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Der jüdische Handwerker · 1936-10-01 · 10 (10.1936) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
28 (1936)
Issue
10 (10.1936)
Date
1936-10-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Darauf kam es aber nicht an, vielmehr ^vurde der entscheidende Wert stets auf deiii Erfolg der Arbeit und ihre produktive Wirkung, niemals aber auf ein glanzvolles Hervortreten in der Oeffcntlichkeit gelegt. In aller Bescheidenheit, nur auf unsere positiven Leistungen hindeutend, sind wir unaern Weg gegangen Mit uusern wesentlichsten Aufgaben haben wir die Betreuung der Jugend als eine Verpflichtung ihr gegenüber empfunden. Die Lehrstellenfrage, Beaufsichtigung und Beratung während der Lehrzeit, Lehrmittelbeschaffung, nicht zuletzt aber auch die soziale Fürsorge stellten gern erfüllte und dankbare Aufgaben dar. In früheren Jahren fand regelmäßig eine vollkommene Einkleidung von etwa 50 bedürftigen Lehrlingen anläßlich einer feierlich aufgezogenen Chanukkahfeier mit Bewirtung statt. Die Freude, die die Ueberreichung einer völlig neuen und kompletten Ausstattung, an der nichts fehlte, bei den damit Bedachten erzeugte, kann nur der ermessen, der 'einer solchen Feier selbst beigewohnt hat. Aber auch die Kollegen wurden nicht vergessen, die durch hohes Alter in der Ausübung ihres Berufes behindert, auf unsere wenn auch nur beschränkt mögliche Hilfe angewiesen waren. Unterstützungen zu besonderen Anlässen oder zu Rausch haschonoh erleichterten ihre bedrängte Lage und gaben ihnen die Erkenntnis, daß das alte Solidaritätsgefühl auch in unserm Kreise im vollen Maße vorhanden ist und praktische Anwendung findet. Die Einrichtung der Verbandssterbe kasse, die in der früheren Form nicht mehr besteht, half den Hinterbliebenen über die erste schwere Zeit hinweg. So waren durch Schaffung besonderer innerer Einrichtungen vorsorgliche Maßnahmen getroffen, die allen Mitgliedern, die ihrer bedurften, im vollen Umfange zugute kamen. Doch die Zeitereignisse erweiterten unsern Aufgabenkreis ganz wesentlich. Zunächst war es ejn dringendes Erfordernis allen denen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, die in ihrem Beruf wurzellos geworden, nunmehr einen neuen Weg suchten, der ihnen eine wenn auch bescheidene Existenzgrundlage sicherte. Die Frage der Berufsumschichtung > stellte uns vor gänzlich neue, bisher nicht bekannte Aufgaben. Erst jetzt trat die Erkenntnis der ungesunden Berufsstruktur unter den Juden, auf die wir seit Jahrzehnten in Wort und Schrift unausgesetzt hingewiesen und für deren Besserung, wir gekämpfthaben, in ihrer ganzen Schwere in Erscheinung. Vom handwerklichen Standpunkt aus gesehen konnten wir uns mit der viel zu kurzen Ausbildungsdauer in der ersten Zeit nach dem Umbruch nur äußerst ungern einverstanden erklären. Ausschließlich die menschliche Seite und der Wille auf jeden Fall zu helfen zwangen uns geradezu unsere Bedenken zurückzustellen. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben in aller Deutlichkeit gezeigt, daß man diesen Umschichtlern nicht das fachliche Rüstzeug gegeben hat, das sie zur Erlangung einer Existenz im Ausland benötigen. In den meisten Fällen haben sie der qualifizierten Konkurrenz nicht standhalten können. So hat sich seit geraumer Zeit unser Standpunkt durchgesetzt, daß nur durch eine planvolle, auf bestimmte Zeit angesetzte Ausbildung Er/olgsmöglichkeiten für die Beteiligten erreicht werden können. Heute sind die überall bestehenden von der Reichsvertretung und den Gemeinden eingerichteten Umschichtungswerkstätten Einrichtungen, die sehr wohl in der Lage sind, die erforderlichen Kenntnisse zu vermitteln. Eine besondere Aufgabe, ja fast ein Problem ist die berufliche Eingliederung unserer Jugend, die fast ausschließlich den verschiedenen Zweigen des Handwerks zustrebt. Bei der als bekannt anzunehmenden Tatsache, daß die zur Verfügung stehenden freien Lehrstellen bei weitem nicht ausreichen, um alle Bewerber ordnungsmäßig unterzubringen, ist das Erfordernis der Einrichtung besonderer Lehrwerkstätten für die wesentlichsten Berufe der Holz- und Metallbearbeitung entstanden. Diese Lehrwerkstätten unterscheiden sich von den bestehenden Umschichtungsstellea für ältere Teilnehmer dadurch, daß sie die Einzellehre sowohl in Bezug auf die Ausbildungsart und -Dauer ersetzen iund nur für Schulentlassene, die vor der Berufswahl stehen, in Betracht kommen. In allernächster Zeit wird eine unter der Trägerschaft der Berliner Gemeinde stehende, auf unsere Veranlassung ins Leben gerufene Schlosser-Lehrwerkstatt unter unserer Aufsicht als erste derartige Einrichtung eröffnet