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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-01-01 · Programm und Probenummer · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
Programm und Probenummer
Date
1860-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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den gräßlichsten Äiersolgungcn preisgegeben waren, und selbst gegen den Schluß diese« Zeitraumes, bald nahe und bald fern den, römischen KKsrrthron, noch nicht die mächtige» Gebieter, Herrscher und Verfolger der Juden waren. Der babylonische Talmud vollends, dessen gesetzliche Bestimmungen allein den Juden in der Zerstreuung allmcilig Nonn und Richtschnur wurden, ist im Reiche der Parther und Ncuperser vollendet worden, wo daS Heitenthum auf dem Throne saß und die Oberherrschaft führte. Unser ganze» 'Schrifllhum bis zum Abschlüsse de« babylonischen Talmud kann daher nur Vorschriften enthalten über die Beziehungen von Juden zu Hciden. Und wie lauten diese Vorschriften? Soll ich vitlleicht auch deS Wcitern auseinandersetzen, daß die biblischen Vorschriften, die sich auf Stehlen, Rauben, Morden, Maaße, Gewichte, Gerichte, Arbeit, Lohn, Haß, Groll, Rachsucht, Witwen, Waisen und Arme beziehen, in ihrer allgemeine» Fassung keinen Unterschied zwischen Juden und Heiden mache»? Wahrlich, eiiic solche Beweisführung und Verteidigung wäre eine strafbare Versündigung an de», GotteSgeiste der Bibel! Menschenfreundlichkeit gegen Heiden schärft das apokryphische Buch de? Weisheit ein (12, 19, 22). Philo und JosefuS erläutern die Schriftstelle: elooira!o tek.»lvll (Ex. 22, 27), der Israelit soll nicht die von fremden Völkern verehrten Göttern verspotten und lästern. Die Mischna lehrt: Verachte keinen Menschen, wehre keinen» t>«idnischcn Armcn Achrcn auf deinem Felde aufzulesen; die Tosifta lehrt: Weit sündhafter ist eS einem Heiden als einem Juden etwas zu entreißen, da der Name GotteS dadurch in den Augen der Heiden geschändet wird, heidnische Arme soll man verpflegen, heidnische. Kranke besuchen, heidnische Todtc b«statten: der Sifra lehrt: Der Prophet Jesaja (26, 2) und der heilige Psalm, st (118, 20) schildern nie eine Pforte, durch welche Priester, Leviten und Israeliten allein zu' GM dem Herrn einziehen: sie steht offen den Gute» und Ctlcn, den Frommen und Gerechten aller Völker; der Sifre lehrt: Wenn Israel des Morgens und des AbendS in seinem höchsten Glaubenssatz „^clnna^' elvlic-iiu," Adonaj ist unser Gott, ausspricht, so ist dies dasselbe liebevolle Wesen, da« alle Geschlechter auf Erden umfaßt — und auf Grund der Schrifterklaruna.cn erhebt es der babylonische Talmud zum unverbrüchlichen Gesetze, daß Betrügen, Täuschen, Hintergehen, Beleidigen und Kränken selbst in Beziehung auf Heide« verboten, sowie Treue, Wahrhaftigkeit, Friedfertigkeit und Gerechtigkeit gegen dieselbe geboten ist. „Gerechtigkeit, Gerechtigkeit sollst du nachjagen" (Deut. 16. 