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Der jüdische Handwerker · 1936-12-01 · 12 (12.1936) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
28 (1936)
Issue
12 (12.1936)
Date
1936-12-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Ein Inftitut für Wirtfchaftsforfchung in Paläftina Dil-' Aufgabe des Instituts für Wirtschaftsforschimg bei der lewish Agvricy besteht in der Erforschung dir wirt- S( haftlu hen AjHfnahmcf ähigkeit» Palastinas. Wie der I eiter des Instituts Di \ithur Ruppin kürzlich den Vertretern der Pressje mitteilte werden sämtliche in Trage kommenden Zweige der Landwirtschaft, der Industrie, des Aulien- und Binnenhandels, des Transportwesens und der Touristik, des Um- und des Kreditwesens erforscht, um festzustellen, ob und mit welchen* Mitteln die Wirtschaft Palästinas verbessert, lind dadurch die Aufnahmefähigkeit des Landes für jüdische I inw anderit erhöht werden kann. Auf industriellem Gebiet sind in einer Reihe mhi LViik- Schriften ii a. die Möglichkeiten einer Ausdehnung der I i \; i 1 i n d u $ t r i e geprüft worden. Die Vorschläge, die die Mitarbeiter des Instituts der Regierung unterbreitet haben, sind fast \ oilstäirdjg realisiert worden. IX'mnächst wird das Institut tin Buch-über Bauprobleme technischer, wirtschaftlicher und fiu.in/u iler Art herausgeben. Es befallt sich ferner eingehend mit der Verbesserung der palästinensischen V e r k c Ii rs v« r J|ä 11 n t sse . I ndlich sind auch die Exp'o r t f ö i <f c r u a g s f r a g e n < iegenstand sorgsamer wissenschafilkher Untersuchungen. Denn die Seßhaftmachiing einer . rölJcren industriell taligen Bevölkerung hängt wesentlich davon ab. ob es gelingt, eine Industrie im lande /u verwurzeln, die mit ihren Erzeugnissen auch die Agrarländer des c-iviN /u versorgen vermag. Die Tätigkeit des Instituts hat in 'hohem Marie praktische Bedeutung für die Entwicklung der palästinensischen Wirtschaft. Jüdifche Kunf>lehrf>ätten "f\\. ' - ".']■ - ■ •' - I s fehlte bisher an einer umfassenden und zentralen . Lehrstättel für die verschiedenen Gebiete der angewandten Kunst und des Kunstbaitdwerks. für die Schaffung einer solchen Uiiterrichteanstalt besteht jedoch in doppelter llin-kht ein dringendes Bedürfnis. Auf der einen Seite lehrt die I rfahrung, dali für die gehobenen Handwerksberutc die hier in Betracht kommen, in den Kreisen des jüdischen Nachwuchses nicht nur viel Neigung, sondern auch wirkliche I iL innig vorhanden ist. Auf der anderen Seite hat sich seit v Jahren gezeigt, dall im Ausland von Industrie und Oe- . werbe, ton Handwerk und Handel begabte und fachlich ausgebildete Kräfte auf den Sondergebieten der Mode, der Textilkunst. der Werbung, der Gebrauchsgraphik, der Schaufenster-Dekoration gesteht werden. Es leuchtet ein, dall nur eine mit höchster Sorgfalt systematisch durchgeführte Schulung den Studierenden die "Grundlage zur spateren Berufsausübung \ ermitteln kann. Nur $o werden sie sich nach ihrer Auswanderung im Wettbewerb draußen bewähren. Der Weg . hierzu ist dadurch «wiesen, dall eine Anzahl jüdischer I e Ii r k r a f I e v«Ml Erfahrung und Befähigimg für die > neuen Aufgaben im jüdischen Bezirk freigeworden ist. Dies pädagogische 'Wissen und Können für die jüdische Gemeinschaft fruchtbar zu machen, ist