Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 28 (1936)
- Issue
- 11 (11.1936)
- Date
- 1936-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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mäßig. Vor allem 'wirkt sieh die Rohstoffversorgung im sinne einet Differenzierung lies Aufstiegtempos ans. .so haben z. BJ hrnerfialb der Textt|wirtschaff die Baumwolllspinnereien ihn- Erzeugung verhältnismäßig stark ausdehnen können, teilweise infolge Umstellung auf die neuen Rohstoffe. «Dagegen 'sind in der Wollindustrie Produktion iinii Beschäftigungteilweise zurückgegangen: Anderer- -riw flennen sieh die \on der Versorgung mit ausländischen Rohstoffen unabhängigen Zweige der Textihvirtsehaft. namentlich - die Zellwolle- und Kunstseidener /eu gutig. besonders schnell jus. Das Bekleidungsli .1 i d \\ e r k, kann über befriedigende Absatzsteigerung'.-!! berichten. Schneider, und .Schuhmacher haben mehr als im vorigen Jahre zu tun. Der Absatz von Hausrat hat durchschnittlich um etwa 10 Prozent zugenommen. So gellen jetzt auch von der Verbrauchsseite starke Anregungen aus. die die Belebung der Allgemeinwirtschaft verstärken. Diese Belebung kommt am handgreiflichsten in, dCrt steinenden Ziffern des Absatzes von Kohle, E i s' C n , e I e k i i is-c fa e m S t r o tu sowie in der Zunahme des Ci ii t e r v'e r k e Ii r s bei der Reiclisbahn zum Ausdruck. Die Chemische Industrie hat der raschen Zunahme' der Gcwinmiug neuer einheimischer Rohstoffe eine überdurch- . schnitt lieh grolic l'msat/steigerung zu verdanken. Ihre Umsätze liegen zurzeit sehoi um 12 Prozent über den entsprechenden Vorjahrsiimsätzen und werden mit der Durchführung des Vicrjahresplans noch beträchtlich schneller, steigen. Die rheinisch-westfälische Eisenindustrie hat bereits begonnen, einige Malinahmcn zu treffen, um die Am- Forderungen derl Abnehmer einzudämmen. Der Handel soll diese' Lagerbestände nicht weiter vergröbern. Eür die A rb c i t s m a r k 11 a g c sind die Malinahmcn kennzeichnend, die gegenüber dem hier und da schon empfindlich fühlbaren Facharbeitermangel getroiffen worden sind. Der bevorstehende Winter mit seiner saisonüblichen Abnahme der Beschält ig ung in den Außen berufen wird (ielegenheit gebe«.' durch Umstellung und Umschulung dem Mangel an qualifizierten Facharbeiternzu "begegnen. Von . besonderer Bedeutung für viele Handwörkszweige ist die günstige Entwicklung des Baumarkts. Auf allen Gebieten des Hoch- und Tiefbaus ist in diesem Jahre mehr gebaut worden als im Jahre 1935. Im Tiefbau beträft die Auftragszunahme etwa 10 Prozent. Im Hochbau ist eine unvcrmüulcrte Fortführung der öffentlichen Bauten gesichert. Landwirtschaft und Industrie bauten Ebenfalls mehr als im Vorjahr. Ein Teil der industriellen Bautätigkeit dient der Verbreiterung der einheimischen Rohstoffhasi»".. Dieser Teil wird infolge der Durchführung des Vicrjahresplans sicherlich noch eine bedeutende Ausdehnung erfahren. Im W o h n u n g s - und Siedlungsbau sind während des Baujahrs 1036 rund 3«) 000 bis 320 000 neue Wohnungen fertiggestellt worden. Auch die fürdas Handwerk so wichtige L'mbautätigkcit, die erheblich zurückgegangen war, ist in' letzter Zeit wieder gestiegen. In .engem Zusammenhange mit der