20); die Verdoppelung deS Wortes „Gerechtigkeit zeigt hier an, daß man in diesem Punkte keinen Unterschied - machen dürfe zwischen Juden und Hciden — erläutert ein Schrifterklärer im Geiste deS Talmud. Streng und hart sind einzelne Urtheile und Aussprüche desselben, so eS sich um die unsittlickicn, verworfenen, menschenfeindlichen, barbarischen, gotteslästerlichen Anschauungen tcr Heiden handelt, und eS darf unS wahrlich nicht überraschen, wenn er in seiner sittlichen und heiligen Entrüstung so weit geht, ihnen den Ehrennamen „Mensch," Adam. h. h. daS Ebenbild GotteS abzusprechen; aber noch härter, streng« nnd uncrbiMcher reden die Propheten gegen die Juden selbst, gegen Israel und sein« -?v>,ige, wenn sie dem Götzendienste, der Gewaltthätigkeit gegen' Witwen und Wai>>n^ gxgen Arme und Schutzlose, und der Unsittlichkeit verfallen. „Höret das Won Adonaj'S, ihr Herren von Sodom, vernehmet die Lehre unseres Gettc«. V.olt Amora'S," ruft Jesaja den Bewohnern der GotteSstadt zu (Jes. 1. 10). Wenn nun die Beziehungen zu Heiden, nach den Grundsätzen der Liebe und Gerechtigkeit, ohne Ausschließlichkeit und ohne religiöse Parteiwuth, bestimmt werden: wie erst zu Denen, welche gleich Israel Schrift und Offenbarung anerkennen? Haben nicht zwei anserer berühmtesten Lehrer deS Mittelalters, R. Jehuda ha- Lcwi und N. Mcsc den Maimon, der eine in Spanien und der andere in Egypten, es offen ausgesprochen, daß beiden jüdischen Tochtcrreligionen eine große weltgeschichtliche Sendung an die Heidenwelt nach dem Rathschlusse der Vorsehung zu Thcil wurde, und daß beide zur allmäligcn Verwirklichung deS GotteSreiche« aus Erden mächtig mitwirken? Hat nicht R. Mose ben Nachman diese Ueberzeugunz unserer großen Lehrer vor einem König in Aragonien vorgetragen? Rief nicht der Spanier R. Hescf Jabcz auS: Gepriesen sei der Ewige, der Gott Israels, daß er, nachdem der zweite Tempel zerstört und Israel zerstreut wurde, eine der unfern verwandte, Schöpfung, Schrift und Offenbarung, göttliche Bestrafung und Belobnnng anerkennende Religion entstehen ließ; denn wer weiß, ob wir nicht inmitten der Heiden wankend geworden wären? Gehen nicht alle unsere Gesetzeslehrer in Deutschland, Spanien, Frankreich und Polen, der Deutsche R. Ascher, der Spanier R. Nissim, der Provence R. Jerocham, der Pole R. Mose JesscrleS, in ihren gesetzlichen Bestimmungen von dem Grundsätze auS, daß die Anhänger der älteste» jüdische» Tochterreligion denselben Gott Himmels und Erden wie Israel anrufen, und bloS durch die Auffassung der GotteSidee sich von demselben unterscheiden und trennen? Schrieb nicht R. Jacob Emden im vorigen Jahrhundert: Hell u»< und Heil den Bekennern der Heilsbotschaft, wenn sie die liebevollen und menschenfreundlichen Lehren derselben stets beherzigt hätten; o, dann hätten sie unS nicht hassen und verfolgen, dann hätten sie nie zugeben dürfen, daß unsere Vorjahre» z» Tausenden und Myriaden gemordet würden? Und gegen diese Nichtjutcn sollte den Juden erlaubt sein, was ihnen selbst gegen Heiden vcrbnc» war: List, Trug, Falschheit, Haß und Feindselig,««? Wer niöcblc nicht mit R. Mose ChagiS ausruscn: Sollte ein Gegner der Inden die Menge das Gegenthcil glauben machen wollen, so vertraue« wir der Gnade GotteS und der Weisheit der Fürsten, daß sie die Schmälningen eines solchen Judenfeinde« nicht achten nnd wohl einsehen werdcii, dajj der Grund derselben in Lieblosigkeit, in Unglaube» >,»t Unkunde deS jüdischen Gesetzes bestehe! v -- Z» den Abbildungen. Der nlte gn!i?isc!lc Zuäe. ') Ich seh' in meiner Aacht De» Stern der Enkel blinke», A»d bin nun gern bereit, In s stille Hrab zu sinken. 