssreunden und zwischen finstern Glaubenswächtern und unduldsamen Eiferern, ' nur zu oft leider mit allen Auswüchsen res Neides, des HasieS, der Ehrsucht und der Eitelkeit in hästlickster Weise geführt. Tie Kämpfe werden auch in den! neu beginnenden Jahre nicht ruhen,; und eitel wäre die Hoffnung aus baldigen Frieden, wie sehr das Verlangen! darnach im Busen auch lebte. ־— Tarum — soll nun einmal noch fortgekämpft werden — wissen wir keinen beffern Wunsch als den nack dem rechten Kampfe, k. h. nach einem Kampfe um die edelsten Zwecke, mit den würdigsten Waffen, in ehrlichster Weile. Nimmer rasten möge der Jude im Stteben nach würdiger Stellung zwischen den Menschenbrüdern, unter welchen Geburt oder Lebenslauf ihm die Heimath angewiesen. Aber weder in tbörickter Anmastung und in lächerlichem | Prunk, nock in blinder Nachäfferei und verächtlichem Wegwersen seiner selbst! suche er den Weg zum ersehnten Ziele. — Ernstes, redliches und besckeikeneS Sckaffen und Walten in Erwerb und Genuß, gemeinnützige Tbärigkeil unk echter Bnrgersinn und Fleiß. wanneS aufrichtiges Gefühl für deS Vaterlandes und der Mitbrüder Wohl und Web, das seien die Mittel, wo- ׳ durch er seine Würdigkeit unk sein Anrecht aus beffere Stellung beurkunde. > Rüstig songeführt werde der Kamps im eigenen Sckoste um Wahrung 1 und Reinhaltug deS GlanbenssckatzeS, zu dessen Hüter Israel berufen j worden. Mögen die Einen hoch schwingen das Banner rer Wiffenschaft unk l bell lenckten laste» die Fackel der, Prüfling, volles Reckt zuerkennen dem ■ renkenden Mensckengeiste und der Gewalt res ZeitenstromeS: mögen die i Andern fest klammern am tausendjährigen Herkommen, und demnthigeS Un- ן rerwersen lehren unter Alles nnd danernde Lebenskraft finden in Allem,; was je durch Branck und Sitte zur Herrschaft gelangt ist. Aber ferne mögen gehalten werden der Hohn und der Spott, die giftige Verleumdung und die! gehässige Verfolgung, die lieblose Ausschließlichkeit und die eitle engherzige i Selbstüberhebung. Beider Partheien Waffen bleibe nur das Won, das be-! lehrende und überzeugende, das erbauende und hinreißende, sowie das thätige Beispiel wetteifernd in brüderlicher Lieb« und Treue. Nur solche Waffen und ׳'olcke Kampsrsweise können zur Erringung des Göttlichen und Edlen dienen. Darum Heil dem Volke, das den Kampf versteht, es wanrelt im Lickte L-ottes! Pik Slrkitfragk« i, At»hlwkißr>d,rg von Rr. M. Tuschst, Ve;. Rabbiner. Tie Stuhlweißenburger Israeliten haben ras Unglück, daß sie von Zeit zu Zeit bald vom Tämon der socialen, bald von dem der religiösen Intoleranz heimgesucht und zcängftigt werden. In dieser königlichen Freistadl mit 12,00<י Einwohnern durften bis zum Jahre 1836 keine Israeliten wohnen. Am 0. Sktober 1837 arbeitete eine Kommiffion, in Betreff der für Ansiedlung von Juden in St. zu ertheilenken Erlaubniß gewählt und ernannt, Folgendes auS: 1. Daß die das Ansiedlunzs- oder Wohnrecht nacksuchenden Juden ihr sittliches, moralisckes Betragen durch glaubwürdige Dokumente darthnn und beweisen. 2. Daß jede einzelne Israelitensamilie ein Vermögen von 6000 fl. aufweifen müsse; bei einem dießsälligen Betrüge gebt die betreffende Familie des WohnrecktS und der dafür erlegten Taxe verlustig. 3. Für das erlangte Wohnreckl erlegt jede jüdische Familie für sich nnd ihre Nachkomme» 40<> fl. an die Stadtkaffe, und ist anck gehalten, die üblichen Einwohner-Kontributieuen (ini-ola tributarius), so wie eine noch zu bestimmende Handelsab gäbe zu entrichten. 