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Der jüdische Handwerker · 1936-12-01 · 12 (12.1936) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
28 (1936)
Issue
12 (12.1936)
Date
1936-12-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Ihc Bedeutung eines Zusammenschlusses des 'gesamten Mittelstandes soll man nicht unterschätzen. Was konnte z.B. aul iniicrjudisehcm Gebiet der Mittelstand bedeuten und lür seine Mitglieder erreichen, wem» er als eine organisatorische I inheit in die Wagschale geworfen werden konnte! Da ja zweifellos die Mehrheit aller in Deutschland lebenden Juden diesem Mittelstände angehört, müßte ihm ganz von selbst eine führende und maßgebliche Stellung im jüdischen Leben zufallen, wenn der lückenlose Zusammenschluß da wäre, ohne den heute kein Stand oder Beruf seine Lebensinteressen' erfolgreich vertreten kann. Aber diese Konsequenzen fü* die inuerjüdische. Entwicklung sollen hier nur als Heispiel erwähnt w erden. Der Nutzen, den gegenseitige Hilfe tuul gegenseitige Stützung im wirtschaftlichen leben dem Einzelnen bringen; braucht in heutiger Zeit wahrhaftig dem jüdischen Menschen! nicht mehr bewiesen zu werden. Ks kommt nur noch darauf an, \<.n der Erkenntnis zum Entschluß, [von der Einsicht zur Tat zu gelangen. Die Tat. die wir Branchen, uml nie uns .allein hellen kann, ist der Zusammenschluß aller, du>-durch das gleiche Schicksal miteinander verbunden sind, ist die Einheit im jüdischen Mittelstände. Wer noch fernsteht, -oll den Schicksalsgenossen näher rucken. Wer -ich vereinsamt und gefährdet fühlt, soll zu denen kommen;-die in der gleichen Lage sind. Wer will, dalf ihm geholfen wird, -oll die Organisation ausbauen helfen, die allein ' aiirksame Milte bringen kann. Stabile Preife — (labile Wirtfchaft W enn wir ni-ereil Blick zunächst einmal nach anderen I uidVrn richte:], -o sehen wir, dal! in einer großea Anzahl von Volkswirtschaften die Stabilität der Währung und damit der \\ frtschäft durch den Preisauftrieb bedroht ist. Steigende Rohstoff- und Nahrungsmittetpreise führen aber, teils unmittelbar, teils auf dem Wege über Lohnsfeigcrungcu. notwendig /u Preiserhöhungen auf dem (iebiete der indu- .-Iriellen Fertigwaren. Namentlich in den Abwertung*];indem kohl dieser Auftrieb der Preise die Ausfuhrförderung, die da« Ziel der Währungsabwertung war. wieder zunichte zu machen Je schneller die Kosten der Lebenshaltung in den •. in/cliH H Ländern steigen, desto größer i<t die Gefahr eines Ausgleichs der Abu. ertung-maßnahmeu, iler zugleich das Ende des "durch die W .ihrungsmanipulation hervorgerufenen Kon- junkturauNch wtings bedeuten wurde. In Deutschland, wo "durch großzügige Arbeitsbeschj|- , -fung eine allgemeine Wirtschaftsbelebung erreicht worden ist. Instand ebenfalls auch bisher schon die Gefahr eines Preisauftriebs. Sie ging anfangs von der Stärkung der Kaufkraft aus. dit unter Umständen eine Preiskonjunktnr erzeugen kennte, wenn der Auttrieb der Preise nicht, mit starker Hand niedergehälten wurde. Darum war von Anfang an die Wirt - schäftspolitik der Reichsregierung auf das Ziel gerichtet, eine M e n g en k öii j u nk t u r hervorzurufen und zu erhalten Eines der Mittel zur Sicherung dieses Zieles waren die au; verschiedenen Gebieten, namentlich aut dem der landwirtschaftlichen Erzeugung errichteten Marktordnungen. W enn diese anfangs vielfach geschaffen wurden. um Preisunterbietungen zu verhindern, so sind sie dann sehr i bald vorwiegend in den Dienst der P r e i s s t a b i I i s i e - r u n g ü u r c h V c r h i n d e r u n g von Preissteigerungen gestellt worden. Mau kann heute rückblickend feststellen, daß eder w irt-eha Unpolitischen Lenkung durch die Reichsregierung gelungen i-t. einen allgemeinen Preisauftrieb und damit eine Störung der Mengenkonjunktur zu verhindern. \dr allem i-t die Gefahr; da.'