gleichfalls eine Forderung, die Beachten« verdient. In Würdigung dieser Sachlage hat die Jüdische Gemeinde zu Berlin in Verbindung mit der Reichsvertretuug der Juden in Deutschland für 1. April 1937. vorbehaltlich der Genehmigung der Aufsichtsbehörde, iii Aussicht genommen, eine derartige Ausbilduugsstätte ins Leben zu rufen. Das Ziel ist die gründliche Ausbildung junger, der Schule entwachsener jüdischer Menschen beiderlei Geschlechts in den unten angegebenen Fächern, zugleich .uich die b'mschuluiig, aus anderen Berufen, und die Fortbildung Berufstätiger. Vorerst sind die folgenden Abteilungen vorgesehen: j, Werbekunst: Schrift-, Gebrauchsgraphik', Plakat , Schaufenstergestaltung - angegliedert eine Lehrwerkstätte für praktische Schaufenster-Dekoration (Gebrauchswerbung). L' Mode- und Konfektionszeichnen: angegliedert praktische Lehrwerkstätten für Schneiderei, Putz, Wäsche, Handarbeiten. I s soll Tages-Vollunterricbt erteilt werden. Außerdem sollen lieben der geschlossenen Fachausbildung Umschulungsu n d I r i_r ä n z u n g s k u r s e , auch Abendunterricht für die im Beruf Stehenden geboten werden. Als Ergänzung sind schließlich allgemeine Kurse in Werbelehre, Stoffkundc, Stil- und Kunstgeschichte, Kostümkunde, Farbenlehre, Perspektive in Aussicht genommen. Da es sich um spätere Auswanderer handelt, sollen die Schüler verpflichtet werden, an Sprachkursen anderer Organisationen (u. a. Hilfsverein ' der Juden in Deutschland) teilzunehmen. Die Ausbildungsdauer ist für Fachausbildung auf zwei Jahre angesetzt, für die Umschulungsbezw. Fortbildungskurse sollen semesterweise Lehrgänge eingerichtet werden. Als Lehrkräfte kommen nur Persönlichkeiten in Frage, die auf den jeweiligen Fachgebieten ein hervorragendes Können besitzen und neben ihrer künstlerischen und pädagogischen Befähigung Fühlung mit der Praxis .haben. Die Aufstellung und Durchführung der Lehrpläne wird einem Kuratorium übertragen, das unter Leitung des Herrn Albert Reimann, des Begründers und früheren Leiters der „Schule Keimann", arbeiten soll. Die Scliulgeldsätze werden, dem gemeinnützigen Charakter der Schule entsprechend, auf das unentbehrliche Mindestmaß beschränkt. Sie sollen für die VoHschüler (45 Wochenatonden) RM. 50.— monatlich, für die Abendschüler je nach der belegten Stundenzahl zwischen RM. 10. und RM. 25. - monatlich betragen. Um die tatsächliche Nachfrage schon" jetzt feststellen zu können, werden von Anwärtern und An Wärterinnen für die geplante Ausbildungsanstalt, die mindestens 16 Jahre alt sein müssen, nur schriftliche Bewerbungen sofort bis spätestens $1. Dezember 1QJ6 erbeten, und zwar von den in Berlin wohnhaften Bewerbern an die Adresse der Jüdischen Gemeinde, Berlin C 2, Rosenstr. '2—4, Zimmer7, von den außerhalb Berlins Ansässigen an die Adresse der Rcichs\ertretung der Juden in Deutschland, Abteilung Berufsausbildung,' Berlüi-Charlottenburg 2, Kantstr. 