Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 3 (17.8.1860)
- Date
- 1860-08-17
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4884143-5427047-5427063--042-4884183- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— •»* 18 H<— »,1 ilmucifdv«^ Wissen anlangenr, kann die Stuft, welche Schwab ״tcrrr.? erreich: hatte, am besten daraus entnommen werden, daß er vor ״jedem Vortrag« un« anderen Hören: gewöhnlich die Stellen und Punkte ״L’r,cidmcte, welche die Aufmerksamkeit unseres Lehrers vorzüglich anregen! ״werden, unk zugleich im Vorhinein die Art unk Weise angab, wie er mnth- ' ״maßlich die Schwierigkeiten lösen werte." . . . ״Glauben Sic mir, Herr ״W. - sagte mir unser Lehrer Teulsckmann — ick habe solche Klarheit ׳״.m Studium nur bei wenigen gereisten ״Lomtim" gefunden: ohne nach j ״Hwugespiusceu zu suchen, strebt er nur nach . . . . .,Ick , ״:rinnere mich stets darau, wie unser Lehrer Teutsckinann einst nach dem ' ״Vertrag eines Ehiluk, wobei Schwab besonders hestig ri'putirt hatte, ,,׳einen! Manuscripte eine Roli; anfügle, ungefähr solgenren Inhaltes: Hier 1 ..machte mir inein geschätzter Schüler ׳Lew Schwab mit seinem schaden ( triftige Einwendungen, die Wahrheit ist auf seiner Seite. .׳׳.-X ׳־•ידארה Ein Zug, der gewiß eben so bezeichnend für rie Bravour des Sckül:v•• wie "für die Liebenswürdigkeit und Wahrheitsliebe des Lehrers ist!! Lcickt auf Worte, laute oder stille, beschränkte Teutschmanu seine Ane.Unnuiig der Vorzüge Sckwab's und das Wohlwollen, ras er für ihn fühlte. Bald hatte er ibn als ״Sckabboßes Bocher" in den ansehnlichsten Häusern versorgt, er empsabl ihn angelegentlich als Lehrer und vertraute ihm :!:! eigenen Hauie den Unterricht seines Kindes an. Trotz dieser unter damaligen Umständen reckt freundlichen Verhältnisse fül>l:e Sckwab dock sich nickt ganz befriedigt, und stiegen in seinem Innern bange Zweifel über seine Zukunft auf. Tie nächsten Erscheinungen nin ihn und-neben ihn! abgerechnet, waren rie Zustände, wie ste im Allgemeinen neck damals in den meisten Gemeinden deS Landes herrschten, wohl ge«!g ner, d:e Zweifel zu rechtfertigen und die Aussicht, einst zun: augcstrcbien Ziele dein Rabbinate — zu gelangen, als eine gewagte erscheinen zu lassen. Es lauckke darum rer Gedanke in ihin auf, den Trt nur sein Hei׳ matkland zu verlassen, im Auslände durch regelmäßige Studien seiue Bil düng zu vollenden, um wenn er auch dort das Ziel seines Slrcbens nickt erreichte, ück reck einem anderen Berufe witinen zu können. Unverbelen hatte er seinem Lehrer seine Gedanken und Zweifel mitgetbeilt, der nck's angelegen sein ließ, ikn zum ferneren Bleiben zu bewegen. Beine׳, kenswerik und die Worte, die Teuischmaun in solchem Gefpräa, einst an Sckwab gerichtet. Auf des Letzteren schmeichelbaste Aeußerung, daß er sich glücklich schaben würde so zu werden wie sein würdiger Lehrer, antwortete dieser: ״Glaube.niir, daß Tu mich übertrestcn wirst, und daß mau mit rer Zeit Männer T eines «Reichen suchen wird: .»1**!!״.״*״* ׳ארונה ירע־. ארץ ■ iut .V&lnl'üutt^. - Das allgem. ölierr. israel. Taabkammra-^nliitot ja Wien. Unsere herttige Abbildung zeigt ein einfaches Haus, das wohl gefällig »nr freundlich, aber unscheinbar und unansehnlich gegen die Prackkgcbände, welche rie Residenzen und Großstädte schmücken. Es ist kein Palast, wo die Mächtigen und Vornehinen rer Erde die »freuten des Lebens mit Reiz und Eomfork zu würzen bedacht stutz hier wohnen die Aernistei! und Unglücklichsten, Stiefkinder der Natur genannt. Es ist keine Halle der Musen 1 und Künste, woran der bildnerische ErfindungSgeift in künstlerischen Gestal tungen stck encköpske: und dock wird hier eine Kunst geübt und eine Wissen׳ sckaft gepstegt, die nur der höchste Scharfstnn im Verein mit der iimfastenrstcn; Liebe zu Tage fördern ckonnte. Es ist auch kein Tempel, geweiht dein höchsten j Herrn des Weltalls, woran aber der klefne Ertensohu seine Eitelkeit unk; Prunksucht zur Schau trägt; und koch ist's ein Hciligthuin im heiligsten > Sinne deS Wortes, ein Heiligtbum, worin kaS im Ebenbilrc GotteS ge׳, schaffsne, deS edelsten Ausdruckes dieser Ebenbildlichkeit aber verlustige Wesen ' seiner höheren. Bestimmung wieder gegeben wird, seines LebcnS stck freuen,; den Geber desselben kennen, anbeten und ihm dafür danken lernt. Es ist i eine Anstalt für Taubstumme, das erste und cinzistc israrl. Taub-! stummen Znftltut, in Wien. Bon dem Jahre 1779, da die große Kaiserin die erste Freischule für 12 taubstumme Kinder errichtete, bis zum Jahre 18-14 sind wohl in allen Thcilen des ausgedehnten öfterr. Kaiserstaates ähnliche Institute gegründet worden: den unglücklichen israelitischen Kindern aber waren sie beinahe oder ganz verschlossen. ״Keine einzige Anstalt bestand in der Monarchie, ״ja keine in Europa, wo er (der iSrael. Taubstunimc) in den Glaubens- ״say,1 ngen seiner Väter erzogen werden und so den Hauptzweck des Taub- ״stummenuntcrricktes, religiös-sittliche Bildung erlangen konnte.