Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Handwerker · 1936-10-01 · 10 (10.1936) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
28 (1936)
Issue
10 (10.1936)
Date
1936-10-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6492337-5771096-5771216--331-4883904
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seelische Winterhilfe In den Klein- und Miftelgemeinden vereinigten die jüdischen Feste Spender und Hilfsbedürftige zu gern e in s a m e n Feiern, die von den Gemeinden getragen wurden. Auch die Werbeveranstaltungen für die Jüdische Winterhilfe haben besonders in den Kleinuiid Yiitielgemeindeu Mensehen zusammengebracht, die schon längere Zeit hindurch zu keinem Erlebnis der jüdischen Gemeinschaft gefilmt werden konnten. fii den GroSgemeinden w urde bei Konzerten, V die großen konstruktiven Aufgaben jüdischer Hilfe und jüdischen Aufbaues hier und in Paläst na ungeminderte Bedeutung behalten. Sonderveranstal tu ugeu orfür die bedacht, dar) auch der notleidende Mensch als materielle Bedürfnisse hat. Es ist daran diese „Seelische Winterhilfe" im W interhilfe für die Kleintrag 'Veranstaltungen, kinc er andere gedacht. zweiten Jahre der Judischen gemeinden zu verstärken. Ahl Schluß des Rechenschaftsberichtes wird all denen Dank gesagt, die durch den Einsatz ihrer Person oder ihrer wirtschaftlichen Mittel das Zustandekommen der jüdischen Winterhilfe ermöglicht haben. Die Jüdische Winterhilfe ist das W erk jüdischer Hilfsbereitschaft, an dem alle Juden gleichmäßig teilgenommen haben. Sk hat den größten Personenkreis erfaßt und das höchste Spendenergebnis erzielt, das bisher die jüdische (iemeinschaftsarheit in Deutschland erreicht hat. In diesem' Winter werden die Aufgaben noch Schwerer sein, weil die Not gestiegen ist, und die Zahl der Menschen, die noch helfen können, immer kleiner wird. Umso größer ist die Verpflichtung aller derer] denen die Möglichkeit des Helfens geblieben ist. IJabei muß bei der Durchführung der jüdischen Winterhilfe Klarheit darüber bestehen, daß daneben im Am Sonntag, den 11. Oktober, fand in goge Prinzregentenstraße die feierliche Eröffnung der jüdischen statt. Von künstlerischen Darbietungen des des Jüdischen Kulturbundes Berlin unter I Hans Wilhelm Steinberg umrahmt, hielten dent der Reichsvertretung der Juden in Rabbiner Dr. Leo Baeck, und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Direktor Stahl, Ansprachen. Die vom Herrn Rcichsbeauftragten für hilfswerk genehmigten Richtlinien für die Winterhilfe liegen vor und decken sich liehen mit denen des Vorjahres. Auch im W inter werden Nahrungs- und Genußmittel, stücke und Kohlen zur Verteilung gelangen teilung der Kohlen erfolgt w ie im Vorjahre von Kohlengutscheinen, die die Winterhilfswerks des deutschen Volkes Umfange zur Verfügung stellt, w ie sie die Hilfswerk des deutschen Volkes betreuten tigen erhalten. Auch die Aufbringung der folgt im wesentlichen nach den für das werk des deutschen Volkes geltenden zwar durch monatliche Geldspend topfspenden, Pfundsammlungen. Der Appell an die Opferbereitschaft der unserer Gemeinschaft darf auch in diesem ungehört verhallen. Wir wissen, daß der dischen Winterhilfe auch in diesem Winter Juden in Deutschland gehört werden wird ler Svna- Wintbrhilfe Orchesters eitung von ler Präsi- Deutschland, Vorsitzende der Heinrich das Reichsfüh rung Winter- Jüdische wesentk^mmenden (leidungs- Die Vertuf Grund des gleichen vom Winter- HMfsbcdür'f- Mittel er- Wpnterhilfs- Grund^ätzen und n, Ei ff « Ruf Menschen ahr nicht der jüvon allen 10 Jahre In der Verbandsarbelt von Erich Salinger Am ] \<>\ einher d. Js. jährt sich der Tag, an dem der Schreiber dieser Zeiten seine Tätigkeit al~ Geschäftsführer des Hajulw crkcrvcrbandcs aufnahm in Jahre, eine Zeit, die im Weltgeschehen nichts bedeutet, 'gibt im Erleben des Ein/einen oder einer Gemeinschaft berechtigten Anlaß, einen Rückblick auf die Entwicklung der Dinge /u tun, die sich wahrend dieser Zeit ereignet haben Erst Hl Jahre und doch gedenkt man in wehmütiger Erinnerung der •guten alten Zeit, die mit innerer Ruhe \ erle u, Freude an der Arbeit brachte. Die auch damals