13S. Das Bewerbungsschreiben muß enthalten: Lebenslauf mit Angabe des Namens. Alters, der Schulbildung und gegebenenfalls der beruflichen Vorbildung, außerdem genaue Angaben über Beruf und wirtschaftliche 1 age (bei Jugendlichen der Eltern oder Erziehungsberechtigten). Nach Möglichkeit sind Lichtbild und einige Arbeitsprobeu beizufügen. (Zeichnungen nicht gerollt, mit Namen versehen). Eignungsprüfung für jüdifche Jugendliche Wegen des Mangels an Lehrstellen mußten in Hamburg für die jüdischen Jugendlichen Aushildungsmöglichkeiten in handwerklichen Lehrwerkstätten geschaffen werden. Um die Auswahl geeigneter Berufsanwärter vor Beginn der Ausbildung sicherzustellen, haben die Judische Berufsbcratungsstelle und die Beratungsstelle für jüdische Wirtschaftshilfe B c r u f s e i g n u n g s p r ii f u ii g e n ' veranstaltet. Uebcr ihre Ergebnisse macht Dr. Arno Carl Coutinho, Hamburg, im Oktoberlieft der Zeitschrift .Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik" eingehende Mitteilungen, die sicherlich auch unsere Leser sehr interessieren werden. An den Berufeeignungsprüfungen, die natürlich nur einen ersten Versuch auf diesem neuen Betätigungsgebiet der jüdischen Berufsberatung darstellen, nahmen 49 jüdische Jugendliche teil, nämlich 40 männliche und 9 weibliche. Die Eignungsprüfung der weiblichen Jugendlichen, von denen .die meisten den Schneiderinnen-Benif ergreifen wollen, soll hier außer Betracht bleiben. Von den männlichen Jugendlichen, wurden allein 28, also die große Mehrzahl, auf ihre Eignung für das Sc blosser Ii and werk bzw. für metallverarbeitende Handwerkszweige geprüft. Bei der Zusammenstellung der Prüfungsaufgaben wurde besonderer Wert darauf gelegt, diejenigen Eigenschaften zu prüfen, die für das Schlosserhandwerk besonders wichtig sind, nämlich technische Intelligenz, R a u m a n s c h a u u n g , Geschicklichkeit und Arbeitstempo. Die Prüfung bestand daher, außer in der Anfertigung von Arbeitsprobeu, hauptsächlich in der Lösung von 12 verschiedenen Aufgaben, durch die gerade diese Eigenschaften ermittelt werden sollten. Bei der Durchführung der Arbeitsproben mußten die Schlosser-Anwärter feilen, mit der Metallsäge sägen, meißeln, polieren, bohren und nieten. Abgesehen davon, daß den Prüflingen einige Handgriffe gezeigt wurden, waren sie bei der Durchführung der Arbeit ohne jede Hilfe. Die Leistung der Arbeitsproben und die Lösung der Aufgaben bildeten die Grundlage für das Urteil über die Eignung zum Schlosserberuf und über die Aufnähme in die Lehrwerkstätten. Das Ergebnis war, daß 2 3 Jugendliche (von denen je ein Drittel 14, 15 und 16 Jahre alt war) die Prüfung bestanden, 5 dagegen nicht bestanden haben. Die Eignungsprüfung für Tischler unterschied sich von der für Schlosser wesentlich nur durch die Arbeitsproben. Die 6 Tischler-Anwärter, die sich der Prüfung unterzogen, mußten sägen, hobeln und Holz abschmirgeln. Die Aufgaben zur Prüfung der handwerklichen Fälligkeiten waren dieselben wie die der Schlosserprüfung. Alle 6 Tischler-Anwärter bestanden die Prüfung. Außer den Schlosser- und Tischler-Anwärtern Wurden noch 7 Jugendliche einer Prüfung auf allgemeine handwerkliche Eigenschaften unterzogen. Von ihnen wollten 3 Maler, 1 Maurer, 1 Schuster, 1 Friseur und 1 Kaufmann werden. Da für diese Prüfungen nur ein Tag zur Verfügung stand, mußte angesichts der Verschiedenheit der in Frage kommenden Berufe von einer Fertigung von iArbeitsproben abgesehen werden. Die allgemeinen Prüfungsaufgaben waren wiederum die gleichen wie die der Schlosser- und Tischler-Anwärter. Außer diesen Aufgaben wurden noch 6

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