4. Der Israelit, welcher das Wohnrecht erworben, kamt in der Stakt überall wohnen, kann 5. jedes unbewegliche Gut so wie alle Regalien der k. Freistatt in Pacht nehmen, kann 0.. mit Allem, jedoch nur im Großen Handel tteiben, und kann 7. drei Melk-Knhe nitter der gewöhnlichen Abgabe zur Weite schicken. Hingegen bleibt es dem Juden verboten, irgend ein unbewegliches Gut eigenthümlick zu erwerben, oder in Pfand zu nehmen, irgend ein bürgerliches, oder doch mit bürgerlichen Gewerben in Verbindung stehendes Handwerk anSzuüben, oder den Kletithaudel zu betreiben. Dieses in ungarischer Sprache abgefaßte Elaborat, wurde in einer Rathsversammlung Nr. 1050 durch Stimmenmehrheit angenommen nnd tecretirt. DieKELekret mag im Jahre 1837, wo die Inden noch wenig Reckte, und d a S^Wdch^»och gar nicht hatten, eine erfreuliche Kcnzesiion und ErsckeiuunL^ewe^sn sein; Duldung in einer k. Stadt, aus welcher der Jude, als Strafe für die Anhänglichkeit an den Glauben seiner Väter, ausgescklosfen gewesen, war damals ein Akt der Hmnanität und der Eivilisation. Gleickwohl fühlten sich die St. Israeliten aufs unangenehmste und schmer: lickste berührt, denn die Bedingungen, an welchen die tekretirte Ausnahme geknüpft war, waren nichts weniger als human und civilisatorisch, sie waren mit telalterlick. Daß ein sittlich moralischer Eharakter gefordert und zur Pflicht gemacht ward, war recht und billig. Aber die andern Bedingungen machten einen wehmüthigen Eindruck. Nack denselben sollten alle Israeliten in St. mit Kindern und Kindeskindern nichts als Großhändler oder Pächter sein dürfen. Welche Beengung und Beschränkung! Der böse Geist des intoleranten und finstern Mittelalters :st seitdem immer mehr und mehr zum Wci chcn gebracht worden, ist beinahe ganz verschwunden. Dafür hat der Da men des religiösen Zelorismus dort seine Wohnnirg anfgeschlagen. Wir wollen die cl,rc»,i«zn« *candaleuse wie mit dem gelehnen Dr. Zipser tort gehaust und gewirthschaft wurde, zugcschlagen lasten, sind aber tic׳ ergriffen von dem Gebahren deS jetzigen sanasischen Rabbiner« 1>r. G., der Klage auf Klage gegen den Vorstand anbringt, »nt die Behörden belästigt. Wie ick dazu komme, diesen fatalen Umstand zur Sprache zu bringen? Weil der Vorstand zu Sr. auch mein Gutachten über die dort obschwebenden Differenzen abverlangte. Mit dem von mir abgegebenen Gutachten werde ick den Leser nicht belästigen; nur mein Antwortschreiben an den Vorstand mag hier einen Platz finden. Es lautet: ״Auf Ihr Geschätztes vom 8. d. beehre ick mich Nachstehendes zu erwictern. Ich zähle mich nicht zu den Autoritäten die maaßgebend über Gebräuche und Satzungen im Iudenthuinc aburtheilen können oder wollen, meine Entscheidungen und Urtheile beschränken sich, in so ferne dieselben meine Gemeinden angehen »nd berühren, und selbst in riesen gebe ick zuweilen meiner individuellen Ansicht und Meinung keine Geltung, weil mich stets der Grundsatz leitet, daß der Rabbiner in theologisch kasuistischen Fällen nur berufen sei, im Sinne des Talmuds und des Sckulcban-Aruck auf an ihn gerichtete Fragen Bescheid zu geben. Inbesten scheinen mir einige der von Ihnen vorgelegten Fragen so geringfügig zu i'ein, daß auck der Bescheidenste und Geringste ein Unheil wagen uiid abgeben darf, was ick auch mit Rücksicht aus das —:277 •:tz דש*בץ thue." Hätte Herr Dr. G. in seinem Eifer nicht verabsäumt, die talmudischeu Quellen gründlich zu Rathe zu ziehen, er würde in vielen der ftreiti gen Fälle gewiß nachgiebig gewesen sein. So z. B. erzählt Issrrl allerrings, daß man das rz~~Z am Trauertage de« 0. Ab abnahm und Herr G. huldigt mit aller Energie diesem Referate Isterls. Spün man aber der Entstehung dieses nsus nack, *o erklän Lewusck, weil die Vorhänge -gewöhnlich geschmückt und gezien waren, aber Gott an diesem Tage allen Purpur verschmäht, kenn *בצע אד־־.* ד־ג־ננוי:; ברע פ—פ־ץ ־*־.