! von der Lobns.eite her . die Stabilität der Preise erschüttert wird, erfolgreich gebannt worden.--Löhne und Lebenshaltungskosten konnten auf die-e Weise im wesentlichen-stabil gehalten werden. Die Abwehr, an der Preisfront ist freilich erschwert, , seitdem'' an den Weltmärkten die Rohstoff-Preise in Bewegung gekommen sind. Die Erhöhung der internationalen Preise wichtiger Rohstoffe, auf die die deutsche Wirtschall angewiesen i-t. <n /. B. der Nichteisen.-Metalle. der Baumwolle und der Wolle, wird zwar teilweise dadurch ausgeglichen, daß natürlich auch die Preise der au> diesen Stoffen efertigten Industriewaren auf den auswärtigen Märkten Steigen. Aber nur ein Teil disser Waren wird wieder ausgeführt, sodaß für >ie im Auslande entsprechend höhere Preise erzielt werden können. Ein anderer Teil .der aus ausländischen Rohstoffen erzeugten Waren dient der Befriedigung des Inland-Bedarfs. Die für die Beschaffung dieser Rohstoffe erforderlichen Mehrbeträge belasten die deutsche Devisen-Bilanz. Durch den Vierjahresplan soll deshalb die Poh-totf'-l.infuhr auf ein möglichst geringes Mali zurück- geführt werden. lieber die Mittel, die zur Erreichung dieses Zieles angewandt werden, und über die Notwendigkeit, daß ■alle Wirtschaftenden sich auf diese Maßnahmen positiv einstellen, ist in der vorigen Nummer dieser Zeitschritt das Nötige ausgeführt worden. Aber auch die Verwirklichung des Vierjahresplanes schafft wieder ein Preisproblem. Alles, was nötig ist, um die Einfuhr ton Rohstoffen zu senken und ausländische Werkstoffe durch im Inlande erzeugte zu ersetzen, muß vielfach ohne Rücksicht auf den Preis getan werden Es wird also vorkommen, daß die Herstellungskosten der im Inlande erzeugten Werkstoffe zunächst höher sind als die Preise der eingeführten ausländischen Stpffe. Die Hauptsache ist, daß sie ohne Aufwendung von Devisen oder abii unter geringerer Belastung der Devisen-Bilanz, erzeugt werden können. Häufig wird später übrigens eine Senkung der Preise einheimischer Stoffe, sei es infolge technischer Fortschritte, sei es durch Rationalisierung der Produktion. erreicht werden können. Aber auf den Preis k o jn tu t es hier zun a c h - t nicht i n erster L i ii i e a n . In einer Volkswirtschaft, die die Güterversorgung unter allen Umständen sicherstellen will und muß, ist der Preis nicht mehr der Angelpunkt des wirtschaftlichen Geschehens. In der geschlossenen Nationalwirtschaft gibt es Mittel und Wege, auch des schwierigsten Preisproblems Herr zu werden. Um diese Mittel einheitlich einzusetzen und richtig anzuwenden, ist gleichzeitig mit dem Beginn der Vicrjahrcsplan- W irtschatl eine zentrale Rcichsstclle für Preisbildung ins Leben gerufen worden, die von dem Reichskommissar für Preisbildung Josef Wagner geleitet wird. Die Tätigkeit des Reichskommissars geht, wie dieser ausdrücklich betont hat, über eine Uehcrwachung der Preisbildung hinaus. Sie beschränkt sich keineswegs auf polizeiliche Maßnahmen. Die Erziehung der Menschen z u g e in e i n w i r t s c Ii a f 11 i c h e m H ä n d e I n ist das weitgesfeckte Ziel. Eür