Mannheim
Compact Memory

Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-08-31 · 5 (31.8.1860) · p. Seite 34

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
5 (31.8.1860)
Date
1860-08-31
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/4884143-5427047-5427067--060-4884199
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

•»;;4 ««- — firn Schwib. limgraphikche Sfeij^e 0 011־ D 5. ׳ Fortsetzung.^ tt. . H Während Cer crei Jahre, Cie Schwab in diesem Hause verlebte, wo er er nebst cer gänzlichen Turckbilcung;um Rabbiner auch an Ton unc Weltkenntnist viel gewonnen, bane sich;u Gewitsck das Bedürfniß immer iPhr herausgestellk, das Rabbinat wiecer;u besetzen. Zur Pestachzeik wnrCe Cie; Wahl rajelbü vorgenomme», und sie siel mit an Einstimmigkeit grenzencer Mehrheit euif Schwab. Während seines balc caraus ersolgten Besuches bei een Ceinigen ward ikm in feierlicher Weise Cer Antrag Cer Gemeinde mitgekheilt, nebst cer Caran geknüpften e׳»»Iiti<> >ine <jN!» non, Cast er Cie Hararab Rabbinats-Tiplonil vorher stck vom C'andesrabbiiler verschaffe. Unc nun war cer Moment gekommen. Ca alle jene früher׳ be;eiltmeten, il׳m feineselig gestimmten Elemente stck;usamnienthaten uni offen ocer geheim; gegen ibu aufzutrete» unC seine Gelangunz;um Rabbinate unmöglich;u ' »lacken. An cer Spitze staue ein mit Cer Aufhebung Ces sechsjährigen Pro- : visoriuniö unc carunt mit jeCer Wahl im voraus unzufriecener Dajan in t'öewitsch. ׳N'ack cem Sckewiioib-Feste war Sckwab in Nikolsbnrg augelangt um sich Cer Prüfung beim d'ancesrabbiner;u unterziehen. Aber ca lag schon eijje ,vUitb von 2chmäbbriefen und Tenunciationen, welche envälmter Tajan ans seinen! eigens zu ciesem Zwecke unternommenen Kreuzzuge gegen Schwab! zusaulmengebracht batte. Tie Worte ״Kal" und ״Äpikores" waren natnr- ׳lick nickt gespart nnc in cen grellsten Farben Cie Gefahren gemalt, welche; cem JuCenrbiime Proben, wenn Niänner wie Schwab zu Rabbinentellen ge- ׳ langten. ״Er habe Tag unc 'Nackt über verCerblicke ceutscke. Bücher zuge- ׳ bracht, entnehme solchen Büchern anck feine Hagada: er konnte einst einem ׳ Pilpnl Xiskun'e beiwohnen, ohne sick in seiner Vecture Ces ׳״)Neastef" stören;11 lauen: er habe sich Ca über Cen einen, Cork über Cen ancern berühmten Rabbiner Witze zu macken erlaubt; ja es war sogar ausgegattert worben, 1 cas; er in Brünn mit seiner Braut cas Theater besucht batte. Um Benej ciet's Eigengesühl;11 erregen, würben 2 ckwab respeetwicrige unc unge- ' bükrlickw Aenßerungen über ilm selber in cen MunC gelegt; unC*man verschmähte nickt Cem Vancesrabbiner zu iusinuiren, caft eiücr seiner Söhne , Cas <׳׳ewilfcher Rabbinat leickt erlangen könnte, wenn nur Sckwab's Wahl ' reritiibtet wiirce. — Cb, unc in welchem Maste, cie Aläger unc Angeber 2 ckwab anck ernstere Gesevcsübertretnngen;ur!;'ast gelegt hatten, v-rmö- ׳ gen wir mir bestem Willen nickt;1, sagen. Wir zweifeln jecock caran, weil Beneci'ek ihm cerartige Borwürfe nickt gemacht bat, unc er wahrscheinlich in solchem ,valle 2d>11'ab uiiabäiicerlick 1111c unbecingt