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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-09-07 · 6 (7.9.1860) · p. Seite 46

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
6 (7.9.1860)
Date
1860-09-07
Page
Seite 46 (sequence 5)
Language
German
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—•n 46 *»•— Nack Menden, nack ״dem kleinen Regenten der ')lacht" zählt Israel seine Iakre, weil dieselben überhaupt zum größern Tdeile der Nackt der Leiden angel ören. —?ein Menke q leicht das israelitiscke Leben, das kaum im Bellglanze teS Glückes stehend, wieder abnebmen, unk die venckuedensteu Phasen zwiscken Lickt und Sckatten turckmacken musike. —?ein Mente gleicbet taS Israel. Leben, das an unk für sick;war finster, aber von der hellglänzenden Glaubenssonne lein Lickt und seine Bedeutung erhält, und vorzüglick seinen Werth in den dunklen Nackten seines Geschickes bekundet.?ie Bergangenkest gleicket einem alten Spiegel, der bereits abgenutzt und seines Amalgams beraubt nur -in blassen versckwimnienden Können dem Menschen sein Lebensbild zeigt,?ie Zukunft;war gleichet einem neuen, irischen Spiegel, der aber mit einem Schleier dicht verhüllt rem Menschen gar keinen Einblick gestattet, gar keine Gestalt ihm;eigl. Was ist die Zeit? Ein Nichts. Eine Glccke ohne Schlägel, ein!Lahmen ebne Bild, ein Gesäß ohne Inhalt. Nur der Mensch und seine?baten sie machen aus den Gehalt der Zeit; sie sind der lcngcbende Schlägel in dieser Glocke, das Bild in diesem Rahmen, die Füllung in diesem Gefäße. Wir Keren es! von den Menschen die Ausflucht und Redensart.— cnsonders wenn cs fich um höhere als materielle Interesien bandelt —: ״Wir habe» keine Zeit."?ie allerwenigsten aber bedenken dabei, daß dieser Ausdruck weit entfernt eine Entschuldigung für fie;u sein, vielmehr eine Anklage und ein Mahnruf für sie ist.?enn unter den s-hnellschwimmenden und ftücktigen Stunden und Monaten des Lebens haben wir ja in Wirklichkeit keiire Zeit. . . .?er Geranks kaum getackt, das Wort kaum gesprochen, ric Tkat kaum vellführt, geben schon der Bergangenheil; der Gedanke noch nicht gekackt, das Wort noch nickt gesprochen, die?bat neck nickt vollfühn, gebprt neck rer Zukunft an. Und sc sckwanken wir;wiscken den sick widerstrebenden und bekäinpscnden Wellen der Bergangenkeik unr Zukunft hin und her, Gegenwan im engern Sinne des Wertes keine, Zeit keine habend. Einen Kitt gibt« sedock rer fest;ufammenbält die verfliegenden Bruckstücke rer Zeit; einen Scklüsiel gidts rer ikn aufhälk und feststellk den icknellkreisenden Zeiger an der Uhr unseres Lebens, es ist: die gute?Kat. Haben ׳.vir sic in unserer Hand, kann, nur dann haben wir auch Zeit.-?as Schicksal ist der unfickkbare unr unerkennbare Steuermann an unser»! Lebensi'ckiffc: er treibt unr lenkt es selbst gegen unfern Willen, und gegen unsere Einsicht, wcbin es ibm beliebt. Aber (Glaube ist ter feste Anker, der, einmal gesenkt in de» Beten unseres Gemütbs, uns bewahrt rer Sckifibruck unr Untergang.- Pest. Privamiiiiyeilung. Als Aufmunterung für Lehrer und zur Beachtrug tür Zöglinge dürfte folgendes Factum der Mittkeiliinz nickt unwürdig »ein. — Ein ehrwürdiger Greis, Namens Israel Wilhelm Kehn, ter rurck volle 4.'» Jahre in der Eigcnfckafk eines öfienil. Belksicknllebrers in versckiedenen israel. Gemeinten Mährens und seit 27 Jahren ununterbrecken j;11 Hotzenplctz, einen! Städtcken in österw. Scklefien, snngirt — benützte die | diesjährige Sckulferienzeit;um Besucke ter Siner Heilguelleii. Hier Höne er ■ eit eines Ehrenmannes Erwähnung tkun, der — wie er glaubte —;1! seinen einstmaligen Schülern zählte, und erzfaßte den Entickluß, denselben aufzusucken. Kaum aber erblickte Herr H. v. B., in der Fcstnug? ien stalionirter k. k. Beamter — wir wagen nickt den vollen Namen und?ikel des Ekremuannes;!! fckreiben — seinen einstmaligen Ingendlehrer Nohn,, als er ibm »'ogleick uni den Hals fiel, nnp gerühn über die Freude des Wieder'eheus fick nickt leickk von ikn! trennen konnte. Nack beikersciliger hcrzlicker Umarmung führte Herr H. v. B. selber seinen ehemaligen Lcbrer iu's .Kai'erbar, hier rie Berfügung lrest'end. rast remselben auf die?aucr vcn Wecken eine abenuirle Batekarre mit Inbegrin freier Welmung in ')Ir. 11 unr Barewäiche;1!?heil wurde. Hic;u stellt sich ter dankbare Scküler von Zeit zu Zeit — mit nickt leeren Händen — tafelbst ein, dem Ulli! rer mane t^reis Erauickung unr Erstarkuug unr kie volle Herstellung »einer Gefnntkeil verdankt. Wir können schließlich