Wohnungsbautätigkeit gestaltet sich bekanntlich auch der Bedarf an Oefen, Möbeln, Hausrat usw.. der seinerseits wieder die Umsätze bedeutender Zweige des Handwerks und des Einzelhandels wesentlich beeinflußt. Angesichts dieses allgemeinen Aufschwungs der Wirtschaft muß freilieh hier auch die Frage aufgeworfen werden, welchen Anteil an der Belebung der Geschäftstätigkeit die in der Wirtschaft verbliebenen jüdischen Industrie-, Handwerks- und Handelsbetriebe haben. Zahlenmäßige Angaben hierüber sind natürlich nicht möglich, nicht einmal Schätzungen. Zweifellos verengt sich aber der 'jüdische WirtschaftrJum immer noch weiter. Diese Entwicklung gibt Anlaß zu ernster Sorge. Andererseits darf man freilich a!nnehmen, dal) der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung schließlich auch dem jüdischen Wirtschaftssektor und den zahlreichen noch lebensfähigen Betrieben, die zu diesem Sektor gehören, zugute kommen wird. Von dem Auf und Ab der Gesamtwirtschaft ist auch der jüdische Wirtschaftsmensch in erster Linie abhängig. Auch er will daher nichts anderes und kamt nichts anderes wollen als durch seino Arbeit und durch seine Leistungen der Gesamtheit dienen. Die kommende Reichsgewerbesteuer Seit längerer Zeit besteht die Absicht, die bisher noch ländermäßig geordneten Realsteuern zu vereinheitlichen und zu Reichssteuern auszubauen. Das kommt in erster Linie für die Gewerbesteuer in Betracht. Schon am 1. April l'lj? soll die neue einheitliche Reichsgewerbes'euer in Kraft Heien, l'elier ihre Gestaltung hat Ministerialdirektor Prof. Dr. Hedding vom Reichsfinanzministeriuirt kürzlich in einem Vortrage einige instruktive Mitteilungen gemacht. Dabei ist freilich zu beachten, daß che end'e; iltige Entscheidung über die Ausgestaltung der künftigen Reichsgewcrbestcuer noch nicht vorliegt. 1 Die Reichsyewerbesteuer wird sich lediglich auf das Stehende Gewerbeerstrecken. Das Wandergewerbe w ird ihr llso nicht unterstehen. Ebenso werden die Angehörigen der Freie« Berufe, die im Jahre 1929 in die Gewerbesteuer einhe/o,eii worden sind, wieder aus ihr herausgenommen werden. Dafür (wird aber eine besondere Berufsr für die Angehörigen der freien Bernte geschaffen Grundlage der < iew erbebesteuerung wird in Zugrundsäizhch der (iew erbeertrag sein. Nur in besonderen Falle soll auch weiterhin das Gewerbeberueksi htigt werden. Wenn dieses nämlich min- 40 000.- beträgt, der Gewerbeertrag aber wes te u v. erdet kunft einem kapital destens RM niger als < i< w erbes (äpitaJs **" 4 Prozent des üewerbekapitals ausmacht, soll de>- teuer ein Mindestertrag von 4 Prozent des Gewerbezugnmdegelegt werden. Die Lohnsummenste u e r wird zwar noch nicht ganz abgebaut werden können. sie Jwird nur unter bestimmten Voraussetzungen ministerieller Genehmigung erhoben werden. Die mit Bedes Gewerheerträgs soll mit den bei der 'Veran- Einkommen- und Körperschaftsteucr ermittelten möglichst in Einklang gebracht werden. BeiinzuSetzungen oder Absetzungen werden freilich Fllen vorgenommen werden müssen, er Gen erbesteuer freigestellt werden auch P dei aber reich rechnen lageng zilr l uAunften stimmte in diesen Von in Zukurjft die meisten Unternehmungen des Reichs, die Staatsbänken sowie gemeinnützige, kirchliche und