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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-08-03 · 1 (3.8.1860) · p. Seite 6

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
1 (3.8.1860)
Date
1860-08-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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—n —♦י־• 6 selbst geprüft hatte. Um 1 Uhr wurde die Prüfung geschloffen und der Herr Schulrath forderte die Candidatcn in einer kurzen Ansprache auf» in ihrem Eifer und ihrem Fleiße zu beharren, um einst die Hossnujigeu zu rechtfertigen, die die Israeliten Ungarn's an die neu kreirte Anstalt knüpfen. -L- Wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, hat der Vorstand der hiesigen israelitffcken Cultusgemcinde beschlossen, zum Besten des Fonkes und des Palastbaues der ungar. Akademie eine Sammlung zu veranstalten. Larrefpoudenz. *-Wien, 24. Juli. Ter Aufruf, den Sir Moses Mcnleficre *) Und Cremieux ertasten haben, um milte Beiträge für die verfolgten Christen in Svrien zu veranlasten, hat in unserer (Gemeinte einen sehr guten' Eindruck gemacht. Tie Bestern und Erleuchtetesten an Israel fühlen es überall,' dast jeder ,Fanatismus, ob jüdffcken, christlichen oder mohamcdanischen Ursxrungs, zum Schaven der Gesellschaft würbet, und daß es besonders die Ausgabe deS so schwer geprüften israelitischen Volkes ist, die Wunden beiten zu helfen, die das Schwert des GlaubenseiscrS zur Schande jeder wahren Religion schlägt. Haben doch jene beiden Männer in der Tamascener Blutbeschuldigung es erfahren, welch' eine furchtbare Geißel der Menschheit der Fanatismus ist. Hervorgehoben soll aber dock noch werden, daß Sir Moses Montefiore der strengsten alten, Eremieur aber rer sortgesckrittenen modernen Richtung des Iudenthums angehött, beide aber sind eins in den Werken der Liebe und Humanität, da wo eS gilt das tbeilnehmende unk milde jüdische Herz zu bcthätigen. Altes oder modernes Iukenllmm, sie ruhen in demselben historischen Boden, tragen köstliche Früchte der?Neuschenliebe, und unterscheiden sich blos im Kolorit der Blätter und Blüten. Tie Prüfungen in unserer Religionsschute waren se r bcfficdigciid und haben von 'Neuem Zeugniß abgelegt für die llmsicht und Trefflichkeit, des Schulplanes sowie für die Leistungen und den Fleiß der beiden Religionslehrer Wolf und Ha mm erschlag. ‘ Wien, im Juli. Bei der sprichwörtlich gewordenen Klagp über Ma terialismirs und Mangel au Tbeilnahme für geistige und religiöse Interesten, welche oft genug gegen die ncokernen Israeliten, namciitlich in größeren Städten vorgebrachl wird, war ick liöctllicl, erfreut l^’i meinem kurzen Ausenthalte hier nach längerer Abwesenheit wahrzunebmeu, welcher Fond von religiöfem Sinn und eck't jüdischem (leiste in der Gemeinde der׳ in dieser Bezichung so arg verlästerten Residenz zu finden ist, unk wie sich derselbe vorzüglich in der Schaffung und Pslegc manch' kerrlicken Institutes für Humanikäts- und Bilrungszwecke bethärigl. Ick bebalte mir vor, Ihnen ein anders Mal eingehend über Eines oder taS Andere, der hiesigen Institute, zu berichten, kann heute aber die Bemerkung nickt unterdrücken, daß ick in riel'em erfreulichen Geilt unk Streben die Fruckt der enervollen T?1ätigkeir und segensreichen Wirksamkeit des Mannes erblicke, der seil sünsnnddreißig Iakren mit seltener Hingebung und Begeisterung das Wort Gottes verkündet und fast zu jedem heilsamen Unternehmen die Anregung gegeben, — unseres gestierten Predigers I)r. I. R. Mannkeimer. lieber riesen Altnieister jüdischer .Kanzelberedsamkeit ein Won res Lobes als Reduer zu sagen, wäre mehr als nberslüßig. Und dock mußte ick staunen, als ick ikn eben jetztnack langer Zeit wieder böne, über die jugendliche Glut und die chinreißente straff, die dem Wone des greisen Redners noch innewohnr, und die ihre Wirkung aus das Gemükh res Hörers hiebt verfehlen kann. In gehobener Stimmung verließ ick das Gotteshaus und nur ein Wunsch drängte sich in den Vordergrund meiner Seele: daß es dem trefflichen Menschen, Lehrer und Redner noch lange gegönnt sei, edlen Samen für eine bessere Zukunft auszustreuen und für sein unermüdliches Streben, worin ihm jetzt sein jängerer College Herr I>r. A. Iellinek mit berufstreuem Eifer zur Seite steht, die Anerkennung und Verehrung aller Guten und Einsichtigen zu genießen. B. ** Füred am Plattensee, im Juli. - I. Kaum dürfte eS einen Kuren geben, wo die Juden verhältnißmäßig! so stark vertreten wären, wie das am reizenden See gelegene Füred! Aus ' »1 Tie ״Lugsb. Mg. Zig." fügt diesem wohlverdienten Namen in Parenthese bmzu, daß er Israelit sei. Welck« Fürsorge! In drei Weltthrclen weiß man von