Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Handwerker · 1936-09-01 · 9 (9.1936) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
28 (1936)
Issue
9 (9.1936)
Date
1936-09-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6492337-5771096-5771214--309-4883884
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

9Raf>nen, ofjne toct) au tun Die redlichsten Bemühungen tli-s Geschäftsmannes um seine Kunden können zunichte werden, wenn aus dem Kunden ein Schuldner wird. Unterscheidet der Geschäftsmann zahlungsfähige (gilt* oder böswillige) und „faule" Schuldner, so kennt auch der Kunde grobe, rigorose und geschickte Mahner. Das Problem heißt: wie bekomme ich mein (ield herein, ohne meine Kunden zu verschnupfen, d. h. ohne sie in die Arme'der Konkurrenz zu treiben? Lassen wir die uns als faul oder zahlungsunfähig bekannten Schuldner beiseite, denn sie verdienen nichts anderes als scharf gemahnt zu werden, so sollen unsere Mahnschreiben drei Aufgaben erfüllen: 1. sollen sie uns möglichst schnell zu unserem Oelde verhelfen, 2. sollen sie die Feststellung der wahren Gründe des Nichtzahlens erleichtern' und i. sollen sie verhindern, daß das Band, das die Kunden mit uns verbindet, nicht gelockert, im Gegenteil, nach Möglichkeit befestigt wird. Eine Norm für die Anzahl der Mahnschreiben, die zu diesen Zielen führen, gibt es nicht. Iis gibt aber ein erstes und ein letztes Schreiben. Das erste, das angemessene ZeH nach Fälligkeit benutzt wird und dem Kunden die Mitteilung von der Fälligkeit macht, und das letzte, das mit dem schweren Geschütz auffährt, d. h. Zahlungsbefehl, Klage oder Abtretung der Forderung ankündigt. Dazwischen liegen mehr oder weniger Mahnungen, über deren Anzahl keine Kegel, sondern der Einzelfall entscheidet. Schon bei dem ersten Schreiben haben wir es in der Hand, einen moralischen Druck auf den Schuldner auszuüben, ohne daß wir ihn damit vor den Kopf Stoßen. Das geschieht am besten, indem man den Schuldner beim Gefühl packt, indem man. die bisher angenehme Zusammenarbeit, das persönliche Verhältnis und die Notwendigkeit, die eigenen Verpflichtungen erfüllen zu müssen, in den Vordergrund stellt. Dieser Briet wird zweckmäßig ergänzt durch die Bitte um Benachrichtigung, wann man mit Zahlung rechnen kann. Um g I e ic h z e i t i g die Bereitwilligkeit, mit dem Kunden weiterzuarbeiten, zum Ausdruck zu bringen, ist es ^anz besonders wirksam, diesem ersten ,,Mahnschreiben" eine Offerte anzuhängen oder beizulegen. Diese sollte dann aber nicht in allgemeiner, sondern in konkreter Form erfolgen. Also nicht: „ich halte mich Ihnen für spätere Fälle weiterhin bestens empfohlen", sondern besser durch den individuell gehaltenen Hinweis auf ganz bestimmte W aren oder Leistungen. Fruchtet dieses erste Schreiben nicht, so soll das nächste in eindringlicher Form zum Ziele führen. Will man auch hier noch den Knuden „zart" behandeln, so fragt man ihn nach den Gründen seiner augenblicklichen Zahlunjgsvcrzögerung und führt nochmals, diesmal aber deutlicher aus, daß sowohl die verspätete Zahlung wie auch das wiederholte Mahnen mit unverschuldeten Mehrkosten und Mehrarbeiten verbunden ist, was beides die gewissenhafte Kalkulation des Mahnenden nicht verträgt. Auch dieses Schreiben sollte zweckmäßig in verbindlicher Form gehalten sein. Reagiert der Kunde auch hierauf nicht, so hat dann der Lieferant schon ein moralisches Recht, etwas schärfer zu wc'rden. Hier kann ma'n schon gegenseitige Rücksichtnahme fordern- Auch hier noch könnte man von dem zukünftigen Zusammenarbeiten sprechen, wenn man die Ueberzeugung hat, daß sich der Kunde überhaupt noch „lohnt". Fordern Sie auf jeden Fall den Kunden auf, den Betrag nun umgehend einzuzahlen oder mindestens die Gründe der Verzögerung umgehend mitzuteilen, indem Sie ihm Verständnis für seine Situation zusagen. Fruchten aber diese drei Briefe in nicht befriedigender Weise, so gehen Sie zu ernsterer Tonart über, indem Sie dem Bedauern darüber, daß Ihre wohlwollenden Erinnerungen leider vergeblich waren, die Mitteilung hinzufügen, daß Sie dem Kunden die letzte Gelegenheit geben, ohne besondere Kosten seine Schuld zu begleichen und kündigest Sie ihm eine Nachnahme ari. Versagt auch dieser Brief, so könnten Sie gleich einen Zahlungsbefehl gegen den Schuldner erlassen. Es empfiehlt sich jedoch (im Falle, daß der Kundespäter wieder „interessant" wird) die Forde rlung abzutreten. Schon die Ankündigung der Abtretung Ihrer . Forderung zeigt d?m Schuldner, was nun