abgewiesen hätte. Bielleickr aber war cer Cancesrabbiuer einstcktig genug, solchen Anklagen keinen •'Haiicen bei;nmessen, wobt rcilfenc, Cast Gewitsch, eine fromme von keinem Anfkiärnngskitzel besessene Gemeinde, einen tbal'ächlicheu Berackker retigioier Satzungen nnc Branche niemals;um Rabbiner wählen würbe. — Aber cas vielsagende Wckl ״Avikores" war Cer Refrain aller jener Schmähbriese unc ans cas freigeisterische ״Megicust" vorzüglich Accent gelegt: — genug, 11111 cem Vaiiceerabbiuer bange zu machen unc ilm zu veranlassen,; Cast er 2 ckwab cie Bornabme cer Prüfung verweigere unc cer »»,einee; rat Ralb eriheile, eine ancere Wabl vcr;11uel»nen.! Ein Pi'enschenalier nnc Carüber ist seitcem cabin gegangen, lieber ' 2 ch w a b, seine Klager nnc seinen Richter haben sich cie Grabesbügel gewölbt: Ehrfurcht vor Cen Tobten mahnt uns nicht übereilt unc unbecackt Cas Urtbeil;!! fällen über cie an tiefer Epoche mackencen Angelegenheit Be-!heiligten. — Unc bock wagen wir es;1! behaupten: Cast religiöse Motive Cen geringsten Änibeil an tiefer gegen 2ckwab eingeleiketen Bersrlgung batlen, unc cie vorzüglichsten Triebfecern dazu im kleinlichen Reib nnc im; Egoismus Cer Kläger;u suchen waren. Steiner Cer bervorragcuCen l Rabbinen Mährens batte gemeinsame Sache mit den Angebern : gemacht: von cer Mehrzabl cer letzteren war 2ckwab gar nickt einmal! persönlich gekannt. — Xer (''ecaiife aber, welche Ansprüche nun auch an- - cere Gemeinden an ihre Rabbinen!nackwn würben,4 Ansprüche eenen auch nur im Enlferntesten;1! genügen cie meisten sick nickt im 2lanbe fühlten — ■ Liebe Ar. I, ■j, :1 11. 4 ♦ I da sie kaum des Deutschlesens und Schreibens mächtig waren, geschweige denn Cie Befähigung besaßen in verständlicher und geschmackvoller Weise zu ihrer Gemeinde;u sprechen: — der Gedanke war ein unerträglicher und stachelte zu feindseligem Angriff auf, der im Grunde nichts anders war als Abwehr und Bertheidigung. Kür Schwab war es eine Zeit herbsten Kummers und schwerster Seelenpnifung. 20 nahe dem Ziele, ivonach er mit aller Kraft des Geistes gerungen, sah er nun Masten von Schwierigkeiten und Hindernisten gehäuft und eine Phalanz von Feinden sich gegenüber. Hätte 1* sich darum gehandelt, ernste Thatsachen zu beweisen oder zu widerlegen, so tonnte er auf strenge Untersuchung dringen: aber die Taten an sich waren ja albern und läppisch, die ihm;!!geschriebene ketzerische Richtung und Gesinnung bildete ja den Schwerpunkt Cer Klagen, — tiuc welche kräftige Bertheidigung gibt es in TenCenzprozesten? — Dazu noch, Cast sein Geschick in die Hand eines Mannes gelegt war, den! das Gesetz und der Name eine unanfechtbare Autorität gegeben. Hatte der i'andesrabbiner Benedict einmal das Berdammungsurtbeil gesprochen: so gab es keine Berufung und keine Hoffnung auf jemalige Rehabilitation in Mähren, so war Cas bisherige feben verfehlt und jede Zukunft vernichtet. — Tas war wohl geeignet, S ckwab zu beugen und sein Gemüth zu verdüstern, zumal er auch den Schmer; erfuhr, daß ihm mancher treu gehaltne Freund als heimlicher Förderer