Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 1 (3.8.1860)
- Date
- 1860-08-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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••י* 5 Peßachsest י׳), Purim, Chanukka 11. s. w. Sie bilden gleichsam geistige Denkmale, die ein Geschlecht dem andern durch Jahrtausende zur getreuen Bewahrung überliefert. .Sie sind wahre Monumente, die die Bezeichnung: ״noro porouniu»" rechtfertigen, so lange für ihre moralische Inschrift in dem Herzen deS BolkeS das nöthige Beiftäntniß vorhanden, so lange die Crgebnisie, auf welche sie Bezug haben, in der Erinnerung der Judenheit fortleben. Ohne diese Erinnerung, ohne Nenntniß unserer Geschichte können wir nicht mit Gefühl und Ueberzeugüng an der Begehung unserer heiligsten festlichen Anordnungen Theil nehmen. \ Abgesehen hievon finden viele religiöse Aragen, die in der neueren Zeit zur Anregung gelangten, über wünschenswerthc Berbesierunzen und Reformen in der geschichtlichen Kenntniß ihre natürlichste, sachgeniäßeste Lösung. Die Bergangenheit kann in vielen Fällen maßgebend für die Gegenwart werden. Sie vermag oft da die überzeugendsten Motive zu bieten, wo die vage Spekulation in Schwankung und Ratblosigkcit verfällt. Die allgemeine Nenntniß der jüdischen Geschichte ist also ,zunächst im Interesse der Beredlung der Formen und vieler wescnllickei׳ Berbesserungen im Judentimme wünschcnswenh. Einen noch anfsälligern praktischen Ruhen bietet die jütische Geschichte, indem sic 'die Beweisstülte gegen Beschuldigungen liefert, die sich noch immer von Zeit zu Zeit gegen uns erheben, indem sie die besten und wirksamsten Waffen und.Scknivniittel enthält, um unsern Feinden entgegenzutreten. Es ließen sich gar viele Beispiele aus der neuesten Zeit anführen, wenn wir nicht sckeueten, unliebsame Borgänge in Erinnerung zu bringen, wo durch die bloße Hinweisung ans die unantastbaren Thalsachen unserer Geschichte die Berleumker zum schmählichen Schweigen gebracht, zum feigen Rückzug gezwungen wurden. Bon Appian dem Alexandriner bis zuni heutigen Tage haben sich solche Fälle unzählige Male wiederholt. Wenn man nun, nach all' diesem, der jüdischen Geschichte mit dem Borwurse entgegentritt, daß sie keine Berührungspunkte mit den veränderten Zuständen und Berhältniffen der Gegenwart biete, so beruht dieser Borwurs eben auf Unkenntniß ihres reichen ergiebigen Inhaltes. Tie jüdische Geschickte bietet in dem niehr als dreitausendjährigen Zeiträume, den sie nmfaßt, eine genügende Anzahl von Epochen dar, die eine ganz besondere Aeh»- lickkeit mit der Neuzeit haben. Tie Fälle nähnilich, in welchen das Juden׳ thuni, oder mindestens ein beträchtlicher Theil desselben, von deni Wunsche beseelt war, seine isolirte Wcltstellung aufzugeben und sich der allgemeinen Kultur anzuschließen, stehen durchaus nicht so vereinzelt da, als Biele meinen. Sie traten unter den verschiedensten Lagen und Zeitverhältniffen zum Borschein. Wir machen nur auf die Zeit der Griechen- und Römerherrschast, ferner auf die bedeutende Kulturentwickelung des Iudenthums in Spanien, unter Arabern aufmerksam. Kann da noch ein Zweifel obwalten, daß Zustände dieser Art viele anwendbare belehrende Bergleickspunkte sisr die "Neuzeit bieten muffen unk daß sie uns bei dem Drange nach Fortschritt, der sich heut zu Tage unverkennbar im Iudenthumc kundgibt, als wahre Leitsterne dienen können! A^xr auch sonst steht die Geschickte des Iudenthums keiner andern Geschickte an erhebenden versittlichenden und lehneichen Momenten nach. In ihr sinken sich Beispiele der strengsten Gläubigkeit und Biederkeit, des Stark׳ sinneS und deS Muthes in reichster Fülle vor. Wir besitzen neben einer ansehnlichen Reihe von Gelehrten, Dichtern und Weisen elfter Größe auch Männer der aufopfernden Hingebung und der muthigen Tkat. Wir haben bewundernswerthe Helden aus dem Schlacktfelte und Helden des Märtvrer thums auszuweisen, und unzählige Männer und Frauen, die ihren Seelenatel und ihre seltene Charakterstärke in stiller Resignation bekundeten, im 1111 י verdrossenen Dulden und in sclscnscstcr Aushan lickkeit! Eine solche Geschichte ist wie ein blntgcdüngtes Feld, nur um so ergiebiger und fruchtbarer. Wie viele der Früchte muß auch dieses Feld bieten! Es wäre der größte Undank, ja ein unwiderlegbares Zeichen sittlichen Beifalles unk geistiger Bersunkenkenkeit. wenn dieses kostbare Ergcbuiß langer leidcnsreicher Zeichen unbeachtet- und nnbcnützt blieben.