folgtj aber die Form ist bei gleichem Effekt milder als das klagbare Vorgehen. Dieser letzte Brief braucht auch nicht unbedingt grob zu sein. Er erfüllt genau den gleichen Zweck, wenn Sie dem Kunden hoflich und verbindlich mitteilen, daß Ihnen ja gar nichts anderes übrig bleibt, obwohl Sie seine Kundschaft schätzen. Recht unangenehm wird der Gang der Mahnung gestört, wenn der Kunde tnach anfänglichem Bezahlen in Teilbei trägen wiederum im Verzug bleibt und jede Mahnung j mit der Zahlung yön kleinsten Paten beantwortet. Viele Schuldner wollen hiermit entweder berechtigt oder auch nicht ganz aufrichtig den guten Willen zum Zahlen bekunden. Hier muß der Gläubiger einhaken! Sonst werden die Verluste oder Schädigungen untragbar. Wird die Methode erkannt, so sollte der Gläubiger versuchen, einen festen Zahlungsplan zu verabreden, oder er muß sich so verhalten, als wären keine Teilzahlungen erfolgt, also die Dringlichkeit der Mahnung steigern. Mahnungen mittels Fernsprecher haben fast liehen Erfolg. Bei hartgesottenen Schuldnern für den Mahnenden doch fast immer „außer I die Mitteilung, daß man die Quittung ..mit fruchtet bei fehlendem Zahlungswillen nichts. Im Geschäftsverkehr mit guten Kunden, zi denen längere und freundschaftliehe Beziehungen bestehen, ist je doch die telefonische - Unterhaltung zum sierenkönnens wesentlich verbindlicher al mahnendem Charakter. Man darf 'nicht daß im geordneten Geschäftsverkehr alle Sehn werden, und daß sie auch später immer mal Kunden zu Gesicht kommen. Mahnschreiben nur anfing- Ist der <th«l attse". Auch 1 orbeischlckt, I IHMUiUI, im jen Zwtjck iles Kass ein Schreiben mit außer acht lassen, ibt-n abgelegt wieder dem im Ordner können mitunter jahrelang du.- werblichen Bemühungen de: nn sie Lieferanten zunichte machen, selbst dann, wt zu recht bestehen. Um dort, wo sie unvermeidbar nicht dauernd die Stimmung, ungünstig zu beeijlf)i$ssen, jede Schlußzahlimg, wenn sie nicht' gerade auf weg hereinkommt, mit Dank und verbindlichen quittiert werden. In diesem lalle wäre jt fortige Offerte von abschwächender Wirkung, i hat für die Zahlung ZU erfolgen und soll kein ein neues Angebot sein. Ein Tipp, wenn Ihre. Kunden p ü n k 11 i c völlig sind, sollte dem Klage- \\ orten dooh die soenn der Dank Vorwand für h zahlen! Jen korrekten Lieferant diese Obwohl die punktliche Zahlung fälliger Rechnungsbeträge ja nicht die Ausnahme sein soll, ist es für Kunden höchst angenehm zu hören, wenn serin Pünktlichkeit anerkennt. Deshalb sollte min es sich an gelegen sein lassen, die Quittung für eine geleistete Zahlung zum Werbemittel zu machen. Ein solcher Werpebrief könnt etwa folgendermaßen lauten: Sehr geehrter Herr Midier! Ich bestätige den Empfang Ihrer 14. Januar und freue 'mich aufrichtig prompt sie erfolgt ist. Dadurch haben mein Büro entlastet und mir Spesen mich geradezu verpflichtet, Sie auch in besonders -entgegenkommend zu bedienen kann ich bald das .Weine dazu heiträgen Schäftsverbindung noch enger zu knüpf f Mit bestem Dank usv\ Solche Briefe sind aber briefe) persönlich, nicht v sonst wirken sie nicht. Zahlung vom darüber, wie Sie nicht u u r erspart, sondern Zukunft ganz Hoffentlich unsere Geen. unbedingt (wie auch die Malm e r vI elf 'Sit i g t. F ri t i zu schreiben. Dresel. / Hechaluz Aus der Arbeit des deutschen Landesverbandes , Im Mittelpunkt der Arbeit des Hechaluz stand iii den letzten Wochen die Abwicklung der großen Alijah. Der Hechaluz schickt in diesen zwei Monaten ca. 1000 Menschen zur Alijah, 'die alle die Verpflichtung übernommen haben, zwei Jahrein der Landwirtschaft zu arbeiten. Von den dadurch frei gewordenen Hachschafahplatzen sind bereits 700 wieder besetzt worden. Außerdem wurde ein Teil der städtischen Hachscharah in ländliche Hachscharah umgewandelt. Verschiedene Bathe-Chaluz wurden aufgclös» und dafür Güterpachtungen vorgenommen. Die Snifim haben im allgemeinen keinen neuen Zustrom zu verzeichnen. Es kommen jedoch immer wieder einzelne Menschen, die ohne Konjunkturerwägungen meist nach langem Ringen sich zum chaluzischen Zionismus entscheiden. Der Hechaluz versucht mit Erfolg, durch Aufrufe und Zirkel neue Menschen zu gewinnen, die aus zionistischer Erkenntnis der Judenfrage heraus d^n Weg der Hachschar'ah gehen werden. ( Die kulturelle Arbeit wurde sehr intensiviert. Im Laufe der letzten 2 Monate haben 7 Pegischoth und 5 Seminare für die Glilim stattgefunden; außerdem 8 Treffen von Alijah- Kibbuzim.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.