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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-08-10 · 2 (10.8.1860) · p. Seite 11

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
2 (10.8.1860)
Date
1860-08-10
Page
Seite 11 (sequence 12)
Language
German
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-►H 11 M Wahrheit erkannte der Verein und bekannte sie durch die Gründung der Sonntagsschule, welche seit dem Jahre 1857 noch mit einer dritten Claffe vermehrt worden. Dem religiösen Momente wird nicht bloS durch den Religionsunterricht Rechnung getragen, sondern auch durch den unter Leitung de- Herrn OberkantorS stattsindenden Gottesdienst und durch die bei Eintritt jedes Festes vom Herrn Religionslehrer gehaltenen Vortrage. Hieher kommt wohl auch die Einrichtung zu zählen, welche nach dem Bo1> gange des gleichnamigen Verein« in Wien seit 2 Jahren getroffen ist, daß nämlich am ersten Peßach-Abend der Seder in feierlicher Weise für die VereinSzöglinge im Gemeindesaale veranstaltet wird. — Gegenstand unserer Heutigen Illustration ist eben dieser Akt, wie er am letzten Peßach, in Anwefenheit mehrerer Ausschuß- und Vereinsmitglieder vor sich gegangen. Nach den Ansprachen Sr. Ehrwürden des Herrn Ober-RabbinerS I)r. W. A. Meisel, des Herrn BereinSdirectors, Jacob Kern, und einigen Worten des SchlcffermeisterS Herrn Feiwel wurde ein von Sulzer componirtes Wanderlied gesungen, worauf der Vortrag der Hagadah durch Herrn Ober-Cantor Friedmann und endlich ein festliches Mahl für die 60 anwesenden Zöglinge folgte. Gewiß wird jeder Menschenfreund, besonders aber jeder Freund »nseres Glaubens und Stammes, den bisherigen Leistungen dieses Vereines, seine Anerkennung nicht versagen und für deffen ferneres gedeihliches Wirken die besten Wünsche hegen. — Wir sind nicht blind gegen die manchen Mangel und Lücken, die in hiesiger Gcnieinde bemerkbar, und wissen gar wohl, wie viel, namentlich in Bezug auf Bildungs- und humanitäre Anstalten, ihr noch fehlt, um als Mustergenieinde und Wortführerin in Sachen des fortschreitenden Judenthums in unseren! engeren Vaterlande mit Recht gelten zu können. — Das soll uns aber die Freude an dem vorhandenen Guten nicht vcrkünimern, und ohne Scheu sprechen wir es aus: Das Bewußtsein arme jüdische, sonst vielleicht der Vciwahrlosung und dem Verderben heimgefallene Knaben zu tüchtigeir, ehrlichen Handwerkern herangebildet zu haben, ist einstweilen wohl in! Stande dafür zu trösten, daß '"wie ein B im neuen Zionswächter jammert — noch kein pilpuliftifo'tfr Klopffechter hier ausgewachsen ist.;!•/'־ -MH— Dom Antonio ßofe' da Silva. Verfasser der sogenannte» ,Fpern de« Juden." F-d. In neuerer Zeit haben die sogenannten ״Cpcrn des Juden" die Aufmerksanikeit deS gebildeten Publikums auf sich gezogen. Es dürfte daher von Interesse sein, zu erfahren, was diese Schriften enthalten, und wer ihr Verfasser gewesen. Es waren dies eben so wenig Cpern im moderuen Sinne des Wortes, als ihr Verfasser dem wahren Begriffe nach ein Jude war. Allein in den Jahren 1733—1738, wo diese Stücke zuerst in Lissabon zur Aufführung kamen, da nahm man es mit der Bezeichnung nicht eben genau. Lustspiele wurden als £ Peru bejubelt, und der als Christ gekannte Verfasser derselben als Jude geschmäht. . In den genannten Jahren war cS nämlich, wo auf dem Thea׳ ter ״Bsiro Alto*‘ zu Lissabon eine Art von Dramen, so neu und eigenthümlich in Form, Stoff und Anlage, und wieder so heimisch und urwüchsig im echt nationalen Geiste zur Aufführung kanien. Diese Slückc athmeten einen ftischen Geist, gewürzt von Hunior und feiner Satyre. Manche Mißbräuche und Laster der damalige» Zeit wurden darin in burlest-kcniischcr Weise gegeißelt. In! Ganzen mochten sie dem heutigen ftanzksischen Baudevissc wohl am nächsten gekommen sein; und diese meist in Prosa geschriebenen humoristischen Stücke, in denen auch mitunter kleinere Gesangspiccen verkamen, nannte man damals, wie gesagt, in Lissabon ״Opern". Diese komischen Singspiele oder Oper» also sind nach langer Vernacklässigung und absichtlicher Nichtbeachtung erst jüngster Zeit wieder an's Licht der Oeffentlichkcit gezogen worden; und da fand sich» denn bei genauer Prü fung, daß die ״Opern des Juden" durchaus keine tadelnswcrthen poetischen Schöpfungen bilden; ja, daß sic vielmehr zu den vorzüglichsten, epochcmachenden Werken!'euer Zeit gehören, der sie