Montefiore mehr, als von den Herren Retactoren der judenseindlichen ״Allgemeinen." verschiedenen Comitaten Ungarns kommen Rabbiner, Affefforen, Vorsteher und Gemeindeglieder hierher, um zu trinken und zu baden, und Heilung gegen Hemorrhoiden, Magen-, Brust- und Nervenleiden zu suchen. Ein erfahrener Arzt, der hier seit langer Zeit seine Kunst auSübt, machte die für religiöse Statistik intereffante Bemerkung, daß die den Fortschritt verpö- »enden ungarischen Rabbiner gewöhnlich an Hemorrhoiden, die ihren Ober- Rabbiner nicht goutirenden Affefforen am Magen, die. zu viel redenden unk zu wenig handelnden Vorsteher an der Brust und die über den ObSkurantismus aufgeregten Gemeindeglieder an den 'Nerven leiden und laboriren. Ein Nicktarzt, der aber den Studien der religiösen Pathologie—zur Therapie ist er noch nicht gekommen — mit vielem Fleiße obliegt, fand wieder, daß ein Uebel besonders in der ungarischen Gemeinde grassirt: es ist der Strölt über den Standpunkt des Almemor, über Piutim und Choralgesänge, der großes Unheil stiftet. Hier, in Füred, ist trotz Rabbiner und Vorsteher Alles ruhig und friedlich; denn hier haben es die Jude:: neck nickt dahin gebracht, eine einfache aber würdige Synagoge für die Saison zu errichten, obwohl Füred zu den ältesten Kurplätzen und mehr als ."<> ״Zadikcm" zählt. ,Hingegen besitzt die, ohugefähr 50 Familien starke Gemeinde deS benackbarten Torfes Füred eine Synagoge, die eine merkwürdige Geschichte hat. Sie war ursprünglich eine resorniirte Kirche, und damit die christliche Torfgemeinte, die ein neues Gotteshaus erbaut hatte, sie nicht einem profanen Zweck überlaste, beharrte der wackere christliche Pfarrer daraus, daß sie den Juden zur Gollesverehrung überlasten werde. Hoffen wir, daß die Israeliten Füred's anck in den Besitz eines ordentlichen Sckullocals und einer ordentlichen Sckule gelangen werden. — Inzwischen hat die jüdische Gemeinde Fürek's auch ein nationales Monument errichtet, nicht aus Marmor und nickt aus Erz, sondern aus Hol; und Eisen: nämlich einen»״Erew" am Ende des Torfes! Vielleicht folgt der ״Raw" für die Kinder bald nack. Allein ick wollte ja nickt über das Torf, sondern über den Badeort Füred schreiben! Wir haben hier eine ziemlich große ׳Anzahl von Rabbinern, unk ich möchte daraus amrage», daß hier eine Synode abgehalten würde, und zwar nickt etwa um Reformen zu sanctioniren — das wäre Sacke der Gemeinde- Vorsteher —, sondern im conservativcn Jntereffe. Vor Allem müßte ein ״Cherem" geschleudert werden gegen jeden jüdisckeit Restaurateur, der nickt ein anständiges großes Speiselocal besitzt, der nickt kurgemäß kochen läßt und die Speisen zu tbener anrecknet. Ist das ״haw haw" im Allgemeinen das Losungswort des hiesigen Platzes, und besitzt die hiesige Aluka -mehr als zwei Töchter,- so leidet der jüdische .Kurgast besonders an seiner Börse, und ob die Renke in.Paris bock oder niedrig steht, seine Börse wird immer ü In huuwto behandelt. Ferner müßte die rabbiniscke Svnode dafür sorgen, daß wir weniger Wind und Regen baben, damit man iinmer baden könne. Wer dem Geiste der Zeit Trotz bietet, muß auch Wind und Wetter bändigen können. Ein Königreich für einen Rabba bar Chana, der die kalten Stürme res Plattensee'- zu bemcistern im Stande ist! Weil ich. gerate von einem Wundcrmanne rede, will ick Ihnen ein Factum erzählen, das einem heutigen Wunderthäter׳ nackgerühnit wird: Ein Rabbi der Cbasidim fuhr am Freitag nach einem bestimmten £rl. Als die Sonne sich neigte, rief der jüdische Kutscher dem heiligen Manne;u: Meister, der Sabbat naht heran! Fahre nur fort, erwiederte rer Rabbi im gleickgiltigsten Tone. Tie Sterne fingen an zu leuchten, und wieder sprach der Kutscher ganz besorgt: Meister, der Sabbat ist schon da! Lächelnd versetzte der Heilige; Thor, wenn auch überall die Sonne unkergegangen ist und die Sterne sichtbar sink, in dem Raume, den unser Wagen zum Fahren braucht, ist aus meinen Befehl noch immer Heller Tag, und daher kein Sabbat! Thtilnahmr der ^srarlite« für dir lyrifchru Christen. Wieder sind die Augen deS civilisirten Europa nach dem £ sken gerichtet, nach dem mehrtausendjährigen Schauplatze blutiger Kriege und wilder Metzeleien, — nach Syrien. Tie grausamen Thaten, die jüngst an den wehrlosen Christen daselbst verübt worden, haben in England und Frankreich auch unter unfern Glaubensgenoffen eine Bewegung zur Unterstützung der unglücklichen syrischen christlichen Bevölkerung veranlaßt. Montefiore und Cremieux, Namen die unwillkührlich an einen andern Schmerzen-- schrei erinnern, der auS jenem Lande nach Europa gedrungen, haben an die

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