Mannheim
Compact Memory

Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-08-17 · 3 (17.8.1860) · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
3 (17.8.1860)
Date
1860-08-17
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/4884143-5427047-5427063--043-4884184
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

—»» 19 ,, Dom Antonio Aos« da Silva. j Iler lasier der sogenannte» ״Üprrn de-, 3utan.*' ־! > Fortsetzung u. Schluß.)') P-n. ')tack zurückgclegtem Porstudium in Lissabon kam er auf rie Universität nach Coimbra, wo er kein Stiidiu», der Rechte mit ,vleif; oblag. Rach Erlangung der akademischen Grate trat er 1726 — also in einem Alter von 21 Jahren — in den Atvokatenstand unk betkeiligte sin׳ an rcn Geschäften seines Paters, mit dem er gemeinschaftlich arkeitete. Balt daraus,! am S. August 172(i, wurde er plötzlich vor das Inquisitionstribunal gezo׳ gen, aus Grund des gegen ihn erhobenen Pcrtachtcs, daß er iui Geheimen rer mosaische Lehre anhäuge und deren Porschriftcn übe. — Trotz rer Ablegung eines reuigen Bekenntnisse« unk des Absckwercns der ibm zur Last gelegten ״Ii-rlbümer", wurde er erst dann sreigesprocken, als er dieS-ua! len der Tortur bestanden batte, in Folge deren, namentlich durch Anwen düng des WippgalgcnS (rratcm >1- >»>><) er aus lange Zeit unsäkig geworren, seinen Flamen zu unterschreiben. Endlich erlangte er am 19. Cct. bei e> nent öffentlich abgebalteneu Auto (UrtheilSvcrkündignng), leine Freiheit wieder. — Ras> diesem Ereignisse setzte er in Gemeinschaft mit seinem Barer rie Geschäfte der Advokatur fort. Er vermied von da ab sorgfältig jeden Umgang mit bilden oder Renchristeu, um keiuerleilei Argwobu aus sich, zn zic l׳en, und pflegte dafür die Bekanntschaft einiger im besten Rufe rer ym11׳t | inigkeit stcbendeil Klostergcistlichcn. 1794 vermäklte er sich mit Leonor Maria re Carvalbo, rie chm im * darauf folgenden Jahre ein Töckterchen gebar. Zu dieser Zeit — der glück! lichsten seines Gebens — scheint sich sein Genius, wenn auch nicht;»erst, docl> mächtiger, als je, zu regen. Seine dramatische Tbätigkeit entwickelte sich so rasch wie bedeutend. Schon in seinen Stiirieujabren, während seines AuscnthalteS ans der ll»i; versilät zu Eoimbra machte er manch' glücklichen poetischen Persuch. Rament׳ ' lick> im Jahre 172!> schrieb er ein PaukeviUe zur Permählungsfeier des Kronprinzen, nackherigen Königs, welches vielen Beifall erkielt. 'Aber seit; 179.9 nahm seine dramatische Scköpfungskraft mit einem Male einen er׳! staunenswcrtbe», riesigen Aufschwung und gedieh zu nngeabnter Bollkrast. > Bon dem aUgeineinen Beifall ermuntert, lies; er seine Stücke rasch auf ein ander folgen, von denen noch wäkrelw seines Gebens f 1799 - 1797! die Stücke ־. ..O Laln־ri11tho <1!• C'ivta,,.Variedades <11־ I'iotli 11 "0׳. a. 111. im Ein zeit rucke cilckicnen sind; während sie später unter dem bekannnten Titel ge 1 sammelt erschienen. Solcherweise mußte sick da« das Einkommen Iose's merklich steigern, da er außer seiner dichterischen Laufbahn auch rie seines mittlerweile mit : dem Tode abgegangencn Paters niit Erfolg sortletzte. Ueberties war er von! zablreichen Freunden, Gönnern und Bewunderern umgebe», und im hänsli׳ ' chen Hreifc ein beglückter Pater und Gatte. Aber neben den wahren Per-, j ebrern seines seltenen Talentes gab es auch Solche, rie ihn seines Glückes , balber beneideten. Zudem geißelte er als Lustspieldichter die Laster und Ge brechen seiner Zeit mitunter in empfindlicher Weise, was ibm natürlich viele i Widersacher verschaffen mnßte, die nur ans eine günstige Geltgenbeit lauer ' ten, um den schon einmal der Abtrünnigkeit Beschuldigten zu verderben. 311 einige Stellen seines Anipliitriiio wollte man Anspielungen ans ' rie von ihm in dem Kerker rer Inquisition erduldete Tellur erkennen, und ■ so sing man an, die Stücke, denen das Beifallsklatschen res entzückten Pub- ■ likums lohnte, durch den hämischen Rainen ,.Supern des Juden" zu brand! inarken und zu verdächtigen. — ״ j Am.־). October 1737 trat schon das entscheidendste Ereignis; seines Tascins, wie ein Tonnerschlag ans heitcrm Himmel, an ihn Hera».! ״Es war am f>. Lctober 1797," heißt es in der uns vorliegenden j Trucksckrift, ״daß Antonio Joss im Kreise seiner Familie ras zweite Gehurtsfftt seines' TöchterchenS feierte; da wurde die traulich - heitere Familienfeier plötzlich durch ein unheimliches Pochen an der Thüre teS HauseS gestört; eintraten die Familiären und Schergen der Inquisition und forderten die j eben nock so glücklichen Gatten auf, ihr wohnliches HauS in rer Rähe einer i Anstalt der Barmherzigkeit (no Largo do Soccnrro), rie ihnen leider j ____ i Siehe Nr. 2. 