Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 5 (31.8.1860)
- Date
- 1860-08-31
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4884143-5427047-5427067--061-4884200- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
» .-5ז e, gehen feilte. — Anderseits waren auch die in Nikolsburg befindlichen Perireter in ihren Anstrengungen nicht müde geworden : ihre Einflüsterungen hatten schon zuviel Gehör dein! LandeSrabbiner gefunden, als dast er's über sein Gewissen hätte bringen können, sie völlig unbeachtet;u lassen. — Benedict suchte und sank einen Ausweg, oen wir von seinem S timdpnnkte nicht unbillig unk unberechtigt finden. I lir wolle — so sagte er sich und theilte cs auch Schwab und dem Gewitscher Gemeintevorstauve mit — die Prüfung vornehmen, .aber eine strenge Prüfung im strengsten Sinne des Wortes; ״kenn der tcntsck> e Naiv müsie scharf hergenonimen werden." Tachte er, ans kiese WeiseZchwab vom Nabbiuate ferne zn halten ohne kic Gemeiukc;n verleben, oker wollte er kessen Zulassung so vor ten Gegnern rechtfertigen? — Genug, er begann die Prüfung. warmer TheilnahmSversichernngen;u. In Gewitsck aber war Freute und Jubel, wie nach gewonnener Schlacht. — Greise rechneten sich's zur Ehre, seine Bücher unk Habseligkeiten in die Rabbinatswobnung zu tragen; unk Reiche nur Anne, Alte und Junge wetteiferten in Porbereitungen zum Willkomm unk würkigen Empfange Schwab'S, der am letzten Sabbat des Jahres f>r>84, d. i. 18. Sept. 1*24 als Rabbiner kie heilige Stätte-betrat. .Fornctznu.z sol-rt.i Dritragr jur Vrschichtk der Jsratlitrn in Kpanirn. Und) Dem יי p n 111 f d> e 11 Ö e s 10׳ f.*1 m a h 0 r he los •Hins Mitgctbeilt v.on Dr. W. Brhrnancr in Wien. Wer da weist, wie ausgedehnt unk tief der Cc11|1־t teS rabbinischen Gesetzes ist, kein wär's unnßthig, wer cs nicht weist, dem wär's ׳unnütz zu sagen, welche Bedeutung unk Tragweite kie Worte ״strengste Prüfung" in kein Munke eines Rabbi M. Benedict hatten, nnk käst solche nach der A»sicht Bieter gleichbcdentenk mit Berwcrsung mnd Abweisung sein mnstten. ' Mehrere Wochen bis tief i» ten Monat Ab hinein kauerte kie Prü׳ fnng, deren Ausgang kie Freunde nnk Meinte Sckwab's,׳ ja kie Inkenbeit rer ganzen Provinz mit lebhaftester Spannung entgegen sahen. Tie ans getretenen Geleise ker Alltags Easnistik verschmähte Benedict gar mit Schwab zu berühren; die sterilsten, verworrensten unk entlegensten Parthien ker Eotices wählte er, um sie von Schwab durckkiscutip-n zu lassen, von ten ersten An sängen und Ansgangspunklen beginnend und htnabsteigend zu reu spätesten Auslänscn, den cutferntestcn Berzweigungen und den iniltntiöscsten Tetails. Schwab hielt Stand, so tapfer und wacker, tast Benedict, von dem grünklichen Wiffcn angczogen, oft aller anderen Umstände vergast und nur noch den einstigen Sä'üler und glänzenden Taliuutisten in ihm erblickte. - ״Ich ״werde" — so schrieb damals Schwab au seine Gewitscher Freunde — ״so strenge hergenonimen »nt mit )tleiiugkeiten so geplagt, rast ich mich ״selbst verwundere, wie ich's anshalte, Dock konnte er mir bis jetzt nicht ״bcikommen, kenn ick bin noch keine Antwort schuldig geblieben. , Zuweilen, ״nach einer lebhaften Tiskussion, wird er recht warm unk spricht so ancr- ״tenuend und gemüthlich mit mir, tast ick» glaube, nun schon Alles gewon- ״neu zu haben. Aber da scheint er sich mit allem Male zu besinnen, fährt ״wieder hitzig aus, und fällt mit Zorn über die armen Tinge (die deutschen ,,Bückcr) her. — Was kann ich thun? Ist's in meine Macht gegeben, zu ״vergessen das Wenige, was ich gelesen und gelernt habe?" — Ter Zwiespalt nnk die peinliche Berlegenheit, worin rer?anteSrab bitter sich befand, ist aus diesen Zeilen am besten ersichtlich. — Die Prü fnng ging zu Ende/ und Benedict's Wahrheitsliebe gestattete ihm nickt, seine Zufriedenheit zu verhehlen; that er doch selbst zu den Gegnern die naive Aeußernng: Ick konnte ihm nichts thun, er ist eisenfest. Und das Resultat? — Das bestand in folgender Erklärung dos Van resrabbiners an Schwab: ״So geht kenn fürwahr und in Gottes Ramen ״nach Gewitsck als Rabbiner; empfanget alle Ehren und übet alle Perrich- ״tungen eines solchen; die schriftliche Hatarah halte ick einstweilen zu׳ ׳Fortsetzung u. Scklus!. י>; Ihren religiösen Gewohnheiten wart alle rücksichtsvolle Rechnung getragen, man ermächtigte sic, ihre Synagogen wieder anfznbaiien und sagte in dem bctrefsendcn Gcsetzesartikel strenge Strafen für die Ehristen hinzu, die es je wagen würden, sie zu entweihen. Diese Rücksicht ward in dem folgcnden Gesetze so