ihre Entstehung verdanken. So bedeutend und vorttefflich aber auch diese Stücke sind, und einen so hohen Werth für den Literaturhistoriker sic auch haben, so wenden wir unser Interesse doch mehr dein Verfasser zu, der wegen deS großen Mißgeschicks, das ihn mitten im Zenithe deS Glückes bettoffen, unsere wärmste Theilnähme verdient, da er von der Jnguisition bei einem ihrer letzten Auto-da-fä in Lissabon zum grausamen Flammentode verurtheilt wurde. Wir lasse» hier die Geschichte des Mannes in etwas gedrängterem Umfange, aber nichts desto weniger sinngetreu nach einer jüugsterschienenen Broschüre von dem berühmten Literarhistoriker Ferdinand Wolf folgen.') Antonio Josü da Sylva, der lang vergessene, aber seit neuester Zeit, nach vielen Mühen und Forschen als der wahre Verfasser der ״Opern de» Juden" anerkannt, gehörte einer in Rio Janeiro ansäßigen jüdischen Familie an, die sich ungeachtet deS zugesicherten Schutzes *von .Seiten deS Königs JoLo III. nach einiger Zeit ihres Aufenthaltes in Brasilien bemüffigt sah, zum christlichen Glauben überzugehen,, nm als sogenannte ״Neuchristcn" den Schutz zu beanspruchen, der ihnen als Juden unnachsichtlich vorenthalten wurde. Sein Vater JoLo Mendes da Silva lebte daselbst als angesehener Advocat und soll auch mehrere poetische Werke geschrieben haben, von denen aber nichts niehr als die Titel auf uns gekommen sind. Mit seiner Frau Lourenqa Coutinho erzeugte -r drei Söhne, deren jüngster, unser Dichter, den 8. Mai 1705 zu Rio Janeiro daS Licht der Welt erblickte. Die Mutter unseres Dichters ward als Rückfällige;»>» Judenthum (Relapsa) verdächtigt und angcklagt, und im Jahre 1713 auf Befehl der Inquisition, die eben damals aufing^ in den der Krone Portugals augehörigen Nebenländern zu walten, und die Neuchristen und Juden in Brasilien auf's Eifrigste zu überwachen, in deren Kerker nach Lissabon gebracht. Mit der Mutter zog die ganze Familie dahin, und so kam es, daß JoLo Mendes in Lissabon seine AdvocatenprapiS — und zwar mit bestem Erfolge — fortsetzte. Solcherweise kam Jos6 schon in seinein 6. Jahre nach Portugal, um es nie wieder zu verlassen. (Fortsetzung folgt.) Pell. BB. (Eingesa 11 d t.) I» Ihren, Progrannne erklären Sic sich bereit, die Leistungen jüdischer Künstler, Schriftsteller und׳ sonstiger Fachmänner bekannt zu machen, und auf ihre Verdienste hinzuwcisc». So mögen Sie denn den bereitwillig ziigestandcuen Raum in Ihrer geschätzten Zeitschrift einem Manne widmen, der. durch sein wissenschaftliches Streben und Forschen im Gebiete der Naturkunde zuerst die Aiifincrsamkeit, dann aber die vollste Anerkennung seiner Verdienste von Seiten heimischer wiffcnschaftlicker Institute sowohl, als auch mancher Autoritäten der Gelehrtenwelt, sich;»gezogen hat. Es ist dies Herr Ignaz G r o ß in a n!!, Professor der Mathematik an der hiesigen Handels-Akademie, ׳ding. Oberlehrer an der hiesigen isr. Gemeinde Mädchenschule. r Bereits im Jahre 1*57 ist vom Herrn Großinann erschienen: ״Füh׳ rer in der Krhstallographic", ein Handbuch, das in den bcttcsicndcn Kreise» erwünscht gekominen, und wofür Herr Großniau» sich erninnlcrnder, schmei chclhafter Zuschriften von Seiten mehrer hcrvoiragendcr Gelehrten Deutsch landS zu erfreuen hatte. Fortschreitend in der von ihm einmal eingcschlagenen Bahn, war Hr. Großmann rastlos bemüht, eine Idee zu verwirklichen, die ihm längere Zeit vorgeschwcbt, und die er auch glänzend zur Ausführung brachte. Nach »» ausgesetzten, keine Zeit und Geldopfer scheuenden Versuchen, gelang es ihm. eine neue Art Luftpumpe, ganz verschieden von der bisher in Anwendung! gewesenen, mit Vermeidung des sch ä d l i ch en Ran >>!es zu coustnrireii. Herr Professor S toczck zeigte dieselbe in einer Sitzung der Mlg. Akademie vor, und Schreiber dieser Zeile» war Zeuge des nnverhohlensten LobeS und Beifalls, womiit die Erfindung ausgenommen wurde. l) Ter ausiührliche Titel dieser Broschüre ist; ״Dom Antonio Jo«ä da Silva, der Verfasser der sogen. ״Lpern de« Juden", Wie» 1860. Au» der k. k. Hof- und Staal-druckerei. — 'Koch muß bemerkt werde», daß die von Dr. Kayserling (Sephardim; Leipzig 185». 8. 320—323) mitgelheilte Biographie Dom Jos»'« sich »nmög lich auf unfern da Silva brziehen könne, sondern aus einen Ungkücksgesährteu gleichen Namen», da die Daten durchaus nicht übereinstimmen. I

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