1 nickt zu Tbeil werden sollte, mit den grausigen unterirdischen Kerkern zeitlaftoi-.tzo« d<> litiocn) des jedcni Erbarmen fremden Tribunals zu vertauschen." Tie Anklage wurde von einer im Dienste bei Antonio Iose's Mutter stehenden Regersclavin geniackt. weil Jose sie wegen ikreS Uederlichen Lebenswandels gezncktigt hatte. — Aber die rachsüchtige Berlenuidung strafte sich zunächst an der Sclavin; denn gleich beim Eintritte in den Kerker, von den, auck sie nicht verschont geblieben, wurde sie so von Schrecken ergriffen, daß sie bald daraus den Geist aufgab. Inreß wurde gegen den unglücklichen Jose der Prozeß eingeteitet, und da keine thatsächlicken Beweise seiner Schuld sick ergaben, suchten die Richter durch geheime lleberwackung des Gefangenen solche z» erhalten. TaS Gewichtigste waS sich hier gegen ihn ergab, war, daß er an gcwiffen Tagen keine Speise zu sich nahm, was daraus schließen ließ, daß er die jüdischen Fasttage halte. Und obgleich viele sehr angesehene und strengsromme Christen sich für den armen Tickter ans'ö Angelegentlichste verwendeten— so der Borsteher der k. Münze T. Mathias Ayres RainoS da Silva Etza, Francisco Xav. re Mene icü, Graf v. Ericcira, viele Toininikaner und selbst König Ioäo V. — winde er doch rücksichtslos ras S pfer dieses finstern Tribunals. ״Scho» am I I. März 1799," heißt es in der oftcrwähutcn Bro׳ scküre, — ״wurde raS llrtbcil gefällt, das ihn dein weltliche» Gerichte zur Bestrafung unr zwar am Leben, überantwortete, während der Aermste und seine Freunke sich noch durch sieben Monate — bis zur öffentlichen Betaniitinackiing des UrtheilS (auto) — der Hoffnung überließe», daß die Inquisition ihn frei taffen werde." ״Tiefer Tänschnng wurde er auf eine schreckliche Weise entriffen, als man am Abende des 16. Sctobcr 1799 seine Perurlheiluiig zum Feuer׳ tote publizirte, zn einem Tode den er, wie in Porahnling seiueS grausamen Schicksals, selbst so ergreifend geschildert hatte." ״Drei Tage darnach, bei dein am 19. Hctober 1799 feierlich abgekaltenen auto da t<- wurde diese« llrtheit vollzogen." ״So ist der Manu, der im Leben so viele erheitert und lachen ge. macht hatte, durch ein grausiges Schicksal selbst zu»! Gegenstand eines Trauerspieles geworden." ״In demselben aut» da t'e werden seine Gattin und Mutter ״wegen wiederholten Rückfalls in den Iudaisiniiö" zur Einkerkerung auf »ach Gut-z dünken zn bestinlincnder Zeit verurtheilt, nachdem sic wohl die fürchterlichste geistige Tortur hatten auSstehcn müffen, ihren Geliebten zu Asche verbreit neu zu sehen. Wenige Monate darnach soll auch seine vielgeprüfte, de« Rückfalls wegen bestrafte unk fortwährend beaufsichtigte Mutter gestorben sein." Tas Bild Antonio Iose's ist uns in der Schilderung zu»! Thcil erhalten: Er war von mittlerer Statur, hatte dnilkelbrauneS Haar, kleine Gesichtszüge und wenig Bart. — Im Ganzen sind bloS K Stücke von Antonio Jose durch de» Truck bekannt gemacht worden, obwohl er wahrscheinlick niehr geschrieben Kat. lieber den Werth derselben ein gründliche« Ilrtkeil z» erhalten, verweisen wir auf die oft genannte Schrift. So ist rer Mann und sein bedeutendes Schaffen erkannt und ge würdigt, nachdem die Asche seiner Hülle längst schon allen Winden preiSgc׳ geben ist'. Es ist dies ein Sieg des Geistes über die Materie! Rachdem sein Leib verbrannt, sein 'Raine erloschen, seine Schriften als: ״Sper» eines Jude»" verächtlich bei Seite gelegt wurden, wetteifern jetzt Portugal und Brasilien um die Ekre, das Paterland deS Dichter« gewesen zu sein! Da« eine gab ibi» das Leben ohne Rnhiii; das andere Ruhm und Tot. - In der (beschickte dieses Magnes gibt sich eine Art von Auferstekniig, sittlich und geistig stärkend kund; es ist die Anferstel»,ng, wo Liebe »nt Mensch lickkeit gegen Bosheit »nt Haß den schönsten, glänzentsteil Trininph feiern! Aber»och Eine« ist uns zu bemerken übrig, ehe wir von der Leben« unk Leirensschilrerung diese« Mannes scheiden. Wir möchten es durchans nickt i» Abrede stellen, ja, wir müffen es sogar geradezu als wahrscheinlich aiinehmen, daß i» Anbetracht des tainals herrschenden finstern Geistes, in Anbetracht deS seinen Elter» aiiferlegten, schreienden Gewiffens zwangeS, rer i» allen Familien der Renchristeu soitlcbenden Traditionen, unr ganz besonders in Folge der,über seine Mittler verhängten Strafe — ‘1 Die Acte» de» Prozcfke», gegenwärtig tu dem kiniigl. Archive von ^korre r» Tombo, wurden 1*2» wie alle auf die Inquisition bezüglichen Documente gesamnicir und daselbst bänerlegt. Ter erste Bericht darüber rührt von Herrn v Barnhageu der.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.