weit getrieben, dast man verbot, die Inden irgend wie am Sabbat anzugeben, um sie nickt in ihren Eeremonien und Gebeten zn stören, ansgenommcn wenn unter ihnen ein Mort oder Ticbstakl vorgckommen sein sollte. Endlich schaltete man in das vierte Gesetz diese nierkwürdige Phrase ein: ״Wir befehlen auck, tast wenn die Inden Ehristen würden, sie durch alle Bewohner unseres .Königreichs zu ehren seien, Niemand darf es wagen ihnen selbst oder ihren Familien unter irgend welcher Form vorznwerfen, dast sie Inden sind; sie seien vollkommene Herren ihres Eigenthnuis und sollen alle ihre Sachen mit ihre» Brüdern tlicilen, die sie von ihren Bätcrn, Mittlern oder andern Berwantten ererbt'ckaben, und sie können alle Armter und Ehren haben, deren die Ehristen tlicilhaftig sind." Dieses Gesetz, in dem sich auf den ersten Blick die Wünsche deutlich ossenbarcn, welche ker fiönig Älphous nährte, die Inden, welche zn seiner Zeit eine groste Anzahl ausgezeichneter unk berühmter Männer aufzuweisen hatten, in den Schost des Ehristentlmms zu ziehen, führte den Erwartungen des riknigs entsprechende Erfolge herbei. Biele Rabbiner, ausgezeichnet in ttenntnist der heiligen Sckrift, -in der Astronomie, in welcher Wisienschaft auch der stönig sehr bewandert war, und in der Mericin, singen an die christliche Religion anznnehmcn ^nnt öffneten ten Weg bald andern berühmten Persönlichkeitcu. Tie weise Mästigung des Königs Alphons und die Rücksicht, die er den religiösen Gebräuchen der Juden bewies, waren ans der andern Seite auch die Folgen seiner hohen Ehrfurcht, mit der er-seiner christlichen Religion ergeben war. Tic Recktsgelehrten ker Israeliten bcsasten in ihrer Wissenschaft eine ausgezeichnete iicnntnist und es war unmöglich, dast ein >>iönig wie er, der die Augenblicke seiner Muste, die er sich von -den Staatsgeschästen erübrigte, dem Studium der Mi'ntfte und Wissenschaften widmete, nickt hätte lebhafte Sympathie! für die fühlen sollen, welche sie auf eine so anSgezcichuetc Weise betrieben. Ton Alphons wandte alle Mittel an, die ihm zu Gebote standen, ohne sich in directen!Gegensatz zu seinen übrigen Ilnterthauen zu setzen, um die Inden zu beschützen, weil er durch sic die Fortschritte des menschlich?» (Geistes beförderte und zn gleicher Zeit der spa- ״rück, einen teutschen Raw muß ich noch in Händen halten; bis ich Euere ״Rabbinatsführung werde gesehen haben, schicke ich die Hatarah zu." — Die Forderung deutsche Bücher nicht mehr zu lesen, wie sic Benedict's Nachfolger an die )iantitaten gestellt habe» soll, sprach B. nicht ans; nur fortgesetztes fleißiges Talmudstudiuin, rabbinische Haltung und Führung und namentlich freundliches Einventehmen mit den Rabbinats-Mitgliedcrn in Gewitsch ließ er sich von Schwab versprechen. Lckige Erklärung hatte Benedict auch an eine Deputation der Gewitscher Gemeinde gerichtet, mit freundlichen Worten über Schwab's >ienntnifse und die Erwartungen die er von ihm hege. — Die Gemeinde war mit. dem Ausgange zufrieden. Was lag ihr an der Formalität eine» Schrift-!tückeS, da die Sache, Schwab's Befähigung, conflatirt und die Autorisation das Rabbinat anzutreten erlangt war. Schwab war einstweilen nach Proßnitz zurückgekehrt, beglückwünscht von zahlreichen Freunden. Tie Gegner waren still und kleinlaut geworden, 'unk Manche unter ihnen, die am lautesten nnd voran mit dem Rufe gewesen, ״den Mann ja nicht aufkommen zu lasten" schickten ihm Briese voll nischcn Eivilisation einen kräftigen Impuls gab. Die zu Eortova in der Mitte des. 10. Jahrhunderts gestifteten Akademien wurden von ihm nach ker alten Hauptstadt der Westgothen verlegt, deren Wichtigkeit damals ebne > Grenzen war: die gelehrten Rabbiner, welche mit den (belehrten der Araber > gewetteifert Hattos ließen ihre Stimmen in den Bersammlungen zn Toledo hören, nnd als daS (Gestirn der arabischen Eivilisation am Hofe der Ebalifen ini Orient unterging, so strahlte das Wisten der Abkömmlinge Iuda's mit desto blendenderem Glanze in der ersten Hauptstadt de» christlichen Spa niens. Unter solchen Auspicien konnte sich der Reichthum, welchen damals das jüdische Volk besaß, nur vermehren; sein Hantel und seine In-! dustrie konnte nur noch eine bedeutendere Ausdehnung gewinnen, Bortkeile, : welche unmittelbar auch den Ehristen zu Gute kamen. In der That, in dem Maße als die Juden ihre Eapitale verkoppelten, nnd die Wohlthaten derselben immer erkenntlicher wurden, so wurden sie auch höher besteuert. Die BestcuerungSliste der jüdischen (Gemeinden, die in der Stadt Huete im ’> Siehe Nr. 4. *