die Herzlichkeit nicht unberührt lasten, dm dieser edlen?hat die Krone aufsetzt. S^ft an per Seite des jütischen SchulmcisterS wandelnd, unterläßt es der zartfühlende Gönner nur selten, seinen hockgestelljen Freunden denen er begegnet, ״den braven und verdienstvollen ein-! fügen Jugendlehrer" aufzuführen. Ja, vergangenen Sonntag fuhr er eigenS mit ihm nach Pest, um ihn hier Sr. Ehrw. dem Herrn Obcrrabbiner 1)1*. Meisel und dem Präses des israel. Eultus-Gemeindevorstandes zu empfeh len — und als ter, ehrw. Lehrer auf der Rückfahrt auSrief: ״Wodurch, Herr , v. B., werde ich diesen Edelmuth erwirken! können?" antwortete dieser:! ״Nur dadurch Herr Lehrer, wenn Sie mich wieder mit: ״״mein lieber Karl"" anreden — wie vor 32 Jahren." Wir rufen ״dem dankbaren Schüler" im Namen so vieler, vieler jüdiscken Lehrer ein recht herzliches und warmes Eljen;u. R. Herr Redacteur! Ich bitte Sie um gefällige Aufname folgender Zeilen. . Im dem diesjährigen Iahrbuchc Wertheimer'S (Wien, Sommer 1860) j findet sich S. 114 u. 141 die Miltheilung: daß Herr Cantor Weiß aus S;egedin nach Ltesta berufen wurde, unk daß Herr Rabbiner Ehrentheil für das Gedeihen de» Schulwesens in den Gemeinden der Somogy eifrig' wirkt. Beides ist unrichtig, und wir sind um eine diesfällige Berichtigung ersuckt. Herr Weiß befindet sich noch immer in Szegedin in seinem Amte, j in Stesta aber ist der Herr Cantor Abraß aus Lemberg angestellt worden.! Herr Rabbiner Ehrentheil hat seinen Posten in Kaposvär bereits vor un- ' gefähr fünf Jahren verlaffen, und ist einem Rufe der Gemeinde Horic in | Böhmen gefolgt, wo er eine segensreiche Amtswirksamkeit entwickelt. Anläß- | lick muß aber auch derjenigen Männer lobend erwähnt werden, die wirklich j in der Somogy verdienstlich wirken. Es sind die Herren Rabbiner: Kuttner in Kepesv.ir, Stern in Lengyeltüt und Morgenstern in Marczahely. F. Pest, August. Aus glaubwürdiger Quelle wird uns mitgethcilt, daß die ausführliche Arbeit über Ackerbau in dem Winter'schen ״Jllustrirten Jahrbuch" von einem jungen österreichischen Gelehrten hcrrührt, der Medicin stutirt hat und als Adjunct an einem chemischen Laboratorium in Schottland lebt. Derselbe ist sehr begeistert dafür, den Ackerbau unter seine Glaubensgenoffen heimisch zu machen, und wir lenken die Aufmerksamkeit aller derer auf ihn, welche die Einricktung von jüdischen Ackerbauschulen in. Oesterreich fördern wollen. I>. H. (C0rrtfp0111mtj. L. K. Wien, in! August. In Folge meiner nicht seltenen Ausflüge durch die Borstädte Wiens hatte ick am 12. d. M. Gelegenheit, einer in ter Synagoge zu FünfhauS startgehabten Trauung bei;uwohnen, auf welche Ccrcmonic ich schon deshalb im Borhineu» aufmerksam gemacht wurde, weil ein fremder Prediger die Einsegnung vornehmen werde. Ich muß offen gestehen, daß ich mich anfangs von eine» Bornrtheile nickt lesmachen konnte; — in einer Statt, in welcher man ej»M Mannheimer, einen Jellinek zu hören gewohnt ist, beide gleich ansgizelchnet«, mit den! Nimbus der Berühmtheit umgebene Prediger, in einer solchen Stadt sollte Einen der Ge׳ danke beschleichen, einen fremden Prediger, über besten Wirken die Fania neck nickt in rie Trompete gestoßen, in einer kleinen Synagoge »nt« p«rlas hören zu wollen??och ich ward durch mein Micherheben über der׳ artige Bornrtheile guf's Glänzendste belohnt; der kleine Tempel war theils von vielen Berwandten und geladenen Gästen, worunter kie Herren Bezirks- und Gemeindevorsteher der umliegenden Vorstädte, theils von vielen Neugierigen in allen Räumen überfüllt und der Profesior der israelitischen Religion an sämtlichen Lekranstalten Brünns, Herr Moriz Stößel, ein Schweiger der Braut, wußte den Vers aus Jesaias rc. כי גחש *'׳צ״ן mit einer solchen Meisterschaft auf alle Verhältnisse des einstens von vielen Schicksalsscklägen heimgesuchten Brautpaares in einer kurzen und würdevollen Anspracke anzupasten, daß er sänimtliche Anwesende im wahren Sinne des Wortes entzückte. Sowohl die Reinheit und Correctheit ter Spracke, als der Klang unk Wohllaut des kräftigen Srgans, am Meisten aber ter ungezwun gene, von jedem Hascken nach Effect freie Vertrag, kur; das Sprechen von! Herzen zum Herzen hatte allgemeine Bewunderung erregt und zur Betrack׳ tung veranlaßt, wie groß die Liebe des Herrn Profeffors Stößel zur Heranbilrung der Jugend sein müste, wenn er sick von einem Felde fern hält, aus welckem er rock die sichersten Triumphe;1! ernten sicher sein könnte.

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