^ Ta mackle im Jahre 1844, während seines Aufenthaltes in Bade» bei Wien, ein schlichter jüdischer Kaufmann aus Nikolsburg in Mähren, Ramens Hirsch Ko lisch, die Bekanntschaft des im Facke des Taubstuminen- IlnterrickkeS rühmlickst bekannten Prof. Dr. Hermann Ezcch; und angeregt rurck riesen faßte er een froluiueu Entschluß auf eigene Kosten ein Taubstummen-Institut für Israeliten zu gründen. Zunächst wurde ׳ein geeigneter Lehrer gefuckt und gefunden in der Person des Herrn Joel Tcntsch, wclcken rer erwähnte Profesior als ״einen von Gott für dieses Lehrfach bestimmten Mann" erklärte, unk sodann im Tetobcr 1844 die Anstalt zu Nikolsburg, vorerst nur für mährische Kinder, in'S Leben gerufen. Tie Nothwendigkeik, kaS Institut zu einem Allgcnieinen für die Ge- Gefainmrmonarchie zu gestalten, stellte sich täglich mehr heraus: Anmeldungen und Genicke um Ausnahme kamen aus allen Kronländern: schon im Jahre 1851 befanden sich 9 Kinder aus Ungarn unter den Zöglingen. Im April 1 *52 übcrsiedelle darum dasselbe.nach Wien unk hier übernahm nun ein aus Männern und 2 Frauen gebildetes Vorstands-Eomite aus Kolisch's Händen rie Leitung und Verwaltung des Institutes. Aus den Mitteln res bereits gebildeten JnstitutSsondcs begann nun un Jabre 1 *5>i der Bau eines eigenen Hauses in der Vorstadt Landstraße nur wurde mit Hilfe der in Wien reichlich geflossenen Spenden, der in den sämmtlichcn israel. Gemeinden der Monarchie gesammelten Beiträge ״, ר!d der ins öffentlichen Kasten eiiklehnien Gelder im Jahre 1858 zu Ende ge׳ führt, fc daß rie Einweihuug rer neuen Anstalt am 17. Tctcbcr destelbcn Jahres in feierlicher Weise stattfinkcn konnte. Tas (Gebäude ist für 1<0י Zöglinge vollständig eingerichtet, und bestein aus zwei Stockwerken nebst Souterrain. In Letzterem befinden fick Kücken, Badelokale unk — da sämmtlichc Kleidungsstücke im Haufe ange׳ fertigt werden — die Werkstätten für Sckuster und Schneider nebst einer Tischlerei. Speiie , Arbeils- und Turnsäle, Krankenzimmer, Apotheke, Kanzlei und Betlocal sind zu ebener Erde, in den beiden Stockwerken nebst Lehr-, Sclllafüiid ÄrbeitSsälen noch Garderoben unk Wohnungen des Tirectors und der Lehrer; daß ein zierlicher Garten nickt fehlt, versteht sich von selbst. Rücksicktlich rer Art und Weise der Taubstummenbilrung in dieser Anstalt führen wir nur Einiges aus dem trefslicken Aufsätze im Wert heimer'schcn Jahrbuckc 1*54 55 an. TaS Handalphabct (Fingersprache!, rie Mimik und Geberdenspracke stnd gänzlich auSgescklosten; die Schriftsprache wird als die Bans deS Unterrichtes angenommen. Unter antcrcn Sckulgegenständen wirk auck die Zcichnenkunst mit Erfolg betrieben. Tic Mädckcn erhalten Unterricht in weiblichen Handarbeiten nur Anleitung zur Führung und Verwaltung eines ordentlichen Hauswesens: die Knäbcn, wenn sic in geistiger unk körperlicher Entwickelung sortzerückt sind, erlernen Handwerke bei tüchtigen Meistern. Ans die Tonspracke wird ein entschiedener Wcnh gelegt. Mit welchem Resultate, geht aus der Thatsacke genügend hervor, daß ein als ״Barmizwah zur Thora gerufener Jnstitutszögling den Segenssprnck laut und mit innigem Verstänkniß vorträgt." Taß der Gründer Kolisch unk der Tirector I. Tcntsch, der Allerhöckilen Anerkennung durch Lorten unk Verkienstzeicken sich zu erfreuen hatren, ist bekannt. Unk somit schließen wir mit den Worten deS eben genannten verdienstvollen Tirectors: ״Möge nun der Segen Gottes über diesem Asyl ״für fo viele Verwaiste der Natur walten! Möge in dem erweiterten Kreise ״das Heil im gleichen Maße wachsen'unk gedeihen! Tank Allen, die kein ״schönen, edlen Werke mit Rath und Thal ihren Beistand, ihre Thcilnahnie, ״ihre Anerkennnng unk Würdigung haben angedeihen lasten." b. Werilibeimer's Jakrbuch .V>15. .In den! Verzeichnisse dieser Spenden glänzen Pen, Preßbnrg ncbs! anderen g.rßercn un-zar. Gemeinden durch ihre Abwekeiilieii.