und Tbcilnekmer der Jntrigue verdächtigt wurde. Doch blieb sein Muth ungeblocken: ihn stärkte das Bewusttsein, meist nur von solchen gehaßt und verfolgt;11 werden, die ihn nickt kannten, Cast hingegen Cie Mehrzahl derer, welche ihn kannten, ihn anck liebten und schützten. Tastsein vormaliger i'ehrer, Teutschmann, für ihn beim Landesrabbiner einlrat, war von minderem Erfolge, weil die Gegner auch besten Ansehen;11 untergraben bemühtwaren. Größeres Gewickt hatte die Ber- Wendung Ces von Benedict gekannten und geschätzten Prostnitzer Hguses, in welchem Schwab nun schon einige Jahre fast ganz als Rabbiner gelebt hatte: den allermeisten Eindruck machte aber das Berhalten der Gcwitscher Gemeinde selbst. letztere war und ist noch heute eine durch und durch conservative Ge׳ meinde, und hatte bei Schwab's Aufnahme nichts weniger im Sinne, als was heute eine ״liberale Manifestation" genannt würde. — Tic Gemeindegliedci hatten S ckwab ihre Stimme gegeben, weil sie ihn, der so zu sagen unter ihren Augen herangewacksen war, kannten und liebten, weil sie seinen Ebarakrer und sein Wisten schätzten und ehrten, weil seine T'raschotb, Cie er seit der Bermäblung öfter in ihrer Snnagoge gehalten, sie ciilzückten, nnc weil sie in allem Nebrigen einen Raw in bester Form an ihm zu besitzen sich versprachen und versprechen konnten. Eben der Mangel aller ginne sätzlicken und absichtlichen Opposition gegen den fandesrabbiner gab dieser nickt großen und nickt reichen (Gemeinde den Mull, in würdiger Haltung cemselben entgegen;n treten, besten Ansinnen auf eine neue Wabl :nrückzuweiscn nnc auf die Bornabme der Prüfung mit S ckwab ernstlich zu bestehen. An geziemencer ehrerbietiger Sprache trug der von uns oft eitirte, damals als Gemeinde Actuar fungirciide Gewährsmann, Herr M. Wolf, die kräftigsten BoisteUungen dem ^.ttidesrabbiner im Namen Cer Gemeinde vor, und hob in nachdrücklichster Weife heraus: ״Cast alles gegen S ckwab Bor- ״gebrachte nur aus Neid, Bosheit und Mißgunst hervorgchence BcrläumCung ״sei" . . . ״ob eine Gesammtzemeince nickt mehr Glauben verdiene, als ״das Geschwätz von Fremden, deren Biele Sckwab nie gesehen unc ge- ״sprocken haben" . . . ״was denn aus dem Rabbinats - Studium werden ״solle, wenn das leichtsinniger oder boshafter Weise hingewonene Wort ״,,Apikores" genüge um verdammt zu werden" . . . ״dann müstc wabrlick ״die Vcbre sinken und herabkommen in Israel, r.ד־. ך _־ ־־■־ Wie stark das Selbstgefühl Benedict's auck war, unc wie lebhaft sein Bestreben das Ansehen ces d'andesrabbinats aufrechtzuhalten nnc;11 wahren: nock größer, stärker und tiefer war seine Frömmigkeit. Tie hielt ibn ab von dem, II Jahre später durch seinen Nachfolger unternommeucn und unglücklich zu Ende geführten Bersuck, die Macht seiner Stellung auf 1111־ kosten der Genieinceselbstltändigkeit geltend;u machen. — Ter unverkennbar ausgesprochene Gesammtwunfch einer acktbaren Gemeinde in Israel hatte in Benedick's Augen;«viel Gewickt, als Cast er leickt Carüber hinweg

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.