Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 1 (3.8.1860)
- Date
- 1860-08-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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-י! ד «« - englischen und französischen Israeliten Aufforderungen ergehen lasten und Ersterer sogleich einen Beitrag von 200 Pf. St. gespendet. — Das Schreiben Cremieux's folgt hier: Pari«, II. Juli 1800. Theuere Glaubensgenossen! Die ganze Erde war uns verschlosten, als am ersten Tage seiner unsterblichen Neugestaltung Frankreich uns seine Arme östnete und uns zu Bürgern machte. Jenes Frankreich, welches uns so wunderbar befreite, welches uns atoptirte, uns seine minder nennt — eS ist das christliche Frankreich! Und nun sind im Orient die Christen der grauenhaften Verfolgung preisgegeben. Tortur, Nothzuckt, Mord, Plünderung, Brandstiftung, Nicdermetzelung der Frauen, Binder und Greise, selbst Berstüminelung der Leichen — das ist das entsetzliche Bild, welches heute der ganzen Libanon bietet. Das Blut fließt, Elend und Hunger breiten sich aus über zahlreiche Völkerschaften, die der muselmännische Fanatismus — selbst gegen den Willen und die Macht der türkischen Regierung — ver- Nichten will, und deren einziges Verbrechen es ist, Ehristus anzubeten! Französische Israeliten! Lastet uns zuerst unseren christlichen Brütern zu Hilfe kommen; lastet »nS nicht die stets so langsamen Ergebniste der Di» plomatie abwarten, welche die Zukunft regeln wird: lastet u»S dem gewaltigen Unglück zu Hilfe eilen. Heute noch eröffne man eine große Subskiption zu Paris, morgen organisire sich ein israelitisches Comits! Lastet uns nicht einen Tag, nicht eine Stunde verliere». Aus einer jüdischen Versanunlung, die sich in dieser Hauptstadt der Eivilisation bilde, gehe das erste, Signal einer großartige» Hilfe ans. Auf dieses Zeichen werden unsere Brüder von England, Deutschland, Belgien, Holland, von ganz Europa antworten, ebenso aus den Ländern, wo man sie als Bürger anerkennt, als aus jenen, wo dieser schöne Titel ihnen nock verweigert ist. Ihr auck, ihr Juden Amcrika's, wo die Freiheit des Kultus siegreich ist, auch ihr werdet den Katholiken Asien'S zu Hilfe eilen, welche vom Aberglauben so schrecklich unterdrückt werden. Lastet uns alle beitragen zu diesem heiligen Werke: der reiche Jude seine reiche Gabe, der arnie Jude seinen ftommen Obol. Aber aus dieser ersten Bewegung soll ein noch größerer Gedanke erftel,en. Wer weiß? Gott, der alles leitet, erlaubte vielleicht diese traurigen Katastrophen, um allen Confessionen eine feierlicke Gelegenhell zu geben, sich gegenseitig zu helfen, sich gegen jenen wüthenden Haß zu vertheidigen — den Sohn des Aberglaubens und der Barbarei. Ein beständiger Ausschuß wache in jenem Lande, über jede Beeinträchtigung der GewistenSfreiheit — eine allgemeine Kaste, gewidmet den Opfern des Fanatismus, ohne Unterschied des Glaubens — das ist die Anstalt, welche man schaffen und unterstützen muß. - Ja, die Leiden, welche in diesem Augenblicke so viele nnschuldige Opfer erdulden, wecken die Sympathie Aller. Sie werden den Gedanken befruchten, die Zukunft zu schützen gegen die Rückkehr der Geißel, welche unser Jahrhundert mit Abscheu von sich stößt: die Glauben-Verfolgung. dft. Lremieur. Wie ״l ami de la religion" meldet, haben der Groß-Rabbiner und vie Eonsistorial-Mitglieder in Bordeaux bereits dem Erzbischöfe Cardinal Donnet den Ertrag ihrer zu diesem Zwecke veranstalteten Collecte übergeben. Auch Herr Ober-Rabbiner Löw zu Szegekin hat, wie wir dem ״Szcg. Hiradö" entnehmen, seine Gemeinde aufgefordert, ihre ״christlichen Brüder" in Syrien zu unterstützen. - —- fiitrorifd)es. Jahrbuch für Israeliten. Herausgegeben von Joseph Wert he im er. Wien 1800. Verlag von Leopold Sommer. Intereffantc Bei» träge mannigfachen Inhaltes von Di׳. Beer, Iellinck, Kanserling, Kämpf, Kodn, Kompert, Szänt.1, Wolf und dem Herausgeber zeichnen auch den heurigen Jahrgang aus. — Wir können es uns nicht versagen, ehe wir auf den gesammten Inhalt dieses BucheS zurückkoniinen, daraus zuerst ״Iabrzeit", die neueste ״Geschichte" von Leopold Kompert anzuzeige». Während Viele diesem trefflichen Dichter rathen, seinem Talent eine» weilern Spielraum zu geben, bescheidet er sich, und bleibt im Ghetto, in der ״Gaste," wo er so zu sagen jeden Stein reden macht. Und er thnt wohl daran, so lange er Rovellen zu Tage fördert, wie ״die