8» spricht zu», llleib der H.eis, And legt die Hand gelinde, Still lieteud aus das Haupt » Dem jüngsten Eoketkinde. Ich hake Tag und Nacht Durchforscht die he»l°gen Schritten, Mit welche» durch die Welt Mir wanderte» und schisslen. Mein Alicli. durch sie ei-hellt. Sah nur den Himmel offen. — Mein Herz, durch sie gestärkt, Es schwoll von sel'gem Hoffe«. 0b. die aus Erde» hier De» Fürstensoepler tragen, Mir, weil der Himmel mein, Der Scholle Ztecht oersagen? Sei's drum! — die Scholl' ist Stnub! Mag Staub dem Staube mehre». Den Staub zu nenne» sei«, Zu dem zurück wir kehre»! — Ihr Enkel i>t»«i, 1H7 ichl Nicht nur den Himmel offen, — Es ist auch Erdenglück, Das euch erfüllt mit Hoffe». — Der lkrde Weisheit lernt Ihr: und der Erde Hüter, Aein Anrecht wehrt sie euch; Das Aecht bleib' euer Hilter. And wo dus Aecht, ist Hott, And in des Herren Aähe Ist Hottes Volk daheim, Hört aus des Holus Mehe. Ei» Land der Väter ward Somit das Land der Söhne; Da sterbe ich gelrost, Wie in Aa»aa»s Schöne! _ Äd-lfIwr, "V . ' Die ßlülultrung äer Jullcn in Tcluan. Die Nacht vom 4. auf den 5. Februar d. I. war für unsere armen GlaubenSbrüder in Tetuan eine schreckliche. Die marokkanischen LZehörden hatten erkannt, daß, in Folge der Bewegungen des Marschalls O'Donnel, die Stadt nicht länger widerstehen könne und in die Hände der Spanier saVkn müsse, und sie beschlossen die Stadt freiwillig zu räumen. Die Soldaten des Sultans, die hiervon Kenntniß erlangten, beschlossen vor dem Abzüge auS der Stadt zu plündern. In der Nacht zwischen Sonnabend und Sonntag drangen sie in daS jüdische Quartier ein, raubten alleS Gold- und Silbergeräthe, zerbrachen daS Geschirre und verbrannten AlleS, waS sie nicht mit fortschleppen konnten; sie zerrissen dieSephorim und verübten die abscheulichsten Handlungen an Weibern und Kindern. Beim Eintritt in die Stadt fanden die Spanier die Weiber fast nackt und halb entseelt in Folge der gräßlichen und zahllosen Gewaltthatcn, die an ihnen von einer zügellosen Soldateska verübt worden. Diese feigen Wichte, denen der Muth zu einem Kampfe gegen die Spanier gefehlt hatte, ließen ihre Wuth an wehrlosen Weibern und Lindern auS. Einige Männer, die ihre Weiber und Töchter vertheidigen wollten, büßten mit dem Leben. 15 Erschlagene fand man am andern Morgen. 10,000 Juden waren in Folge dieser Nacht an den Bettelstab gebracht und liefen in dem aller Lebensmittel beraubte» Landstriche Gefahr, HungerS zu sterben. Sammlungen, die in allen Ländern für diese Unglücklichen gemacht wurden, hatten reichlichen Ertrag, so daß da« LooS derselben doch in EtwaS gebessert werden konnte und daS Leben Tausender erhalten ward. »°. — Wien, 18. Mai. Am 12. d. M. war in dem hiesigen von Herrn Direktor Deutsch geleiteten Taubstummen-Institut eine Feierlichkeit.') Es wurde dem geistigen Gründer derselben, Herrn Ko lisch und Herrn Kanitz, der sich um den Bau und die äußere Einrichtung deS Institutes große Verdienste erwor- ') Diese« Gedicht wurde nach Ansertigung obiger Zeichnung geschrieben, die wir dem Verfasser zu diesem vehus vorlegten. Die Redaktion. 1 Snm. d. Xedact. Wir wohnt« derselben bei und »erden nächsten» da« Portra« de« Herrn Deutsch bringen und un« über dies»« herrliche, stgen«rcich» Znstintt de» Näheren «»lassen.

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