* 1 ■Jiur aiilebnend an äussere Begedendeiten sollen sie koch auch Wahrheiten und Ideen aussprechen und in'« Her; prägen. D. Red. ‘ lieber de» Werth der jütischen BolkSgesckntite sagt Ehaieaubriand 'Geist. d. Chrisienihuine« 5. B. 1. Cap.) folgende»: ״Da« jüdische Bell in ei» symbolischer Auszug re» ganzen nienschliwe» Geschlechtes, cs repräsentirt in seinen Erlebnissen Alles, was im Weltall vorgckommen ist und oorkonnnen kann." Was endlich de» scheinbar wichtigsten Einwand belangt, daß nämlich der geniüthverdüsternde Inhalt mancher Abschnitte unserer Geschichte der so wünschenSwerthen Berbrüdernng mit den Nationen, linter denen wir lebe», hinderlich sei; so geben wir blos zu bedenken, daß unsere Geschichte, wenn sie gleich die Nachtseiten der Menschheit in größerem Maße, als die irgend eines Stammes und Bolkes auf Erden »achweist, dock nicht der trostspendenden, Lichtpunkte und der erhebenden Momente gänzlich entbehrt. Namentlich ist es die "Neuzeit, die den, denkenden Beschauer die erfreulichste Ueberzeugung von einem allgemein geistigen Fortschritte und der sittlichen Beredlung der Meiischheit aufdrängen muß. Auf den, Gebiete der jüdischen Geschickte geben sich — wie nirgend sonst — die ehrenden und glänzenden Triumphe der sortschreitenden Humanität und Civilisation zu erkennen. Aus deni nächtigen Hintergründe unserer so düstern, lcidensreicken Bergangenheit treten die Hellen Erscheintiiigen der Neuzeit nur »in so schärfer und deutlicher hervor. — Und gewiß, die vielen Begünstig»,igc», Erleichterungen und Berechtigungen, die uns in neuester Zeit allenthalben werden und geworden sind, sie muffen, an deni kläglichen trostlosen Zustande der Bergangenheit bemeffen, eine um so größere Befriedigung in den Herzen der Bekenner des Iudenthums er wecken. DaS Bewußtsein, einen so riesigen Fonschritt gemacht zu haben, muß uns zu weiten» Streben auf der Bahn der Bildung ermuthigen, und kann nickt ve»ft״hlen, die aufrichtigsten Gefühle der Liebe, Dankbarkeit und treuen Anhänglichkeit für Fürst und Paterland zu erregen und zu bestärken. Nachdem wir so den Nutzen, welcher dem Iudenthume aus der Nennt ' niß seiner Geschickte erwächst, genügend dargcthan zu haben glauben, wollen wir nur noch zur. Bekräftigung die Worte der heiligen Schrift (V. Buck Mos. .32, 7) in Erinnerung bringen, in welchen sich die nachdrücklichste Mahnung zur Pflege der Geschichte unserer Borfahren anf'S nnverkennbarste knntgibt: , ־י ״Gedenke der Tage der Borzeit, Beackte die Jahre, die über Geschleckter dakingegangen. Frage deinen Bater, er wird dir's künden, Deine kreise, sie werden es dir sagen." ׳Ignatz -sriedmaMt. ר (Privatmitth.) 0 All der hiesige« im vorigen Jahre eröffnetcn isr. Präparandie wurde an! 22. Juli die erste IahreSprüfung abgehalten. Als Prüfung»- Kommiffär hatte sich der hochwürdige Herr Stadtschulen-Director Kriegler eingefunden, später erfreute auch der k. k. Herr Sckulrath Bärton die Anstalt mit seiner Gegem^irt. Bor allem wurden jene Gegenstände! vorgenommen, die das neue Instittit vorzüglich als jüdisch-confessionelleS charakterisiren, nämlich Religionslehre und hebräische Sprache, und die Candidaten bewiesen, daß sie die Glaubenssätze der mosaischen Lehre nicht nur nach Inhalt und Umfang genau inne. haben, sondern daß sie dieselben auch durch die bezüglichen Bibelstellen zu begründen wiffen, die Geläufigkeit im Zitiren der betreffenden Belege im Urtexte zeugte von ihrem Vertrauffein mit den meisten Büchern der Bibel, und ihre Kenntniß der heiligen Sprache trat noch mehr zu Tage, als aus diesem Gegenstände speciell geprüft wurde. In diesem Jahre waren außer den 5 BÜcker» Mose« auch die Psalmen Gegenstand des Bortrages gewesen, und obschon die Zeit für die Prüfung knapp zugemeffen war, so konnte der Fachmann doch zur Geyüge erkennen, daß sowohl Lehrer׳ als Zöglinge sich mit dem heil. Erbe der Bäter mit allem Fleiße beschäftigt batten: daß ihnen die Regeln der Grammatik genau bekannt seien, zeigten die Candidaten insbesondere, indem sie gegebene deut sche Sätze oder ganze Lescstückc in's Hebräiscke übertrugen, und die ange / wandte AuSdrnckswcise rrcktferligte». Herr I)r. Bach, der dieser Prüfung mit der lebhaftesten Theilnahnie beigewohnt, und mit pädagogischem Takte mancke interessante Erörterung veranlaßt hatte, ließ cs in den herzlichen Worten, die er beim Weggehen an die Candidaten richtete, deutlich erkennen, wie sehr ikn die Leistungen derselben befriedigt halten. - Aus den andereii Gegenständen, als: Erzicknngs und Unterrichtslekre, ungarisches nnk deutsches Sprackfack, BaterlandSkunde, Rechnen, Natur klinke .ו:, gaben die Candidaten eben so entschiedene Beweise ihres Fleißes nnk Fortschrittes, und ihre mündlichen Antworten, so wie die vorliegenden schriftlichen Arbeiten und Zeichnnngc», erfreuten sich des unzethcilten Beifalls des hochtvürdigcn Herrn Schulrathes, der auS den meisten Gegenständen