den Wirtschafts-Egoismus des Einzelnen soll kein Platz mehr sein. Die Tätigkeit des Reichskommissars wird also in iler Hauptsache eine preisbildende sein. Es soll eine dem Interesse der Gesamtwirtschaft dienende Preisbildung gewährleistet werden. Man darf in diesem Zusammenhange daran erinnern, daß schon in mehreren Fällen durch staatliches Eingreifen Preissenkungen durchgeführt worden sind), sp z. B. in der Zementwirtschaft. Die Verteidigung der Preisfrpnt erstreckt sich selbstverständlich auch auf d.ls außerordentlich wichtige Gebiet der I ohne. Denn es besteht eine gegenseitige Wechselwirkung zwischen Lohn- und Preisentwicklung, die nicht außer Acht gelassen werden darf. Die Stabilität der Preise setzt eine Stabilität der l öhne voraus und umgekehrt. Darum bedeutet es auch eine- Gefährdung der Preisfront, wenn in einzelnen Fällen Facharbeitern ubertarifliche Löhne geboten und gezahlt worden sind- Die hierdurch entstehenden Spitzenlöhne können unter Umständen das ganze Lohngebäude erschüttern und auf dem Wege über eine Steigerung des Lohnniveaus auch das Preisniveau in eine Auf u ärtsbewegung bringen. Eine Ausnahme von dein Grundsat/ der Lohnstabilität wird nur dann zugelassen, wenn es sich um Leistungslöhne handelt, denn in diesem Falle steht dem Mehrlohn eine' Leistungssteigerung gegenüber. Daher führen höhere. Leistungslöhne ' nicht zu einer Steigerung der Gestehungskosten der Erzeugung und damit auch nicht zu einer Preissteigerung. Im übrigen aber soll ein Fächarbeitermangel, Wenn er sich hei der Durchführung des Vierjahresplanes bemerkbar macht, grundsätzlich nicht zu Tarifuber-chreitungeii Veranlassung geben. Stabile Löhne und stabile Preise sind grundlegende Voraussetzungen für die I hirchführung des Vierjahresplans. Schwere Strafen sind gegen Preistreibereien angedroht worden, weil diese die schwerste Gefährdung des Vierjahresplans bedeuten. Aber nicht im Hinblick auf diese Strafen, sondern aus gemeinwirtschaftlicher Gesinnung heraus soll jeder, der in der Wirtschaft als Erzeuger oder Warenverteiler täiig ist, alle zum Schutze der Preisstabilität erlassenen Vorschriften und Anordnungen aufs Genaueste befolgen. I),igilt ganz besonders für den Handel, weil dieser als Prellbock zwischen Erzeuger und Verbraucher an einer für die Preisbildung besonders wichtigen Stelle steht, und weil die Handelsspanne immer am schärfsten umkämpft zu sein pflegt. Verfehlungen gegen die Preisvorschriften und Kalkulationsregeln stammen sicherlich bisweilen nicht aus böser Absicht, sondern werden auch aus Unachtsamkeit oder Festhalten an , alten, aber nicht mehr zeitgemäßen Methoden begangen. In manchen Branchen waren z. B. bisher Kalkulationen üblich, die mit den gegenwärtigen wirtschaftspoütischen Grundsätzen und. Zielen nicht mehr in Einklang zu bringen sind. Hier hat der Kaufmann rechtzeitig umzulernen und sich auf die Erfordernisse des V i e r j a h r e s p 1 a n s u m zustellen. Jedes Glied der Wirtschaft muß wissen und muß sich bei jeder wirtschaftlichen Handlung der Tatsache bewußt sein, daß von der Stabil-Frhaltung der Preise letzten Endes die Sicherung der Bedarfsbefriedigung der Gesamtheit abhängt. Der in der Wirtschaft tätige-Jude steht heute (und nicht er.-t heute) an einer besonders exponierten Stelle. Der jüdische Kaufmann. Industrielle oder Handwerker, der auf diesem Gebiete seine Pflicht nicht mit doppelter oder dreifacher

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