mildtätige Unternehmungen, falls ihre wirtschaftliche Betätigung im Rahinen einer bloßen Vermögensverwaltung bleibt. Ueber die Höhe 'der < iewerbesteuer b e I a s t u n g sind endgültige Beschlrsie noch nicht gefaßt. Doch teilt Prof. Hedding mit, daß die (iewerbeerträge bei ganz kleinen Handiwerkern mit durchschnittlich nur 0,8 bis 1 Prozent belastet sein werden. Bei großen Unternehmungen wird dagegen die Belastung bis zu 20 Prozent des Gewerbeertrages ansteigen. Die Gesamtsumme der Gewerbeerträge im ganzen Reich wird für das Jahr 1936 auf 7' '.. bis 8 Milliarden Mark geschätzt. Wenn die Reichsgewerbesteuer dasselbe Gesamtaufkommen erbringen soll wie die bisherigen .Gewerbesteuern der Länder, so wird eine durchschnittliche Gesamtlast von 1 0 Prozent des Ge Werbeertrages den Btsteue-ungssätzen zugrundegelegt werden müssen. Dadurch würde sieh ein Ocsamtaufkömmen der künftigen Reichsgewerbesteuer in Höhe von 750 bis S00 Millionen Mark ergeben. Für kleinere Gewerbcerträge (solche bis zu 24 000.— RM.) sind besondere Abschläge vorgesehen, sodaß deren Belastung höchstens 5—6 Prozc.-nt des Gewerbcertrages ausmachen dürfte. Für die Z w e igs tle 11 e h gewerblicher Unternehmungen dagegen ist eine erhöhte Belastung in Gestalt einer Filials teuer geplant. Doch ist auch hierüber die letzte Entschei-' duni: wohl noch nicht gefallen. Die Handwerker-Konferenz in Zürich Eine internationale Handwerker-Konferenz, auf der fast alle maßgebenden europäischen Länder vertreten waren, tagte in Zürich und nahm zu einer Reihe wichtiger Handwerksfragen Stellung. Beschlossen wurde ein Austausch von Handwerksgesellen auf internationaler Grundlage. Die hierzu angenommene Entschließung hat folgenden Wortlaut: ..Die Vertretungen der Handwerkerorganisationen von Dänemark. Deutschland, Frankreich, Italien, Lettland, Luxemburg. Norwegen; Gesterreich, Schweden, Schweiz und Ungarn sind sich der hohen Aufgabe des Handwerks, für die Ausbildung des gewerblichen Nachwuchses Sorge zu tragen, bewußt und wünschen in Fortsetzung alter Handwerkssitten zur Förderung der beruflichen Ertüchtigung der Handwerkerjugend grundsätzlich einen Austausch von Handwerksgesellen von Land zu Land, da sie mit Bedauern feststellen, daß das freie Gesellenwandern über die Landesgrenzen hinaus angesichts der heutigen Verhältnisse noch nicht möglich ist. Sie verfolgen damit den Zweck, die Entschlußkraft und die Charaktereigenschaften ihrer Handwerker zu fördern und zu vervollkommenen, in der Gewißheit, damit zu einer immer besseren Verständigung und Verwirklichung des Geistes der Zusammenarbeit zwischen den Völkern beizutragen". Ferner beschäftigte sich die Konferenz eingehend mit dem zukünftigen Austausch von Handwerkserzeugnjßsen zwischen den einzelnen Ländern. Für diesen Austausch sollen vor allem Spitzenleistungen und Sondererzeugnisse des Handwerks in Betracht kommen. Für jedes Land soll ein Katalog dieser Erzeugnisse hergestellt werden, eine Aufgabe, mit der das internationale Zentrum zum Studium der Verhältnisse des Handwerks in Rom betraut wurde. Weitere in dieser Richtung liegende Schritte wie die Beschickung von Ausstellungen und Messen, die Aufnahme der Handwerkserzeugnisse in die Zolltarife u. a., wunden ins Auge gefaßt.