großen Aufgaben, die der Handwerkerverband zu erfüllen hatte' konnte in planvoller aufbauender Arbeit, gestützt auf wdhMurchdachte Anregungen und Beschlüsse der Verbandstagurjgen zur Durchführung gelangen. Wenn heute jüdische Darlehnskassen und Kredit i fi s t i t u t i o n e n in fast allen größeren Orten im Reiche In stellen, so is-t der in diesen Jahren durchgeführte Ausbau auf Forderungen unseres Verbandes zurückzuführen, die weit vorausschauend schon frühzeitig erhoben worden sind. Und we,nn man sieh heute die Geschäfts- und Rechenschaftsberiente dieser Institutionen ansieht, so kann man mit Befriedigung feststellen, dal! durch diese Maßnahmen tausenden schwer um ihre Existenz ringenden berufstätigen jüdischen Menschen aus allen Berufszweigen weitgehende produktive Hilfe zuteil geworden ist. Nicht gering ist die Zahl derer, die ihre geschwächte wirtschaftliche Position durch diese finanzielle Hilfeaufrecht erhalten, ja sogar weiter ausbauen konnten. wer von den älteren Mitgliedern erinnert sich nicht mehr der Kämpfe, die bereits vor Jahrzehnten um die Anerkennung der Rechte des jüdischen Handwerkerstandes innerhalb der Gemeindekörperschaften geführt worden sind Die vom Verband herausgegebene Broschüre ..Handwerk im Judentum, die eine Sammlung von Aub/ügen aus Reden des Kollegen Louis Wolff darstellt, legt von diesem Kampf beredtes Zeugnis ab. Was heute — wohl auch infolge der veränderten Zeitvernältnisse Selbstverständlichkeit gew orden ist, mußte damals mit Energie und Einsatz, der ganzen Persönlichkeit mühsam genug errungen werden. Der Kampf um die Idee und der Einsatz der Sache wegen wurde getragen von kollegialem Empfinden und tiefem Verständnis für die jeweilige Situation. Dieses kollegiale Empfinden und persönliche Verstehen bestimmte auch den Geist, in dem die Mitgliederversammlungen in früherer Zeit abgehalten wurden. Jeder Kollege erwartete freudig die Einladung zur moratlich stattfindenden Mitgliederversammlung und ließ es sich nicht nehmen, sich an diesem Abend im Sitzungssa d des Gemeindehauses, Rosenstraße wie eine große Fan ilie zusammenzufinden. Sie kamen zu bestimmter Zeit unl so regelmäßig, daß die Führung der Anwesenheitsliste eigentlich überflüssig war. Jeder nahm nach Begrüßung der Kollegen, die sich alle kannten, seinen gewohnten Platz tin und sobald der allerseits geschätzte Vorsitzende Kollege Wolff das Glockenzeichen gab, lauschten alle andächtig, damit ihnen kein Wort seiner Ausführungen verloren gehe. Wichtige und interessante Themen wurden in Vorträgen ' behandelt, Fach- und Berufsfragen besprochen und diskutiert, auch die notwendige gesunde Opposition, die sehr oft zur Belebung erheblich beitrug, fehlte nicht. So wurde| bei ernster Arbeit ein kollegiales und freundschaftliches Verhältnis der Mitglieder untereinander erreicht. Diese Kollegen; die unserm Verband die" Treue oft seit Jahrzehnten gehalten haben und regen Anteil an allen Vorgängen nahmen, zählen fast ausnahmslos auch heute noch zu den besten Anhängern unserer Organisation. Sie haben im Gegensatz zu vielen andern schon weit vor dem Jahre 1933 die Notwendigkeit des Zusammenschlusses gleichgesinnter Menschen aus dem eigenen Berufskreis erkannt. Was wir in Berlin selbst erlebten, konnten wir bei den Verbandstagungen auch bei allen Ortgsrupp.en mit Befriedigung feststellen. Bei allen Brudervereirien fanden wir das gleiche Bild. Männer, die treu und unbeirrt ihre Gemeinschaftsarbeit verrichteten und es verstanden, das Band der Kollegialität immer fester zu knüpfen. Die Verbandstagungen mit ihren in aller Oeffentlichkeit abgehaltenen Kundgebungen, an denen namhafte Persönlichkeiten der Behörden, Berufsvertretungen, Gemeinden und viele andere mehr teilnahmen, waren besondere Lichtblicke im Laufe der täglichen Arbeit; die dort gefaßten Beschlüsse aber richtunggebend für die kommenden Aufgaben. Die Größe dieser Aufgaben und der Umfang der zu leistenden Arbeit stand wohl im Gegensatz zu der Bescheidenheit der früheren Geschäftsstelle sowohl in Bezug auf die Räumlichkeiten, als auch auf die personelle Besetzung. 4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.