Seelenfängerin" (Libuffa 1800,1 und die uns jetzt vorliegende ״Iahrzeit." In dieser Geschickte sieht man es, daß Kompert die ״Gaste" noch lange nicht ab- und ausgeschrieben hat; er dringt immer tiefer in den Geist der darin lebt und webt. Diesmal hat er das alte heilige Gebet ״Kadisch" zum Gegenstand, zur Seele der Erzählung gemacht, und ohne allen gelehrten Apparat, ohne tendenzlos-moralische Zuthat, mit der vollen Macht der Poesie allein bringt er den Leser dieser Novelle zur vollen Klarheit darüber, daß Vieles, was man sich gewöhnt hat, für Förnilichkeit zu halten, in weiser Erkenntniß des menschlichen Herzens eingesetzt und eingerichtet wurde. Hierdurch erweitert sich der Gesichtskreis von Kompert'S Muse zum Horizont des allgemeine» Menschlichen, und sein Werk erhebt sich von der Chronik der ״Gaste" zum Werth der schönsten Poesien, welche Dichter je dem Mcnschenherzen abgelauscht haben. Schließlich »och die Bcmerkuiig, daß Kompert hier mit der׳ gewohnten feine» Charakteristik abennals neue Gestalte» vorführt, hie dem Leben getreu abgclauscht sind. A. 1). w- Nock im Laufe dieses Monates soll, t^i Vernehmen nach, S- Winter's ״Illustrirtcs Israelit. Jahrbuch mit Kalender für das Jahr 1800 01 (0021)" die Presse verlassen. Taffelbc bringt Beiträge von de» Herren: Dr. Goldschmidt, Prediger in Leipzig, I>r. I. M. Jost in Frankfurt a. Bi., Di׳. M. Kanserling, I)r. W. A. Meiscl, Ober-Rabbiner in Pest, Di׳. Löwusobn, S. S;!Ivt«'>, Sternbcrg u. A. m. Vermischte Vachrichten und Votizen. Im ״Debrecz. Küzlöny" stattet der Rabbiner E. Ehrlich seinen Dank ab an die Ortsgemeinde Gynla im Szabolcscr Comitate, welche auf Anregung der dortigen Seelsorger Protest, und grieck. n. unirt. Con fession, der Herren Johann Szresy und Demeter Molnär, so wie des Notars Herrn: Franz Helmeczy und deS Richters Herrn Gabriel Vajda, der kleine», nur aus - 20 Familien bestehenden iSrael. CuItuSgcmeinde Grund und Materialien zum Aufbau eines Gotteshauses unentgeldlich überlasten hat. — Herr Rabbiner Ehrlich hebt mit Recht hervor, daß die Israeliten in Ungar» niemals solchen anhaltenden ^ftfolgungen ausgesetzt warm, als sie in anderen culturstolzen Länderii Europas zu erdulkm hatten. A Herr Rabbiner und Prediger l)r. Kämpf, außerordentlicher Pro feffor an der philosophischen Facultät der k. k. Universität in Prag, hat in! engeren Kreis des leitenden ״Professoren Collegiums״ Sitz und Stimme erhalten. ifft ״Die Fnrckt vor den Inden," — heißt cS in einem ״das österreichische Volk" betitelten Artikel der ״Oest. Ztg." — gehört zu den abgctbanen Dingen. Auch dieser Volksstamni ist nickt, bester und nicht schlechter als die andern. Er versteht den Handel bester, so lange man ihn auf dieses Gebiet drängt. Die jüdischen Fabrikanten haben nickt gehindert, daß neben ihnen eben so tüchtige oder tiichtigere anderer GlaubmS- und Stammesgenoffen entstanden. Man hat einmal gefürchtet, die "Juden zu den Gewerben zuzulasten, sie betreiben jetzt solche, .ohne das; eine Amderung in den Verhältnisten eingetreten. Sie haben lange Iakrc um die Zulaffung in's Unterhaus gestritten, sie sitzen darin, ohne eine bedeutende Rolle dort zu spielen. Sie sind nur dann von größerer Bedeutung, wenn sie von allen Seiten zusammengedrängt sich zusammcnschließen, und ihre ganze Elasticität zu ihrer Vertheidigung anspannen »lüsten. Mit dem Drucke, den nian gegen sie übt und mit der Fnrckt, die man vor ihnen bekennt, schwindet auch die Bedeutsamkeit, die man diesen! Stamme beilegt, er löst sich alsbald in Atome auf, die nickt mehr und nicht weniger werth sind, als die anderen Elemente in! Staat» Man gebe Jedem im Staate, gleiches Reckt und er wird gleichviel als der andere zählen. * In dem Bescheide, womit Se. königl. Hoheit der Prinz-Regent von Preußen das Gesuch niehrer ckristl. Standesberrcn ״das alte Reckt, woimck die Juden ständische Gerechtsame nicht ausüben und öffentliche Aemter nur innerhalb der durch das Gesetz vom 23. Juli 18-17 bestimniten Grenze bekleiden dürfen, aufrecht zu erhalten" zurückgewiesen, erklärte derselbe unter Anderem, daß es bei der erfolgten Zulaffung der Juden zur persönlichen Verwaltung der gutsobrigkeitlichen Polizei und des Dorffchulzcnamtes um so mehr sein Bewenden gehalten müsse, als jüdische Grundbesitzer diesen Aemtern seit dem Jahre 1848 auf Grund der veränderten Gesetzgebung bereits mehrfach mit schuldiger Pflichttreue zur