werden. U Nicht alle unsere Funktionen lassen sich im Rahmen ■ eines kurzen Berichtes zusammenfassen. Neben der Heraiisgabe unserer Broschüre „Handwerk im Judentum-, der Erläuterung z u r 1 e t z t e n H a n d w t r k c r - V e r - Ordnung, des bekannten M.i t g I i c d e r -V e r - z e i c h n i s s e s, der Veranstaltung v o n . S t a m m - t i s c h - A b c n d e n wurde die G e s c h ä f t s s t e 11 e bei Beratung aller das Handwerk betreffenden und anderer Fragen in außerordentlichem Umfange in Anspruch genommen. In aller Bescheidenheit dürfen wir .feststellen, dali wir allen Anforderungen gerecht werden konnten und kein Ratsuchender ergebnislos von. uns gegangen ist. Wir-haben be-. sonderen Wert darauf gelegt, alles Instaiizenmäßige zu veYmeiden und möglichst /unverzüglich zu hellen Die .Zeit unserer Besucher ' haben wir - respektiert und niemand warten lassen,' vielmehr standen wir jedem, der uns aufsuchte, zu jeder Zeit und mit selbstverständlicher Zuvorkommenheit zur Verfügung. Nicht unerwähnt aber darf unsere .Verbandszeitung bleiben, die sich in den letzten zehn Jahren aus einem kleinen Vereinsblättchen zu der einzig vorhandenen gern gelesenen Wirtschaftszeitschrift > entwickelt hat. Sie ist bemüht,' ihre Leser über alle wissenswerten und aktuellen Fachgebiete zu unterrichten. Die ständige Rubrik ,,Existenz- und Niederlassungsmöglichkeitcn" hat den gewolltenZweck durchaus erreicht und vielen geholten Dank der gütigen Mitwirkung einiger ehrenamtlich tätiger Herren aus dem Mitgliedskreis, denen an dieser Stelle bestens gedankt sei, nimmt unsere Zeitschrift zu Fragen des allgemeinen Rechts, des Steuerrechts sowie des Auswanderungs¬ und Devisenrechts informierend Stellung. Aber auch den treuen Mitarbeitern in der Geschäftsstelle, die zur Bewältigung unserer Aufgaben wesentlich beigetragen, haben, bringe ich bei dieser Gelegenheit meinen besten Dank zum Ausdruckleh möchte diesen Bericht jedoch nicht schließen, ohne den Männern gedankt 'zu haben, an deren Seite ich während dieser 10 Jahre arbeiten durfte und die mit der ganzen Kraft ihrer Persönlichkeit, mit reichen Erfahrungen, mit tiefem Verständnis und unendlicher Liebe zur Sache diese Arbeit gelenkt lind befruchtet haben, den Herren L o u i s W o 1 f f und Wilhelm Marcus. Nur dem Glück der Zusammenarbeit mit diesen Männern ist es zu danken, daß wir eine von allen Seiten des jüdischen Lebens anerkannte Arbeit zum Wohle des jüdischen Handwerkerstandes und damit zum Segen unserer Gemeinschaft leisten konnten Zur Frage der Arbeitsvermittlung 9. 1936, Nr. 487-488, Die „Frankfurter Zeitung" vom 23 bringt folgende Mitteilung: Auch die Arbeitsvermittlung kirchlicher Verbände ist untersagt. ' Wie aus einem Schreiben des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung an den „Zentralausschuß für Innere Mission" hervorgeht, ist den konfessionellen Verbänden, die als einzige Träger, der nicht gewerbsmäßigen Arbeitsvermittlung außerhalb der Reichsanstalt noch übrig geblieben waren, die Vermittlung vollarbeitsfähiger Personen verboten worden. (Die Tatsache war früher schon für den „Deutschen Caritasverband" mit-_ geteilt worden). Den von der Ablehnung betroffenen Einrichtungen wird zur ordnungsmäßigen Abwicklung ihrer Geschäfte eine Frist bis zum 31. Dezember 193b gewährt. Innerhalb dieser Frist dürfen Arbeitsgesuche volleinsatzf.itiiger Personen, die den Einrichtungen bis zum 31. Juli 1036 zugegangen sind, erledigt werden. Den Anträgen aüf Erteilung von Aufträgen zur Arbeitsvermittlung, Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung für nicht vollarbeitseinsatzfähige Personen, für die sie als gesetzliche Vertreter oder Erziehungsbeauftragte bestellt sind, wird vorläufig bis zum 31. Dezember 1936 stattgegeben werden. Zut^ler Notiz teilt die Presseabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland folgendes mit: Diese Regelung findet grundsätzlich auch auf die bisher bestehenden jüdischen Arbeitsnachweise Anwendung. Jedoch ist auch den jüdischen Arbeitsnachweisen eine Auslaufsfrist . gewährt worden, innerhalb deren offene Stellen wie bisher entgegengenommen und die eingetragenen Arbeitssuchenden vermittelt werden dürfen. Die Einzelheiten der künftigen Regelung werden sobald als möglich bekanntgegeben werden INHALTSVERZEICHNIS; Handwerk oder Handel? Dr. Hugo Nathansohn Jüdische Winterhilfe 10 Jahre in der Verbandsarbeit Erich saiin0«r Zur Frage der Arbeitsvermittlung Handwerkerfragen Auswanderungs* und Devisenrecht or Heinz Cohn Existent- und Niederlassungsmöglichkeiten Das tägliche Recht / Steuerecke Beilage „Der jüdische Mittelstand" 5

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